Johann Wolfgang von Goethe und die Demut (akt 1)


Teil Eins

Der Eine wird bei der Überschrift vielleicht neugierig werden, Andere wiederum mögen sich vor sich hinmurmelnd am Kopf kratzend fragen: Hmmm wie s n des jetzt gemeint.
Der Text ist so ne Art „Zweiteiler“ wie man sie aus dem TV kennt. Dem ersten Teil des Krimi´s folgt der zweite Teil ne Woche später was mich oftmals „not amused“ dastehen läßt. Grad wenn s zur Sache geht machts „PENG“ „Krimi coitus interruptus“.

„. . . . wie sich die Sicht auf das Leben verändert, wenn die Mobilität nicht mehr so selbstverständlich da ist, wenn es zieht und schmerzt und sich der Körper eben meldet, wo er bisher geschwiegen und mich problemlos bedient hat, wenn man das so sagen will. Diese Frustrationen, dass die jugendliche Selbstverständlichkeit für dieses Leben dahin ist, anzunehmen und auszuhalten fällt mir schwer.“

Ein Freund fragte mich in seiner Email wie ich meine schweren Diagnosen aushalte, wie ich damit umgehe.

Das Erste Wort das mir bei seiner Frage spontan in den Sinn kam war „Demut“. Ich werde demütiger gegenüber dem Leben. Und mitfühlender.

Während eines Gespräches das Michael Harles mit Anselm Grün führte, kam man zu eine der Fragen die bei einer Krankheit oft gestellt werden ist „Warum -ich“?. Anselm Grün fügte noch die Frage „Wozu“ dazu. Seitdem geht mir die Antwort nach der Frage nicht mehr aus dem Sinn.
Eine der Antworten die ich gefunden habe sind: damit ich mit mir und Anderen liebevoller um-zu-gehe(n), mich mit mir und Anderen versöhne, mir verzeihe . . . . das ich demütiger gegenüber dem Leben und mitfühlender mit anderen Menschen werde.

Demut, Versöhnen, Verzeihen, Mitfühlen stehen nach meinen Erfahrungen am Ende eines Prozeß der nicht nur äußerst schmerzhaft ist sondern den ich immer wieder durchlaufe weil Veränderung, das Leben ein fortlaufender Prozeß ist. Ich pers durchlebe Wut, Trauer, Aggression, Resignation, Hoffnunslosigkeit in vollen Zügen. Am Ende gelingt es mir meine Situation, meinen neuen Zustand anzunehmen, Ja zu ihm sagen zu können.

* * *

Als ich Gestern in der Notaufnahme des Universitäts Klinikum Frankfurt, Johann Wolfgang von Goethe Universität lag kam mir Ilona und ihre letzten Tage in den Sinn. Von einem auf den anderen Tag kam sie in ein Krankenhaus nach Frankfurt. Nach wenigen Tagen ist sie dann verstorben.

Mir wurde wieder bewußt das der Moment kommen wird an dem ich nur auf mich selbst zurückgeworfen sein würde. Freunde, meine Mutter die in einem Altenpflegeheim lebt wenn ich vor ihr sterben sollte, der Alltag liebgewordener Menschen, die Welt, träten in diesem Moment zurück. Ich wurde mir bewußt, das ich z.b. aus einer OP nicht mehr aufwachen oder wie im Fall von Ilona auf Grund von multifunktionellem Organversagen sterben könnte. Der Tod passiert nicht immer den anderen. Er ist ganz real, ein permanenter, unsichtbarer Begleiter von jedem von uns.

