Mir doch egal – Alltag im Pflegeheim


Aus dem Alltag des Pflege/Verwaltungspersonal im Pflegeheim

Subjektive Wahrnehmung? – Definitiv
Verallgemeinernd? – Definitv nicht
Interpretierend? – Nicht ausgeschlossen
Vom Standpunkt eines Beobachters aus? – Ja

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Der Ladezustand der Batterie eines Personenliftes ist fast leer:„Oh die Batterie ist fast leer“

Anstelle die Batterie des Personenliftes in einer Ladestation aufzuladen wird der Liter einfach in das Bad gestellt. „Mir doch egal“ Die nächste PflegePerson die den Lifter benötigt um Bewohner*Innen mittels des Lifters aus dem Bett zu heben, kann diesen Lifter nicht benutzen und muß im Haus nach dem zweiten von 3 Personenliften suchen.
Angeblich kostet ein neuer Lifter € 10.000. Das Internet sagt anderes. „Das glaube ich nicht“ ist die Antwort. (Bewohner*Innen eines Pflegeheimes sind eben grundsätzlich nicht ernst zu nehmen.)

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„Können wir (von einem anderen Wohnbereich) den Personenlifter haben oder braucht ihr ihn jetzt?“ „Ich bringe ihn Euch auch wieder zurück“.„Wir brauchen ihn im Moment nicht. Du kannst ihn mitnehmen. IdR wird der Lifter nicht zurückgebracht. „Mir doch egal“. In der nächsten Schicht fragt man mich ob ich weiß wo der Lifter ist. Wenn ich mitbekomme wer ihn holt weiß ich es. Ansonsten nicht. Folglich sucht das Personal einen Lifter in den übrigen Wohnbereichen des Hauses.

Statt miteinander arbeitet man gegeneinander. Die Zeit die jedeR des Pflegepersonals auf diese Art und Weise verwendet ist Zeit die dem Pflegepersonal fehlt um sich den Bewohner*Innen zuzuwenden i.e. dem eigentlichen Sinn und Zweck ihrer Arbeit.

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Ähnliches gilt für Material wie Handtücher, Hygienemittel, Artikel zur Grundpflege etc. Man nimmt den letzten Hygieneartikel, Handtuch aus dem Bad und läßt Gott einen guten Mann sein. Auffüllen kommt in dem Wortschatz von Manchen nicht vor.  „Mir doch egal“. Ganz zu schweigen davon man das in den allmorgendlichen Teambesprechungen solches Verhalten der Kollegen*Innen thematisiert. Einige leben die Haltung „Mir doch egal“, Andere schlucken solches unkollegiale Verhalten.

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In der Küche wäscht jemand Geschirr ohne Handschuhe mit einem Geschirrtuch. „Könnte ich bitte ein Brötchen haben?“ frage ich. „Ja“ sagte man mir. Sprachs, nahm mit der nassen Hand mit der das Geschirr gewaschen wurde, das Brötchen, steckte es in eine Plastiktüte und reichte mit die Plastiktüte. Da ist mir erst mal nix eingefallen. Das ich mir von einer solchen Person keine Mahlzeiten mehr reichen lasse liegt auf der Hand. Sollte es zu einer Aussprache – Konfrontation kommen ist die Haltung klar: „Es ist nicht wahr“!

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In einem Pflegeheim zu wohnen heißte das man mit Menschen die den Querschnitt einer Gesellschaft repräsentieren zusammenwohnt bzw aufeinandertrifft. Das gilt für die Pflegekräfte wie für die Bewohner*Innen gleichermaßen.
Für die Bewohner*Innen gilt das man den Einen klarkommt mit Anderen nicht. Der Kontakt beschränkt sich auf in freundliches „Guten Tag“. Der Standard einer Begegnung ist freundlich.
Für das Pflegepersonal gilt neben dem respektvollen Umgang mit den Bewohner*Innen grundsätzlich eine Professionalität die eine spürbare ablehnende Haltung gegenüber demR Bewohner*In ausschließt. Diese „Professionalität“ wird leider nicht von allen Pflegekräften an den Tag gelegt. Der Eine oder die Andere aus dem Pflegeteam ist nicht in der Lage eine ablehnende Haltung gegenüber Bewohner*Innen bei der Arbeit außen vor zu lassen. Dies geht mitunter soweit das sich das in der täglichen Arbeit niederschlägt. Je nach pers „Tagesforn“ werden Routinen in der Grundpflege oberflächlich, mitunter auch grob <-> unachtsam verrichtet. Solch unprofessionelles Verhalten gipfelt dann – weil man sich persönlich angegriffen fühlt – in „moralinsauren“ Sprüchen wie z.b. „Jetzt hab ich ihnen einen heißen Pfefferminztee gebracht und sie trinken ihn nicht solange er heiß ist“.

