32 Jahre HIV in Deutschland – WAT Kampagne 2014 – eine gesellschafts und bildungspolitische Bankrotterklärung (akt1)


Mottos der bisherigen Welt-AIDS-Tage

  • 1988: „Schließt Euch den weltweiten Bemühungen an“
  • 1989: „Unser Leben, unsere Welt – lasst uns für einander sorgen“
  • 1990: „Frauen und AIDS – Passt wie die Faust aufs Auge“
  • 1991: „Gemeinsam die Herausforderung annehmen“
  • 1992: „Eine gesellschaftliche Verpflichtung“
  • 1993: „Zeit zu handeln“
  • 1994: „Familien kümmern sich“
  • 1995: „Gemeinsame Rechte, gemeinsame Verantwortung“
  • 1996: „Eine Welt – eine Hoffnung“
  • 1997: „Kinder in einer Welt mit AIDS“
  • 1998: „Impulse für den Wandel – Welt-AIDS-Kampagne mit jungen Menschen“
  • 1999: „Einander zuhören, voneinander lernen, miteinander leben – Welt-AIDS-Kampagne mit Kindern und jungen Menschen“
  • 2000: „AIDS: Männer stellen sich der Verantwortung“
  • 2001: „AIDS – das geht mich an … Dich auch?“
  • 2002: „denkwürdig / Ausgrenzung macht krank“
  • 2003: „Leben und leben lassen / Ausgrenzung abwehren“
  • 2004: „Frauen, Mädchen, HIV und AIDS“
  • 2005: „Fight AIDS, keep the promise!“; in Deutschland „Gemeinsam gegen AIDS. Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“; international auch „Stop AIDS. Keep the Promise.“
  • 2006 bis 2010: „Gemeinsam gegen AIDS. Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“
  • 2011: „Positiv zusammen leben – Aber sicher!“
  • 2012: „Positiv zusammen leben!“
  •  2013 „Positiv zusammen leben. Aber sicher!“
    Quelle: Wikipedia – Mottos der WeltAidsTage

*

Anläßlich des WAT 2014 hat die DAH in Zusammenarbeit mit der BZgA eine neue Kampagne gestartet und schreibt dazu Folgendes:

Mit Blick auf die immer noch vorherrschende Diskriminierung von Menschen mit HIV spricht sie die Bevölkerung über verschiedene Plakatmotive direkt an: Was bedeutet HIV heute für Dich? Wie reagierst du, wenn Du einen positiven Kollegen hast, zusammen mit jemanden in einer Wohngemeinschaft lebst, der infiziert ist oder Dich in einen HIV-positiven Menschen verliebt hast?

Die Kampagne thematisiert auf diese Weise unbegründete Ängste vor einer HIV-Übertragung im Alltag. Eingängige Informationen helfen dabei, diese Ängste hinter sich zu lassen, fördern so Respekt und Normalität im Umgang mit HIV-positiven Menschen. Es wird deutlich: HIV ist im alltäglichen Umgang nicht entscheidend. Wir alle können unbesorgt „positiv zusammen leben“. Quelle: DAH

Die Aktionen zum WAT sind idr immer eine Gemeinschftsaktion der DAH und der BZgA ist. „Möglicherweise“ sind die „Texte“ auf dem Boden der BZgA gewachsen, da die alljährliche WAT Kampagne von der DAH und BZgA gemeinsam entschieden, in s Leben gerufen wird. Da – bei der BZgA – scheinen die Strukturen derart verkrustet zu sein das man sich im Grunde genommen nicht zu wundern braucht. Insofern muß man die Texte unter dem BZgA Aspekt sehen = das Volk – die Gesellschaft wird´s schon verstehen.

Andererseits darf man nicht vergessen das die DAH d.h. in dem Fall die Kampagnen von der jeweiligen Regierung finanziert wird. So gesehen wird in solchen Kampagnen = Texten dem „BauchgefühlAspekt der Kanzlerin – der Regierung“ vollumfänglich Rechnung getragen.