Sollte man – ich deshalb in Trübsall verfallen? Wenn ich ein Stück demütiger geworden bin würde mich das ein Stück liebevoller machen? Würde ich deshalb meinen Kampfesmut, meine Fähigkeit das Leben zu lieben und zu genießen und trotz aller pers Einschränkungen meinen Humor verlieren? Ja und nein. Natürlich habe ich ein Bild von mir im Kopf das mich als Einen Menschen der alle Unbillen des Lebens in Gelassenheit und Gleichmut ertragen läßt, zudem come shine come rain den Menschen gegenüberüber in jeder Situation liebevoll begegnet. Doch da meine Realität etwas anders aussieht kommen wir somit zum

Teil Zwei

„Ein Tag in der Notaufnahme des Universitäts Klinikum Frankfurt Goethe – Universität“

Das man die Uniklinik nach Frankfurt s berühmtesten Sohn benannte mag viele Gründe gehabt haben. Ich habe allerdings meine Zweifel ob Johann Wolfgang von Goethe dem Satz aus dem Leitmotiv

„Wir sind stolz darauf, zu den besten Universitätsklinika in Deutschland zu gehören und zugleich das höchste Prinzip der Medizin – Menschlichkeit zu jeder Zeit – neben aller Spitzentechnik und -forschung zu realisieren.“

in der heutigen Zeit generell beipflichten würde.

Kompetenzteam

Der Krankenpfleger der mich unter die Fittiche nahm habe ich mich voll anvertrauen können. Er nahm mir u.a. Blut ab und legte mir einen Katheder. Da es das erste Mal war, war mir schon sehr mulmig zumute. Doch seine ruhige Art und seine hohe fachliche Kompetenz haben mir mein „Unwohlsein“ auf ein ertägliches Maß reduziert. Auch die mich betreuenden Ärzte waren alle Unaufgeregt was sich auf mein Unwohlsein, auf meinen Streßlevel positiv auswirkte. In die NA einer jeden Klinik eingewiesen zu werden, durch den ärztlichen Notdienst den ich gegen 5.30 anrief, ist für jeden Patienten mit erhöhtem Streß und Unwohlsein verbunden.

Der Grund das ich morgens um 7.20 in die NA gebracht wurde war eine Verstopfung – Obstipation. Es war der beginnende 4. Tag dieses Problems.

Intermezzo

Kurz zu meiner pers Situation:

Die Räumlichkeit meiner Wohnung insbesonders die Gegenstände wie Bett, BehindertenToilette mit einer Toilettensitzerhöhung und Rollstuhl sind auf eine Sitzhöhe von 62cm eingestellt bzw erhöht. Diese Sitzhöhe ermöglicht es mir mit der mir verbliebenen Restkraft in den Beinen und Armen ohne fremde Hilfe aufzustehen, mich hinzusetzen bzw hinzulegen. Daneben benutzte ich „einige Werkzeuge“ z.b. ein mittelstarkes „Theraband“ das ich als Hilfesmittel umfunktioniert habe (eine Art Gummiseil gedreht). Da ich mein rechtes Bein nicht aus eigener Kraft in mein Bett schwingen kann, setze ich mich auf s Bett, lege meinen rechten Fuß in die Schlaufe des gedrehten Therabandes und schwinge es die Kraft des Gummis nutzend, auf mein Bett. Funktioniert wunderbar. 3 mal in der Woche kommt der Pflegedienst. Einkauf, Reinigung der Wohnung, Bett beziehen etc und zur Körperpflege um mich an den Stellen zu waschen wo ich nicht mehr hinkomme.

* * *

Ich war in dem Glauben das es in der NA Rollstühle (mein Sitzkissen von 10 cm Höhe hatte ich extra mitgenommen) und eine Behindertentoilette mit einer Sitzerhöhung gab. Weit gefehlt. „Ja, aber sie ist nur für Besucher“. Wir haben einen Toilettenstuhl oder Bettpfannen und können Sie in ein Zimmer auf der NA legen, nachdem wir Ihnen 2 Einläufe gegeben und sie einen abführenden Saft getrunken haben.

