Bridging the Gap – Den Graben überbrücken


Dieser Tage hat die DAH ein „Positionspapier – HIV und Strafrecht: Vier Prinzipien“ online gestellt und zu einer Diskussion eingeladen.

Eine Einladung zur Diskussion. An wen ist diese Einladung gerichtet? Auf den ersten Blick so scheint es ist der Inhalt dieses Positionspapier an diejenigen gerichtet die es betrifft i.e. Menschen mit HIV/AIDS, die Justiz und im weitesten Sinn die Community. Doch da wir nicht auf einer Insel leben, auch wenn viele sich so vorkommen mögen, kommt man nicht umhin festzustellen das dieses Positionspapier auch oder besonders an die Gesellschaft in der wir leben gerichtet ist. Es ist eine Aufforderung, eine Einladung an Sie sich mit uns (bildlich gesprochen) an einen Tisch zu setzen und miteinander zu kommunizieren. Ich benutze den Begriff „Community“ plakativ pauschalierend und unterstellend als Synonym dafür, das sie sich der Thematik eher bewußt ist als der Mann auf der Strasse. Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen ob oder in wie weit der Einzelne in der Community über die Thematik Bescheid weiß. Doch zweifelsfrei werden Menschen mit HIV/AIDS und die Community sich mit der Thematik eher auseinandergesetzt haben als  Max Mustermann oder Lieschen Müller denen HIV alle Jahre wieder am 1. Dezember um die Ohren geschlagen wird.

Auf die sogenannten Experten geh ich bewußt nicht ein weil es um uns, um „Menschen mit HIV“um unserer Bedürfnis, unser Recht auf Sex geht. Da brauchen wir niemand der uns sagt wie wir uns fühlen oder zu fühlen haben. Als Bürger der Gesellschaft dürfen sie sich jedoch gerne an dieser Diskussion beteiligen.

Im Juli 1998 fand in Genf die 12. WeltAidsKonferenz unter dem Slogan „Bridging the Gap – Die Lücke – einen offenen Graben überbrücken“ statt. Ich gehe mal davon aus das sich die Initiatoren im Vorfeld Gedanken gemacht haben welcher Graben da überbrückt werden sollte, von welcher Seite eine Brücke zu welcher Seite geschlagen werden sollte in der Absicht um sich mit wem zu begegnen und miteinander zu kommunizieren. Höchstwahrscheinlich dürfte es darum gegangen sein, andere Sichtweisen, neue Erkenntnisse sowie Wissen um HIV und medizinische Fortschritte auch in die Gesellschaft zu transportieren. Dies u.a. deshalb weil man feststellte, das es nicht nur eine Lücke, was das Wissen und die Bedürfnisse auf Seiten von Menschen mit HIV/AIDS gab.

Anzunehmen oder vorauszusetzen, das man auf Grund der Tatsache weil man HIV positiv oder ein Teil der Community ist um das Thema HIV Bescheid weiß ist genauso eine irrige Annahme wie die Tatsache das in der Gesellschaft, in der Bevölkerung heute im Jahr 2010 nach 25 Jahren HIV in Deutschland sachliches Wissen auf der Basis von Rechten und Bedürfnisse wie sie jedem nicht HIV Infizieren zusteht und in Anspruch genommen wird vorhanden wäre bzw Menschen mit HIV/AIDS zugestanden wird. Toleranz und Verständnis, Bedürfnisse und Rechte hören, wenn es Menschen mit HIV/AIDS betrifft, spätestens beim Sex auf. Von einer Ent-stigmatisierung,- diskriminierung und -kriminalisierung kann ab diesem Punkt kaum mehr die Rede sein.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen an wen diese Einladung gedacht ist: An die Gesellschaft, den Einzelnen innerhalb der Gesellschaft. Nun kann man sich nicht mit allen 82 Mio Menschen in Deutschland an einen Tisch setzen. In der Realität gibt es einen solch großen Tisch nicht. Was es aber gibt ist dank der Technik das Medium Internet. Hier kann man in der Tat von einem virtuellen Tisch sprechen. 2006 verfügten 75 % aller Haushalte in Deutschland über einen Computer. So gesehen ist dies schon ein recht großer Tisch der da virtuell vorhanden ist. Natürlich ist es abwegig davon auszugehen das sich jeder an diesen virtuellen Tisch setzt um dieses Positionspapier zu diskutieren. Aber man wird mehr Menschen unserer Gesellschaft erreichen als man sie auf HIV spezifischen Kongresssen und Veranstaltungen erreicht.

