AIDS ist KEIN – ich buchstabiere K-E-I-N – Menschenfresser (akt 2)


. . . und wir sind KEINE – ich buchstabiere K-E-I-N-E – Todesengel . . .

Dieser Tage mußten Menschen mit HIV und AIDS wieder einmal einen abgestandenen übelriechenden Aufguss über sich ergehen lassen, den die Protagonisten i.e. die AIDS Hilfe Berlin als „Fotokunstprojekt“ gutheißte und die von dem Fotografen „Armin – Er macht die Models hübsch – Morbach“ anläßlich der alljährlich stattfindenden Gala „Künstler gegen Aids“ in Berlin umgesetzt wurde. Besagter Fotograf besaß die Unverfrorenheit „VIP-Models als Todesengel (Menschen mit HIV und AIDS)“ darzustellen bzw auszugeben!

Marcel Dams, Freund, Teilzeitblogger und Teilzeitvlogger:

Was soll der Quatsch? Hier wird ein altes Bild von HIV vermittelt, welches – aufgrund der Medizin – heutzutage gar nicht mehr in jedem Fall zum Stadium AIDS führt. Und auf den Begriff „Todesengel“ sind sie wahrscheinlich auch noch stolz, oder!? Wir sind keine Todesengel! Wir sind keine Gefahr, wir sind keine Biowaffen, wir sind Menschen! Ich lasse mir diesen Begriff nicht gefallen! HIV ist bei uns kein Todesurteil mehr und gehört realistisch dargestellt! Quelle FB

Dazu eine bekannte Filmschauspielerin zu der 4 Buchstaben Zeitung:

„Ich habe mich über mich selbst erschrocken. Aids ist ein Menschenfresser.“

Im Rahmen der einsetzenden Diskussion auf dem Sozialen Netzwerk Facebook meinte der Make Up Artist und Hair Meister höchstpersönlich, des er es super findet wenn es unter uns Menschen mit HIV Menschen gibt die nicht zu der Gruppe derjenigen gehört die bei uns an AIDS sterben.

Doch es gibt auch eine andere Realität und die liegt in einigen Hospizen. Ich kümmere mich um solche Menschen mit Hiv und Aids und jeder von ihnen war mit Dieser kampagne einverstanden, den sie haben nur noch einige Monate zu leben. Sie haben keinen schnupfen und keine Grrippe sondern Aids und jeder kann sich sehr glücklich schätzen das die Medikamente wohl gut anschlagen. Leider gibt es sehr viele Fälle bei denen das nicht der Fall ist … Wenn du die Wahl hättest und ein Leben ohne Virus zu leben, ein Leben ohne Medikamente oder ohne Angst beim Sex , würdest du das gleiche wieder tun =?Wir sollten aufhören HIV und AIDS zu verharmlosen den es ist und bleibt ein Krankheit die dein Leben beeinträchtigt und verfrüht zum Tot Führen kann und leider es oft auch tut ! Quelle: FB

Marcel Dams antwortete ihm wie folgt:

Lieber Armin, Du scheinst Dich nicht wirklich mit Prävention beschäftigt zu haben, sonst wüsstest Du, dass alle Schockkampagnen das Gegenteil von dem bewirken, dass Du erreichen willst. Dein Engagement in Ehren: Niemand hat behauptet, dass keine Menschen mehr an AIDS sterben, aber es sind immens weniger geworden und diese Realität gehört transportiert! Ich habe es satt, dass Leute mich bemitleiden, wenn sie erfahren, dass ich HIV-Positiv bin! Wir sind weder totgeweiht, noch Todesengel! Quelle: FB

In der Hoffnung Armin Morbach auf die Sprünge zu helfen auf das er gewahr werden würde wovon wir reden unterstrich Marcel seine Aussage mit einer Stellungnahme der deutschen AIDS Hilfe Berlin

