anonyme 12 schritte selbsthilfegruppen – pro und contra (akt 3)


heute morgen so gegen 8.30 ging ich wie jeden samstag morgen um diese uhrzeit zum einkaufen auf den wochenmarkt. und wie des öfteren um diese zeit traf ich einen menschen der mir früher einmal sehr nahe stand. ein fröhliches “ hallo wie geht es dir“ blieb auch dieses mal unbeantwortet. mich mit anderen menschen die ich während der zeit als ich die meetings der anonymen gruppen besuchte und die mir nahe standen mich heute, da ich keine meetings mehr besuche „normal zu unterhalten“ ist völlig ausgeschlossen. von dem moment an wo ich sage das „nicht mehr in die meetings gehe, meine priorität, mein leben nicht mehr die gruppe bzw von der zugehörigkeit zu einer selbsthilfegruppe bestimmt wird „stimmt mit mir etwas nicht“. dies ist die haltung der meisten mitglieder. von menschen die einen rückfall haben und zum schutz der gruppe (von neuen wie auch alten mitgliedern) sich zu distanzieren ist nachvollziehbar. grundsätzlich findet sozial verhalten nur dann statt solange man die meetings besucht. mißtrauen, ausgrenzung und ablehnung von menschen die mir nahe standen und seitdem ich nicht mehr die meetings der anonymen selbsthilfegruppe besuche, weil ich nicht mehr ein teil der anonymen gruppe bin, ist an der tagesordnung. eine jahrelange freundschaft ist auch aus diesem grunde zerbrochen.

das erinnert mich an eine sendung von „zwei bei kallwass„. wenn du mich liebst sagte sie kommst du zurück zur gruppe der „aufrechten freunde“. und wenn ich nicht in die gruppe zurückkomme, liebst du mich dann nicht mehr? nein sagte sie, dann liebe ich dich nicht mehr.

früher das war zu einer zeit in der ich regelmäßig eine anonyme 12 schritte selbsthilfegruppe besuchte. ohne den besuch dieser anonymen gruppen, ohne die begegnung mit den menschen die in den treffen, genannt meetings zusammenkamen und mit mir ihre erfahrungen, ihre ängste, zweifel, sorgen und rückfälle, ihre guten und schönen erfahrungen, ihre strategieen wie sie alltagsprobleme ohne drogen zu nehmen bewältigten mit mir teilten, hätte ich es nicht geschafft mit dem „drogen nehmen“ aufzuhören. ohne diese menschen in den meetings wäre es mir niemals möglich geworden clean zu bleiben und ein drogenfreies leben wie ich es seit fast 18 jahren führe zu leben.

in diesen meetings traf ich zum ersten mal menschen die früher einmal drogenabhängig  waren. ich erinnere mich noch sehr genau an den tag im mai 1994 als ich in einer entzugsklinik war und eine dieser anonymen selbsthilfegruppe einen infoabend in der klinik veranstaltete. bis zu diesem tag wußte ich nicht das es überhaupt menschen geben könnte die in ihrem leben irgendwann einmal drogen genommen hatten und danach ein drogenfreies leben führen. wie sollte ich auch. da sich bis zu diesem zeitpunkt meines lebens, 27 jahren lang i.e. von 1968 – 1994, alles um das beschaffen und nehmen von drogen drehte kannte ich keine menschen die keine drogen nahmen. sie waren für mich nur insofern interessant da sie mir die möglichkeit geboten haben an ihre kohle zu kommen. darum ging es mir in diesen jahren meines lebens, darum geht es jedem drogenabhängigen auch noch heute: wie von wem beschaffe ich mir das geld für drogen die ich brauche um meinen alltag zu bewältigen“.

meine selbstachtung und mein selbstwert tendierten gegen null. mein selbstbewußtsein bezog ich einzig und allein aus den drogen. oder um es mit einer metapher zum ausdruck zu bringen: mit den drogen war ich alles – ohne drogen war ich nichts. allerdings war ich mir über das was „alles“ beinhaltet zu dieser zeit nur vage gewahr. das dieses „alles“ den aufenthalt in einem knast, und/oder der psychiatrie bzw einer entzugsklinik oder gar den tod beinhaltet dessen war ich mir bewußt. die lebensqualität wie ich sie damals unter dem einfluß von drogen verstand und glaubte das sie das maß aller dinge und somit erstrebenswert waren, eine lebensqualität die letztendlich in der sackgasse der menschlichen isolation, des abgetrennt sein vom leben war, das erkannte ich zu dieser zeit nicht. wie auch. unter drogen zu leben ist wie in einem nebel zu leben. oder unter einer käseglocke.

die anonymen selbsthilfegruppen bereiteten mir den weg der mich zurück zum leben führte.