In der Sozialarbeit gibt es den Begriff das man die Menschen dort abholen muß wo sie stehen. Das heißt man muß sich auf den Weg zu ihnen machen und die Plätze aufsuchen wo man sie antrifft, sie dort abholen wo sie sich aufhalten. Darauf zu warten das sie kommen um Ziele die man sich gesetzt hat umzusetzen und zu erreichen, das hat man erkannt funktioniert nicht. Zumindest nicht in dem Maß wie ma es sich vorgestellt hat.

Ob Tageszeitung oder Illustrierte, viele der Print Medien die man am Kiosk kaufen kann, verfügen über eine Onlinepräsenz. Da sich die Chefredakteure bzw. die Eigentümer der Möglichkeiten die das Internet in Bezug auf „ (Einflussnahme auf) Meinungen, Sichtweisen und Tendenzen“ bietet, gewahr sind, nutzen Sie dies entsprechend. Dabei kann es sich um Kommentare zu einem Artikel handeln oder sie bieten ihren Mitgliedern (Communities) die Möglichkeit zu einer interaktiven 1:1 real Time Kommunikation indem sie ihnen eine entsprechende Plattform (Foren, Soziale Netzwerke, Twitter) anbieten.

Die Bemühungen um Prävention und Aufklärung zu dem Thema HIV ist ein mühsamer, mitunter auch kostenintensiver aber auf alle Fälle ein Weg zu dem man einen langen Atem braucht. Das nicht immer die Botschaft bei dem Empfänger ankommt die sich der Absender erhofft hat, erschwert die Arbeit um Prävention und Aufklärung erheblich.

Hier schließt sich der Kreislauf zu meiner eingangs gestellten Frage: An wen ist diese Einladung zu dem Positionspapier HIV und Strafrecht: Vier Prinzipien gerichtet?.

Unter anderem – An die Communities der Onlinepräsenzen der diversen PrintMedien.

Der Aufwand mag zwar mit viel persönlichem Einsatz verbunden sein, aber der Nutzen, bedingt durch die Anzahl seiner Mitglieder mag auf lange Sicht nachhaltiger und im Ergebnis effektiver sein als man es möglicherweise in Erwägung gezogen hat. Allerdings, alles hat seine Grenzen.

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3 Antworten zu Bridging the Gap – Den Graben überbrücken

  1. Wie Du weißt, unterstütze ich das Positionspapier der DAH, auch wenn ich sonst nicht immer mit ihr konform gehe.
    Es hat sich aber in einem Printmedienforum gezeigt, dass hier Spezialisten am Werk waren, die so dermaßen verquaste Formulierungen zusammengebastelt haben, dass man diese nur mit »Herrschaftswissen« wieder dechiffrieren konnte.

    Leider hat sich durch das folgerichtige Unverständnis der »normalen Menschen« in diesem Forum eine Diskussionsrichtung entwickelt, die weitab der Grundidee lag und nur mit Mühe wieder eingefangen werden konnte.

    Es wäre schön, wenn mal Muttersprachler solche Papiere verfassen würden und nicht immer nur Funktionäre …

  2. richie schreibt:

    Nur zur Ergänzung: Max Mustermann und Lieschen Müller wird am 1. Dezember und locker drumherum vor allem AIDS um die Ohren geschlagen. Und das ist Teil des Problems!

  3. alivenkickn schreibt:

    @ Ritchie

    Ein Grund mehr sich mit Ihnen auch gerade deshalb an den virtuellen Tisch zu setzen da im Grunde genommen Viele was gehört haben, aber wie man so sagt „Nix genaues weiß man nicht“.

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