Laien beurteilen Schock-Kampagnen als wirksamer

Wer Prävention betreibt, braucht auch die Qualifikation dafür

Wenn man solche Kampagnen entwickelt, dann muss man sich zunächst sehr gut informieren. Zum Beispiel: Wieviele Übertragungen gibt es? Wo kommt es aus welchen Gründen zu Übertragungen? Welche Zielgruppe ist besonders betroffen? Welche Kontextfaktoren wie z.B. soziale Not oder soziale Schicht sind relevant? Hier sollte man sich erstmal in die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien einlesen. Quelle:DAH-Blog

*

Das es Menschen gibt die heute an dem Krankheitsbild AIDS trotz Medis sterben steht außer Frage. Und genauso steht es auch außer Frage das sich wenn man im Sterben liegt die eigene Sichtweise verändert. Dies liegt in der Natur der Sache. Nur das ist nicht die Regel – das ist heute die Ausnahme. Die Kampagne, die Aufnahmen die Du gemacht hast transportieren ein völlig, anderes Bild nicht nur von Menschen mit HIV/AIDS sondern von HIV/AIDS. Und dieses BIld ist schlicht und einfach falsch. Dir geht die Fähigkeit zur Differenzierung völlig ab. Ich bin seit 27 Jahren HIV +, mittlerweile 62. Wenn wir diese Diskussion auf eine andere Ebene transportieren wollen – Krankheiten gehören zum Leben dazu, sind Teil des Lebens. Niemand würde in den Sinn kommen, einen Alkoholiker der an einer Leberzirrhose stirbt in einem solchen Maß auf Grund seiner Krankheit – Alkoholismus/Sucht in einer solchen Art und Weise fotografisch zu thematisieren. (Vor 300 Jahren sprach man allerdings vom Teufel Alkohol. Heute hat man erkannt das Sucht eine Krankheit ist!!!) Niemand würde auf die Idee kommen einen Menschen der an einem Tumor oder an Diabetes leidet, diese Krankheiten in der gleichen Weise fotografisch zu thematisieren wie Du es mit der Krankheit AIDS gemacht hast. Im übrigen kann ich da nur Marcel zustimmen. Ich habe es auch satt bemitleidet zu werden, wie ich es generell satt habe das man Menschen wegen egal welch schwerer chron Krankheit bemitleidet. Ich bin mir der Hilflosigkeit bewußt mit der sich viele Menschen angesichts eines leidenen, vom Tode gezeichneten Menschen fühlen, Denoch in diesem „bemitleiden“ schwingen nicht selten Projektionen eigener Ängste wie auch Vorurteile und Unwissenheit mit. Zum einen nimmst du Armin Morbach mit der Inszenierung „Models als Menschen mit HIV/AIDS sind Todesengel“ zu inszenieren“ vielen Menschen besonders denjenigen die ahnen das sie HIV positiv sein könnten ein großes Stück Lebensqualität wie auch denjenigen die sich neu infiziert haben. Zum anderen transportierst Du mit genau dieser Art der „Darstellung“ ein Bild in die Gesellschaft bzw hälst ein Bild aus der Frühzeit von HIV/AIDS, einer Zeit als es noch keine Medikamente gab und das große Sterben Tagtäglich stattfand, am Leben, das bewirkt das Menschen mit HIV/AIDS einen Verlust an Lebensqualität erleiden auf Grund der Tatsache das wir durch eben diese Gesellschaft auf Grund solcher „Kampagnen und der entsprechenden medialen Berichterstattung“ weiterhin stigmatsisiert und diskriminiert werden.

. . und last but not least . .