„der viel größere und wichtigere Teil einer anonymen Gruppe – das “Teilen”, also reden, reden, reden – ist für mich und sehr viele andere Süchtige/Abhängige das hilfreichste, was es gibt. In den Meetings wird nämlich keine Alternative zu einer Therapie angeboten, keiner hilft einem aktiv, denn Kommentare sind nicht erlaubt. Man erzählt nur von sich und hört anderen zu.“ Quelle: Kommentar nr 72

dieser aspekt der anonymen gruppen steht für mich nach wie vor für das was Selbsthilfe ausmacht. der einzelne teilt mit anderen seine probleme, sorgen, ängste und LÖSUNGEN. dies zeigt mir das es andere lösungen als „drogen nehmen“ gibt. die lösungen sind individuell. durch konfrontation mit einem problem, der tatsache nicht vor dem problem wegzulaufen oder es wegzudrücken sondern sich einem problem zu stellen, es auszuhalten und sich zu hinterfragen ob/welche wege (außer der „lösung“ drogen nehmen) es geben könnte, das es möglich ist, das erfährt man von menschen die ihre erfahrungen in den meetings teilen. schon das allein war starker tobak für mich, glaubt doch jeder drogenabhängige er kann alles aus eigener kraft. er braucht niemand und vor allen dingen keine hilfe. dennoch diese „information“ hat mich während dieser infoveranstaltung der anonymen selbsthilfegruppe herausgefordert und bewirkt das ich mir sagte: „Was die können das kann ich auch„.

12 oder 13 jahre besuchte ich regelmäßig die meetings. ich fuhr auf konventions, engagierte mich in div organisatorischen komittees, nahm an infoveranstaltungen in krankenhäusern und psychiatrien teil etc. bildlich gesprochen lernte ich während dieser jahre wieder „alleine zu laufen“. in diesen jahren habe bzw wurde ich in die lage versetzt von und durch die teilnahme an den meetings der anonymen selbsthilfegruppen mir ein solides fundament zu errichten auf das ich mein leben neu aufbauen konnte. für diese möglichkeit, für dieses wie/das es möglich ist mir ein – mein fundament zu bauen dafür bin und werde ich bis an s ende meiner tage dankbar sein. das steht außer frage.

ein zentrales thema das sich wie ein roter faden durch alle meetings zog war das thema „dankbarkeit“ und „die anonyme gruppe als mittel um clean zu bleiben“.

„nur ein dankbarer süchtiger ist ein guter süchtiger“.

„nur wer regelmäßig (s)ein meeting besucht bleibt clean“.

diese kernaussagen hört man in jedem meeting. je länger ich clean war umso schwerer lagen mir diese „aussagen“ im magen.

was, so fragte ich mich passiert mit mir wenn ich irgendwo in grönland oder am nordpol bin, ich drogen nehmen will (suchtdruck habe) und weder ein meeting in der nähe ist das ich besuchen kann um darüber zu teilen, ich kein telefon oder ein computer habe um zu einem anderen mitglied der anonymen selbsthilfegruppe kontakt aufnehmen kann und mit ihm meine ängste/befürchtung teilen – reden kann? werde ich dann wieder rückfällig? parallel dazu stieg in mir genau diese angst hoch das dies passieren wird, hörte ich doch immer wieder das die erfahrung von zig tausenden von mitgliedern während des bestehens der anonymen selbsthilfegruppe seit 60 jahren genau dies besagt. wenn du glaubst drogen nehmen zu müssen dann geh ins meeting. mit dem meeting – dem teilen von kraft und erfahrung der mitglieder der gruppe bleibst du clean. mit der gruppe bleibst du clean. ohne die gruppe wirst du es nicht schaffen clean zu bleiben. diese subtile botschaft war und ist eine der zentralen botschaften der anonymen selbsthilfegruppen.