Der gleiche Pfleger der mir am Morgen das Blut abnahm und mir den Katheder legte, verabreichte mir auch die zwei Einläufe. Ich teilte dem Pfleger mit das ich weder aus eigener Kraft mich in diesen „Stuhl“ setzten, geschweige denn Aufstehen kann. Als es darum ging mich von der Liege auf der ich zwecks Verabreichung der Einläufe lag auf den Toilettenstuhl zu bugsieren, gab er in seiner ruhigen Art genaue Anweisungen (die von seiner fachlichen Kompetenz Zeugnis ablegte) den ihm zur Seite stehenden zwei Pfleger wie sie in meinem Fall zu agieren haben: „Fuß hierhin setzen, Ihr Knie an das Knie des Patienten, Haltegriff an diese Stellen.“ Zu Dritt wurde ich von der Liege auf die Beine gestellt und vorsichtig auf den Kindertoilettenstuhl gesetzt. Dies alles geschah in einer unaufgeregten Art und Weise. An der rechten Seite des Kindertoilettenstuhles hängte man den Beutel in den das Urin floß. Da der Kindertoilettenstuhl für mich zu eng war, hatte man eine Armlehne entfernt, sodaß ich etwas besser auf dem Kindertoilettenstuhl sitzen konnte.

Als ich den Pfleger bat mir bitte eine Unterlage für meine Füße zu geben (der Boden war saukalt um es mal so zu formulieren), ich war barfuß da ich auf Grund des Wasser in beiden Füßen in keinen Schuh reinpaßte, legte man mir zwei dicke Tücher auf den Boden und stellte meine Füße auf sie. Die beiden Einläufe taten auch bald ihre Wirkung.

Inkompetenzteam

Nachdem ich ca 1 Stunde auf dem Kindertoilettenstuhl saß, die Blutzirkulation in beiden Beinen war wegen der geringen SitzHöhe unterbrochen, ich hatte kein Gefühl mehr in beiden Beinen, klingelte ich und bat die das Zimmer betretende Pflegerin mich mit Hilfe weiterer zwei Personen ins Bett zu legen. Meine Antwort auf die Frage „Wie machen Sie es denn zu Hause“ wurde teils nicht bzw mit ungläubigen Staunen gehört aber nicht wahrgenommen. Zudem habe ich gefroren wie ein Schneider. „Die Heizung ist auf 5 gestellt aber aus weil die Aussentemperatur über 10 Grad ist“ Antwort einer Pflegerin auf meine Frage ob die Heizung an sei.

Die Ausführung der „Umsetzung“ vom Stuhl auf s Bett mit Hilfe von insgesamt 3 Leuten des Pflegeteams war auf Grund von fachlicher Inkompetenz der mitbeteiligten Pflegerin unbeholfen, von Hilflosigkeit und Unsicherheit geprägt.

„Da die Wirkung des flüssigen Abführmittel noch kommen wird, werden wir ihnen eine Windelhose anziehen. Da können sie den Dingen dann im Bett freien Lauf Lauf lassen.“ Die Pflegerin zog mir eine Windelhose Größe „Small“ an die nur meinen halben „Gluteus Maximus“ bedeckte. „Größere haben wir nicht„, so ihre lakonische Antwort.

