„Würzburg bewegt sich – Gesundheit möglich machen“ . . . auch beim Zahnarzt ?


Würzburg, was fällt mir spontan zu Würzburg ein. Aus dem Stegreif? Außer das es in Bayern – Unterfranken und am Main liegt, eine Residenzstadt ist und eine der Knotenpunkte der Deutschen Bahn Richtung Süden bzw Osten – Budapest ist nicht viel. Ich müßte da schon Wikipedia bemühen. Da erfahre ich dann das Tilman Riemenschneider einer der bedeutendsten Bildschnitzer und Bildhauer ab 1483 in Würzburg lebte und 1531 in Würzburg starb, das im Oktober 1945 die CSU Bayern gegründet wurde, was für mich eine Trivia ist und das es in Würzburg die Julius Maximilian Universität, eine der ältesten Universitäten, Gründung 1402 die nur von kurzer Dauer war gibt. Richtig los ging es dann 1582 mit der Erteilung der Universitätsprivilegien und der Ernennung der Dekane für die Theologische, Philosophische, Juristische und Medizinische Fakultät.

Philosophie und Medizin stehen von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet in einem direkten, unmittelbaren Zusammenhang. Geht es doch – um es mal einfach zu formulieren – um die Erkenntnis das Menschen krank werden, welches die Krankheiten sind und wie man den Menschen helfen, heilen kann, bzw. was man tun kann damit der Mensch Linderung seiner Schmerzen und Heilung erfährt. Das war die Ausgangssituation Anno 1582.

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430 Jahre später, Dezember im Jahre des Herrn 2012

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Aktion „Gesunde Stadt“ Würzburg bewegt sich – Gesundheit möglich machen! . . . . so lautet das Motto im Jahre 2013. 

Vom 15. Februar bis 15. März 2013 wird wieder die Mitmachaktion zum Start in den Frühling „Würzburg bewegt sich“ stattfinden.

Über den Zeitraum von vier Wochen soll dem Würzburger Bürger wieder eine große und bunte Palette an Aktionen rund um das Thema Bewegung angeboten werden. Alle Angebotsvorschläge können ab sofort bis zum 07.Januar 2013 im Aktivbüro eingereicht werden! Jede Idee, die sich im weitesten Sinn mit dem Thema Bewegung befasst, ist willkommen. Dabei haben die Veranstalter nicht nur den körperlichen Aspekt von Bewegung im Blick, sondern auch die Bewegung, die in den Köpfen stattfindet . . . . , Quelle: Gesundheit möglich machen

Na dann wollen wir doch mal schauen wie beweglich die Zahnärtze in Würzburg sind

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Hatte heute mal wieder nen richtigen BAD DAY. nachdem ich die halbe nacht vor zahnschmerzen an der decke hing, konnte ich glücklicherweise einen nottermin beim arzt ergattern. blöd wie ich anscheinend bin, hab ich den anmeldebogen wahrheitsgetreu ausgefüllt, natürlich meine 10 euro abgedrückt und mich ins wartezimmer gesetzt. kurz danach haben die mich dann aus der praxis geworfen (mitsamt meinen 10 euro) mit der begründung, daß sie „solche“ leute nicht behandeln :evil:
das kann doch echt nicht wahr sein :o eine runde heulen auf der straße und weiter zum nächsten. weil das ja so einfach ist, so kurz vor weihnachten^^ nun, immerhin will der mich behandeln….aber erst am abend, als letzte….der hat echt angst, daß ich ihm die praxis verseuche. das sei eben anweisung vom gesundheitsamt. ich hab mir dann verkniffen, ihm zu erklären, wo er sich anständig informieren kann, ich will doch nur diese elenden zahnschmerzen behandelt haben.
also erstmal voller wut das gesundheitsamt angerufen und mich beschwert, das hat den typen echt voll interessiert. hauptsache am 1.12. das rote schleifchen angesteckt…………ahhhh, ich könnt kotzen.

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Dieses Posting war der Ausgangspunkt der nachfolgenden Telefonumfrage unter den in Würzburg praktizierenden Zahnärzten. Dazu ist vorab das Folgende zu sagen:

Quelle: hier

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Laut diesem Verzeichnis gibt es in Würzburg 86 Zahnärzte. Von diesen Zahnärzten habe ich 60 angerufen, 53 erreicht und mit folgender „Frage“ konfrontiert:

“Guten Morgen. Mein Name ist x.x.x. Da ich ab Januar im wunderschönen Würzburg leben und arbeiten werde, befinde ich mich wieder einmal auf der üblichen Arzt Odysee. Nun zum Grund meines Anrufes. Ich bin seit über 20 Jahren HIV Positiv. Wenn ich morgens mit ner dicken Backe aufwache und akute Zahnschmerzen habe, könnte ich dann spontan zu Ihnen kommen und Wartezeit mitbringen?

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Unter den 53 Zahnarztpraxen die ich erreicht habe, i.e. mit den Spechstundenhilfen mit denen ich telefoniert habe, hatten 8 Zahnärzte kein Problem mit der Behandlung von Menschen mit HIV, 39 Zahnärzte <-> Damen am Telefon gaben mir zu verstehen, das Menschen die ihren Status „Ich bin HIV positiv“ kommunizierten nur nach vorheriger Terminabsprache einen Randtermin am gleichen oder am nächsten Tag i.e. vor der Mittagspause oder am Ende eines Behandlungstages erhalten würden. 6 Zahnärzte haben mich direkt an die Zahnklinik in Würzburg verwiesen, da sie auf die Behandlung von Menschen mit HIV nicht „eingerichtet“ sind.