mit der zeit verstärkte sich in mir ein gefühl der unfreiheit, der abhängigkeit von den anonymen selbsthilfegruppen. ich hatte das gefühl das ich meine substanzgebundene sucht (drogen, alkohol) gegen eine substanzlose sucht (ideelle bedingungen stellende organisation) eingetauscht hatte.

ich muß doch über eigene kraft, eigene inneren ressourcen verfügen und darauf zurück zu greifen wenn es mal eng wird. es muß mir doch möglich sein mich auf meinen eigenen kräfte und ressourcen zu verlassen. ich muß doch in der lage sein mich meinen schatten zu stellen und ihnen zu wiederstehen. gerade dann wenn keine hilfe, keine anderen menschen in der nähe sind auf die ich zurückgreifen kann, die ich um rat und hilfe bitten kann.

nur um keine mißverständnisse aufkommen zu lassen. für mich sind nach wie vor die anonymen selbsthilfegruppen eine art gehhilfe um wieder laufen zu lernen. ein wenn man so will medikament das man nehmen muß wenn man an einer chronischen krankheit leidet und man am leben bleiben will. da ich seit 26 jahren hiv + bin und seit 1997 hiv medikamente nehme weiß ich sehr genau wovon ich spreche. insofern bin ich mir bewußt das es menschen gibt die eine anonyme selbsthilfegruppe brauchen um clean zu bleiben, um zu leben. wenn dies für den einzelnen stimmig ist, dann ist dies völlig in ordnung.

ein weiterer aspekt ist „dankbarkeit“. dankbar im sinne einer anonymen selbsthilfegruppe ist man wenn man sich in/an div projekten engagiert. ich gehe jetzt bewußt nicht auf den aspekt des weitertragens der botschaft ein. dies liegt in der natur der sache. nur wenn man seine erfahrung weitergibt haben andere, neue mitglieder die möglichkeit daran zu partizipieren und davon zu profitieren. diese art der dankbarkeit die botschaft, das es möglich ist clean zu werden und zu bleiben weiterzutragen steht außer frage. aber die botschaft das man clean bleiben kann, kann man auf verschiedenen art und weisen transportieren. und hier sind die anonymen gruppen sehr amerikanisch dogmatisch. genausowenig ist es auch möglich eine bestimmte kritik zu äußern bzw zu hinterfragen.  „es wird ja keiner gewzungen zu bleiben“ ist ein argument das man dann hört. genauso wie ich bewußt nicht auf den aspekt der höheren macht eingehe. über religion zu diskutieren führt zu nichts. glaube daran oder laß es sein. in den anonymen selbsthilfegruppen geht es in erster linie ums clean – trocken werden und bleiben.

der soziale status des einzelnen innerhalb der anonymen gruppe steigt mit dem grad seiner dankbarkeit. daraus ergibt sich im umkehrschluß das man undankbar ist wenn man sich nicht in der organisationstruktur der anynomen selbsthilfegruppe engagiert.

schaut man sich die organisationstruktur auf der weltebene an so kommt man im grunde genommen aus dem staunen nicht heraus „welchen abhängigkeits – sucht – erzeugenden aspekt“ die anonymen selbsthilfegruppen propagieren und beinhalten.

Meetings und andere Dienste erhalten sich ausschließlich durch Spenden von Mitgliedern. Finanzielle Beiträge von Nichtmitgliedern werden nicht angenommen.

einer von mehreren gruppendynamischen durckerzeugenden zentralapelle an die „Dankbarkeit“ die zu beginn eines jeden meetings – des teilen der erfahrung – vorgelesen werden. um zu sehen welche organisatorische form die anonymen gruppen angenommen haben muß man nur die webseiten .org seiten der welt service büros der div anonymen selbsthilfegruppen aufrufen. mit „ehrenamtlicher dankbarem service“ ist es da nicht mehr getan. der druck der literatur, das anmieten der räume in denen die meetings abgehalten werden, die kosten für div konventions auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler ebene sind immens. die jobs auf der führungsebene sind hochdotierte fulltime jobs. alle gelder werden ausnahmslos aus spenden aquiriert.

ich war und bin immer auf der suche nach freiheit. freiheit wie auch die liebe (vielleicht begegne ich ihr noch in diesem leben) waren und sind für mich bedingungslos. keine bedingung. keine abhängigkeit. keine fesseln. kein verhaftet sein. so verstehe ich freiheit.  das die wege die ich eingeschlagen habe mitunter mehr als merkwürdig ware, wer würde dies bestreiten wollen. ich jedenfalls nicht. dennoch sie mußten sein.

