Bewältigungsstrategie

Vor einigen Tagen stellte jemand die Frage nach der Bewältigungsstrategie von HIV. Es würde mir nicht schwerfallen diese Frage mit einem Allgemeinplatz zu beantworten, doch da es genügend Bücher voll mit solchen Trivialitäten gibt überlasse ich es Anderen die sich dazu berufen fühlen mögen.

Die Antwort nach einer Bewältigungsstrategie ist so unterschiedlich wie sich Menschen durch ihre Persönlichkeit voneinander unterscheiden. Möglicherweise trifft eine These für alle Menschen mit HIV gleichermaßen zu. Solange eine Strategie für den Einzelnen stimmig ist, ist es in Ordnung.

Für mich pers ist die Frage so komplex zu beantworten wie die Tatsache das HIV heute differenzierter geworden ist als es noch vor 27 Jahren den Anschein hatte.

Unter dem Strich in einem Satz beantwortet: Durch n Haufen Arbeit – Reflektion. Diese „Strategie“ scheint für den Einen oder die Anderer auch Gültigkeit zu haben.

Gabriele T. hat vor etwa sieben Jahren von ihrer Infektion erfahren. Bei einer Routine-Untersuchung, wegen Schmerzen in der Speiseröhre. „Danach hatte ich ständig den Tod vor Augen“, sagt die technische Redakteurin, die heute 54 Jahre alt ist. Erst als sie sich mit der Krankheit intensiv auseinandersetzt, findet sie den Weg aus dem schwarzen Loch. Es hilft ihr, mit anderen zu reden. „Heute gehört HIV zu meinem Alltag. Durch den bewussten Umgang damit kann ich das Leben wieder genießen.“ Quelle: Süddeutsche.de: „Ich lasse mich nicht abdrängen“

Die ersten Jahre habe ich HIV verdrängt d.h. ich habe so weitergelebt als wär nix gewesen. Dann gab es eine Zeit wo ich mich hinter HIV versteckt habe i.e. ich habe HIV als Ausrede vorgeschoben wenn ich keinen Bock zu bzw auf was auch immer hatte.

Irgendwann habe ich dann bewußt „JA“ gesagt. Unabhängig wie ich HIV bewerte „HIV ist scheixxe weil . . . .“ oder „HIV ist gut weil sich so die Freunde wie die Spreu vom Weizen getrennt hat“, HIV ist ein Teil von mir. Bis auf eine Gürtelrose und ne PcP bin ich von HIV bezogenen Krankheiten verschont geblieben. Als ich 1997 mit den Medis angefangen habe, hatten mich die Nebenwirkungen in ne Depression geschickt. Da war HIV für mich sehr sehr präsent gewesen. Ein 12 wöchiger Aufenhalt in der psychosomatischen Abt. der Habichtswaldklinik in Kassel hat mir nicht nur geholfen sondern auch gut getan.

Mittlerweile bin ich 60 Jahre alt und meine Sichtweise hat sich wieder geändert. Ich bin seit bekannten 25 Jahren positiv. HIV gehört nun mal zu meinem Leben. Natürlich kann ich mich noch an die Zeit vor HIV erinnern. Da waren z.b. die für mich wilden (70ger) Jahre „Sorglos ficken bis der Arzt kommt“. Doch ich erfahre immer mehr das man auf Grund von Gewohnheiten die zum Alltag geworden sind, d.h. das der Alltag und die Bewertung der Routinen im Alltag, sehr schnell bereit wird das Leben in Schubladen zu unterteilen. „Das ist gut – das ist schlecht“, „das gefällt mir davon will ich mehr“, „das bedauere ich das ich es nicht habe bzw nicht haben kann, nicht mehr ausleben kann“. Je nach pers Gewichtung und Differenzierung fühle ich mich entweder gut oder schlecht.

Allerdings ist dies nicht gleichbedeutend damit das es nicht ne Menge im Leben gibt das mir Freude macht, das ich liebe. Ich (er) freue mich an Vielem was das Leben bereit hält, freue mich an dem was das Leben für mich wertvoll macht. Was das Leben für mich spannend macht sind Veränderungen. Die Lösungen zu finden sind so spannend wie auch mitunter ätzend bis ich sie gefunden bzw dann umgesetzt habe. Aber gut, In der Gen Küche hat mir der Genverteiler zu wenig DisziplinGene mit auf meinen Lebensweg gegeben oder ich hab zu lange am “ LustGenTopf“ verweilt.

Natürlich werde ich Dir was völlig anderes sagen wenn eine HIV bezogene Krankheit heute bei mir ausbrechen würde, aber das gleiche würde ich auch machen wenn wie vor ein paar Wochen geschehen mich eine Ischias Attacke gelähmt und erst mal für ne Weile zur Unbeweglichkeit verurteilt hat. Dies zusammen mit den diesjährigen WinterWetterbedingungen und Poblemen in den Füßen bedingte das ich kaum aus dem Haus ging weil die „Fallgefahr“ sehr groß war.

Zum Leben gehören Krankheiten. Wann sie kommen und vor allen Dingen um welche es sich handelt spielt im Grunde genommen keine Rolle.

Eine Antwort zu Bewältigungsstrategie

  1. Thomas Elias schreibt:

    Zu dem Thema habe ich eine Arbeit geschrieben. siehe im downloadbereich der AIDS-Hilfe Bremen e.v.

    http://www.aidshilfe-bremen.de

    Strategien der Bewältigung chronischer Erkrankung bei Menschen mit HIV/Aids
    Bachelorarbeit zur Bachelorprüfung an der Fachhochschule Münster,
    Fachbereich Sozialwesen (Thomas Elias)

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