Status: In Bewegung (akt 8)


Im Computerstuhl durch die Wohnung, im Rollstuhl durch die Gänge des Krankenhauses, die Warteräume der Ärzte, der Schmerz durch die Nervenbahn im Bein runter bis zum rechten Fuß, im Kopf auf dem Weg, auf der Suche nach Lösungen.

Der Tag davor

Wenn ich Glück hab dann gehört ab morgen Mittag mein Bandscheibenproblem der Vergangenheit an. Um 9.00 in der Früh bekomme ich in der BU Klinik in Frankfurt eine Spritze unter einer CT gesetzt. Nennt man Periradikuläre Therapie (PRT)

Die Untersuchung vom Chef der Abteilung und dem Radiologen waren soweit ok – d.h. stimmig für mich. Allerdings werde ich auf m Bauch liegen müssen . . . Na das wird was werden . . . Mit nem 6Pack wär das kein Problem, aber mit dem Rettungsring . . . :heiligerstrohsack . . .😉

Der Tag der Behandlung

Mit etwas Aufregung und der Hilfe eines sehr netten med Assistenten from „Alabama“ gelang es mir mich in die Bauchlage zu begeben. Es war wie immer – das Drama im Kopf zerplatzte wie eine Seifenblase. Es galt sich für ca gefühlte 7 Minuten nicht zu bewegen damit der Punkt der durch die CT bestimmt wurde wo die Spritze (Schmerzmittel/Kortison/Kontrastmittel damit man sieht ob und wie sich das Kortison verteilt hat) gesetzt werden sollte, sich nicht veränderte – verschob. Schon die kleinste Armbewegung – Kopfbewegung würde dies bewirken. Ich wartete auf den Einstich und das Einführen der Nadel. Aber außer der Meldung der Ärztin, „Achtung jetzt werden Sie gepiekst“ spürte ich nichts von dem Einstich geschweige denn der 7 oder 8 cm langen Nadel. Nach 3, 4 Sekunden war es auch schon vorbei.

Bei der Spritze handelte es sich um ein Lokalanaesthetika (Mittel zur örtlichen Betäubung – ähnlich dem das der Zahnarzt verwendet wenn dieser einen Zahn zieht), zum anderen ein örtlich wirksames Kortisonpräparat, sowie eine geringe Menge von Kontrastmittel zur Dokumentation der Verteilung der Medikamente verabreicht

Laut Rückmeldung der mich behandelnten Ärztin war alles in Ordnung. Die Stelle im Rücken stimmte – ich war unbeweglich – das Kortison wurde an der richtigen Stelle gespritzt und hatte sich gut verteilt.
Das war um 9.30.

Mittlerweile ist es 13,39 Uhr und mein rechtes Bein ist immer noch taub. Ohne Gefühl. Aufstehen, zur Toilette gehen oder ähnliches ist immer noch nicht möglich. So langsan merke ich wie ich in Panik gerate. Im Beratungsgespräch sagte mir der Radiologe das die Betäubung nach „kurzer Zeit“ im Bein verschwinden würden.

Die meisten Anaesthetika haben ihren Ursprung im Kokain. Du sitzt oder liegst und wartest das das Gefühl der Betäubung aus dem Bein verschwindet, das du aufstehen, auftreten wieder laufen kannst. Irgendwie muß ich ja mal zur Toilette kommen, mich ins Bett legen. Solange das Bein Taub und gefühllos ist, ist an Stehen und Laufen nicht daran zu denken.

Die letzten Wochen so mein Gefühl verdichtete sich mein das Leben immer mehr, immer stärker. Alle Möglichkeiten, Situationen die im Leben passieren können sich im Kopf vorzustellen, sich einen Plan zurechtzulegen was wäre – mache ich wenn, ein Ding der Unmöglichkeit. Natürlich versucht man – uns einzureden (und Viele glauben das auch) das Sicherheit im Leben und Perfektion möglich sind, das man sich gegen Alles und ganz besonders das Unvorhersehbare schützen kann . . . „Herr Kaiser berät sie gerne“.

Wie komme ich auf die Toilette? Wer hilft mir jetzt, in diesem Moment, begleitet mich, reicht mir seinen Arm? Solche und ähnliche Fragen sind es in den „unvorhersehbaren Situationen“ mit denen man konfrontiert wird.