* * *

update 6. nov 2011

gestern hatte ich mit zwei freunden von denen mir einer sehr nahe stand zwei  interessante telefongespräche geführt.

einer von ihnen hat mir wegen einer grundsatzfrage die freundsschaft aufgekündigt. umso gößer war meine freude das wir nach dieser langen zeit wieder miteinander reden konnte. so schien es jedenfalls. im laufe des gesprächs kamen wir auch auf diesen „bruch“ und den auslöser von damals zu sprechen. ab diesem moment veränderte sich der tenor der unterhaltung. die anfängliche vertrautheit wich der gleichen kühlen, unpersönlichen distanz wie sie in dem moment als es zum bruch kam zwischen uns stand.

das zweite gespäch verlief in ganz anderen bahnen. ich führte es mit einer freundin, der frau eines damaligen freunden der vor ca 8 jahren an hiv verstorben war. manchmal begegnet man im leben menschen mit denen man sich auf anhieb versteht. selbst wenn man sich jahre nicht mehr sieht, in dem moment wo man sich trifft oder wie in diesem fall miteinander telefoniert, ist es als hätte man sich gerade gestern zum letzten mal gesehen. natürlich kam wir auch auf die selbsthilfegruppe zu sprechen da wir uns dort kennengelernt hatten.„ach“ sagte sie „ich gehe schon lange nicht mehr zu dieser gruppe“. in ihrem wesen ähneln wir uns in einigen aspekten sehr stark. „ach sieh mal an“, sagte ich mit einem ironischen unterton „auch für dich steht die freiheit an erster stelle.“ ich sah förmlich durch das telefon wie über ihr gesicht ein lächeln zog und es in ihren augen blitze. „wenn ich freunde sehen will dann lade ich sie mir zu hause ein, dazu brauche ich nicht in ein meeting zu fahren“, sagte sie.

wir sind und bleiben unser leben lang auf grund unserer veranlagung süchtig. „sollte ich jemals in eine situation kommen wo ich die lösung für ein problem darin sehe „drogen zu nehmen“ dann gehe  ich sofort in ein meeting der selbsthilfegruppe.“

sie wie auch ich sind durch die selbsthilfegruppe „erwachsen“ geworden mit der fähigkeit sich wahrzunehmen und sich zu reflektieren. vor allen dingen aber zwischen abhängigkeit und freiheit zu unterscheiden.

viele selbsthilfegruppen spielen mit dem instrumentarium der angst das wer alleine läuft rückfällig wird. sie sagen es nicht direkt, aber gepaart mit der dankbarkeit dem man sich als ein schuld auslösendes gefühl bedient wenn man nicht im sinn der selbsthilfgruppe dankbarkeit praktiziert und der angst vor einem rückfall in die aktive sucht wenn man versucht sich von der selbsthilfehilfegruppe abzunabeln und loszulassen werden die mitglieder bei der stange gehalten.

im klartext sagen sie  jedoch das ein süchtiger niemals erwachsen wird und niemals in der lage sein wird alleine zu laufen.

ein süchtiger wird niemals ein erwachsener werden, wird niemals jene notwendigen fähigkeiten und kenntnisse erwerben können, die ihn befähigen, die für sein leben und fortkommen notwendigen entscheidungen selbständig und eigenverantwortlich zu treffen. quelle: Wiki

. . .  und das ist schlicht und einfach nicht wahr.

sie wie auch ich hatten „laufen“ gelernt.

* * *

update 16. Dezember 2012

heute morgen als ich im bett lag dachte ich daran wie lange ich schon „drogenfrei“ lebe. am 28. mai 2013 werden es 19 jahre sein. in diesem moment ging mir ein „ketzerischer gedanke“ durch meinen kopf.

die angst von alkohol rückfällig zu werden ist – für mich – so relevant wie die abhängigkeit von der selbsthilfegruppe durch die ich lernte frei von suchtmittel zu leben. nämlich ÜBERHAUPT NICHT. zum ersten mal fühle ich mich was diesen aspekt betrifft frei von abhängigkeit. wenn ich daran denken atme ich gleichmäßig und ruhig und mich durchströmt ein gefühl der inneren ruhe, der gelassenheit.

ich bin dankbar dafür zu erfahren was es heißt nicht in einer abhängigkeit zu leben.

