Springer Verlag und HIV – Nichts dazu dazugelernt


Heute dacht ich so vor mich hin:

„Du hast lange nicht mehr die Google News zum Thema HIV aufgerufen. Schau doch mal was es so Neues gibt“.

Gesagt – Getan

Als ich die folgende Überschrift eines Artikel in der Welt vom 27. Sept. 2017 (aus dem TV Sender N24 der zum Springer Verlag gehört wird ab 18. Jan 2018 der TV Sender Welt ) las dacht ich: „Das darf doch nicht wahr sein“:

„Immunschwäche HIV-Infektionen bei Menschen ab 50 nehmen deutlich zu“

Unter Anderem bezieht sich der Autor Walter Willems von der Welt auf eine Studie die in der englisch sprachigen Ausgabe der Zeitschrift „Lanzet“ – ein Link oder die Nr der Ausgabe fehlt! – (höchstwahrscheinlich handelt es sich um diese Ausgabe/Artikel der Lanzet) veröffentlicht wurde. Eine Kernaussage ist (in der deutschen Übersetzung):

 „Das geht möglicherweise darauf zurück, dass HIV und seine Übertragung älteren Menschen weniger bewusst ist.“

Nun ja. „Ich vor 1967 geboren – weiß das es HIV gibt, weiß das ich mich mit dem Virus infizieren kann. Aber erst mal passiert es den Anderen. Nicht mir“.

Es wird vermutet das die Ursache „Mögliche Faktoren: Prostitution und Sextourismus“ sein könnten. Damit werden wieder einmal Stigma und Diskriminierung Tür und Tor geöffnet.

Das es auch anders geht: „Wir kennen die Ursachen in Deutschland letztlich nicht“, sagt die deutsche Co-Autorin Barbara Gunsenheimer-Bartmeyer vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Zum Glück gibt es aber auch immer Jemand – Person oder Instituition – dem man den Schwarzen Peter zuschieben kann:

Der Trend zeige aber auch, dass diese Altersgruppe von „Aufklärungskampagnen“ vernachlässigt worden sei, betont sie (Tavoschi-Lanzet“.

In gleichem Maß wie die vor 1967 Geborenen älter – sexuell aktiv*er geworden sind, in gleichem Maß haben Aufklärung, Information, Wissen um HIV und HIV Medikamente zugenommen. Besonders was die Aufklärung in Schulen der heute 50+ betrifft. Die Meisten meiner Freunde die heute 50+ sind haben HIV mit all seinen Schrecken, seiner Tragödien pers. erlebt. Von wem zum Teufel spricht der Autor, die Autorin überhaupt?

Die Welt ist eine überregionale Tageszeitung die zum Springer Konzern gehört. Gerade der Springer Konzern hat in den „Anfangsjahren von HIV in Deutschland in einer Art und Weise über das Thema HIV berichtet“ die bewirkten das nicht wenige „Ältere Menschen mit HIV die der LGBTI Community angehören bzw Teil sind bis heute „traumatisiert sind“.

So heißt es im Spiegel vom Juni 1983 „Homosexuellen Seuche – AIDS . . . „. Im Nov 1984 schreibt der Spiegel „Die Seuche bricht aus dem Schwulen-Getto aus“.

Ich will es bei diesen Ergüssen belassen. Die damalige „journalistische Recherche“ vor allen Dinge die „Ausdrucksweise und der Tenor“ war und ist nach wie vor „oberflächlich“ um es höflich zu formulieren. Ein Tenor der jedoch immer noch bzw wieder verstärkt zu Stigma und Diskriminierung beiträgt.

Die heutigen 50+ wurden vor 1967 geboren. Als HIV Thema in Deutschland wurde (1982 – 1990) waren sie 15 Jahre und älter. Spätestens ab 1990 war Aufklärung zum Thema „Schutz vor HIV“  kein Thema mehr. Wenn man – Wer zu dieser Zeit „HIV nicht auf dem Schirm hatte“ der muß imho damals völlig verpeilt gewesen sein.

Allerdings gab es auch nicht Wenige die glaubten das „je weiter man von Deutschland entfernt <-> im Urlaub war, umso geringer war die Wahrscheinlichkeit sich mit dem HIVirus zu infizieren“. Wie sich herausstellen sollte traf dies besonders auf heterosexuelle Urlauber*Innen zu.

So gab es politische Überlegungen – sie standen im Kontext zu den Ängsten der Menschen der Gesellschaft bzgl HIV, der Unkenntnis über HIV weil man bzgl des Wissen medizinisch am Anfang stand und den Inhalten vieler schlecht recherchierter „journalistischer Ergüsse“ (in den USA war man uns in der BRD in dieser Hinsicht einen wenn auch kleinen Schritt voraus) -. . .

„Die Zeit von Aids-Hysterie, von Verfolgungs-Phantasien und Ausgrenzungs-Experimenten war auch die Hochzeit des CSU-Politikers Peter Gauweiler und seiner Politik, insbesondere des „Bayrischen Maßnahmen-Katalogs“. Quelle: 2Mecs Frank & Ulli

Heute schreiben wir den 1. Oktober 2017. HIV ist dank einer Vielzahl von HIV Medikamente – Kombinationen behandelbar. Mittlerweile ist es möglich das HIV-negative Menschen sich mittels einer PrEP (PräExpositionsProphylaxe) vor HIV schützen können. Das Wissen <-> die Informationen um HIV – Schutz und Erfahrung ist seit 1982 gewachsen, vorhanden und auffindbar.

„Das schlimmste an einer Krankheit <-> HIV ist nichts über eine Krankheit <-> HIV zu wissen.“

„Wissen, Information sind die Basis Stigma, Diskriminierung und Ängsten in Schach zu halten“.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf die Publizistischen Grundsätze wie sie im Pressekodex des Presserat, die die Maßstäbe hinsichtlich der Berichterstattung und des journalistischen Verhaltens festlegen, hinweisen.

 

 

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