Das Naheliegende war ein Anruf bei dem Pflegedienst der mir zwei mal in der Woche zur Hand geht. Da alle PflegerInnen des Pflegedienstes Patienten zu betreuen haben war dies nicht möglich. Der nächste Anruf war bei der AIDS Hilfe vor Ort. Eine Stand by Gruppe gab es nicht. Natürlich hätte ich mir das Denken können, aber „Denken“ und „Wissen“ sind zwei paar Schuhe. Wie sagt ein Freund: Versuch macht klug. Recht hat er.

In der Wohnanlage, das Haus in dem ich lebe wohnen ältere Menschen die gesundheitlich angeschlagen sind. Dies und unsere/meine finanzielle Situation sind Bedingungen das man wenn eine Wohnung frei wird eine Solche beziehen kann. Die Wohnungen sind alle „Behindertengerecht“ eingerichtet. Eine große Toilette, Haltegriffe an der Wand und Türen mit niedrig angebrachten Türklinken und Schlösser. Dazu kommt das diese Häuser von denen es in Frankfurt einige gibt einem Verband angeschlossen sind die über ein Hausnotrufsystem verfügen. Gegen ein geringes Entgeld das in der Miete einbezogen ist hat man die Möglichkeit dieses „Angebot“ in Anspruch zu nehmen. Bislang hatte ich dieses Angebot abgelehnt. Wenn auch eingeschränkt in meiner Mobilität so war es mir bis dato doch möglich mit Hilfe des Pflegedienstes meinen Alltag zu bewältigen. Es geht halt alles ein bischen langsam. Langsam und vor allen Dingen Achtsamkeit bei dem was ich tue. Das war mein nächster Anruf. Dieses Mal hatte ich Glück. Nach ca 10 Minuten klingelten zwei Männer von diesem Notdienst und waren mir bei meinem Gang zur Toilette behilflich.

Es war diese Situation in der mir wieder einmal bewußt wurde wie schnell sich das Leben von einem auf dem anderen Moment verändert. Am Freitag werde ich den Vertrag unterschreiben, mich auf dieses Angebot einlassen.

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Die Wirkung des Lokalanaesthetika hat erst gegen 17.00 Uhr  nachgelassen. Gegen 14,30 Uhr hatte ich leicht panisch in der Radiologie wo ich am Morgen behandelt wurde angerufen und einem Arzt mitgeteilt das ich in meinem „rechten Bein immer noch kein Gefühl habe, das es immer noch taub ist“. „Wenn Sie heute abend immer noch ihr rechtes Bein nicht spüren dann kommen Sie uns“ sagte er. Auf meine Aussage das wie der Arzt in dem Aufklärunsgespräch sagte die „Betäubung nach einer kurzen Zeit verschwinden würde“ 5 Stunden nicht gerade das sind was man als „kurze Zeit“ versteht sagte er

„das in dem Aufklärungsgespräch nur die Informationen (des Herstellers) bzw Erfahrungen weitergegeben werden können, die vorhanden sind. Ein Feedback von Patienten ist äußerst selten. Diejenigen die nach einer solchen Behandlung keine Schmerzen mehr haben, von denen hören wir nichts. Andere Patienten werden 2 oder 3 mal behandelt. Von Ihnen erfahren wir nur das sie immer noch Schmerzen haben.“

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Laut dem RKI leben nach einer aktuellen Schätzung des RKI Ende 2012 in Deutschland etwa 78.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Deutschland hat 80,2 Millionen Einwohner. Gemessen an der Gesamteinwohnerzhal von 80.2 Mio sind 78000 Menschen mit HIV 0,0973 %. Wenn man sich vor Augen hält wie gut wir Menschen mit HIV vernetzt sind ich denke da besonders an Menschen wie Marcel, Ulli Würdemann, Uwe, Michelle, Michael, Diego, Steven, Matthias, (alle aufzuführen, es sind so Viele die sich – teiweise seit Jahren – engagieren) wie gut wir Organisiert sind – z.b. die Projekt Info in München – unsere Belange durch und von der DAH und den vielen AIDS Hilfen in Deutschland vertreten werden bzw wir die Möglichkeit haben kompetente Hilfe sowie div Angebote in Anspruch zu nehmen, dann kommt man nicht umhin festzustellen das wir – Menschen mit HIV  trotz aller Unterschiede und auch unterschiedlichen Ansichten – uns in einer sehr privilegierten Situation befinden.