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IdR erfolgt der Urinbeutelwechsel bei mir wöchentlich. „Wöchentlich“ heißt nach meinem Verständnis im Rahmen des „Kathederwechsels“. Da dieser während der letzten Monate immer „Nachts“ durch den Arzt eines Bereitschaftsarztes stattgefunden hatte und der jeweilige BereitschaftsArzt*Ärztin immer einen „neuen Urinbeutel nimmt“ erfolgt der Urinbeutelwechsel an dem Tag einer Woche an dem der „nächtlichen Kathederwechsel durch den Bereitschaftsarzt stattgefunden hatte. Kommt er In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag, so erfolgt der Urinbeutelwechsel in der nächsten Woche „Donnerstags“.
„Wir wechseln aber immer Montags“. Klar wenn man Geld zum Fenster rauswerfen will.

„Warum sagen Sie nicht das der Urinbeutel gewechselt werden muß?“
Antwort: „Weil es nicht mein Job, die Aufgabe des Bewohners*In ist?“

Aber Wert darauf legen  vom Bewohner*In mit „Schwester“ angeredet zu werden“.
P.S.
Wie spricht man dann eine männliche examinierte Pflegekraft an? Bruder Martin*
Ungläubige Blicke.

Die Genderdiskussion wird in den nächsten Jahren auch in die Pflegeheime Einzug halten. Ungläubige, fragende Blicke wird die mildeste Form der Verwunderung sein.

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Da ich seit 3 Monaten regelmäßiges Training in Pflegestuhl zwecks Stärkung meiner Muskulatur unter Anleitung von Fachpersonal einer Physiotherapiepraxis betreibe – was Erfolge zeitigt – betreibe bin ich in der Lage nachdem ich täglich mittels eines Personenlifters aus dem Bett in meinen Pflegestuhl gehoben wurde mich selbst zu waschen, rasieren und mich (T-Shirt, Oberhemd) anzukleiden. Sehr oft passiert es das Damen des Reinigungspersonals während ich mich wasche in das Zimmer in dem ich im Pflegeheim Wohnung bezogen habe, ins Bad platzen um es zu reinigen. „Kommen Sie doch bitte in 10 Minuten wieder. Dann bin ich angezogen, verlasse das Zimmer und Sie können in Ruhe das Bad und das Zimmer reinigen. Bis auf 2 Aufnahmen ist es als spreche ich mit einer Wand. „Ich bin alleine. Muß bis XX Uhr auch noch den X Stock reinigen.“ Kein Funken Respekt gegenüber meiner Würde. Ganz zu schweigen davon das sie keiner Argumentation“Wie würden Sie zu Hause reagieren wenn die Reinigungskraft die Sie zum reinigen Ihrer Wohnung ihr Bad reinigen möchten während Sie sich waschen?) zugänglich sind.

Es gibt nicht genügend Reinigungspersonal. Dies ist eine unumstößliche Tatsache.

Verwaltung: „Mir doch egal“. Hauptsache wir schreiben in unserer Bilanz – Gewinn/Verlust schwarze Zahlen.

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Die Verpflegungspauschale für Nahrungsmittel pro Tag beträgt € 10,03. Nach Abzug der Personalkosten bleibt ca. ein Rest von € 5,40 für Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Abendessen. Was das über die Qualität der Nahrung (TK, Convenience Produkte minderer Qualität etc) betrifft liegt auf der Hand. Fast alle Pflegeheime haben Verpflegungspauschalen zwischen € 12,— und € 16,—.