Den Katheder hat man mir auf Grund meiner Bitte entfernt. „Wir werden sie erst nach Hause entlassen wenn sie Wassser gelassen haben.“ Diesen Satz sollte ich noch des öfteren zu hören bekommen. Von der Pflegerin wie auch einer Ärztin. Im linken Arm hat man mir in der Zwischenzeit eine Kochsalzinfusion gelegt. Mittlerweile war es ca 14.30 geworden und ich habe mich im Bett etwas aufwärmen können. Ich spürte wie das Flüssige Abführmittel zu wirken begann. Da es mir aus Gründen nicht möglich war den Stuhlgang im Bett seinen freien Lauf zu lassen so wie es die Pflegerin sagte, klingelte ich und bat sie mich mit einem dem Team auf den Kindertoilettenstuhl zu setzen. So unbeholfen, unsicher und inkompetent wie sich das Team aus 3 Leuten bemühte, war mir klar, das der Kindertoilettenstuhl da er nur zwei Minibremsen an den beiden Hinterräder hatte, nach hinten wegrollen würde. Aus diesem Grund sagte ich der Pflegerin das jemand den Stuhl hinten festhalten sollte. Die Armlehne wurde wie beim ersten Mal entfernt sodaß der Kindertoilettenstuhl parallel zum Bett stand. Die Theorie war das Bett auf die gleiche Höhe wie den Kindertoilettenstuhl zu stellen und mich dann auf den Stuhl zu setzen. So ne Art Parallelverschiebung. Mit einem Geodreieck und einem Lineal klappt das wunderbar. Mit mir der ich ca 115 Kilo wiege sah die Realität jedoch anders aus. Der Druck des Abführmittel war mittlerweile so stark geworden das ich nicht mehr in der Lage ihn bis zu dem Zeitpunkt an dem ich auf dem Kindertoilettenstuhl saß zu halten. Dies und die Unbeholfenheit zweier männlicher Pflegekräfte, die Pflegerin stand hinter dem Stuhl und hielt ihn fest, führte dazu das ich kaum das ich mit meinem Gluteus Maximus zur Hälfte auf dem Kindertoilettenstuhl zu sitzen kam, dem Druck nicht mehr standhalten konnte. Das Ergebnis war das ein großer Teil des Stuhlganges nach hinten, dort wo die Pflegerin die den Stuhl festhielt stand, losging.

Nach einem hin und her Geruckel saß ich endlich auf dem Kindertoilettenstuhl. Vor mir der saubere Fußboden, auf dem Bett die Infusionslösung liegend, eine Pflegerin die einen Teil meines Stuhlganges abbekommen hatte. Der Rest war im Halbkreis auf dem Boden hinter mir und an der Wand verteilt. Die Pflegerin war die Erste die fluchend den Raum verließ, ein junger Mann der mich mit auf den Kindertoilettenstuhl setzte folgte ihr. Den Dritten bat ich noch mir Unterlagen für meine Füße hinzulegen was er auch tat. Nachdem er mir noch eine Decke gab die ich mir auf meine Beine legen konnte, verließ er ebenfalls den Raum. Dann saß ich alleine im Zimmer auf dem Kindertoilettenstuhl umgeben von einem Halbkreis meines auf dem Boden verteilten Stuhlganges.

Nach ca 1 Stunde kam eine Ärztin in das Zimmer. Sie sah was los war und fragte mich wie es dazu kam. Ihrer Reaktion nach zu urteilen war sie not amused das seit 1 Std der Stuhlgang auf dem Boden lag. Des weiteren bemerkte sie das die Infusion auf dem Bett lag und nicht funktionierte. Sie holte den Infusionsständer, hängte die Flasche mit der Lösung ein und stellte den Durchlauf entsprechend ein. Mit den Worten „Wir werden sie erst entlassen wenn sie Wasser gelassen haben“ verließ sie dann den Raum. Ca eine halbe Stunde später kam eine Frau die für die Reinigung der Zimmmer zuständig ist und reinigte den Teil um mich herum wo der Stuhlgang verteilt war. Den Boden zu reinigen kostete sie große Überwindung was ich nachvollziehen konnte. Mir wäre es nicht anders ergangen hätte ich den Job der Zimmerreinigung machen müssen.

Die Pflegerin kam dann noch zweimal zu mir ins Zimmer. Einmal brachte sie mir ein Becher Wasser zum trinken. Bei dieser Gelegenheit sagte sie das es nicht schön für sie war. Auch hier konnte ich nachvollziehen wie sie sich dabei fühlte. Andererseits dachte ich: Das was sie täglich auf der Notfallabteilung auf der sie arbeitete zu sehen bekam, erlebte ist u.U. alles andere als schön.

