„Das Leben ist zu kurz für Magerquark“


HIV-ART meets SCHOOL“ – Laurentianer stellen im Kreishaus Meschede aus

Eine Kunstausstellung besonderer Art nimmt zurzeit das Jubiläum „25 Jahre Aids-Prävention“ beim Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises in den Blick – ein Anlass für das eindrucksvolle Projekt „HIV-Art meets School“.

Gemeinsam führten die beiden Projektpartner Fr. Dr. Merz und Frau Janßen,  die als Kunsterzieherin das Projekt am Gymnasium Laurentianum betreut hat, durch die Ausstellung. Überraschend ist die oft farbenfrohe Farbigkeit vieler Werke und die Vielfalt der künstlerischen Arbeitsweisen und inhaltlichen Aussagen. Gerade durch die Kombination der verschiedenen Sichtweisen von Schülern und Betroffenen treten die Ausstellungsobjekte in Beziehung zueinander und ergänzen sich gegenseitig. Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Oktober 2012 im Kreishaus in Meschede zu sehen. (Öffnungszeiten: Mo-Do 7:30-17:00 Uhr, Fr 7:30 – 13:00 Uhr) Quelle: Gymnasium Laurentianum, Arnsberg

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 In der Bilderschau begegnen sich zwei „Welten“:

Foto Copyright © Laurentianum Arnsberg

Zum einen ist es die Welt der jungen Menschen der Oberstufe des Gymnasiums Laurentianum (Arnsberg) . Sie haben ihre Gefühle und Schlussfolgerungen zur psychischen und gesellschaftlichen Realität im Umgang mit HIV in Kunstobjekte umgesetzt. Quelle: HSK

Foto Copyright © Laurentianum Arnsberg

Zum anderen ist es die Welt der von der HIV-Infektion oder der Erkrankung AIDS betroffenen Menschen. Sie stellen sich in ihren Bildern der persönlichen Herausforderung der Infektion und setzen sich mit der einhergehenden Stigmatisierung und Diskriminierung in künstlerischer Art und Weise auseinander. Quelle: HSK

Foto Copyright © Laurentianum Arnsberg

Dr. Regine Merz, die Gründerin und Leiterin von HIV-Art, konnte von den Erfahrungen und Wirkungen des Projekts aus überregionaler Sicht berichten: „Mir geht es vorrangig darum, den menschlichen Aspekt, die Lebenszusammenhänge Infizierter zu beleuchten. Das Leben geht nach der Infektion weiter, ein Leben, das heute dank Forschung und Medikamente wesentlich länger dauert als noch vor Jahrzehnten.“ Quelle: HSK

„Das Leben ist zu kurz für Magerquark“ wandte sich aber nicht ausschließlich an die Betroffenen, sondern hat seine Gültigkeit für jeden, so Frau Dr. Merz.

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Das Krankheitsbild der HIV-Infektion stellt eine tiefgreifende Veränderung des gesamten Menschen, seiner Physis, Psyche und seines sozialen Umfeldes dar. Die medizinische Behandelbarkeit der viralen Infektion des Körpers ist nur ein Aspekt des komplexen Krankheitsbildes. Kunsttherapie bietet Menschen mit HIV und AIDS eine Therapieform an, die zu jedem Zeitpunkt des Krankheitsverlaufs auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten eingeht. Die individuellen Bedürfnisse der HIV-Patienten werden in der Kunsttherapie ausgedrückt und bearbeitet. Auch bei thematischen Vorgaben fließt die Persönlichkeit des Malenden mit in die Gestaltung ein.

Die Bilder von HIV-Patienten, die in der Kunsttherapie entstehen, sind nicht nur auf die komplexen Herausforderungen der Infektion und die Krankheitsprogression zurückzuführen. Der Wunsch nach vorbehaltloser Akzeptanz der Persönlichkeit besteht bei allen Menschen, in besonderem Maße aber bei Menschen mit HIV und AIDS, denn die Infektion ist mit Stigmatisierung und Diskriminierung verbunden. Sobald Symptome der Infektion auftreten, unter denen gelitten wird, thematisiert sich deutlich die Leere und Einsamkeit in den Bildern.

Quelle: Sind HIV-Spezifische Parameter in Patientenbildern sichtbar und wie lassen sich diese interpretieren? pdf Datei

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Im Rahmen einer Diskussion die sich auf Grund eines Fotoshootings entwickelte und der daraus unterschiedlichsten Wahrnehmungen – Sichtweisen fiel des öfteren der Begriff  „Kunst und die künstlerische Umsetzung eines Themas“ im Kontext zu Prävention und Aufklärung zum Thema HIV und AIDS. Die Schwierigkeit so zeigt es sich immer wieder liegt heute in der Fähigkeit der Differenzierung. Je ausgeprägter die Fähigkeit zur Differenzierung, je schärfer die Wahrnehmung umso größer ist die Wahrscheinlichkeit einer realistischen Wiedergabe des gegenwärtigen Bild von HIV/AIDS. Die alte Formel der einseitigen Verantwortung, einer Bringschuld die man Menschen mit HIV einst zusprach hat ausgedient. Die Informationen sind vorhanden und abrufbar. „Verantwortung übernehmen“ gilt für jeden Menschen innerhalb einer Gesellschaft gleichermaßen. Die Schülerinnen und Schüler der Kunst-Grundkurse der Jahrgangsstufe EF (10) in 2011
sowie ein Literaturkurs des Gymnasiums Laurentianum, Arnsberg haben dies in eindrucksvoller Art und Weise mit fachgerechter Begleitung und Unterstützung unter Beweis gestellt.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Schulleitung des Laurentianum Arnsberg für die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Informationen, Daten und Bildern der Ausstellung im Kreishaus Meschede, der Theaterspieler mit einer Theaterpädagogin
sowie den Schülerinnen und Schülern der Kunst-Grundkurse der Jahrgangsstufe EF (10) in 2011 sowie ein Literaturkurs des Gymnasiums Laurentianum.

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