In der Pressemitteilung der Berliner Aids Hilfe heißt es ua:

Ute Hiller, Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe, sagt zu den Kunstwerken: „Mit seinem sehr persönlichen Blick auf die HIV/Aids-Erkrankung geht Armin Morbach an die Grenze des Erträglichen. Er irritiert und verstört den Betrachter, ruft alte, verdrängte Aids-Bilder wieder wach und zeigt dennoch die Menschen, wie sie mitten im Leben stehen. Mit ihrer Schönheit und Vitalität bilden sie die heutigen Möglichkeiten ab, das Virus mit Hilfe von Medikamenten in Schach halten zu können. Diese beiden Seiten erleben wir auch in unserer täglichen Arbeit: vitalen HIV-positiven Menschen stehen hilfebedürftige und mit vielfältigen Krankheiten gezeichnete Menschen gegenüber. Für mich verkörpern die Bilder in einer Person das wunderbare Leben und dessen Endlichkeit.“

Armin Morbach zeigt dennoch die Menschen wie sie mitten im Leben stehen. Mit ihrer Schönheit und Vitalität bilden sie die heutigen Möglichkeiten ab, das Virus mit Hilfe von Medikamenten in Schach halten zu können.

Also ich hab die Bildzeitung jetz 96 mal gelesen, mir die VIP Models 245 mal angeschaut . . . aber ich kann beim besten Willen die von Armin Morbach fotografierten Menschen mit HIV/AIDS in ihrer Schönheit und Vitalität nicht sehen . . .

* * *

Update 28. September 2012

Fotoaktion von Armin Morbach

Unabhängig von dieser breit aufgestellten Präventions- und Solidaritätskampagne der Berline  Aids-Hilfe ist derzeit der Hamburger Fotograf Armin Morbach mit seinem sehr persönlichen Fotokunst-Projekt „Die Zwei Gesichter“ im Blick der Öffentlichkeit – und mit ihm auch die Berline Aids-Hilfe, zu deren Gunsten er die Kunstwerke versteigern will.

Armin Morbach schuf Fotografien, auf denen sechs Personen des öffentlichen Lebens zu sehen sind. Während die Körper der Dargestellten vollständig sind, zeigen die Gesichter Knochen, Schädelfragmente. Andere Gesichter sind halbiert: eine Hälfte unversehrt, makellos und schön, die andere Hälfte dunkel, eingefallen und teilweise mit Durchsicht auf die Knochen.

Das Kunstwerk von Armin Morbach hat viele Lesarten. Menschen äußern sich ganz unterschiedlich in dem, was sie in diesem sehen: den Tod, das Vergehen, eine Metamorphose von Schönheit zu Verfall. Armin Morbach hat mit diesem Kunstwerk ein zeitgenössisches Memento mori geschaffen, ein Bild, das das Werden und Vergehen, das Sein und dessen Endlichkeit thematisiert. Das ist ein alter Malereitopos, auf dessen Gattung sein Werk zurückgeht.

Dem entgegnen manche: HIV ist nicht der Tod, mit HIV im Jahre 2012 zu leben ist fast ein normales Leben. Und sie haben damit recht! HIV ist Leben, Leben mit einer chronischen Erkrankung! Die anderen sagen: Auch heute noch sterben Menschen in Deutschland an den Folgen ihrer HIV-Infektion. 500 Männer und Frauen waren es 2011.

Das Kunstwerk an sich ist frei, soweit es kein in Auftrag gegebenes Kunstwerk ist. Bei den Fotografien von Armin Morbach handelt es sich nicht um ein von der Berliner AIDS-Hilfe in Auftrag gegebenes Werk. Als Kunstwerk erlaubt es Rechts- und Unrechtsbekundungen über sich, ohne sich selbst diesen zu unterwerfen. Denn als Kunstwerk ist es keinem Zweck – weder einem Präventions-, einem Solidaritäts- noch einem moralischen Zweck – unterworfen.

Mit der Vorabveröffentlichung von 3 der insgesamt 6 Motive des Werkes in einer Tageszeitung, bezeichnet als „Schock-Fotos“ von „Todesengeln“, erfährt die Interpretation des Werks derzeit eine nachvollziehbare Welle der Empörung. Die Berliner Aids-Hilfe e.V distanziert sich in aller Deutlichkeit von dieser Interpretation als Einzelmeinung der betreffenden Tageszeitung, die unserem Selbstverständnis eines Lebens mit HIV/Aids widerspricht.

