Neues Register zur Verbesserung der Hepatitis C-Therapie


Bei meinem allmorgendlichen Procedere des „Durchforsten des Internet nach Gesundheits relevanten Themen“ entnahm ich einer Meldung das die Deutsche Leberstiftung beabsichtigt ein Register zwecks der Verbesserung der Hepatitis C-Therapie eine „Leberstiftungs-GmbH Deutschland“ ins Leben zu rufen.

Auf das erste Querlesen schien der Inhalt recht vielversprechend. Doch bei näherem Durchlesen kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus.

Um das Pferd von hinten aufzuzäumen: In einem sehr ausführlichen Artikel von Medizin Aspekte Ausgabe Oktober heißt es u.a:

„Dabei kann die Stiftung auf ein bereits etabliertes Register zurückgreifen. In diesem Register wurden über 40.000 Patienten erfasst, die an einer chronischen Hepatitis C leiden. Über 600 Zentren in Deutschland, bng-Praxen, Kliniken, Universitätsklinika, HIV-Praxen und Suchtmediziner, waren an der Datenerfassung beteiligt.“ Quelle: Medizin-Aspekte.de

Zu der Zeit als ich mich wegen meiner akuten HEP C einer Peginterferon α – Ribavirin Therapie unterzogen hatte habe ich mich auch in das obige Register aufnehmen lassen. Grundsätzlich haben solche Register einen sehr hohen Stellenwert da sie umfangreiche und ausführliche Informationen und Erfahrungen im Kontext einer Behandlung enthalten wie sie durch Studien insbesondere wenn sie von Pharmaunternehmen durchgeführt werden niemals zum Ausdruck gebracht werden.

Bis vor einiger Zeit war der Behandlungsstandard einer HEP C Peginterferon α und Ribavirin. Viele aus meinem Bekanntenkreis die an einer HEP C leiden mußten die Behandlung mit Peginterferon α und Ribavirin auf Grund der heftigen Nebenwirkungen wieder abbrechen. Kopfschmerzen und Grippeähnliche Symptome wie Muskelschmerzen waren noch harmlos. Depressionen wie auch Hautreaktionen waren da schon von einem ganz anderen Kaliber insbesondere wenn die Therapie über einen Zeitraum von 48 Wochen oder länger andauerte.

Ich selbst hatte das Glück die 15 monatige Behandlung mit geringen Nebenwirkungen zu überstehen. Bis heute i.e. 9 Jahre nach der Behandlung bin ich unter der Nachweisgrenze der HEP C Viren <20.

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Seit Januar diesen Jahres wurde ein Neues Hepatitis-C-Medikament Sovaldi (Sofosbuvir) in Europa zugelassen.

„Die Substanz Sofosbuvir wird entweder nur mit Ribavirin oder mit Ribavirin und Interferon kombiniert. Damit ist für manche Patienten mit Hepatitis C erstmals eine Therapie ohne Interferon möglich. Auch die Behandlungsdauer verkürzt sich in vielen Fällen auf entweder nur 12 oder 24 Wochen. Für die nächsten Monate und Jahre ist mit der Zulassung weiterer Hepatitis-C-Medikamente zu rechnen, die die Behandlung nebenwirkungsärmer und erfolgreicher machen.“ Quelle: DAH

Leider hat die Sache nur einen Haken. Die Behandlung mit Sovaldi kostet hier in Deutschland € 60.000,–

Trotzdem zögern viele Ärzte, sie zu verschreiben – oft aus Angst vor Regressforderungen.” Quelle: Blog.aidshlfe.de

Solche Ängste sind insofern begründet da es in der Vergangenheit vorgekommen ist: “Unter Regress versteht man im Kassenarztwesen eine Strafzahlung, die dann von einer Prüfungskommission angeordnet werden kann, wenn ein Arzt -im Vergleich zum Fachgruppendurchschnitt- das durch Festlegung sog. Richtgrößen berechnete Arznei-, Hilfs- oder Heilmittelbudget signifikant überschritten hat.” Quelle: alivenkickn

Anfang Oktober wurde die Zulassung eines weiteren Medikamentes Harvoni zur Behandlung der HEP C der Firma GILEAD beantragt und von der FDA  zugelassen. Der Preis, die Kosten einer Behandlung dürften in der gleichen Liga angesiedelt sein i.e. US $ 94.500,– ca € 74.000,–

Bezüglich der Zulassung von Harvoni in Europa ist es nur eine Frage der Zeit. Eine entsprechende Empfehlung liegt der EU Kommission bereits vor.

Doch zurück zu der eigentlichen Meldung der „Schaffung eines neuen Register zur Verbesserung der Hepatitis C-Therapie“

In der Presse Mitteilung der Deutschen Leberstiftung heißt es u.a.

„Im neuen Register können zukünftig alle Therapieformen der Hepatitis C aufgenommen werden. Dies wurde auch bereits für die Medikamente vorgesehen, die noch nicht zugelassen sind, so dass direkt nach Zulassung das Register erweitert werden kann.

