„Neue Besen kehren gut“ . . .


. . . so sagt der Volksmund

*

Da ich geschlafen hatte, habe ich den üblichen Rundgang des Nachtdienstes verschlafen. Irgendwann später bin ich aufgewacht, klingelte weil ich der Meinung war das mein Urinbeutel geleert werden müßte. Auf Grund meines Klingelns kam er – die neue Pflegehilfskraft – in seiner ersten Nacht hereingestürmt wie ein Panzer. Von 1/2 Schlaftablette die ich zum Einschlafen nehme war ich halbwach. Ohne sich vorzustellen schob er den Nachttisch zur Seite, stellte fest das sich in dem Urinbeutel nur wenig Urin befand und war stinksauer “ Der ist ja leer“ schnaubte er und stürmte wie ne Dampfwalze aus meinem Zimmer. Jetzt war ich hellwach. „Ich hab auch nur zum Spaß geklingelt. Schöne Nacht noch.“ Gab ich ihm auf den Weg.

Am 20. August gegen 5.30 bin ich wach geworden weil ich Durst hatte. Wenn ich schlafe rutsche ich im Bett immer etwas in Richtung Bettende. Ich ware gerade dabei mich zum Kopfanfang des Bettes hochzuziehen als besagter „Neuer Besen“ in mein Zimmer hereinfegte. Mit einem donnnerndem „Guten Morgen“ kam er ans Bett, griff an meine Einlage. Vielleicht glaubte er etwas verloren zu haben und meinte er würde es dort finden was allerdings nicht der Fall war. Er schob den Nachtisch zur Seite stürmte ins Bad um die Schüssel für den Urin zu holen. Weil wenig Urin in dem Beutel war sagte ich „das es sich nicht lohnen würde ihn zu entleeren“. Das hat ihn alles nicht interessiert. Es ist seine Pflicht den Beutel zu entleeren also entleert er ihn. #Basta Und die Bewohner*Innen – in dem Fall ich den er weil ich wach war „nur um etwas zu trinken“ mit einem donnerndem Guten Morgen zu beglücken.

Ich bat ihn den Nachttisch wieder so hinzustellen – Rückenlage und aus eigener Kraft nicht mobil“ sodas ich ihn erreiche. Im Grunde genommen den Nachttisch wieder so hinzustellen wie er stand als er mein Zimmer betrat. Alles was es dazu benötigt ist etwas das man gemeinhin als „Wahrnehmung“ bezeichnet. Doch anstelle der Wahrnehmung lief bei ihm das 0815 Programm ab. Einer lärmenden schnaubenden Dampfwalze aus der Zeit von 1873 knallte er mir mit einem Spruch „Dann machen sie´s doch selber“ den Nachttisch ans Bett und verließ wütend mein Zimmer.

Er gehört zu der Gattung Pflegehilfskräfte die meinen das alle Bewohner*Innen eines Pflegeheimes #GAGA sind. Vor allen Dingen müßte man Ihnen Dankbar sein das es Menschen wie ihn gibt. Menschen die andere Menschen – Bewohner*Innen eines #Pflegeheim von oben herab behandelten. So als wären wir „die Bewohner*Innen eines Pflegeheim“ „Menschen 2er Klasse“.

„Neue Besen kehren gut“ so sagt man. Die Stadt sucht immer wieder ungehobelte grobschlächtige, unsensible Grobmotoriker mit einem Defizit an Empathie zum säubern der Strassen und Bürgersteige (Damit möchte ich nicht die Arbeit des Personals der städtischen Reinigungskräfte herabwürdigen. Im Gegenteil. Es spiegelt – das gebe ich gerne zu – den Inhalt einer Schublade von mir wieder).  Zudem ist die Bezahlung besser als der Nachtdienst in einem #Pflegeheim.

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In der Nacht gab es ein interessantes Gespräch.

Tenor: Es steht Aussage gegen Aussage.
Eine der üblichen Formulierungen wenn ein Unbeteiligter*E per se Partei von vorn herein Partei (weil sie z.b. der Vorgesetzt ist) für eine Person ergreift. Man selbst hat dann keine Chance. Beliebtes Muster vor Gericht im Kontext zwischen Instituitionen z.b. Polizei und Einzelpersonen.

Tenor: Ich habe gelernt das man das so und so macht . . .

