Bilanz: Nach dem Ortswechsel


Auszug vom 4. März Hoffnung vs Alltag . . . (akt1) :

„Am 9. Februar 2012 wird dieser Kreis geschlossen werden. An diesem Tag werde ich nach Frankfurt umziehen.“

Heute (4. März 2012) 3 Wochen nachdem ich in meiner neuen Wohnung lebe, muß ich – mittlerweile kann ich s wieder – bei dem letzten Satz grinsen:

“Es ist eine völlig neue Erfahrung für mich das ich dem Schließen eines Kreises mit Spannung, Neugier und Freude entgegensehe.”

Statt dessen sage ich heute: Ich werde die Herausforderungen, die mit dem neuen Kreis einhergehen auf und annehmen. Ob es einen “alten Kreis” zu schließen gibt, ob es überhaupt ein alter Kreis ist, da bin ich mir heute nicht mehr so sicher. Wenn dann wird es sich im Laufe der Zeit herausstellen. Tatsache ist das sich ein neuer Kreis öffnet. Ein Kreis der Veränderungen in meinem persönlichen Leben beinhaltet die in erster Linie mit meiner Gesundheit in Zusammenhang steht. Inwieweit mit diesen Veränderungen Freude einhergeht (vielleicht ist es auch an der Zeit mein Konzept von Freude mal zu überdenken oder ich mach Frühjahrsputz und entrümpel meine Schubladen), das kann ich heute noch nicht absehen. Erleichterungen im Alltag, das auf jeden Fall.

*

Gelernter Banker der ich nun mal bin mache ich heute mal das was Banker am Ende eines Geschäftsjahres machen. Ich ziehe Bilanz.

Mit der Entscheidungen umzuziehen trug ich zum ersten Mal bewußt meiner persönlichen Situation Rechnung. Mit dem Umzug waren Hoffnungen und Erwartungen auf eine Verbesserung meiner pers wie auch meiner familiären Situation verbunden.

Familiäre Situation:

Im Juni 2011 stand fest das meine Mutter aus ihrem Haus in dem sie 50 Jahre ihres Lebens lebte ausziehen und in ein Altenpflegeheim in Frankfurt am Main umziehen wird.  Dieser Umzug war für sie ein schmerzhafter Prozeß wie ich ihn selten bei einem Menschen erfahren habe. Es ist völlig unmöglich einen alten Menschen der die Entscheidung seine liebgewonnene Umgebung nicht freiwillig trifft in ein Altenpflegeheim umzuziehen an solch einen entscheidenden Einschnitt, Abschnitt seines Lebens langsam und behutsam heranzuführen. Ganz besonders nicht wenn man weiß wie die systemisch politisch bedingten Rahmenbedingungen, die Pflegesituation ist. Das Wort Katastrophal ist da noch eine Untertreibung. Wer etwas anderes kommuniziert ist entweder ein Politiker oder ein Mensch der an den Weihnachtsmann glaubt, was in beiden Fällen auf das Gleiche herausläuft.

Mit dem Umzug meiner Mutter war auch die Auflösung und Abwicklung ihres Hauses verbunden. Was meine körperliche Situation betrifft so war der Zeitpunkt für diese Aktion das was man Umgangssprachlich als 5 Minuten vor Zwölf bezeichnet. Der Umzug meiner Mutter in ein Altenpflegeheim nach Frankfurt spielte bei meiner Entscheidung nach Frankfurt zu ziehen mit eine Rolle.

Persönliche Situation:

Meine körperliche Situation hatte sich seit 2011 zunehmend verschlechtert. Das Aufstehen von einer normalen „Bett-UbahnStrassenBahnBus-SitzStuhlhöhe“ wie auch das Einkaufen – Laufen, die üblichen Arztbesuche in Frankfurt, der Besuch meiner Mutter in dem Altenpflegeheim fiel mir zusehens schwerer. Schon 2010 zeichnete es sich ab das ich Hilfe benötigen werde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch die Hoffnung da ich Mitglied bei der AIDS Hilfe Darmstadt war das man mir im Rahmen der üblichen Angebote einer AH helfen würde. Diese Hoffnung hatte sich aber zerschlagen. Insofern war mein Umzug nach Frankfurt die naheliegende Entscheidung.

Ich weiß nicht alles aber ich weiß wo bzw wie ich an die Informationen komme die ich benötige. Im Laufe der Jahre hatte ich mir ein gutes und umfangreiches Netzwerk zugelegt. Die AIDS Hilfe Frankfurt hat mir nicht nur was meinen Zuzug nach Frankfurt betrifft den Weg geebnet sondern es bestand die Möglichkeit das ich die Hilfe des zu diesem Zeitpunkt noch existierenden Pflegedienstes der AH Frankfurt den Regenbogendienst in Anspruch zu nehmen. Diese 10 Monate die ich die Hilfe des Teams des Regenbogendienstes in Anspruch nehmen durfte waren schlicht und einfach „Klasse“. Das damalige Team wie auch die Mitarbeiterinnen des Sozialrathaus Sachsenhausen waren mir bei der Antragstellung meiner Pflegestufe behilflich. Besonders der menschliche, unkomplizierte Kontakt und die Hilfe die ich durch die Damen des Sozialrathaus in Sachsenhausen erfahren habe hat mich echt von den Socken gehauen. An Letzterem hat sich bis heute auch nichts geändert.