Abgesehen von den auswechselbaren Politicker die natürlich hoffiert werden müssen, schließlich kommt das Geld für die DAH ja immer von der Regierung dessen jeweiliger Ansprechpartner Bundesministerium für Gesundheit von roter, grüner, gelber oder schwarzer Couleur ist (nein außer Frau Prof Dr. Rita Süßmuth mag ich keinen ihrer Nachfolger, Ihr Engagement war und ist eine Herzensangelegenheit) ist diese neue Kampagne so traurig wie notwendig. Traurig deshalb weil es 32 Jahre nach HIV in Deutschland immer noch notwendig ist auf solch einfache Basics „wieder oder immer noch“ hinzuweisen. Das ist im Grunde genommen eine gesellschafts – bildungspolitische Bankkrotterklärung.

Eine gesellschaftspolitische Bankrotterklärung weil nach 32 Jahren HIV in Deutschland der Umgang mit Menschen die HIV + sind durch große Teile der Bevölkerung „von Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung immer noch oder wieder (was noch viel schlimmer ist) geprägt, also alles andere als Normal ist.

Eine bildungspolitische Bankrotterklärung deshalb weil es für Diejenigen deren Arbeitsalltag es betrifft, es zu den Basics gehört wie man sich im Umgang mit Menschen die HIV + sind verhält. Im Klartetx heißt dies das es keine „besonderen HIV spezifischen Maßnahmen – Vorschriften“ gibt die in der ärztlichen Versorgung – Behandlung zu beachten sind. Der Standard im Ungang mit kranken Menschen ist von ganz speziellen Situationen wie z. b. bei Ebola abgesehen immer der Gleiche: Jeder Arzt hat sich unabhängig vom Wissen um eine Krankheit oder Nicht Krankheit eines Patienten zu seinem und zu des Patienten Schutz zu schützen, bestimmte Schutz und Hygienerichtlinien zu befolgen. Insofern erübrigt sich von meiner Seite jedwede weitere ausführliche Erklärung. Siehe: Aktualisierung des Ratgebers “RKI-Ratgeber für Ärzte HIV/Aids”

 *

Was solche Kampagnen leider auch unumgänglich machen ist eine Art „gesellschaftlicher Rückfall in die Steinzeit“ was den Umgang mit Menschen <-> Minderheiten hier homosexuelle Menschen wie auch Menschen mit HIV betrifft. In vielen Köpfen existiert zwischen Homosexualität und HIV ein untrennbarer Zusammenhang, spielt somit eine wesentliche Rolle.

Ein Auslöser, ein Mosaikstein unter Vielen was den „Rollback“ betrifft war eine Petition eines Realschulehrers Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens

Der Boden, das Klima für diesen Rückfall wurde vor einigen Jahren unter der Metapher „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ geschaffen. Sybille Berg hat es trefflich formuliert.

Alexander v. Beyme hat in seiner Replik auf einen Artikel von Antje Schmelcher „Unter dem Deckmantel der Vielfalt“ in seinem Artikel „Unter dem Deckmantel des Journalismus“ sehr gut dargelegt was es mit dem Artikel von Antja Schmelcher auf sich hat.

Dazu ein Leserbrief von 4 Landesnetzwerken von SchLAu zum Thema „Bildung und Schulaufklärung zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt!“

Genährt wird dieser Rollback auch von einer Haltung wie sie Georg Restle von Monitor ARD in einem Statement zum Ausdruck bringt.

Ausnahmsweise übernehme ich das Zitat in seiner Länge da es meines Wissens nur auf Facebook zu finden ist und nicht Jeder der meinen Blog ließt Zugang zu Facebook hat bzw angemeldet ist was die Voraussetzung des Zuganges zu diesem Text ist.

