Leben im Pflegeheim – LGBTIQ Community und Menschen mit HIV


Intro:

Grundsätzlich gilt: Ein Pflegeheim ist kein Ort um sich „wohlzufühlen“.

Dies gilt insbesondere dann wenn man nicht oder nur bedingt mobil und auf Hilfe des Pflegepersonal angewiesen ist.

„Wohlfühlen“ ist weder ein Vertragsbestandteil, noch politisch gewollt bzw. vorgegeben geschweige denn auf Grund der Anzahl der Pfleger*Innen resp. Betreuungskräfte möglich.

Die Struktur des Pflegepersonals i.e. kulturell wie auch der Tatsache das sie einen Querschnitt unserer Gesellschaft repräsentieren spielt u.U. eine nicht unerhebliche Rolle.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

*

Einerseits ist die Anzahl der Menschen die HIVpositiv sind in der Bundesreublik Deutschland relativ gering. Gemessen an der Gesamtbevölkerung der BRD von Mio 82,67 beträgt der Anteil der Menschen die mit HIV leben 84.700 (Stand Nov 2015) noch nicht mal 1 % nämlich 0,976%. Von den 84.700 HIV-Infizierten wissen geschätzte 12.600 nichts von ihrer Infektion. Quelle: RKI Stand 14.11.2016 (1) 

Andererseits nehmen die meisten der 72.100 Menschen mit HIV+ eine der möglichen HIV Medikamenten Kombination (2) sodaß „Wir“ auf Grund der guten Behandelbarkeit von HIV und einem mittlerweile gut verträglichen Nebenwirkungsmanagement im Sinne von geringen Nebenwirkungen die gleiche Lebenserwartung wie Menschen die HIV-negativ sind haben. Quelle: HIV Medikamente = HivandMore (2)

Einerseits ist HIV (3) um es vereinfacht auszudrücken (ausführlich siehe Link Deutsche AIDS Hilfe) (4) nur eine Krankheit unter Vielen.

Andererseits ist jeder Mensch der in Deutschland lebenden 84.700 Menschen der mit dem HIVirus lebt ein Einzelfall. „84.700 Einzelfälle“ deshalb weil nach 35 Jahren um das Wissen von HIV in Deutschland immer noch oder schon wieder „Vorstellungen“ von HIV in den meisten Köpfen der Gesellschaft rumspuken deren Ursache von Nicht Wissen und daraus resultierenden Ängsten und Vorurteilen geprägt ist und nicht immer – was erstaunlich ist! – der Realität = Wissen zumindest bei einem großen Teil des medizinischen Personal, seien es Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen entspricht. Wie ein roter Faden, so meine Vermutung, existiert in vielen Köpfen unserer  Gesellschaft eine Bewertung von „Gute Krankheit – Schlechte Krankheit“.

Hier enthülle ich jetzt dem*der geneigten Leser*In ein Geheimnis:
Einer Krankheit ist es völlig egal wie der Mensch sie bewertet. Sie wirkt auf Grund ihrer eigenen Dynamik. Während des Verlaufs von lebensbedrohenden Krankheiten werden Betroffene wie Freunde*Innen, Ehe*Partner*Innen, Familien, Väter, Müter, Kinder gleichermaßen mit „Wut, Schmerz, Resignation, Verlust und Trauer“ konfrontiert. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge sondern gleichermaßen auch mehrfach werden diese Prozesse durchlebt und erfahren.

Und zum 3. „Andererseits“ zähle ich mich – Ich habe/treffe die freie Entscheidung bzgl der Wahl der Zugehörigkeit – zu den 7,4 Prozent LGBTIQ Anteil der Bevölkerung laut dieser Studie (5) veröffentlicht 2016. In dieser Studie (Dalia Research) (6) heißt es:

Mit 7,4 Prozent LGBT-Anteil ist Deutschland in dieser Studie in den EU Länder Spitzenreiter.