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Zum Leben gehören Krankheiten. Sie sind Teil des Lebens. Das ist einfach so. Weder der Name einer Krankheit spielt eine Rolle noch die Bewertung Gut – Schlecht. Was eine Rolle spielt ist das was bei einem Namen – einem Wort im Kopf passiert. Wie wir mit Worten umgehen, welche Worte wir verwenden . . . Darauf kommt es an. Sie – Worte – sind es die bestimmten wie unser aller Leben ist und sein wird.

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Manchmal ist es schwerer, dann ist es wieder leichter . . .

Live the Life you want
Love the Life you live

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Update Mittwoch 3. Juli – Tag 2 nach der CT-PRT Nr. 1

Seit 2 Tagen ist – fühlt sich die ersten beiden großen Zehen am rechten Fuß immer noch taub an. Sie zu bewegen wie die Zehen am linken Fuß funktioniert nicht.
Was die Schmerzen betrifft. Ich konnte einen großen Teil des Tages ohne Schmerzen sitzen und liegen. Allerdings bewege ich mich „humpelnd“ und in einer beginnenden Schonhaltung durch die Wohnung.

Morgen werde ich nach 3 1/2 Wochen Pause die PhysioTherapie unter Aufsicht meines Therapeuten  wieder aufnehmen.Das oder ein Problem ist nur – Vormittags bis zum Mittag hebe ich kaum oder nur wenig Schmerzen. Ab dem Nachmittag nehmen sie zu.

* * *

Update Freitag 5. Juli – Tag 4 nach der CT-PRT Nr. 1

Am Mittwoch schrieb ich das ich am Donnerstag die Physio wieder aufnehmen würde. Being that kind of Chaos Person die ich nun mal binseinkann, habe ich den Termin abgesagt.

Am Donnerstag vormittag kam ein Mitarbeiter des Pflegedienstes zu mir der meine Einkäufe erledigt. Wir haben uns daüber unterhalten, das ich seit der PRT schmerzfreier sitzen und liegen kann, dass das Laufen jedoch sehr beschwerlich und immer noch mit Schmerzen verbunden ist. Irgendwie kamen wir dann auf einen Rollator zu sprechen. Er meinte dass das eine gute Idee wäre da mir diese MobilitätsHilfe mehr Sicherheit geben würde als ein Arm eines Menschen mir geben kann. Vor allen Dingen bin ich auf der sicheren Seite (abgesichert) falls mir mit einem Rollator etwas passieren sollte. Dies und ein paar Schuhe in die ich mit meinen derzeitig geschwollenem rechten Fuß „reinkomme“, der mir paßt is ne gute Idee. Mit Adiletten – die linke Adilette paßt, in der Rechten ist der Fuß nur halb oder irgendwie drin – zum Taxi zu schlurfen und mich beschlappten Fußes ohne sichere Standhaftigkeit an div Muskelaufbaugeräten zu betätigen, das wäre nicht nur leichtsinnig sondern Versicherungstechnisch auch nicht möglich. All dies wurde mir in diesem Gespräch bewußt. Es war der berühmte letzte Input den ich benötgit.

Das ein Rollator in meiner Situation – nicht erst seit der PRT – sinnvoll ist, das war mir im Kopf schon lange klar. Im Bauch war es aber noch nicht angekommen. Ich kann noch nicht einmal sagen, was – welche Gründe mich abgehalten hatten, warum ich mich selbst abgehalten hatte, mich nicht schon eher für einen Rollator zu entscheiden. Eitelkeit oder das Denken „Was mögen andere über mich denken“, diese Denkweise ist mir seit über 30 Jahren fremd.

Es ist eine Sache für einen anderen Menschen eine Entscheidung zu treffen wenn es um die Fürsorge, für seine Gesundheit und eine Verbesserung seinerihrer Lebensqualität im Rahmen eine Betreuung geht. Etwas ganz anders ist es jedoch wenn man mit sich selbst konfrontiert wird. Der Prozeß der Auseinandersetzung und vor allen Dingen eine „Entscheidung“ zu treffen ist obwohl vpm Prinzip ähnlich um einiges intensiver. Zwischen sich in einen anderen Menschen einfühlen – mitfühlen und sich selbst (s)einem Prozeß zu stellen, liegen mitunter Welten.