Katholische Gotteskrieger

Man könnte die jüngsten Beschlüsse der katholischen Familiensynode mit einem müden Lächeln ignorieren – als weltfremdes Rückzugsgefecht einiger Ewiggestriger. Man könnte die Relevanz solcher Beschlüsse für aufgeklärte Gesellschaften in Frage stellen und zur politischen Tagesordnung übergehen. Man könnte, aber man sollte es nicht.
Wer den Fehler macht, eine Runde älterer Herren in Rom nicht ernst zu nehmen, der unterschätzt die Bedeutung von Glaubensfragen in einer Welt, deren aktuelle Kriege zuvörderst religiös definiert werden. Nicht nur im Kampf um ein islamisches Kalifat, sondern auch im Konflikt zwischen Ost- und Westeuropa, wo ein russischer Präsident den Kampf gegen den Westen mit dessen „unfruchtbarer Toleranz“ legitimiert. Die Frage der gesellschaftlichen Anerkennung von Schwulen und Lesben, dies hat Vladimir Putin längst erkannt, markiert die Konfrontationslinie zwischen Ost und West wie kein anderes Thema.
Wo ein Drittel der in Rom versammelten Bischöfe und Kardinäle eine Formulierung ablehnt, dass man Homosexuellen mit Respekt zu begegnen habe, da treffen sich islamistische Gotteskrieger, orthodoxe Schwulenhasser und katholische Steinzeitideologen. Und wenn das Oberhaupt dieser Kirche vor einer „falschen Barmherzigkeit“ warnt, dann ist der Weg zum Kampf gegen die Ungläubigen nicht mehr weit. Wer glaubte, die katholische Kirche würde sich aufmachen in ein Zeitalter von Toleranz und Respekt, der wurde an diesem Wochenende eines Besseren belehrt. Nein, diese Kirche hat sich eingereiht in eine Phalanx von religiösen Eiferern, denen die reine Lehre wichtiger ist als Menschlichkeit und Friedfertigkeit. Und die den westlichen Gesellschaften den Krieg erklärt haben.

Georg Restle – Quelle: Monitor – offizielle Facebook-Seite des ARD Politikmagazin

Was diese „Familiensynode“ und dessen Ergebnis betrifft so kann man es in einem Satz zusammenfassen. Früher haben wir solche Menschen links liegen gelassen. Heute diskutieren wir deren Verhalten. An unserer (der kath Kirche) Haltung ihnen gegenüber ändert sich jedenfalls nichts. Es sind bemitleidenswerte, zu bedauernde, kranke Menschen denen wir (die kath Kirche) uns in Barmherzigkeit in der Hoffnung sie auf den rechten Weg zurückzuführen zuwenden sollen. #würg

Das Bild über Homosexualität wie auch von Menschen mit HIV das heute in der Gesellschaft herscht ist von zunehmend mehr Grautönen <-> graufarbenen Mosaiksteine geprägt als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Ich will aber nicht ausschließen das diese „graufarbenen Mosaiksteine“ in den Köpfen schon immer vorhanden waren und man sich heute eher traut diese Moasiksteine ans Tageslicht zu fördern weil die Zeit dafür reif ist, sich das Klima entsprechend verändert hat.

*

„Eigentlich“ wollt ich ein Motiv aus der Serie zum WAT 2014 hier einstellen, doch ehrlich gesagt ich halte es für unangebracht.
Ich persönlich entscheide idr situativ aus dem Bauch heraus wann/ob ich über meine Krankheit spreche. Sehr oft ergibt es sich im Gespräch z.b. mit einem Taxifahrer wenn er mich fragt „was den die Ursache ist das ich im Rollstuhl sitze“. Dann erzähle – erwähne ich HIV  in einer Art und Weise wie ich von den Zutaten eines Rezptes für ein Gericht erzählen würde wenn man mich fragt was denn in dem „Kalbsfrikasse nach Wolfram Siebeck“ was ich nur empfehlen kann, so alles drin ist. HIV – eine Krankheit als Teil des Lebens ist für mich mittlerweile so normal wie das Kalbsfrikasse, als Nahrungsaufnahme was ja auch ein Teil des Lebens ist, nach Siebeck.

Die entsprechenden Motive – Plakate findet man hier

 * * * * *

Weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema

Dieser Beitrag wurde unter AIDS, Diskriminierung, Gesellschaft, Gesundheit, HIV im Alltag, HIV/AIDS, Homophobie/Gewalt, Homosexualität, Inland, Lesben/Schwule/Transgender, Menschenrechte/Human Rights, Politik, Prävention/Aufklärung, Stigma abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s