Das ich kein einfacher Mensch bin dessen bin ich mir bewußt. Und sollte ich es mal vergessen mein japanischer Freund erinnert mich jedesmal wenn wir uns begegnen auf seine liebevolle Art: „Oh here comes my most complicated friend. Very nice to see you.“

Soll

Das Ende des Regenbogendienstes bedingte es das ich die Hilfe eines neuen Pflegedienstes benötige. Das Angebot des Frankfurter Verbandes und das Folgende was meinen Alltag betrifft ist mit einem Titel eines Theaterstückes von Shakespare am besten zum Ausdruck gebracht: Much Ado About NothingViel Lärm um Nichts

Dies trifft auch für das Angebot zu die Vermittlung bzw Kontaktaufnahme zu einem EhrenamtlerIn durch den Frankfurter Verband in Anspruch zu nehmen obwohl ich nicht mehr den Pflegedienst in Anspruch nehme. Auch hier: Much Ado About NothingViel Lärm um Nichts

Als es sich abzeichnete das der Regenbogendienste nicht mehr weiter geführt werden wird hatte ich u.a. Kontakt zum psychoszialen Dienst der AH Frankfurt aufgeommen. Während eines Hausbesuches wurde damals geäußert das möglicherweise nach dem Ende des Regenbogendienstes Hilfe zu erhalten möglich sei. Damals hatte ich u.a. einen Mitarbeiter gebeten einen Termin für mich in die Wege zu leiten. Einige Tage später hatte ich mir die Sache aber nochmals überlegt und den Termin „selbstständig“ geändert. Trotz des mehrmaligen Versuches den Mitarbeiter zu informieren war es mir nicht möglich ihn zu erreichen. Als ich ihn später erreichte flippte er völlig aus. Was mir den einfallen würde einen Termin abzuändern wo er sich soviel Mühe gegeben und sich für mich eingesetzt hätte. Ein Wort ergab das Andere. Das Ende vom Lied war sinngemäß sein Spruch. „Dir werden wir zeigen wer am längeren Hebel sitzt.“Den „längeren Hebel“ erfahren ich heute noch. Anders kann ich es nicht bezeichnen. Das einst gute Verhältnis – ich kenne die AH seit dem ersten Tag von 1986 – existiert nicht mehr. Mittlerweile hat sich eine Art „Eiszeit“ entwickelt. Rückrufe – Fehlanzeige. Pragmatische Hilfe im Alltag – Fehlanzeige. Ich würde gerne das eine oder anderer Angebot der Basis wie Teilnahme am Regenbogenfrühstück in Anspruch nehmen. Aber ohne einen Fahrdienst, ohne das man mich zu Hause abholt und auch wieder zurück bringt ist mir dies nicht möglich.

Klärungsbedarf seitens der AH Frankfurt = Null. Kritik an der Sache wird persönlich genommen bzw es werden sich Schuhe angezogen die für andere bestimmt waren und sind.

Hilfe durch die AH Frankfurt? . . . Mal schaun. Noch ist das Ende des Monat Mai nicht gekommen . . .

Haben

Wie sieht mein Alltag heute aus:

Dienstag und Donnerstags Vormittag greift mir das Team des Pflegedienstes „Sanitas“ unter die Arme. Sanitas hat nach der Auflösung des Regenbogendienstes einige MitarbeiterInnen des Teams übernommen. Fazit: Besser konnte ich es nicht treffen. An diesen beiden Tagen erledige ich u.a. meine Einkäufe

Dienstag und Donnerstag Nachmittag nehme ich jeweils die Hilfe einer Physiotherapie in Ansoruch. Zu diesem Zweck werde ich von einem Taxiunternehmen abgeholt und wieder nach Hause gefahren. Insbesondere die Kostenübernahme für die Fahrten wurde mir über die entsprechenden Anträge und das OK meiner Krankenkasse möglich. Diese Aspekte meiner pers Situation haben sich verbessert. Die Initiative jedoch ging einzig und alleine von mir aus.

Freitag ist „Muttertag“ wie ich es bezeichne. An diesem Tag besuche ich meine Mutter im Altenpflegeheim. Die Fahrten zu ihr wie auch die notwendigen Besorgungen die ich für Sie erledige kann ich als Betreuer in Absprache mit dem zuständigen Gericht abrechnen. Was die familiäre Situation betrifft die hat sich verbessert.

Mein Einkommen bewegt sich wie bei vielen Anderen auch in Höhe der Grundsicherung. Dies und da ich Kombileistung im Rahmen der Sachleistung der Pflegestufe in Anspruch nehme ermöglicht es mir die üblichen Routinearztbesuche einzuhalten. Zudem habe ich das Glück das ich eine Apotheke wie auch einen Obst und Gemüsehändler habe der mir das was ich benötige kostenfrei nach Hause liefert. Es sind oftmals Menschen die kein großes Gedöns machen sondern einfach nur helfen.

Ansonsten trifft auf mich das zu was man unter dem Begriff der Gentrifizierung versteht. Gentrifizierung geht imo weit über das am Stadtrand zu wohnen abgeschoben – zu leben hinaus. Teilhabe am sozialen Leben schließt unter Berücksichtigung der pers Situation d.h das Menschen die zwar noch zu Hause leben aber ansonsten körperlich eingeschränkt sind praktische Hilfe mit ein. Dies sind Abholdienste wie auch ganz konkrete Begleitung zu Spaziergängen und Einkäufen. Einladungen zum Kaffe trinken im Gemeindehaus um die Ecke nutzen da wenig wenn Du keinen starken Arm zum Einhängen auf dem Weg dorthin hast.

Auch dies ist eine der neuen Aufgaben der sich AIDS Hilfen stellen müssen – sollten. Frei nach Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber nur wenn Du über unser Stöckchen springst ist mit Sicherheit keine Haltung. Genausowenig wie eine Haltung von Mitarbeitern von „oben herab“ gegenüber derjenigen Menschen von denen die AIDS Hilfen letztendlich abhängig sind: Menschen mit HIV.

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