„Würde im Alter mit Heimvorteil“ – Sterbebegleitung . . .


Ließt man sich die Kurzbeschreibungen der div Pflegeheime auf dieser Seite durch, so findet man bei einigen Heimen unter „Bewohner Betreuung“ den Begriff der „Sterbebegleitung“. Bei näherer Betrachtung des entsprechenden Internetauftritt der entsprechenden Pflegeheime sucht man vergebens nach der Art und Weise wie Bewohner*Innen in einem Pflegeheim (dies dürfte von wenigen Ausnahmen abgesehen für alle Pflegeheime in der BRD zutreffen) während ihres Sterbeprozeß begleitet werden.
 
Vieles wird in den jeweiligen Internetauftritten der Pflegeheime erklärt, hervorgehoben bzw. betont. Warum wird kein Wort über das „Wie“ das Begleiten eines Menschen der im Sterben liegt verloren?

Den Königsweg einer „Sterbebegleitung“ gibt es nicht. Sie ist privat und individuell. Das steht außer Frage.

In der Sterbebegleitung geht es darum, Menschen in den letzten Wochen vor ihrem Tod beizustehen, sie zu trösten und rücksichtsvoll zu betreuen. Menschen jeden Lebensalters – das gilt für Kinder ebenso wie für alte Menschen, ihre Familien und die ihnen Nahestehenden – benötigen in der letzten Lebensphase Zuwendung und Unterstützung. Quelle: Wikipedia Sterbebegleitung

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Am 28.8.2012 wurde das Grundsatzpapier „Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen im hohen Lebensalter in Pflegeeinrichtungen“ auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Quelle: Deutscher Hospitz und Palliativverband e.V.

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Meinem Vater wurde der Segen zu Teil zu Hause im Kreis seiner Familie sterben zu dürfen. Seine Familie bestand aus meiner Mutter und mir seinem Sohn. „Zu Hause Sterben zu dürfen“ ist ein Glück und heute 16 Jahre später ein Segen. Glück weil die Zahlen von Menschen die in einem Pflegeheim im Jahr 2020 leben und möglicherweise auch sterben bei bis zu 2,9 Millionen Menschen betragen könnten. 
Segen weil die Begleitung meines Vaters bei seinem Sterben für mich ein Segen war. Ihn bei seinem Sterben begleiten zu dürfen erfüllt mich heute immer wenn ich sein Bild in meinem Altar in dem Zimmer des Pflegeheimes in dem ich jetzt lebe betrachte mit Dankbarkeit.

© Wolfgang Kirsch

Die letzten Wochen meines Vaters vor seinem Tod waren von Weinen und Rufen nach Hilfe geprägt. Stundenlang saß meine Mutter an seiner Seite, hielt seine Hand. „Ich bin bei Dir“ sagte sie zu ihm. „Du brauchst keine Angst zu haben. Es ist alles gut so wie es ist“.

In der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 2001 ist mein Vater friedlich im Schlaf gestorben.

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In dem Wohnbereich in dem ich lebe liegen immer wieder Bewohner*Innen im Sterben. Dies gehört zum Alltag in jedem Pflegeheim. Wenn ich in meinem Pflegestuhl unterwegs bin höre ich oft ihre Rufe nach Hilfe. Das Pflegeteam begleitet Bewohner*Innen die im Sterben liegen nach besten Kräften; im Rahmen dessen was ihnen möglich ist. „Möglich“ deshalb weil die Teams in ihrer täglichen Arbeit ebenso den Bedürfnissen der übrigen Bewohner*Innen gerecht werden müssen.
Angehörige, Familie, Seelsorger*Innen, Freunde, sie begleiten – soweit möglich – ihre*n Angehörige*n, Freund*In wenn sieer im Sterben liegt.

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Ich klage die Regierungen der letzten 30 Jahre an weil sie nichts getan haben das Menschen die ihren Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen in „Würde alt werden und während ihres Sterbens begleitet werden“ so wie es den vielfach inflationären gebrauchten Begriff der „Christlichen Werte“ impliziert.

Im Januar 2008 wurde Claus Fussek für sein besonderes Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ein Schlag ins Gesicht der Gesellschaft für die „Sterben und Tod“ immer noch ein Tabu Thema ist. Ein Schlag auch für Claus Fussek der nicht müde wird zu mahnen. Vor allen Dingen ein Schlag ins Gesicht all der politisch Verantwortlichen die nicht müde werden eine Pflegereform anzumahnen. Sie allerdings haben diesen Schlag ins Gesicht verdient. Sind letztendlich sie es die den Schwanz eingezogen haben bzw ziehen weil sie nichts weiter als Flickschusterei betrieben haben. Das was sie bis dato in die Wege gleitet haben wie z.b. die Reform der „Pflegestufen in Pflegegrade“ ist auch ein Schlag ins Gesicht von engagierten Altenpfleger*Innen weil diese „Reform“ mit einem erheblich bürokratischem zeitlichen Mehraufwand an Dokumentation für jedes Pflegeteam verbunden ist. Zeit die jedem einzelnen Pfleger*In fehlt um sich Bewohner*Innen zuzuwenden wenn diese*r der Zuwendung bedarf. Statt in qualifiziertes Pflegepersonal zu investieren werden Milliarden u.a. von Steuergelder verschwendet oder „EZB sei Dank gedruckt“ und Automobilkonzernen bzw Großbanken hinterhergeschmissen denen Anklagen wegen justitiabler Verfahren drohen.

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Jedesmal wenn ich die Rufe nach Hilfe von Bewohner*Innen höre sage ich zu mir: 
Der Tod ist das Ende einer manchmal langen Reise. Diese Art zu sterben hat nichts mit einem „Sterben – Tod in Würde zu tun. Von „Würde im Alter“ ganz zu schweigen. „So möchte ich nicht sterben“

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