Es geht um ca. Mio 6,2 Menschen von dem sich ein großer Teil einen Anderen als den heteronormativen (7) Lebenskonzept zugehörig fühlt (Nein homosexuell zu sein ist keine Frage der Wahl). Wenn man dieses Ergebnis im Kontext der letzten >50 – >70 Jahre sieht so wird man nicht umhin kommen festzustellen das Wir – Menschen der LGBTIQ Community – ein Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren. Unter uns gibt es Menschen die ihren Lebensabend gut vernetzt „zu Hause“ verbringen können und Andere die im Alter auf die Hilfe von anderen Menschen undoder Pflegeheimen angewiesen sind und sein werden. Vorauszusetzen das diese „anderen Menschen“ von unseren Lebenskonzepten und HIV Kenntnis haben ist bis auf einen verschwindend geringen Teil gut informierter Menschen in Wohngemeinschaften für wenige Menschen wie z.b. in München (8) und Pflegeheimen (9) die man an den Fingern (10) einer Hand (11) abzählen kann, immer noch die Ausnahme  als die Regel im Alltag.

*

Als das Pflegeteam des Wohnbereiches in dem #Pflegeheim in dem ich seit 16 Monate lebe gehört hat das ich HIV+ bin, haben es Alle abgelehnt mich anzufassen, zu pflegen. Keiner wollte mit mir etwas zu tun haben.

Dieses Pflegeheim dürfte kein Einzelfall sein. Was für eine Haltung herrscht innerhalb der Pflegeheime in der BRD seitens der Verantwortlichen bzgl Menschen mit HIV undoder Menschen die Teil der LGBTIQ Community sind? Hofft man das dieser Kelch an Ihnen vorübergeht? Sind CSD´s und Welt AIDS Tage Veranstaltungen die zur Belustigung der Bevölkerung dienen oder ist man der Meinung das Wir dem Infotainment in Soaps gleichzusetzen sind? 

In meinem Fall hat die zu dieser Zeit verantwortliche PDL Leitung meinen Doc aus dem Team bei dem ich seit 30 Jahren in Behandlung bin, gebeten das Pflegeteam des Wohnbereich in dem ich lebe aufzuklären. Seitdem gibt es keinerlei „Berührungsprobleme“.

*

Doch zurück zum eigentlichen Thema dem „Alltag von Menschen aus der LGBTIQ Community“ die im Alter im Alltag auf Hilfe die Pflegeheime anbieten angewiesen sind bzw sein werden. Seit 1999 ist oder besser gesagt war „Leben im Alter von Menschen aus der LGBTIQ Community in einem Altenpflegayheim“ (12), wie Walter Curkovic-Paul, der mittlerweile im Jahr 2009 verstarb, Thema in Frankfurt am Main. So setzte sich die damalige Stadträtin Jutta Ebeling von den Grünen im Jahr 2004 für dieses Projekt (13) ein. Auch „Der Spiegel“ (14) war schnell dabei. Leider ist es bei dem Projekt (15) pdf Datei und endlosen Diskussionen (16) geblieben. „Much ado about Nothing“ – Viel Lärm um Nichts. In diesem Fall ist es weniger eine Komödie als eine Tragödie. Zu meinem großen Bedauern ist mit ihm auch dieses Projekt entgültig gestorben.

Außer das die Anzahl der Menschen der LGBTIQ Community zugenommen hat und ein großer Teil von uns nicht nur älter geworden ist sondern auch auf Hilfe im Alltag angewiesen ist – sein wird, hat sich während der letzten 18 Jahren nur wenig bewegt. Weder politisch noch was die diesbezügliche inhaltliche Aus -und Fortbildung zu diesem Thema von Pflegepersonal betrifft.

Grundlegend muß man sich vor Augen halten:
„Was ist der Sinn und Zweck eines Pflegeheim“
Versorgung von Grundbedürfnissen wie Grundpflege = Hygiene und Versorgung mit Nahrung von Menschen die dies aus eigener Kraft nicht mehr bewerkstelligen können.

Dazu kommen als Ziel der Altenpflege, als professioneller Langzeitpflege die Erhaltung einer stabilen Lebensqualität. Weil die geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten im Alter abnehmen, besteht die Aufgabe der Altenpflege darin, die Fähigkeiten der Selbstpflege des Betroffenen so weit wie möglich zu erhalten und zu fördern.