Als ich diese Entscheidung für einen Rollator getroffen hatte, konnte ich ob des Bildes das wir beide „Der Rollator und ich“ abgeben werden grinsen. Wenn ich eine stimmige Entscheidung getroffen habe, kann es mir „natürlich“ nicht schnell genug gehen. Heute kam das HilfsmittelRezept. Wenn ich Glück habe bringt mir ein Mitarbeiter eines Sanitätshauses den Rollator am kommenden Dienstag.

Da mich seit der PRT meine tauben Zehen am rechten Fuß doch beunruhigten, habe ich heute Vormittag in der Abteilung in der BU Klinik angerufen und um einen Rückruf der mich behandelnten Ärztin gebeten. Als sie mich kontaktierte erklärte ich ihr das mich dieses Gefühl der Taubheit in meinem Fuß – den Zehen beunruhigte. Die zehen, namchmal auch den halben Fuß nicht oder nur wage beim Auftreten zu spüren ist ein unangenehmes und Unsicherheit verbreitendes Gefühl. Zwar spüre ich meine Zehen im rechten Fuß, sagte ihr das es sich um ein anderes Gefühl der Taubheit wie es durch einen akuten Bandscheibenvorfall ausgelöst werden kann wie auch durch eine Polyneuropathie hervorgerufen wird handelt. Sie sagte mir das dies nicht selten vorkommt. „Da ich am Mittwoch den 10. eine weitere CT-PRT erhalten werde, wird  dieses „Gefühl der Taubheit“ noch etwas länger andauern“. „Mit der Zeit“ sagte sie, wird dieses Gefühl dann wieder verschwinden.“

* * *

Update Mittwoch 10. Juli – CT-PRT Nr.2

Heute Vormittag hatte ich die zweite CT-PRT. Während ich auf die Behandlung wartete, kam der Arzt vorbei der das Aufklärungsgespräch zu dieser Behandlungsmethode mit mir führte. Ein Aspekt auf den wir zu sprechen kamen war das es kaum ein Feedback von anderen Patienten die diese Behandlung in Anspruch genommen haben, gibt.

Ein Satz der im Laufe dieses Gespräches gefallen ist war: „Die Betäubung im jeweiligen Bein wird nach relativ kurzer Zeit verschwunden sein“.  Als ich ihn heute morgen sah sprach ich darauf an, erzählte ihm wie es mir nach der Behandlung ging. Das Gespräch zwischen ihm und mir war sehr entspannt. U.a. sagte ich ihm das die Intentsität meiner Schmerzen nachgelasen habe und daher guter Hoffnung bin das ich nächste Woche wieder mit der PhysioTherapie weitermachen kann.

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Das Thema Feedback auch im Kontext zu AufklärungPrävention in Sachen HIV, wie auch im Kontext zur Gleichstellung mit den Menschen der Gesellschaft, die nicht zu unserem Kreis gehören, der Gesellschaft von der wir ein Teil sind, ist ein überaus wichtiger Aspekt. Besonders wenn es sich um Krankheiten handelt. Wir, Menschen mit HIV sowie all diejenigen die zum großen Kries der Schwulen, Lesben, Bi, Trans*Gender*identischen Menschen gehören, unser Feedback, die Erfahrungen die wir alle machten und machen,  macht Veränderung möglich, ermöglicht die Verbesseung unserer Situation, bzw trägt einen nicht unerheblich Teil dazu bei.

Feedback als Parameter dafür der zeigt wo wir stehen, und als Parameter dafür was noch getan werden,verbessert werden muß in unseren Bemühungen um irgendwann an dem Punkt zu sein wo wir hin gehören. Auf Augenhöhe mit jedem Menschen.

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Es gibt Ärzte und „Ärzte“. Gestern hat mir Letzterer die 2. CT-PRT verpaß. Jeden Schritt hat er mir – ich auf dem Bauch unter einem Computer Tomographen absolut bewegungslos liegend – erklärt. „Jetzt markiere ich die Stelle wo die Spritze gesetzt wird . . . jetzt piekst es . . . jetzt gugg ich noch mal ob die Spritze auch tatsächlich an der richtigen Stelle sitzt . . . jetzt setze ich die Spritze – eine ca 8cm lange Nadel wird an die Bandscheibe gesetzt  „Bandscheibe trifft Nerv, selbiger auf den Besuch der Bandscheibe aber empfindlich reagiert“ – jetzt kommt das Medikament . . . . .

