Bratwurst, Wäsche waschen, frische Erdbeeren, Bandscheibenprobleme, HIV+, IceCream . . .


Intro

. . . this is – Auszugsweise und ganz besonders im Sommer – my everyday Life for 28 Years beiing HIV + as far as i know, that is.

„Sagen Sie wie kommt es das ich vom Chefarzt des Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie untersucht werde?“

„Der Herr Professor“, sagte die Vorzimmerdame, „hat sich heute den Tag reserviert um Patienten die gesetzlich versichert sind zu untersuchen.“ 

Prima dachte ich, was besseres kann mir gar nicht passieren.

Anfang Juni hatte ich das erste Mal seit Jahren wieder Schmerzen im Rücken. Zu diesem Zeitpunkt waren sie noch zum aushalten. Sie hatten mich nicht in meinem Alltag – 2 mal die Woche 2 Std Physiotherapie, Besuch der alten Dame – weiter beeinträchtigt. Dies sollte sich am späten Sonntagabend den 9. Juni schlagartig ändern.

Da waren sie wieder, die gleichen bekannten, schmerzhaften Symptome die sich 2005 nach 8 Monaten trotz Einnahme von Unmengen von Schmerzmitteln aus Pflichtgefühl meiner Mutter gegenüber „Du kannst Dich doch nicht als ihr Betreuer ins Krankhaus legen,ohne Dich läuft doch mal gar nix“. nicht mehr verdrängen bzw ignorieren ließen. Muskelschmerzen in der rechten Gesäß-Arschbacke, Muskelschmerzen im rechten Ober und Unterschenkel Innenseite, Taubheitsgefühl im rechten Fuß den man mir hätte abhacken können ohne das ich es gespürt hätte. Ich konnte weder liegen, sitzen und stehen. Vom Laufen ganz zu schweigen. Die OP in 2005 im gleichen krankenhaus hatte bei mir funktioniert. Danach war ich 8 Jahre beschwerdefrei. Bis heute.

Da mir diese Schmerzen – Symptome bekannt waren: „Jede Wette, das is die Bandscheibe“ hatte ich in weiser Voraussicht schon einen Termin für eine MRT und eben besagten Termin für heute im Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie der berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main ausgemacht.

in medias res

Herr Kapunkt . . . . .

Ja sagte ich. Als sich der Chefarzt umdrehte und mich anschaute erwiderte ich: „Ich habe eine Bitte, ich sitze zum ersten Mal im Rollstuhl und tue mich noch etwas schwer. Würde Sie mir bitte behilflich sein und . . . „

„Aber gerne“ sagte er lächelnd, kam zu mir und schob mich in sein Büro.

Sein offenes Gesicht, seine Ausstrahlung, sein Wesen so nahm ich es intuitiv wahr, war von einer angenehmen, verständnisvollen Art.

Ich beantwortete seine Fragen, erzählte ihm von meiner HIV bedingten Myopathie in den Armen und Beinen, der Polyneuropathie in beiden Füßen als Folge der Langezeitnebenwirkungen meines Alters von 63 Jahren, 28 Jahren HIV und 16 Jahren Einnahme von HIV Medikamenten. Da er sich meine Unterlagen die ich mitbrachte – MRT Aufnahmen, Arztbrief des MRT Radiologen sowie den letzten 3-monatigen HIV RoutineUntersuchungsErgbnisse angeschaut hatte, teilte er mir mit das ich dieses Mal einen „leichten“ Bandscheibenvorfall habe der eine OP nicht notwendig erscheinen läßt. Mittels einer konservativen Behandlung einer Periradikulären Therapie (PRT) würde man die akute Situation lindern – wenn nicht sogar völlig beheben, sodaß ich die unterbrochene Physiotherapie wieder aufnehmen könnte. Er würde gleich beim Radiologen hier im Haus anrufen und ihm sagen das ich bei ihm vorbeikommen werde.

Das Gespräch dauerte ca 20 Minuten. Die Kommunikation zwischen uns fand in einer sehr entspannten Atmosphäre statt. Was das Thema HIV betrifft, es war No Thema at all. Alles total normal. So wie es sein soll. So wie wir es uns wünschen.

Als ich meine rechte Adilette wieder anziehen wollte bat ich ihn mich an die Wand zu fahren. Da mein rechter Fuß leicht geschwollen war hatte ich eine Technik entwickelt um meinen angeschwollenen rechten Fuß so weit es eben möglich ist in den Schuh zu „schieben“. Ich drückte den Schuh mit meinem rechten Fuß gegen die Wand was bewirkte das sich mein rechter Fuß „soweit in die Adilette bewegte“, das ich sicheren Fußses einige Schritte laufen konnte. Als ich dem Chefarzt dies erklärte, stemmte er seinen beschuhten Fuß mit der Bemerkung „Sie meinen so?“ gegen meine rechten Fuß. Da er ein kräfter, großer Mann war brachte er das nötige Gewicht mit, das es mir ermöglichte „meinen rechten Fuß in die Adilette „hineinzuschieben“.

Ein „Brick in the Brain“ an dem Viele von uns scheitern, der verhindert das wir über unsere HIV Infektion sprechen mögen Gedanken sein wie:

Was wird er/sie von mir denken/halten wenn ich sage – darüber spreche das ich HIV + bin?
Wird er/sie mich ablehnen?
Er/sie wird mich bestimmt ablehen – wird mir seine/ihre ablehnende Haltung zeigen – Gesichtsausdruck.