Verwaltung: „Mir doch egal“. Hauptsache wir schreiben in unserer Bilanz – Gewinn/Verlust Bilanz – schwarze Zahlen.

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Das Pflegeheim in dem ich wohne ist eines der teuersten Pflegeheime in Frankfurt.

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Pflegeheime arbeiten Gewinnorientiert. Das zunehmend Pflegeheime zum Zweck der Kapitalanlage/Finanzinvestition verkauft werden ist kein Geheimnis. Pflegeheime inklusive all dessen was dazu gehört wie Catering, Hilfsmittel, Pharmaindustrie ist der Markt der Zukunft mit der größten und sichersten Rendite.

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3 Antworten zu Mir doch egal – Alltag im Pflegeheim

  1. fink schreibt:

    Erschütternd, ernüchternd, beängstigend. Mir haben drei Tage im Krankenhaus mit Nicht-Zuhören, Nicht-Wahrnehmen, Absprachen-nicht-Einhalten schon gereicht, um mein gar nicht so schwaches Ego leicht anzuknabbern. Was es heißen mag, unter solchen Bedingungen dauerhaft zu leben, kann ich nur schaudernd erahnen.
    Danke für den Einblick!

    • alivenkickn schreibt:

      Hallo Fink
      Danke für Deine Antwort

      „Seit ich x x x x x bin nehme ich das Leben, das was passiert sehr viel intensiver wahr. Und – es sind die kleinen Dingen die ich wahrnehmen die x x x x „.

      In diesem Kontext betrachtet nehme ich wahr was in meinem Alltag geschieht. Im Positiven wie im Negativen.
      Der Alltag in einem Pflegeheim – in einem Pflegeheim zu wohnen, zu leben darf und kann man nicht mit dem Alltag zu Hause, seiner Wohnung in der Zeit als man noch nicht auf Hilfe angewiesen war, mit dem Alltag, dem Leben in einem Pflegeheim vergleichen.

      Auf fremde Hilfe angewiesen zu sein wenn das „Familien – Freundes Netzwerk“ grobmaschig ist, ist beängstigend. Keine Frage. Seine Balance zu finden ist dann in der Tat schwierig und sehr oft schmerzhaft.

  2. Sabine schreibt:

    Zitat:

    „der Alltag in einem Pflegeheim – in einem Pflegeheim zu wohnen, zu leben darf und kann man nicht mit dem Alltag zu Hause, als man noch nicht auf Hilfe angewiesen war, vergleichen.“

    Da muß ich dir leider widersprechen, denn die schlechten Erfahrungen mit dem Gesundheits- bzw. „Krankheitssystem“ machen auch Menschen, die Zuhause leben, denn das System als solches ist krank und menschenverachtend und dies völlig unabhängig davon, ob man die Hilfe außerhalb- oder innerhalb eines Pflegeheims in Anspruch nehmen muß.

    Ich hatte im letzten Jahr sehr viel Pech, da ich mehrere Krankheiten in kurzer Zeit nacheinander hatte.

    Nur ein Bespiel:

    Ich hatte starke Schmerzen und Verschleiß an der Rotatorenmanschette der Schulter und war deswegen beim Orthopäden, der mir „stümperhafte“ physiotherapeutsiche Übungen aufgeschrieben hat, die meine Beschwerden verschlimmert haben, so daß ich ihn dann ein weiteres Mal aufsuchen mußte und ihn darauf hingewiesen habe, daß es mir durch seine Übungen noch schlechter geht als vorher.

    Kurz darauf habe ich durch das Internet von einer Firma aus Frankfurt erfahren, die eine Therapie mittels eines speziell entwickelten Geräts anbietet, wo gezielt die Außenrotatoren der Schulter trainiert werden können.

    In kurzer Zeit war ich völlig beschwerdefrei.

    Zur Kontrolle wollte ich dann noch einen Termin bei dem o.g. Orthopäden machen.