Voraussetzung dieser Methode der Behandlung ist, das man bewegungslos auf der Liege verharrt. Doch wenn man angesprochen wird, dann löst es zwangsläufig eine Art Antwortreflex aus. Zudem wurde ich im „Aufklärungsgespräch über das Procedere „aufgeklärt“. Ich wußte also was passieren würde. Insofern galt dieses „erklären“ weniger mir als möglicherweise . . . .

Ergebnis: Dieses mal habe ich den Weg der Nadel (Hallo Muskelgewebe. Alles klar mit Euch? Verpiß Dich du Nadel) gespürt. Heute tut mir nicht nur die Stelle am Rücken weh wo die Nadel gesetz wurde, der Arsch tut mir auch noch weh.

Die erste Spritze CT-PRT wurde mir von einer Ärztin gesetzt. Sie war vollkommen unaufgeregt und entspannt, sagte nur das Notwendigste (Es ist wichtig das sie ruhig liegen, sich nicht bewegen). Also lag ich da und wartete auf die Spritze. Nach einiger Zeit kam sie und sagte. Das war´s. Alles ist OK. Das Medikament hat sich gut verteilt.

Ich lag nur da und wunderte mich. Von der Spritze selbst habe ich nichts gepürt. Die letzte CT-PRT laß ich mir von ihr geben wenn Sie aus dem Urlaub zurück ist. Es sind solche Ärzte die einem die Angst nehmen und Vertrauen in ihr Tun schenken.

Ansonsten warte ich jetzt darauf das ich wieder klar im Kopf werde und das die Taubheit in meinem rechten Bein verschwunden sein wird damit ich mich mit dem Rollator durch die Wohnung bewegen kann.

*

Das Taubheitsgefühl in meinem rechten Bein hielt dieses Mal „relativ kurz“ an. Um 10.45 wurde mir die PRT verabreicht gegen 14.00 Uhr was mir möglich mich leicht schwankend zwar und mich an einer Wand lang festhaltend, ins Bett zu legen. 1 Std später konnt ich mich mit Hilfe des Rollators – gut das es sowas gibt – durch die Wohnung bewgen.

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Update Samstag 13. Juli – Tag 3 nach der 2. CT-PRT

So langsam keimt in mir die Hoffnung das die 2. PRT möglichwerweise die Letzte gewesen sein könnte. Die Schmerzen – Nervenentzündung an der Bandscheibe sind kaum noch vorhanden. Was geblieben ist sind Verspannungen auf Grund (m)einer Schonhaltung beim laufen, die ich mir in der Zeit der akuten Phase zugelegt habe. Aber das ist nichts was sich durch die Physio die ich ab kommender Woche wieder angehen werde nicht beheben lassen würde. Alles was ich dazu benötige ist Zeit. Und davon habe ich ja ne Menge.

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Update Dienstag 16. Juli – Tag 6 Nach CT-PRT Nr. 2 –
1. Tag WiederaufnahmeFortsetzung der Physio

Hier wo ich wohne dürfen Taxis auf den Bürgersteig der zu dem Haus führt, fahren um Menschen die gesundheitlich angeschlagen, behindert oder nicht so mobil sind entgegenzukommen, das sie in relativer Sicherheit einsteigen können. Es ist handelt sich dabei um eine Strecke von ca 30 Meter, die leicht abschüssig ist was das Laufen unter Umständen erschwert da man bergab „sich dem Gefälle mit Muskelkraft entgegenstemmen muß“. Ein gesunder Mensch mag darüber lächeln, aber wenn die Kraft in den Beinen nachglassen hat dann bereitet dir jede Strecke des Weges den man zurücklegt und der nicht eben verläuft Schwierigkeiten. Je nach Verlust oder Beschwerden wirst Du unsicher. Unfälle sind, wenn man nicht in Begleitung ist oder sich eines Hilfsmittel bedient das zur Sicherheit beiträgt, nicht selten.

