Herr Kinya Terada und sein „kleiner Imbiß“


Herr Kinya Terada bereitet eine Tasse kalten grünen Tee „Gyokuro“ zu.

Ein kleiner Teller Sushi

Qualität der Zutaten – Jahreszeit – Farbe -Zubereitung – Geschmack – Ein Gemüse Maki in vollendeter Harmonie

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© Kinya.de

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Dienstag der 19. April 2011 war ein guter Tag gewesen. Ich entschloß mich meinem Freund einen Besuch abzustatten und sein köstliches Sushi zu genießen. Unsere Begrüßung fiel sehr herzlich und emotional wie immer aus. Er kam hinter seinem Tresen hervor und wir umarmten uns. Nachdem ich an seinem „kleinen Imbiß“ Platz genommen hatte, fiel mir eine Teeschale – Chawan – die in einem Regal stand auf, die von einer seltenen Schönheit war. Auf den ersten Blick sah sie ungewöhnlich und unförmig aus, jedoch ging von ihr eine Ausstrahlung aus, wie ich sie von einer Teeschale für eine Teezeremonie noch nie erlebt hatte.

Die habe ich ja noch nie bei Dir gesehen sagte ich zu ihm. Es ist ein Hochzeitsgeschenk erwiderte er. Na sagte ich zu ihm, dann ist sie ja mindestens 40 Jahre alt. Ja, sagte er mit einem Lächeln, so ungefähr.

Nachdem ich das Suhsi verspeist hatte stellte er diese Teeschale und die anderen Utensilien die man für eine Teezeremonie benötigte vor mich hin.

Da Du so selten zu mir kommst und mir ein lieber Gast bist werden wir zusammen eine Schale Tee trinken. Ein Teil der Teezeremonie besteht darin, das der Gast nachdem er seine Schale Tee getrunken hat die Teeschale betrachtet und seine Bewunderung über die Schale zum Ausdruck bringt bzw Fragen über die Teeschale stellt. Als ich die Teeschale in der Hand hielt stellte ich fest das der Eindruck der Unförrmigkeit eine Täuschung war. Sie war dickwandig und filigran zugleich. Der äußere Ton war von einer hellen beigen Farbe und innen von einem durchgehenden leuchtenden Schwarz. Worte können im Grunde nicht das wiedergeben was ich empfand als die Teeschale in meiner Hand lag. Die Schale war von einer einzigartigen Schönheit die ich durch meine Bewunderung zum Ausdruck brachte.

Nachdem er die Teeschale gereinigt hatte und sie in das Regal zurückstellen wollte, entglitt sie ihm, fiel zu Boden und zerbrach. In diesem Moment schien mein Herz still zu stehen, mein Atmen stockte. Er bückte sich, kehrte die Scherben zusammen und entsorgte sie. Als mein Freund wieder vor mir stand mußte ich ihn höchstwahrscheinlich mit einem bekümmerten Gesicht angeschaut haben.

Er lächelte mich an und sagte: Du hast die Schale gelobt. Ihr Leben war zu Ende.

Ungläubig und staunend fragte ich ihn ob er den keinen Schmerz über den Verlust spürte, ob er sich nicht gräme. No Way – sagte er. Seine gelassene Haltung, seine Ausstrahlung sein Wesen, brachte das zum Ausdruck was für uns Europäer nur schwer zu verstehen ist.

Das Bewußtsein der Vergänglichkeit allen Seins – aller Dinge auf einer tiefen inneren Ebene.

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Interkulturelle Kompetenz im Zugang zu japanischen Märkten Seiten 171 – 173

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