Das Schlüsselwort ist jedoch „professionelle Pflege“. Pfleger*In ist ein Beruf dessen Aufgabengebiet sich auf die Bewältigung des organisatorischen Alltages „des Menschen im Alter“ bezieht. Dies gilt in besonderem Maß für Bewohner*Innen die Bettlägrig sind. Und dies mit einer professionellen Distanz. Einer Distanz wie sie jeder „normale“ Beruf mit sich bringt. In Berufen in dessen Mittelpunkt der Mensch steht sollte es „eigentlich“ anders sein. Die Arbeit für bzw mit Menschen geht nicht gleichzeitig bzw zwangsläufig mit dem Entstehen von „Nähe zu dem Menschen“ einher. Emotionale Nähe in Pflegeheimen ist schon deshalb nicht erwünscht weil die Objektivität des Pflegepersonal in Frage gestellt werden könnte bzw die tägliche Arbeit mit Bewohner*Innen besonders bei Jenen die nicht mobil sind und 24/7 im Bett liegen darunter leiden könnte. Supervision wie sie in vielen Berufen in der Arbeit mit Menschen angeboten wird ist erstaunlicherweise im Berufsalltag von Pflegepersonal nicht existent.

Berufsbild Altenpfleger*In (17)

„planen und dokumentieren Pflegemaßnahmen“.
Dieser Teil nimmt einen großen Teil der täglichen Arbeitszeit in Anspruch. Zeit die für eine mögliche Zuwendung für Bewohner*Innen fehlt.

„motivieren Pflegebedürftige zu Freizeitaktivitäten.“
Dieser Aspekt wird von speziell dafür eingestellten Betreuungskräften und nicht vom Pflegepersonal wahrgenommen.

Seit Jan 2017 werden Betreuung und Aktivierung in stationären Einrichtungen von eigens eingestellten Betreuungskräften nach § 43b SGB XI (18) vorgenommen. Für 20 Bewohner*Innen je 1 Betreuer*In.

In unserem Alltag haben wir uns die Menschen ausgesucht, leben in einem Kreis von Menschen die wir mögen, die uns gut tun und vice versa. Da Pflegeteams in Pflegeheimen einen repräsentativen Querschnitt unserer Gesellschaft repräsentieren wird man Pfleger*Innen und Hilfskräften begegnen denen ein #NoGo auf der Stirn geschrieben steht. Gleiches wird die Eine oder andere Pflegekraft auch bei mir selbst – bei einem selbst – feststellen können. Sich selbst zu 100% zu kontrollieren – unter Kontrolle zu halten – ist nach meiner Erfahrung nicht möglich. Wenn man sich kennt kann man an sich, seinen Vorurteilen und anderen Muster die sich im Verhalten manifestieren können arbeiten. Mit Allen auf einer freundlichen Ebene zusammen zu leben ohne sich zu verbiegen ist durchaus möglich.

*

Als „EinzelPerson“ die im Alter auf die Hilfe wie sie in Pflegeheimen angeboten ist, wird man idR kein Problem mit den Pflegeteams haben. Diejenigen von uns die HIV positiv sind werden bei gesundheitlichen Problemen „möglicherweise“ die Erfahrung machen, das es mit Ärzten die für Pflegeheime zuständig sind wie auch mit den Pflegeteams einen „erhöhten Bedarf an Kommunikation bzgl HIV“ gibt. Das wir mit den uns behandelnden HIV undoder Schwerpunktärzten auch wenn man in einem Pflegeheim lebt in weiterhin Verbindung ist, steht außer Frage. Sollte es zumindest.

*

Sexuelle Identität erhalten

Die Integration gleichgeschlechtlicher lebender Menschen in ihrem direkten Umfeld soll erreicht werden, indem die Angebote der Altenhilfe und -arbeit explizit auch Lesben und Schwule berücksichtigen. Dabei sollen professionelle Mitarbeiter in ihren Beratungen diese spezifischen Lebenslagen kennen und mit einbeziehen. Die Berücksichtigung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen als Qualitätsstandard soll in Rahmenlehrplänen der Aus, Fort und Weiterbildung im Bereich Altenhilfe und -pflege festgeschrieben und als Querschnittsthema vermittelt werden. Dazu ist es notwendig, dass eine thematische Verankerung in Curricula dieser Studien und Ausbildungsgänge vorgenommen wird.

Kein Mensch darf durch die Inanspruchnahme von pflegerischen Hilfen oder Maßnahmen der Altenhilfe in seinen individuellen Werten sowie dem Ausleben seiner sexuellen Identität eingeschränkt werden. Daraus resultiert, dass jede Senioren und Pflegeeinrichtung den spezifischen Bedürfnissen gleichgeschlechtlich orientierter Senioren Rechnung tragen sollte.

Und – ich füge hinzu – dies gilt gleichermaßen für HIV Positive Senioren*Innen.