Obwohl ich seit einer Woche im Besitz eines solchen Hilfsmittel – ein Rollator – bin war mir schon bei dem Gedanken:“Werde ich es schaffen die Strecke von der Haustür bis zum Taxi unbeschadet zu bewältigen?“ mulmig. Auch am 6. Tag nach der 2. CT-PRT war ich frei von Beschwerden, Schmerzen. Deshalb war heute der Tag an dem ich mich entschieden hatte die Physiotherapie wegen HIV assoziierte Polyneuropathie und Myopathie – Muskelschwund wieder aufzunehmen. Für den Fall des Falles bat ich den Taxifahrer von meiner Wohnungstür bis zum Einstieg „an meiner Seite zu sein“. Langsam und bedächtig, nach fast jedem Schritt die Bremse des Rollators betätigend erreichte ich das Taxi. Was zu meiner Angst und Unsicherheit beitrug war die Schonhaltung die ich während der aktuen Schmerzphase von ca 3 Wochen eingenommen hatte. Es ist diese Schmerzvermeidungsstrategie, dieses Programm das der Körper automatisch dann abspielt wenn man Schmerzen hat. Man versucht den Schmerz zu verhindern indem man die schmerzende Stelle entlastet, nicht beansprucht. Im Fall (m)eines Bandscheibenvorfalles und Schmerzen in den Muskeln in den Beinen undoder Taubheitsgefühl im Fuße – rechts oder links – versucht man das Gewicht beim Laufen auf  das gesunde Bein zu verlagern. Dies hat zur Folge das man nach einer Weile eine „schräge Haltung“ einnimmt.

Ein Rollator vermittelt Dir nicht nur ein Gefühl der Sicherheit „Bremsen festgestellt und er steht unbeweglich sodaß man mal verschnaufen kann“ sonder er bietet einem auch die Möglichkeit den aufrechten Gang – wenn man schmerzfrei ist wieder aufzunehmen. Langsam – es ist mehr ein an das normale Laufen, den aufrechten Gang herantasten – setzt Du einen Fuß vor den anderen. Die Entdeckung der Langsamkeit, das ist überhaupt das Maß der Dinge, das Zauberwort um das es in bestimmten Situationen geht. Im Kopf bin ich mitunter blitzschnell, laufe die 100 Meter während der 3 Schritte eines Atemzuges. Zu Fuß jedoch benötge ich für die 100 Meter mindestens 15 Minuten. Auch hier trifft Gewohnheit, Routine auf Realität. Würde man der Routine Raum lassen so macht man in den meisten Fällen eine schmerzhafte Erfahrung mit dem Bürgersteig oder dem Fußboden in seiner Wohnung. Also schreitet man Achtsam einen Fuß vor den Anderen setzend langsam seinem Zel entgegen.

Die Physiotherapie, Übung an verschiedenen Geräten war sehr entspannt. Entspannt zum einen weil mein Therapeut mir nicht nur zur Seite stand sondern weil er die Sitzmöglichkeiten so vorbereitet hatte das es mir Möglich war ohne große Anstrengung aufzustehen. Zum anderen auch deshalb weil ich bei einem Gerät an dem Stand an dem ich vor 6 Wochen aufhörte anknüpfen konnte.

Alles in Allem war es PhysioTherapeutisch gesehen ein guter Tag. Da schmecken die Somosa und die indische Nußmischung vom Inder meines Vertrauens gleich noch mal so gut.

P.S. Für alle Zahn VollProthesenträger:

Da man für diese Methode der Behandlung auf dem Bauch liegen muß, mit dem Gesicht liegt man auf einem Kissen muß und vor allen Dingen sich während der Behandlung „nicht“ bewegen darf, ohne die Prothese (Gesicht, Kinn, Mund auf dem Kissen und Arme verschränkt vor dem Kopf) liegt man entspannter auf der schmalen Liege.

* * *

Fazit

Hin und wieder zieht es in meinem rechten Bein als Folge der Schonhaltung und der daraus resultierenden Muskelverspannung. Ansonsten bin ich fast frei von Schmerzen. D.h. Ich kann Bandscheibenschmerzfrei sitzen, liegen und laufen. Durch die 2 Behandlungen der CT-PRT Spritze – Mischung aus Kortison-Kontrastmittel-Lokalanästhetikum – ca 1 mm an der entzündeten Nervenstelle ist die Entzündung zurückgegangen. Ein kurzes Gespräch – es diente zu meiner Vergewisserung ob 2 PRT ausreichen – mit einer der Vorzimmerdamen des Chefaztes beruhigte mich das keine 3. PRT mehr notwendig sei „solange die Schmerzen nicht in dem Maß wie zuvor wieder auftreten würden“. Sollte dies der Fall werden dann kann ich innerhalb von 1 -2 Tagen einen Termin für eine weitere CT-PRT bekommen. Die Wiederaufnahme der Physiotherapie zur Kräftigung der Rückenmuskulatur ist ein guter Weg, da die (herausgetretene) Bandscheibe sich auch wieder zurückbilden kann.