An dieser Stelle weisen wir explizit darauf hin, dass es sich bei dem Werk von Armin Morbach um seinen künstlerischen Beitrag im Rahmen der Benefizveranstaltung Künstler gegen Aids – Die Gala 2012 handelt. Der Künstler wird bei dieser Gelegenheit das Werk erstmalig in seiner Gesamtheit präsentieren und inhaltlich vorstellen. Im Nachgang zur Gala soll das Werk dann zu Gunsten der Hilfsangebote der Berliner Aids-Hilfe e.V. versteigert werden.

Ausdrücklich verweisen wir darauf, dass es sich dabei nicht um eine wie auch immer geartete Aufklärungs- oder Präventionskampagne handelt, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein oder vorgestellt werden wird. Interviews und Statements der beteiligten Personen sind als freie Meinungsäußerung zu verstehen und gewünscht, geben jedoch nicht unbedingt die Meinung der Berliner AIDS-Hilfe e.V. wieder.

Wir laden Interessierte dazu ein, sich an einem konstruktiven Dialog zum Leben mit HIV/AIDS zu beteiligen.

Berlin, 27.09.2012 – Quelle: BAH

* * *

Update 22. Oktober 2012

bz-berlin.de: Riesn-Ärja um de totn Köppe von dea Aids-Jala

Wenich Jesicht, ville Skelett und noch mehr böset Blut. Star-Knipser Armin Morbach lichtete für „Künstler gegen Aids“ Sonja Kirchberger, Franziska Knuppe und Dennenesch Zoudé als Todesengel ab, dit sollte uff de heutige Gala versteijat wern. Allet wieda abjeblasn. De sojenannten Kunstwerke würdn dem Selbstvaständnis vonnem Lebn mit HIV/Aids widasprechn, sachen die vonne Berliner Aids-Hilfe, deshalb würdense sich in alle „Deutlichkeit“ von die „Interpretation“ distanziern, heeßt it. Quelle und weiter gehr es hier, . . .

*

Künstler gegen AIDS

Foto Copyright © Berliner AidsHilfe Dummer/Lange/Ritter

Zum Tod von Dirk Bach

. . . . . Dirk Bach hat sich mit außergewöhnlichem Engagement für den Kampf gegen Aids eingesetzt. Wir sind überzeugt, dass es in seinem Sinne wäre, die Gala zugunsten der Hilfsangebote der Berliner Aids-Hilfe in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Wir werden diesen Abend seiner widmen. Quelle und mehr dazu hier

* * * * *

Weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema:

Dieser Beitrag wurde unter AIDS, Diskriminierung, Fotografie, Gesellschaft, HIV im Alltag, HIV/AIDS, Medien, Menschenrechte/Human Rights, Prävention/Aufklärung, Stigma abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu AIDS ist KEIN – ich buchstabiere K-E-I-N – Menschenfresser (akt 2)

  1. Ernst schreibt:

    Tja, wenn man Halloween und den Welt-Aids-Tag durcheinanderbringt, dann kommt so ne Kampagne dabei raus……Herzlichen Gruß Ernst

  2. Teilzeitblogger schreibt:

    Armin Morbach hat seinen Facebooklink mittlerweile gelöscht und somit auch die kritischen Kommentare unsererseits – Sehr schwach, wenn man keine Argumente mehr hat!

  3. alivenkickn schreibt:

    Hallo Marcel.

    Das ist allerdings bedauerlich. Im Grunde genommen ist es zu begrüßen wenn sich Menschen zu dem Thema HIV/AIDS engagieren. Dazu gehört auch das unterschiedliche Sichtweisen – Wahrnehmungen aufeinanderprallen. Ein Diskurs ist dann so unausweichlich wie sinnvoll. Wer allerdings nicht fähig ist diesen Diskurs inhaltlich auszuhalten sollte besser die Finger von dem Thema HIV/AIDS weglassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.