Es ist diese Haltung die zum Ausdruck bringt das „alle“ Bewohneriner*Innen per se auf Hilfe angewiesen sind. Den Bewohner*Innen wird von vornherein unterstellt das sie in jedem Bereich ihres Alltages hilflos somit auf Hilfe angewiesen sind. Eine Differenzierung ist von vornherein ausgeschlossen. Auf die Idee das Bewohner*Innen möglicherweise in bestimmten Aspekten ihres Alltages „Selbstständig“ in Denken und Handeln sind kommt man nicht. Ganz zu schweigen von Würde im Zusammenhang mit Selbständig sein. „Bewohner*Innen sind hilflos und auf uns „Pfleger*Innen angewiesen.

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Was mir immer wieder begegnet ist eine Haltung von Einigen des Pflegepersonals gegenüber Bewohneriner*Innen und auch ihren Kollegen*Innen die ich erschreckend finde weil sie ein Mangel an Würde und Respekt offenbart. Ich schwanke an deren Haltung zwischen „Besser Wisser“ oder schlicht und einfach „Überheblichkeit in Person“.

Da ich aus eigene Kraft nicht aufstehen kann werde ich mittels eines Lifters aus dem Bett -> in den Rollstuhl und zurück „geliftet“. Da ich täglich einige Stunden im Rollstuhl verbringe steht der Lifter bei mir im Bad. Hier im Pflegeheim gibt es 5 Wohnbereiche = 5 Etagen. Leider gibt im gesamten Pflegeheim nur 2 – in Worten „Zwei“ – dieser Lifter. Und das obwohl es a) viele Bewohner*Innen gibt die auf ihn angewiesen sind und b) besagte Personenlifter nicht die Welt kosten. Um die € 1.400 – 1.500.

Pfleger eines anderen Wohnbereiches:
Guten Morgen. Wir benötigen Ihren Lifter.
Kein Problem. Sind Sie bitte nur so nett und bringen ihn wieder zurück. Ich – wir benötigen ihn später.
Klar mach ich.

Natürlich hat er ihn nicht zurückgebracht. Nur Wenige bringen ihn tatsächlich zurück. Da ich wußte auf in welchem Wohnbereich er arbeitet bin ich einige Stunden später in diesen Wohnbereich gefahren. Als er mich sah hat er eine Bewohnerin auf ihr Zimmer begleitet . . . über einen Ausgang wo er nicht an mir vorbei mußte. Nach 10 Minuten – es war Ende der Übergabe kam er mir in Freizeitkleidung entgegen.

Hey sagte ich freundlich grinsend zu Ihm. In diesem Dress Style können Sie den Lifter auch zu unsmir auf den Wohnbereich bringen.
Ich hab jetzt Feierabend, sagte er.
Macht mir nix aus sagte ich.
Mir doch egal. Sprachs und ging in den „Feierabend“.

Ihn werde morgen mal fragen ob er sich dessen bewußt ist das er mit seinem Verhalten seinen Kollegen*In vor die Füße kotzt. Als ich ihn anderntags darauf angesprochen habe, blies er als Reaktion seine Backen auf.

Zum einen bringt dies eine Haltung zum Ausdruck das ihm Bewohner*Innen im Grunde genommen egal sind. Zum anderen – und das schnallt die Blitzbirne nicht – rennt er und seine Kollegen*Innen wenn er einen Lifter benötigt durch alle Wohnbereiche weil derdie Anderen nicht wissen wo ein Lifter ist wenn er nicht bei mir im Bad ist. D.h. er wie auch seine Kollegen*Innen machen sich gegenseitig das Leben schwer. Insbesonders da keineR demder Anderen bescheid sagt wo er ist. Ergebnis: JedeR hat n Hals.

Ähnliches gilt für den Akku. Wenn der Akku eines Lifters fast leer ist dann wird der Akku nicht in eine Ladestation (auf jedem Wohnbereich) angeschlossen sondern man nimmt sich einen anderen Lifter dessen Akku voll ist.

Statt Miteinander arbeitet man Gegeneinander. JedeR hat Hals ist jedoch unfähig oder nicht willens die Ursachen zu ändern.

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Ich befürchte das die Qualität der zukünftigen Pflegehilfskräfte von erheblichen Defiziten geprägt sein wird. Dies betrifft die Haltung gegenüber Menschen die auf Hilfe von Pflegekräften angewiesen sein werden wie auch was das Thema Empathie betrifft.

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