ZahnarztWürzburg1

Die Gründe für die Vergabe von Randterminen rangierten von kurios über abstruss bis hin zu anbenteuerlich.

. . . offizielle Vorschrift und wegen dem Qualitätsmanagement im Zahnarztwesen . . .

. . . wir müssen danach besondere Vorkehrungen bzgl der Desinfektion des Raumes treffen und können danach keine anderen Patienten mehr behandeln . . . .

. . . wir sind Equipmentmäßig nicht auf die Behandlung von Menschen mit HIV eingerichtet . . .

. . .weil das Behandlungszimmer muß über Nacht desinfiziert werden . . .

. . .  nach der Behandlung von Menschen mit HIV kommt eine spezielle Firma die den Behandlungsraum ausräumt und desinfiziert, das ist halt einfach so, weil das ist die Pflicht der Landeszahnärztekammer . . .

. . . das Behandlungszimmer muß laut QM = Qualitätsmanagement einen Tag geschlossen bleiben (das war eine Aussage die ich sehr oft zu hören bekam) . . .

. . . bei Eingriffen überweisen wir Menschen mit HIV an die Klinik, weil das Zimmer ist nach der Behandlung kontaminiert, aber sonst haben wir keine Probleme Menschen mit HIV zu behandeln . . .

Der Knaller war die Aussage: Der Stuhl in dem der Patient = Mensch mit HIV saß darf nach einer desinfizierung 24 Stunden nicht benutzt werden . . .

. . . und nicht zu vergessen das Menschen mit HIV verpflichtet sind den Anamnesefragebogen wahrheitsgemäß auszufüllen i.e. anzugeben das wir HIV positiv sind . . .

Auf meine Frage was denn mit Patienten ist die nicht wissen ob sie HIV + sind oder eine HEP C oder andere Krankheit haben sagte man mir: Das ist dann eben Risiko.

Das ich nur 60 Zahnarztpraxen angerufen habe hatte einen ganz einfachen Grund. Nach einem Tag telefonieren und der immer wieder widerkehrenden Litanei von  . . Wahrheitspflicht zu sagen das wir HIV + sind, Randtermin weil wegen der Desinfektion und stundenlanges Einwirken der Desinfektionsmittel etc hatte ich einfach die Faxen dicke. Was mich in besonderem Maße erschrocken hat, war die Tatsache wie stark der größte Teil der SprechstundenDamen es verinnerlicht hatten, das es „normal ist das Menschen mit HIV eine Randtermin zugewiesen bekommen“.

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Was diesen obskuren QualitätsmanagementPlan betrifft, der existiert nur in der Phantasie. Die Vorschriften sind da ganz eindeutig und klar. Ob von der Bundeszahnärztekammer in Berlin oder den entsprechenden Landeszahnärztekammern der Länder: Es gibt KEINE Vorschschriften das Menschen mit HIV nur an „Randterminen = vor der Mittagspause oder am ende eines Tages“ behandelt werden müssen. Wie ich erfahren habe wird im Januer 2013 ein Treffen zwischen der Bundeszahnärztekammer Berlin und der DAH stattfinden. „Leider muß man immer wieder am Ball bleiben“ so die Aussage des Leiters der Abteilung Zahnärztliche Berufsausübung der BZAEK.

Hygieneplan der Bundeszahnärztekammer Berlin

Hier kommen AIDS Hilfen verstärkt auf den Plan. Seit einiger Zeit ist ein Diskurs am laufen welche Aufgaben AIDS Hilfe heute wgat man sich ob und welche Aufgaben von AIDS Hilfe heute noch zeitnah sind. Imo genügt es nicht Aktionen zu starten mit dem Ziel sich unter dem Strich einer handvoll Ärzte zu versichern die gegenüber Menschen mit HIV keine Vorurteile haben. Diskriminierung und Stigmatisierung von Ärzten ist heute 30 JAhre nach HIV in Deutschland immer noch weit verbreitet. Da hilft nur ein verstärktes Engagement und Aufklärung besonders von den AIDS Hilfen. Vor allen Dingen auf dem Gebiet der Weiterbildung und in den entsprechenden Ausbildungsberufen wie z.b. Ausbildung zu Arzthelferin, Pflegepersonal etc. Da liegt einiges im Argen.

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Ich bin es leid immer wieder die gleichen Inhalte bzgl Behandlung und Hygienvorschriften des RKI und andere Institutionen sowie anderer Blogger zu Wort zu bringen. Aus diesem Grund dürfen insbesondere die immer widerkehrenden Protagonisten i.e. Ärzte von A – Zahnarzt die es immer noch nicht realisiert haben sich der Mühe unterziehen und die in den unten aufgeführten Links entsprechenden Inhalte zu Gemüte zu führen.

Nicht müde und leid werde ich aber sein und solange über solches Gebaren zu berichten bis auch der letzte Arzt es verstanden hat das Leben Krankheiten einschließt, das Leben krank sein beinhaltet und jeder kranke Mensch unabhängig vom Namen einer Krankheit gleich behandelt wird.

Ansprechpartner bei „Problemen“:

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Eine Antwort zu „Würzburg bewegt sich – Gesundheit möglich machen“ . . . auch beim Zahnarzt ?

  1. PV schreibt:

    Eine super Aktion. Vielen Dank für die Mühe!

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