    Die Sprechstundenhilfe hat mir dann ausrichten lassen, daß ich keinen Termin mehr bei Dr. xxx bekomme, da er mich nicht mehr behandeln will und sie mir – auf meine Nachfrage – KEINEN Grund dafür angab.

    Dieser Typ hat eine Kassenzulassung (!) und versteckt sich hinter seiner Sprechstundenhilfe, um Patienten abzuwimmeln,

    Man muß dabei berücksichtigen, der Typ kannte mich garnicht und ich habe „ihm nichts getan“ und war gerade mal ZWEI mal bei ihm in Behandlung.

    Dann hatte ich kürzlich Beschwerden mit meiner Bandscheibe und ging zu einer örtlichen Physiotherapeutin, die mich – obwohl sie mich NICHT kannte und noch nie zuvor gesehen hat – gleich schon mit einem Blick „empfangen hat“, als wenn ich nicht bis drei zählen könnte (ich sehe jedoch völlig normal aus und bin weder schwachsinnig, noch sonst in irgendeiner Weise optisch auffällig).

    Dann habe ich der Physiotherapeutin mitgeteilt, daß ich die Beschwerden erst akut, also erst seit 5 Tagen habe und ich mußte dann einen Anamnesebogen ausfüllen, wo ich u.a. meinen Beruf eingetragen habe.

    Darauf wurde ich von der Physiotherapeutin angefahren, woher ich die medizinischen Fachausdrücke kenn, denn schließlich habe ich doch garkeine medizinische Ausbildung, woraufhin ich geantwortet habe, daß ich meinen Körper schließlich kenne, denn ich sei ja immerhin keine 20 mehr.

    Später bei der Behandlung kam dann noch eine dämliche Bemerkung, daß ich sicherlich jeden Morgen aufstehe und mir überlegen würde, was für Krankheiten ich habe (….) Daraufhin habe ich sie „daran erinnnert“ ,daß ich die Beschwerden ja erst seit 5 Tagen habe und somit keinen Grund dafür hatte, mir jeden Morgen zu überlegen welche Krankheiten ich habe.

    Darauf hat sie dann erwidert, ach ich wußte garnicht, daß sie die Beschwerden erst seit 5 Tagen haben (obwohl ich es auf dem Anamnesebogen vermerkt habe !!!)

    Jetzt habe ich mir eine neue Physioterhapiepraxis gesucht, die u.a. Hochleistungssportler betreut und wo ich einigermaßen sicher sein kann, nicht zweitklassig behandelt zu werden und mir dämliche Bemerkungen anhören zu müssen.

    Genau vor einem Jahr hatte ich eine akute Dissektion ( = Riß) einer Halsaterie, wo ich weder in der Akutphase, noch nach der Diagnose, die in einem Krankenhaus erfolgt ist, einen Termin für eine Behandlung bekam, obwohl das eine sehr gefährliche Krankheit ist mit Schlaganfallrisiko und es war reines Glück, daß es bei mir glimpflich ausgegangen ist, denn es ist mir aus gesetzlicher Versicherter Patient nicht gelungen einen NOTFALL- Termin bei einem Neurologen zu bekommen, weder vor, noch nach der Diagnose, obwohl mir die Stationsärztin des Krankenhauses aufgetragen hat, ich solle zeitnahe Kontrolltermine wahrnehmen, was mir jedoch nicht gelungen ist.

    Auch meine Mutter, die nicht in einem Pflegeheim lebt und Zuhause in ihrer Wohnung lebt, hat mit dem „Krankheitssystem“ ähnliche Erfahrungen gemacht.

    Es hängt aber auch SEHR viel vom Geldbeutel ab, denn man kann sehr viel Krankheits-PRÄVENTION betreiben, um von vornherein zu vermeiden, irgendwann ein Opfer des Krankheitssystems zu werden, wenn man finanziell die Möglichkeit dazu hat, so daß man viele Krankheiten leichter durch TEURE Prävention verhüten kann, als Menschen mit schmalem Geldbeutel.

    Ob jemand hierzulande krank oder gesund ist, hängt nicht nur von den Genen ab, sondern vielfach vom Geldbeutel – eine einfache, aber traurige Wahrheit.

    Lieben Gruß

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