Diese Textpassagen wurden der 3. Ausgabe von Balsam – das Magazin, (19) Seiten 4/5,8 entnommen. Leider gibt es diesen Download der 3. Ausgabe heute 2017 nicht mehr. Wie ich sehe wurde das Magazin auch eingestellt.

Unsichtbar im Alter – Ausgegrenzt und Vergessen ? . . . .

Doch was sind die Alternativen? Gibt es überhaupt Alternativen? Viele HIV Positive waren nur kurze Zeit voll arbeitsfähig, beziehen Hartz IV oder eine geringfügige Rente. Sie verfügen über keine ausreichenden Rücklagen bzw. haben keine Altersvorsorge getroffen – wie auch ein Großteil der Bevölkerung. Andere wiederum haben ihren Job gekündigt als sie vor 30, 35 Jahren erfahren haben das sie HIV+ sind. „Was soll´s. Ich habe eh nur noch max 3 Jahre zu leben. Also hau ich meine Kohle auf den Kopf und genieße mein Leben in vollen Zügen solange es geht“.

*

Ließt man sich die jeweiligen Satzungen/Leitbilder der div Aidshilfen durch, so findet man kaum etwas über das Thema „HIV im Alter“. Man sollte annehmen das es auch zu den Aufgaben der Aidshilfen gehört sich dem Thema “ HIV und Alter“ anzunehmen bzw das sie es sich zur Aufgabe gemacht haben entsprechende Angebote zur Verfügung zu stellen. Doch dies ist bis auf Ausnahmen ein Trugschluß.

Einige wenige Aidshilfen – man kann sie an einer Hand abzählen – haben vereinzelte Projekte zum betreuten Wohnen in ihrem Programm die sich auf stationäre Betreuungseinrichtungen, therapeutische Wohngemeinschaften oder betreutes Einzelwohnen beziehen. Was „Hiv im Alter“ und insbesondere das Thema „Wohn und Lebensformen im Alter“ betrifft, so sieht die Realität bzgl der Angebote von Aidshilfen leider anders aus. „HIV im Alter“ muß doch Thema sein, ging es mir durch den Kopf.

Am 12. und 13. September 2008 fand im Roten Rathaus in Berlin unter dem Motto Vom Leben Reden zum 10. Mal der Kongress zum Thema HIV und Aids HIV im Dialog (20) statt.

Zwei Workshops (20,1) waren es die mich bewogen hatten auf den Kongreß nach Berlin zu fahren. Hier hoffte ich Antworten auf meine Fragen ob es Wohn bzw. Lebensformen für älter werdende HIV Positive gibt zu finden. Voller Erwartung besuchte ich die entsprechenden Workshops die „Hiv und Alter “ zum Thema hatten. Und hier wurden meine Erwartungen in jeder Hinsicht bei weitem übertroffen.

Der eine Workshop beinhaltete ein Vortrag von Michael Jähme – HIV und Alter (21), im anderen Workshop hat Dr. Marco Pulver (22) seine „Umsetzung“ des Themas präsentiert.

Aus der Lesben und Schwulenbewegung (23) – deren Entstehung durch den Stonewall (24) – Aufstand vom 28. Juni 1969 in New York City katalysiert wurde haben sich u.a. Mitte der 80ger die Aidshilfen gegründet.

Die Schwulenberatung (25) Berlin vertreten durch Dr. Marco Pulver (26) präsentierte ein Konzept (27), das mir nicht nur die Sprache verschlug sondern meine Erwartungen bei weitem übertraf.

Am darauf folgenden Montag habe ich die Schwulenberatung in Berlin besucht. Ich gebe zu das ich – eine Hete – mich etwas unsicher fühlte. Völlig Grundlos wie sich im Laufe meines Besuches herausstellen sollte. Ich wurde mit einer Herzlichkeit aufgenommen die mir einfach gut getan hat. Zu dieser Zeit fand Montag Nachmittags ein zwangloses Treffen bei Kaffee und Kuchen statt. Alle im Raum warteten mit Spannung darauf was es dieses Mal für Kuchen geben würde. Während der Kaffee Runde verkündete einer der Teilnehmer das er sich – damals – verpartnern werde. Die Freude und die Glückwünsche der Anwesenden haben mich echt geplättet.