* * *

update 21.mai 2013

das pprinzip einer 12 schritte gruppe iet es mensche eine – zweite – chance zu geben ihr leben/verhalten zu ändern bzw ihnen die chance anzubieten mit ihnen nüchtern/clean. vorausgesetzt man beherzigt die eine oder andere empfehlung die sich im laufe der jahre als funktionierend herausgestellt hat. eine davon lautet das man alte spielplätze und alte spielkameraden meidet.

die vergangenheit – dazu gehören auch die jahre meiner aktiven sucht – hat mich zu dem menschen gemacht der ich heute bin. 19 jahre clean –  and i wouldn t go back to where i once was. dafür bin ich na dankbar.

In der letzten Zeit kommen mir “offene Kreise aus Beziehungen” meiner Vergangenheit in den Sinn von denen ich denke das es “mir gut tun würde” wenn ich mich mit dem einen oder Anderen treffen könnte um diese Kreise schließen können. würde ich mich jetzt an die empfehlung von na halten, dann würde ich „den einen oder anderen alten spielkamerad meiden.“ wenn es ein „alter spielkamerad“ ist würde ich ihn aus angst rückfällig zu werden meiden. ob ein anderer mensch sich vielleicht geändert hat dieses risiko hat man als guter süchtiger nicht einzugehen. die möglichkeit einer chance zur veränderung zieht man nicht in erwägung. ein weiterer aspekt wie unfrei, dogmatisch fundamentalistisch 12 schritte gruppen sind, wie wenig man an das potential das jedem menschen innewohnt glaubt.

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2 Antworten zu anonyme 12 schritte selbsthilfegruppen – pro und contra (akt 3)

  1. Andreas Rau schreibt:

    So gesehen klingt das nicht nach SelbstHILFEgruppen oder SELBSThilfegruppen, sondern nach Sekte. Schade. Dabei haben Selbsthilfegruppen soviel Potential. Das größte ist, wenn man sie nachher nicht mehr braucht. Das ist doch ein Erfolg für alle🙂

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Andreas

    Es ist nicht so einfach mit einer Sekte abzutun. Ich würde die Anonymen Gruppen auch nicht als Sekte bezeichnen. Es werden aber auf bestimmte psychologische Mechanismen zurückgegriffen, die sie sehr subtil sind ihre Wirkung nicht verfehlen. So wird sehr viel mit „Schuldgefühlen“ gearbeitet bzw argumentiert. Man nennt es nicht direkt beim Namen, aber „Schuldgefühle“ im Kontext mit Sucht ist ein sehr zentrales Thema wenn es an die Reflektion des eigenen Verhaltens geht. Und genau dieses „Mechanismus“ bedient man sich im Kontext wenn es um die „Dankbarkeit“ gegenüber der Anonymen Gruppe, der Organisation geht. Wenn Dankbarkeit ohne Bedingung praktiziert wird, dann ist das eine Sache und nichts dagegen einzuwenden. Wenn man sich der Dankbarkeit als Mechanismus von „Schuldgefühl“ bedient dann ist es fragwürdig. Inwieweit man sie durchauschaut – und/oder wenn man sie durchschaut sie mit seinem Leben in Einklang bringt, das bleibt jedem selbst überlassen. Die Meisten stehen voll mit beiden Beinen wieder im Leben, sind verheiratet oder verpartnert, haben einen Job, manche sind sehr erfolgreich. Meine Wahrnehmung ist aber auch das es sehr viel dogmatisches gibt. Eine unterschwellige Angst spielt da immer mit hinein. Angst kann eine Fessel sein. So zumindest empfinde ich es. Angst ist z.b. ein zweischneidiges Schwert. Angst ist Mahner, Beschützer und Kerkermeister. Das letztere ist nicht von Vorteil wenn sie wie ein Damoklesschwert permanent über einem hängt . . . .

    Deinen letzten beiden Sätzen stimme ich vorbehaltlos zu . . . .😉

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