Die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen


Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf haben selbstverständlich die gleichen Rechte, wie alle anderen Menschen auch. Wie sich diese Rechte aber im Alltag hilfe- und pflegebedürftiger Menschen widerspiegeln sollen, das fasst die deutsche Pflege-Charta zusammen. Sie ist von Vertreterinnen und Vertretern aus allen Bereichen der Pflege und der Selbsthilfe erarbeitet worden

Dazu Claus Fussek:

Die Politik in Deutschland (Weltmeister in der Gründung von Expertenkommissionen) hat kein Problem mit der „Erkenntnis von Notwendigkeiten“ sondern mit der Umsetzung im Alltag.

Interressant finde ich eine der 3 Fragen und die Antworten.

1. Warum kommt es in der Pflege zum kollektiven Schweigen?

Aus meiner pers Sicht und Erfahrung möcht ich ergänzend hinzufügen: Pflegepersonal und Bewohner in Pflegeheimen, Patienten in Krankenhäuser sind auf Grund jahrelanger personellen Kürzungen <-> Gewinnmaximierung (kurzfristiges Denken – keine Nachhaltigkeit weil Kostensparend #Schwachsinnhoch10) gehören der gleichen Gruppe an.
Weniger Personal bei zunehmendem Arbeitsaufwand was zu erhöhtem Streß beim Personal führt sowie normierte Pflege, Standardroutinen, Lustlosigkeit in der „Arbeit“ im Alltag mit den zu Pflegenden führt. Dazu kommt die geringe Entlohnung sowie des miserablen gesellschaftlichen Status des „Pflegeberufes“. Insofern Pflegepersonal wie zu Pflegende Menschen sind „Opfer einer desaströsen Gesundheits- und Pflegesituation. Statt sich dessen bewußt zu sein und zusammen zu halten (Wir – beide sind „Opfer“ ) treten nicht selten „Die Schwachen noch Schwächere“.

Eina anderer Punkt dürften „Ängste“ bei zu Pflegenden sein. Wenn man mal einemR PflegerIn sagt das man nicht mit der Art und Weise wie man „gepflegt, gesäubert, behandelt wird, so wird dies ignoriert bzw man bekommt Antworten wie „Es interressiert mich nicht was sie wissen, wie sie etwas empfinden etc pp“. In der Folge kann es schon mal vorkommen das ein „Läuten überhört“ wird oder die Nachtwache den zu Pflegenden auf ihrer Runde vergißt“. Aus Angst vor „Retourkutschen“ wird was menschlich ist geschwiegen und geschluckt.

Wie „krank“ unser Gesundheitssystem ist ergibt sich an Hand der „standartisierten, normierten Vorgaben“ aus dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz. Die Grundpflege – Körperpflege die je nach Bundesländer und Heimvertrag varriieren können richten sich dann noch nach a) der jeweiligen Pflegestufe und last but not least b) nach dem Personalstand.
Grundsätzlich gilt was die Pflege von pflegebedürftigen Menschen in Altenwohn- und Pflegeheimen betrifft ähnliches wie nach der Frage von öffentlichen Verkehrsmittel in Ländern 4. Welt: „Ja haben wir, glaube ich.“

Das Pflegegesetz wie auch das Wohn und Betreuungsgesetz muß von ausgesprochenen Fachidioten mit einem überdurchschnittlich hohen Gehalt und mangelnderm Realitätsnähe – bewußtsein entwickelt worden sein.

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Achtung Neuland!

Bitte tief durchatmen und vor allen Dingen das Fläschchen mit Riechsalz bereithalten

Charta der Rechte pflege- und hilfebedürftiger Menschen

Artikel 1: Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe sowie auf Unterstützung, um ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen zu können.

Artikel 2: Körperliche und seelische Unversehrtheit, Freiheit und Sicherheit

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, vor
Gefahren für Leib und Seele geschützt zu werden.

Artikel 3: Privatheit

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Wahrung und Schutz seiner Privat- und Intimsphäre.

Artikel 4: Pflege, Betreuung und Behandlung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf eine an
seinem persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung.

Artikel 5: Information, Beratung und Aufklärung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf umfassende Informationen über Möglichkeiten und Angebote der Beratung, der Hilfe, der Pflege sowie der Behandlung.

Artikel 6: Kommunikation, Wertschätzung und Teilhabe an der Gesellschaft

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Wertschätzung, Austausch mit anderen Menschen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Artikel 7: Religion, Kultur und Weltanschauung

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, seiner Kultur und Weltanschauung entsprechend zu leben und seine Religion auszuüben.

Artikel 8: Palliative Begleitung, Sterben und Tod

Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, in Würde zu sterben.

Ausführliches und Erklärungen finden sich hier.

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Postskriptum

Ließt man sich die Kommentierungen zu den Artikel 1 – 8 der Charta durch so wird man feststellen das es sich inhaltlich u.a. um Situationen, Wünsche <-> Verfügungen handelt die nicht bindend sind, jedoch da sie ähnlich den Verfügungen in Patientenverfügungen bzw. einer Betreuung von Amtswegen, gleichen. Bzgl der Umsetzung, Gewährleistung der pers. wie amtlichen Aufgaben, wenn die politischen Rahmenbedingungen dies nicht zulassen. D.h. ohne das entsprechende Personal und ggf Räumlichkeiten ist die Charta das Papier nicht wert auf die sie gedruckt ist.

Die Charta wurde vom Bundesministerium für „Familie“, Senioren, Frauen, Jugend sowie dem Bundesministerium für Gesundheit oder einer „Expertenkommission“ erarbeitet.

Welche Haltung, welches Verständnis von „Familie“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorherrscht bzw durch die Charta zum Ausdruck gebracht wird, darüber kann man sich nur an den Kopf greifen.

In einem Alten – Pflegeheim zu wohnen kommt der gesellschaftspolitischen Auffassung von einer offenen Straf – Vollzugsanstalt gleich. Verwahrung und Versorgung mit dem Notwendigsten. Plus Ausganng/Freigang (sofern man noch dazu in derLage ist) Mehr nicht. „Die da oben – wir (die BewohnerInnen eines Pflegeheimes sind „Arbeitgeber“ des Personal !!!) da unten.

Viele BewohnerInnen werden xx Jahre in einem Heim – bis zu ihrem Ableben – leben, wohnen. Zusammenleben in einem „Familien ähnlichen“ Verbund, diesem Aspekt wurde in keinster Weise Beachtung geschenkt. das „Zusammenleben“ ist geprägt von Distanz bzw notgedrungener  Erfüllung der „Anforderungen an den Arbeitsplatz einesR PflegerIn.

Von Ausnahmen abgesehen ist Nähe unerwünscht noch vorhanden.

Jeder Begegnung von zwei Menschen wohnt eine Beziehung inne. Leben Menschen in einer familienähnlichen Situation – Konstellation zusammen so ist für ein menschenwürdiges Miteinander das von Respekt, Würde und Annahme geprägt sein muß das Wachsen einer Beziehung unabdingbar. Jeder BewohnerIn in einem Altenpflegeheim wie Pflegeteam will sich „wohl – und geborgen fühlen“.

Leider ist dieser Gedanke dem „Pflege wie sonstigem Personal“ so fern wie die „Sombrero Galaxy „- 30 Mio Lichtjahre.

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Wird wie üblich „upgedatet“.

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