In dieser Runde habe ich einen russischen Mann kennengelernt der schwul ist. Er erzählte mir das er Soldat der russischen Armee war die damals in der Ex DDR stationiert war. Während all der Jahre als er in der Armee in der DDR war hat er keinem Menschen gesagt das er schwul ist. 1994, die Mauer fiel 1989, als die letzten Streitkräfte der Russ. Armee nach Russland zurückkehrte, hatte er sich dafür entschieden in Berlin zu leben. Als er mir von seiner Angst und den Repressionen erzählte falls man entdecken würde das er schwul ist, hat es mir buchstäblich den Hals zugeschnürt. Seine Angst war damals in 2008, fast 20 Jahre später, immer noch „greifbar“ für mich.

Nach der Kaffeestunde hatte ich ein Gespräch mit Dr. Marco Pulver über das Konzept der  Regenbogenvilla (27) wie sie damals noch genannt wurde.

Aus dem was viele der Teilnehmer*Innen der Workshops der Themen „HIV im Alter“ teilten und meinem Besuch in der Schwulenberatung habe ich das Projekt „Leben im Alter – In Würde alt werden“ (28) in Frankfurt am Main mit Hilfe der AIDS Hilfe Frankfurt auf die Beine gestellt. Es war Klein aber Fein (29). Ein Ergebnis war die Frankfurter Resolution „In Würde alt werden“. (30)

*

Wie sieht es heute im Jahr 2017, 9 Jahre später mit dem Thema „HIV und Leben der LGBTIQ Community im Alter aus?

Die einstigen Gruppen von 40+ sind mittlerweile 70+. Ein „bedingt“ gutes Beispiel ist das „Schwules Forum Frankfurt„(31). Ein tolles Projekt solange man noch „mobil ist“ und ein Leben zu Hause in den eigenen 4 Wänden möglich ist. Bedingt deshalb weil es nicht genügend „Ehrenamtliche“ gibt. Wartelisten gehören zum Standard. So meine Erfahrung.

In Frankfurt leben schätzungsweise 50.000 lesbische Frauen und schwule Männer. Eine große Zahl von Lesben und Schwulen aus dem Rhein-Main-Gebiet gehören ebenfalls zur Frankfurter Gay-Community. Quelle: Leben in Frankfurt – Gay Community (32)

In Berlin, München, Köln, Hamburg, verhält es sich ähnlich (33). Ist man verehelicht, verpartnert, „mobil“, „fit“ = gut vernetzt dann ist „Leben im Alter in Würde“ kein Problem.

*

Pflege: Leben wie Sie lieben – auch im Alter. LGBT in der Altenpflege bei der MÜNCHENSTIFT
Lesbisches Leben (34)
Die MÜNCHENSTIFT GmbH hat sich nach dem Stadtratsbeschluss der Landeshauptstadt München als einziger Münchner Träger für das Modellprojekt Öffnung der stationären Altenpflege für LGBT beworben. Der Dokumentarfilm weist auf die Bedürfnisse älterer Lesben, Schwuler und Transmenschen hin und zeigt, wie die Öffnung der stationären Altenpflege für LGBT in den Pflegeeinrichtungen der MÜNCHENSTIFT gelebt werden kann.

In einem sozialen Medium habe ich anläßlich von HIV im Dialog in Berlin 2017 etwas geschrieben von dem ich Einiges auszugsweise hier wiedergebe:

Wenn ich das Programm von „HIV im Dialog“ so lese, lese ich auch „Ja wir wissen das wir älter werden, doch erst mal die Anderen“.

. . .

Wo sind die älteren und alten Menschen aus der LGBTIQ Community? Was ist mit denen die in den 90ger Jahren 40+ plus waren. Wo sind sie die heute, 65, 70 jährigen und Älteren die nicht so begütert oder vernetzt sind das sie in Familien ähnlichen Strukturen bzw Partnerschaften oder Ehen ihr „Leben im Alter in Würde“ verbringen können? Wo sind die Unzähligen die Mitte der 80ger Jahre als sie erfahren haben das sie HIV+ sind und ihren Job hingeschmissen haben „Weil sie damals glaubten wie auch ich das wir nur noch einige Jahre zu leben haben“?

Viele leben alleine im Kontext der Gentrifizierung am Rand der Städte weil sie die Mieten in der Stadt nicht bezahlen können, die von den Ämter der „Grundsicherung im Alter = Neudeutsch für Sozialamt“ nicht bezahlt werden.

Viele sind auf Hilfe im Alter angewiesen. Entweder von ambulanten Pflegediensten oder in Pflegeheimen. Die Menschen in den Pflegeheimen sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Die Mitte der Gesellschaft aus der heraus Stigma, Diskriminierung und Ablehnung kommt, die Gesellschaft die Menschen aus der LGBTIQ Community im Alltag immer noch ausgrenzt.