Es dürfte nach 17.00 gewesen sein als ich völlig durchfroren und entkräftet vom Sitzen mit angezogenen von der Blutzufuhr abgeschnittenen Beinen ohne Empfindungen auf dem Kindertoiletenstuhl das Pflegeteam bat mich wieder ins Bett zu legen. Ich saß ca 3 Stunden auf dem Kindertoilettenstuhl und hatte mich mehrfach entleert. Man legte mir wieder eine Windelhose Größe „Small“ an. Da ließ sie zum letzten Mal in sehr energischem Ton den Satz „Wir werden sie erst entlassen wenn sie Wasser gelassen haben“ fallen. Jetzt hatte ich entgültig die Faxen dicke. Ich klingelte und bat die eintretende Pflegerin das die Ärztin umgehend zu mir kommen möge. Es dauerte auch nicht lange da erschien sie. Ich teilte ihr mit das sich die Pflegerin mit der Aussage: „Wir werden sie nicht eher entlassen bis sie Wasser gelassen haben“ auf juristisch sehr dünnem Eis bewegt da sie mich gegen meinen Willen festhalten will. Ich teilte ihr mit das ich auf eigene Verantwortung entlassen werden will und bereit bin dies auch zu unterzeichnen. Später brachte mir die Ärztin den Arztbrief der auch als mein „Entlassungspapier“ fungierte.

Gegen 19.30 bat ich das Pflegeteam inklusive bekannter Pflegerin mich nochmal auf den Kindertoilettenstuhl zu setzen. „Dieses Mal würde ich dem Druck standhalten können bis ich auf dem Kindertoilettenstuhl sitze,“ sagte ich ihnen. „Wenn es nochmal so wird wie vorhin, dann ist Polen aber offen“ war ihre Antwort.

Da hat s mir erst mal die Sprache verschlagen. Es kam soweit das ich mich fast schuldig gefühlt hätte, das ich Muskelschwäche in den Beinen und Arme, keine Kraft habe und auf Hilfe angewiesen bin.

Ich sagte ihr das es dieses Mal nicht soweit kommen würde. Ich würde solange auf dem Kindertoilettenstuhl sitzen bis der Krankenwagen kommt und mich nach Hause fährt. Genauso war es auch. Dieses Mal konnte ich Wasser lassen was natürlich alles daneben ging. MännerGluteusMaximus auf Kindertoilettenstuhl eben. Insofern hat es für mich gepaßt.

Intermezzo 2

Auch die Universitätsklinik von Frankfurt ist über die Jahre von Kürzungen auf vielen Gebieten nicht verschont geblieben. Der Leistungsdruck auf Ärzte, Pflegepersonal, Reinigungskräfte ist jedoch gestiegen. „Wenn wir Material benötigen um den Patienten gerecht zu werden, verweigert uns dies die Verwaltung mit der Begründung: Dafür haben wir kein Geld.“ Ärzte wie auch das Pflegeteam sind ebenso Opfer eines Systems geworden wie die Patienten. Nur scheinen das die Wenigsten zu verstehen.

Wenn ich spare, gebe ich kein Geld aus. Ich lege Geld zurück. Wo ist das Geld das eingespart wird? Cui bono? Wem kommt es zu Gute?

Schaut man sich die durchschnittliche Bewertungen 2,6 von 5 im Netz an dann bekommt man eine Ahnung wie es in der Uniklinik zugeht. Natürlich gibt es auch positive Bewertungen einiger Abteilungen. Ich pers habe mit einigen Stationen sehr gute Erfahrungen gemacht. Das was mir jedoch heute teilweise menschlich wiederfahren ist, ist völlig inakzeptabel.

* * *

Allwissender nixcheckender Nullblicker

Gegen 21.30 kam dann der Krankenwagen. Insgesamt waren es 4 Sanitäter. Hier hat das Pflegeteam gesagt das ich mind 3 Personen benötige.

Als der Krankenwagen da war kam ein Pfleger der Spätdienst hatte. Als er das Zimmer betrat, ich saß ja immer noch wie abgesprochen auf dem Kindertoilettenstuhl, sagte ich ihm das Er mind 3 Personen benötigt da ich aus eigener Kraft auf Grund von Muskelschwund in den Beinen und Armen nicht in der Lage bin aus diesem Kindertoilettenstuhl aufzustehen.

