Depressive Verstimmungen


Er weiß gar nicht mehr wann er seine depressiven Verstimmungen das erste Mal bemerkt hatte. Sie hatten sich langsam, ja heimtückisch in seinen Alltag eingeschlichen. Als er sich in einer der depressiven Phasen befand wurde er sich ihrer gewahr. Das Gefühl sich in einem schwarzen Loch aufzuhalten, von Auswegslosigkeit und Hoffnungslosigkeit umgeben zu sein so wie er sie vor Jahren empfunden hatte, hatte sich dieses mal nicht eingestellt.

Auf normale, depressionsfreie Tage folgten Tage, an denen er sich wie ein Tier in seine Höhle zurückzog. Gefühle der Antriebslosigkeit, Resignation und Abgeschlagenheit, dem Bedürfnis sich der Welt zu verschließen, waren dieses Mal nur zeitweise vorhanden. Sie wechselten sich ab mit Tagen an denen er sich wohl fühlte. Alles in ihm war dann aufgeräumt. An solchen Tagen war er mit sich im Lot. Das Tageslicht empfand er als nicht bedrohlich. Die Rolläden vor den Fenstern ließ er tagsüber oben. Da die Depressionen kein Dauerzustand waren der über Monate andauerte, charakterisierte er diese Zustände als depressive Verstimmungen. Vor allen Dingen konnte er dieses mal Menschen wenn er ihnen begegnete und sich mit ihnen unterhielt in die Augen schauen. Das war der wesentliche Unterschied im Gegensatz zu seiner letzten Depression.

In der letzten Zeit hatte er auch wieder Lust bekommen regelmäßig zu kochen. Und dann wiederum saß er mit einem Grauschleier vor seinen Augen und einer Beharrlichkeit stundenlang am Computer und spielte Kniffel. Auf Biegen und Brechen versuchte er den High Score zu knacken. Doch meistens gab es immer eine Wurfkombination die dieses Unterfangen zunichte machte.

Auf die Nächte wartete er wie ein kleines Kind auf die Bescherung. Auf einem der TV Programme gab es ab 23.00 immer einen Spiel oder Actionfilm. In sie einzutauchen, sich zu verlieren, Teil der Handlung zu werden – so empfand er es – über diesen FluchtWeg, seinen Depressionen zu entkommen kam einer Befreiung, einer Erlösung gleich. Und dann wiederum gab es Zeiten da sehnte er den Schlaf herbei, diesen kleinen Bruder des Todes. Doch immer war ein restwacher Verstand vorhanden, der ihm signalisierte wann und das es Zeit war zu schlafen weil er dem Alltag am nächsten Tag Rechnung zu tragen hatte.

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Eine Antwort zu Depressive Verstimmungen

  1. tuya salina schreibt:

    Mein Lieber

    Alles was Du da beschrieben hast…… Ich kenne es nur zu gut. Du hast es so genau getroffen, richtiggehend mir aus der Seele geschrieben.
    Und in der Nacht freue ich mich auf den Schlaf, der mich erlöst, und dann kann ich vor lauter Angst vor dem Erwachen nicht einschlafen.
    Danke, dass Du die Dinge immer wieder benennst und dich aufraffst!

    Viele lichte Tage wünsche ich Dir

    Herzlich

    Tuya

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