. . .

Ganz zu schweigen von „den Lebenskonzepten von Menschen aus der LGBTIQ Community, i.e. Schwulen, Lesben, Bi, Trans Menschen. Fortbildung in der Ausbildung zum Pflegeberuf? Fehlanzeige.

. . .

Weder das Pflegepersonal von denen viele aus Länder kommen in denen es Menschen aus der LGBTIQ Community um einiges schwerer haben als wir geschweige denn was die Bewohner*Innen von Pflegeheimen betrifft wissen etwas über unsere Art zu leben.

Euer Alltag ist ihnen Fremd. Es gibt wenige die uns verstehen, mit denen man „normal“ reden kann. So wie wir untereinander kommunizieren – in unseren Rahmen in denen wir uns wohl und geborgen fühlen, diese Rahmen sind in Pflegeheimen bis auf Ausnahmen „Lebensort Vielfalt, Villa Anders“ selten. Im Alltag von Heute gibt es innerhalb der Gesellschaft leider zu wenig Inseln wo dies möglich ist. Nach 48 Jahren Christopher Street Day finde ich das traurig.

*

Sich liebende Männer und Frauen werden Viele vom Personal und den Bewohner*Innen  fremd sein.

Schon die Vorstellung im Alter noch einmal mit Stigma und Ausgrenzung konfrontiert zu werden, Stigma und Ausgrenzung erfahren zu müssen, ist für viele Menschen aus der LGBTIQ Community ein unerträglicher Gedanke.

* * * * *

(1) RKI: Epidemiologisches Bulletin 45/2016
(2) HIV&more:  HIV-Medikamente im Überblick
(3) Deutsche AIDS Hilfe: HIV/AIDS
(4) Deutsche AIDS Hilfe: Gut zu wissen
(5) Jetzt: So queer ist Deutschland wirklich
(6) Dalia: Counting the LGBT Population . . .
(7) Gender Institut Bremen: Heteronormativität
(8) Rosa Alter: Gut versorgt im rosa Alter
(9) Villa Anders: schwul-lesbisches-wohnen e.V.
(10) Schwulenberatung Berlin: Lebensort Vielfalt
(11) Julie-Roger Haus Frankfurt: Initiative Regenbogenpflege
(12) Frankfurt: AltenPflegayheim
(13) FAZ: Stadt setzt sich für AltenPflegayheim ein
(14) Der Spiegel: AltenPflegayheim für Homosexuelle – Heteros willkommen
(15) Projekt AltenPflegayheim: Abschlußbericht Bedarfsanalyse/Zusammenfassung
(16) Entstehung lesbisch-schwuler Altenarbeit und -politik in Hessen
(17) Berufsbild: Altenpfleger*In
(18) Zusätzliche Betreuung in stationären Einrichtungen: Leistung nach § 43b SGB XI
(19) Balsam: Berliner Arbeitskreis Lesbische & Schwule Alte Menschen
(20) Berlin – Rotes Rathaus: HIV im Dialog
(20,1) HIV im Dialog 2008: Referate & Vorträge
(21) Michael Jähme: HIV und Aids werden alt
(22) Dr. Marco Pulver: Netzwerk Anders Altern – Haus Nieburstr. 59/60
(23) Wikipedia: Lesben und Schwulenbewegung
(24) Wikipedia: Stonewall
(25) Berlin: Schwulenberatung
(26) Dr. Marco Pulver: Netzwerk Anders Altern
(27) alivenkickn: „Alle unter einem Dach – In Würde altern“
(28) alivenkickn: „Leben im Alter – In Würde alt werden“
(29) alivenkickn: „Klein aber fein“
(30) Frankfurter Resolution: „In Würde alt werden“
(31) 40Plus: Schwules Forum Frankfurt
(32) Frankfurt.de: Soziales und Gesellschaft – Schwules/Lesbisches Leben in Frankfurt
(33) Netzsieger: Ausgeprägte Gay Szene – Wo leben die meisten Schwulen?
(34) Konny´s Lesbenseite: Leben wie Sie lieben – auch im Alter

*

Weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema

Nollendorfblog: Patsy l’Amour laLove über Martin Dannecker: Er war schwul, bevor es das Wort in dem Sinne gab.

 

 

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