„Sagen Sie mir nicht so von oben herab was ich zu tun habe. Ich mache diesen Job seit 40 Jahren. Muskelschwund. Nicht aufstehen können. Sowas gibt es nicht. Stellen Sie sich nicht so an. Beine durchdrücken und aufstehen.“

Als er sah das ich wirklich nicht in der Lage bin aus eigener Kraft mich aus diesem Kindertoilettenstuhl zu erheben, packte er mich von hinten, hob mich aus dem Kindertoilettenstuhl und warf mich mit dem Gesicht auf das Bett. Ich bekam kaum Luft und hatte Angst das die Brille die ich auf hatte, da sie ein dünnes Gestell hat, zerbechen würden. Ihm war das völlig egal. Er reinigte mich, schaute im Zimmer ob es eine mir passende Windelhose gab, was nicht der Fall war, ging in ein anderes Zimmer und kam mit einer Windelhose in meiner Größe zurück.

Da wurde mir bewußt das die Pflegerin der Mittagsschicht keinen Bock (auf mich?) hatte oder ihre Motivation zu Hause gelassen hatte. Völlig Inakzeptabel.

Was den „Allwissenden“ Pfleger betraf, er war, ist der Sheldon Cooper der NA. Rücksichtslos, überheblich, bar jedweder Emphatie. So habe ich ihn wahrgenommen weil er sich mir gegenüber so aufgeführt hat.

* * *

Gegen 22.15 war ich zu Hause in meiner gewohnten Umgebung. Endlich.

* * *

Montag den 9. November 2015

Der Tag in der Notaufnahme in der Uniklinik Frankfurt am Freitag steckt mir immer noch in den Knochen. Nicht nur wegen des „Warum“ sondern auch wegen der Tatsache das ich im Rollstuhl sitze und das man nicht auf Menschen eingestellt ist, die sich aus eigener Kraft nicht mehr fortbewegen -> laufen, stehen können.

Hier bei mir zu Hause ist alles so eingerichtet das ich überall hinkomme und auch aufstehen kann um vom Rollstuhl ins Bett, auf die Toilette zu kommen. In der Klinik und auch auf den Stationen ist es ähnlich wie in der NA. Nichts, Nada, Niente. Der Personalmangel bringt es eben mit sich das man halt warten muß. Dazu kommt der Umstand das es in meinem Fall 3 Leute braucht um mich aus dem Rollstuhl ins Bett zu hieven. Zum Beispiel.

Krank zu werden und ins Krankenhaus zu müssen? Unter solchen Bedingungen? . . . . da habe ich ehrlich gesagt Null Bock drauf.

Ähnliches gilt auch für Arztbesuche. Ärzte sind noch weniger auf die Bedürfnisse von Menschen die auf einen Rollstuhl angewiesen sind eingestellt.

Es wird an allen Ecken und Enden an Dienstleistungen gespart. Wenn ich spare, Geld nicht ausgebe ist das Geld ja nicht verschwunden. Es ist auf der Bank, Sparbuch, unterm Kopfkissen . . .wo auch immer. Ich frage mich: Wo ist das Geld das gespart wird?

Unser System ist wie ein verfaulter Fisch der stinkt was aber nicht wahrgenommen wird. Im Grunde genommen müßte die Bevölkerung unisono die Strassen wegen des stinkendem Geruch nach verfaultem Fisch vollkotzen . . . .

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3 Antworten zu Johann Wolfgang von Goethe und die Demut (akt 1)

  1. Karin Piekenbrink schreibt:

    So sieht es aus! Traurig

  2. Schon mal die Apothekenrundschau gelesen?😉
    Wegen Schildrüsenprobs,.. padre?,.. guckst du?,.. Da werden Sie geholfen😉

    Greetings,.. wikileaks & Gang😉

  3. alivenkickn schreibt:

    Originelle Antwort, deshalb laß ich sie mal stehn. Die Links lösche ich da sie am Thema „Verhalten“ völlig vorbeigehen.

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