Da Viele von uns die wir HIV + sind solche oder ähnlichen Gedanken kennen, Erfahrungen gemacht haben, beschließen Viele (aus Angst wieder verletzt, abgelehnt zu werden) zu schweigen.

Tatsache ist: Ich kann mir alles vorstellen. Was meine „kleine Horror in the Head Section“ in meinem Brain betrifft, ich stelle Hollywood in den Schatten. You bet your ass.

In der gleichen angenehmen Art und Weise ist das Gespräch mit den Damen an der Aufnahme für einen Termin beim Radiologen wie auch mit dem Radiologen selbst der mich über die PRT aufklärte verlaufen.

Laut Drehbuch war heute DramaTag im Krankenhaus:

„Auf Grund eines technischen Problems bitten wir alle Patienten zum Ausgang zu gehen. Bitte helfen Sie Menschen mit einer Behinderung“. Ein Krankenwagenfahrer, sah mich im Rollstuhl sitzen, kam auf mich zu: „Na dann wolln wir mal“.

Zum Glück war es ein falscher Alarm. Vielleicht hatte ein Patient auf der Toilette heimlich geraucht und dadurch den Rauchmelder ausgelöst.

Nach 5 Minuten war der Alarm Geschichte und der Krankenwagenfahrer schob mich zurück zur Aufnahme. Nach weiteren 5 Minuten war hatte ich meinen Termin für die erste PRT.

Ich schaute mich in der Anmeldung um und fragte ins Blaue hinein: „Könnte mich jemand zum Ausgang fahren? Ich tue mich noch ein bischen schwer mit dem Rollstuhl“. „Kein Problem“ sagte ein Patient.

Während mich der Patient zu Ausgang schob, erzählte ich ihm warum ich im Rollstuhl saß: Bandscheibe, Muskelschwund, Poly in den Füßen als Ursache von HIV . . . Auch hier machte ich wieder die gleiche Erfahrung. Keine negativen Reaktionen seinserseits. Interessiertes Zuhören, keine negativen Reaktionen.

Outro

Die Erziehung die wir durch unsere Eltern erfahren haben beruhen zum einen auf den Erfahrungen die sich im Alltag unserer und deren Eltern – Vorfahren bewährt haben. Die Sozialisation durch die Gesellschaft ist die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch Internalisation, (Verinnerlichung) von sozialen Normen. Sie sind Richtungsweisend für das Leben eines jeden Einzelnen von uns und gleichzeitig Werkzeuge auf die wir zur Lösung von auftretenden Problemen zurückgreifen können.

Der Nachteil – die andere Seite der Medaille – liegt in der Tatsache begründet das wir uns in einer Sackgasse wähnen wenn wir erkennen das die bekannten“ Erfahrungen“ und „Werkzeuge“ nicht funktionieren bzw das für das Eine oder Andere Problem keine „Werkzeuge – Richtungsanweisungen“ vorhanden sind.

„Das schaffe ich nicht“ „Diese Probleme sind wie ein Berg der unüberwindbar erscheint“.

Solche Sätze stehen für Ratlosigkeit, für „Nicht vorhandenes Wissen, Erfahrungen“. Es sind keine „Lösungsangebote“ vorhanden auf die wir in solchen undoder ähnlichen Situationen zurückgreifen können. Dazu gesellt sich oftmals die „Angst“ die Lösungen verhindert oder um ein Vielfaches erschwert. Wir befinden uns in einem „Scheuklappen State of Mind“. Anders ausgedrückt: Es gibt keinen „Freien Raum in unserem Denken der uns die Möglichkeit der berühmten „unorthodoxen Heransgehensweise“ offenbart.

Die Möglichkeit des Beschaffens – des Bewahren eines „Freien Raumes“ in unserem Denken hat man uns nie gelernt – nie gelehrt.

This way or no way at all und letzteres gepaart mit Angst. Solcherart funktionieren wir. So sind wir konditioniert. Insofern nimmt Diskriminierung, Stigma, Ablehnung, auch nicht weiter wunder. Und dies bezieht sich nicht nur auf Krankheiten wie z.b. HIV. Rasse, Hautfarbe, Behinderung, Religion, you name it.

Was das Thema HIV betrifft:

Sei Du selbst. Rede wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Bringe auch deine Unsicherheiten, deine Ängste zum Ausdruck. Auch Dein Gegenüber ist nicht frei davon. Das Kopfkino das Du im Kopf hast – das kennt er auch. Nimm Dich nicht zu ernst und nicht zu wichtig. Humor – die Fähigkeit über sich selbst zu lachen, oder zu lächeln bricht jedes Eis, schlägt jede Angst in die Flucht.

Dann sitzt sie da, die Angst. Und hat Angst vor der Angst. Da kann sie von mir aus auch bis zum St. Nimmerleinstag sitzen.

* * * * *

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5 Antworten zu Bratwurst, Wäsche waschen, frische Erdbeeren, Bandscheibenprobleme, HIV+, IceCream . . .

  1. Sandrah schreibt:

    Ich kann dir nur einen kleinen Link mit paar Infos zur Bandscheibenbroblemen schicken, hoffe dir hilft das etwas weiter. Grüße

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Sandrah

    Danke für den Link.

    Mittlerweile und Gott sei Dank ist das Thema Schnee von Gestern wie man so sagt . . .😉

  3. Sandrah schreibt:

    Ok, kein Thema

  4. Sandrah schreibt:

    P.S. Weiter viel Gesundheit

  5. Sandrah schreibt:

    und bei fragen kannst du dich gerne melden

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