Damit bietet das Register eine einzigartige Quelle für wissenschaftliche Auswertungen der neuen Hepatitis C-Therapien. Durch die Weiterführung des vorhandenen Registers und die Übernahme der Daten in das Deutsche Hepatitis C-Register besteht außerdem die Möglichkeit, die neuen und die alten Therapieformen miteinander zu vergleichen. Mit den so gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Versorgung der Patienten mit einer Hepatitis C enorm verbessert werden.“ Quelle: Pressemitteilung Deutsche Leberstiftung

Soweit so gut – so löblich. Was mir allerdings befremdlich erscheint ist der Tenor der Realität i.e. die Ablehnung der Übernahme der Kosten durch die KK auf Grund des Preises des Medikamentes i.e. Sovaldi in Höhe von € 60.000,– dem man irgendwie ausgeblendet zu haben scheint. Das Ärzte auf Grund von Regreßforderungen zögern eine Behandlung mit Sovaldi zu verordnen ist durchaus vorhanden.  Und ähnliches dürfte bei dem neuen Medikament Harvoni der Fall sein.

Es wird zum einen ein langer Kampf sein bis die KrankenKassen einer Verordnung mit den neuen HEP C Medikament zustimmen. Noch länger wird es jedoch dauern bis in diesem neuen Register entsprechende Daten/Informationen vorhanden sind um auf sie als Quelle für wissenschaftliche Auswertungen der neuen Hepatitis C-Therapien zurück greifen zu können.

Solch ein Register Programmiertechnisch ins Leben zu rufen dazu bedarf es keiner größen Anstrengung imo geschweige denn eines solchen Bohais wie es die Deutsche Leberstiftung veranstaltet. Hier wird umgangssprachlich „das Fell eines Bären zerteilt bevor man ihn erlegt hat“.

Es würde vielmehr Sinn machen wenn gerade eine Organisation wie die Deutsche Leberstiftung all ihre Kräfte Stichwort „Synergieeffekte“ bündelt und auf die Krankenkassen einwirkt das die neuen Medikamente zur Behandlung der HEP C von den KK übernommen werden.

Aber möglicherweise haben die Mitglieder in den div Gremien der Deutschen Leberstiftung die allesamt ausgesprochene Leberspezialisten zu sein scheinen einen Weg gefunden das zur Zeit vorhandenen Medikament Sovaldi wie auch das vor der Zulassung stehende Medikament Harvoni zur HEP C Behandlung ohne Angst vor möglichen Regreßforderung Menschen mit einer HEP C zu verordnen.

Schaut man sich die Seite Partner und Förderer an so scheinen die finanziellen Mittel der Leberstiftung unerschöpflich zu sein. Insofern drängt es sich nachgerade einem auf den in den div Gremien benannten Ärzte und Professoren einen freundlichen Besuch abzustatten um sich von Ihnen ein Rezept zur Behandlung mit den neuen HEP C Medikamenten ausstellen zu lassen. Dies wäre auch insofern in ihrem Sinn da auf diese Weise die Informationen und Erfahrungen mit den neuen HEP C Medikamenten dann nur so sprudeln würden und sie dann nolens volens Eingang in das neue Register zur Verbesserung der HEP C Therapie einfließen könnten.

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Es gibt Menschen die dringend auf die neuen Medikamente zur Behandlung ihrer HEP C angewiesen sind.

Sovaldi ist jetzt in der EU verordnungs- und erstattungsfähig. Eine Erfolgsgeschichte, die mein langes Warten auf Heilung zu einem guten Ende führen wird. So dachte ich. Mit dem Wissen um den neuen Wirkstoff bin ich zu meinem Arzt gegangen. Er bestätigte mir, dass diese Therapie für mich passend ist. Aber er kann sie mir nicht verordnen. Das Medikament ist teuer und der Zustand meiner Leber ist noch nicht schlecht genug, um es mir zu verschreiben.

Nach diesem Tiefschlag befinde ich mich in meiner schwersten körperlichen und seelischen Krise seit Jahren. Ich stehe am Scheideweg: kann ich auf Heilung hoffen oder muss sich mein gesundheitlicher Zustand noch weiter verschlechtern bis ich die Therapie bekomme? Was ist mein Leben wert, frage ich mich? Derzeit, das habe ich jetzt erfahren, ist es weniger als 120.000€ wert.

Die letzten 30 Jahre haben mich viel Kraft gekostet. Dennoch hat sich bis heute, wenn auch oft im letztmöglichen Moment, eine Lösung für jede Krise gefunden. Ich weiß, dass es immer Rückschläge gibt. Womit ich nicht gerechnet hätte ist, dass unser Gesundheitssystem nicht nur mit dem bekannten Blut-AIDS-Skandal meine Gesundheit ruiniert hat, sondern jetzt auch noch die für einen Rest an Lebensqualität notwendige Verbesserung meiner Gesundheit verhindert.

Ich wehre mich dagegen, dass im Gesundheitssystem erneut auf Kosten meines Lebens gespart wird! Ich kann nicht aufhören zu hoffen, dass meine Krise doch noch zur Heilung führen kann, ohne dass es vorher mir noch schlechter gehen muss. Quelle: Robin Blood

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