Und genau das „Physiotherapie 1-2 Std minimum 2 x in der Woche“ werde ich jetzt wieder fortführen.

In der letzten Zeit habe ich mich des öfteren gefragt ob ich mich nicht zu sehr mit meinem körperlichen Zustand, Bandscheibenproblem, meiner eingeschränkten Mobilität (Verlust der Muskelkraft in Beinen und Armen) beschäftige identifiziere. Ich bewege mich in einem Spannungsfeld von Hoffen, Bangen und Verzagtheit, Ungewissheit, Zuversicht und Mut. Ich staune über Menschen wie z.b. Stefan die über ein Urvertrauen verfügen und durch nichts aus der Bahn geworfen werden können. Andererseits, und das ist das Spannende nehme ich wahr wie ich (wir) funktioniere(n), wie wir konditioniert sind. Verhalten, Gewohnheiten die zu Routinen geworden sind und sich verinnlicht verselbstständigen, dies wahrzunehmen ist interessant und spannend. Dies und Lösungen für das Jetzt mit dem Ergebnis ein mehr an Lebensqualität zu finden – das ist eine Herausforderung.

Krankheiten sind Teil des Lebens. Solange wir/man jung ist und krank wird gehen wir idR davon aus das wir wieder genesen und unseren Alltag in einer absehbaren Zeit wieder Schmerz bzw Beschwerdefrei erleben und erfahren können. Alter bedingt idR körperlichen Verschleiß wie auch (länger) Beschwerden die bis zu unserem Ableben anhalten können. Eine körperliche Genesung im Sinne von „Schmerzfrei und fit wie einst im Mai“ wird nur den Wenigsten von uns beschieden. Eine der Fragen, die Situation mit der wir konfrontiert werden: „Wie gehen wir mit dieser neuen Erfahrung in unserem täglichen Leben, dieser eingetreteten körperlich spürbaren Veränderung um?“

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Freitag 26. Juli 2013

Nach der letzten CT-PRT Behandlung ist die Nervenentzündung an der Bandscheibe abgeklungen, sodaß eine 3. PRT Behandlung nicht mehr nötig wurde. Was geblieben ist, ist eine Schwäche im rechten Bein, das Taubheitsgefühl und die Unbeweglichkeit in den beiden Zehen meines rechten Fußes, die aber langsam zurückgeht. Auch hier haben die Ärzte recht behalten. „Es braucht eine Zeit“.  Ich kann wieder schmerzfrei sitzen und liegen. Was das Laufen betrifft, da bin ich recht wacklig auf den Beinen. Dies kommt u.a. durch die Schonhaltung die ich mir während der akuten Zeit angewöhnt habe. Am Dienstag den 16. Juli habe ich die PhysioTherapie wieder aufgenommen. Es wird Zeit brauchen bis ich durch die Physio wieder zu einer normalen Körperhaltung zurückfinde, bis ich wieder in der Lage bin kleine Wegstrecken – Erledigungen „zu bewältigen. 2 mal 90 bis 12o Minuten Physiotherapie in der Woche sind nicht besonders viel im Vergleich zu einer RehaMaßnahme wo man über einen Zeitraum von 21 Tagen 5-6- verschiedene Anwendungen täglich absolviert.

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2 Antworten zu Status: In Bewegung (akt 8)

  1. Vielen Dank für die guten Wort für die Physiotherapeuten, nur wenn auf die Patienten erkennen, dass Krankenkassen und Ärzte mit ihrer Sparpolitik den Patieten Schaden, kann man dagegen vorgehen. Wir als Physiotherapeuten müssen Patienten in teilweilse 20 Minutigen Behandlungen versorgen, wie soll das gehen ?!

  2. alivenkickn schreibt:

    In der Tat sind die Absender der Knüppel die einem zwischen die Beine fahren und einen zu Fall bringen oder das Fortwärtskommen erschweren nicht selten in den Reihen der Krankenkassen zu suchen. Unter dem Strich betrachtet stellt sich mir dann schon die Frage: Wer ist hier eigentlich krank – wer der Patient. Der Kranke oder die Krankenkassen?

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