GILEAD „Wohltäter“ oder „Wolf im Schafspelz“ (akt 2)


In einem Anflug von „Altrusimus“ gemeinhin auch als Selbstlosigkeit“ verstanden hat sich GILEAD den Mantel des Wohltäter übergezogen.

So kann man heute dem Deutschen Ärzteblatt entnehmen, das GILEAD sein HEP C Medikament Sovaldi (Wirkstoff Sofosbuvir), das in den USA pro Tablette immerhin US $ 1000 kostet was einer 90 tägigen Behandlung von US $ 90.000 gleichkommt, bei uns Euro 60.000 entspricht – eine Behandlung die oft auf Grund der hohen Kosten von den Krankenkassen abgelehnt wird, an 7 indische Generika Firmen lizensiert hat, sodaß diese in der Lage sein werden das Medikament zu einem Preis von US $ 10 in Worten „Zehn US Dollar“ an einen an HEP C leidenden Mann resp Frau zu veräußern.

Diese Entscheidung wurde vor einigen Tagen von Gilead offziell auf ihrer Webseite bekanntgegeben.

Diese Entscheidung ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozess. Zum einen wird ein Wirkstoff eines Medikamentes ja nicht so nolens volens über Nacht entdeckt. Zum Anderen sieht die WTO – das Doha Abkommen von 2001 – vor wie im Falle Indien falls ein Land auf Grund eines nationalen gesundheitlichen Notstand in die Lage versetzt wurde ein Medikament das diesem Notstand Abhilfe schafft indem es in Form eines Generika Medikaments unter Umgehung des Patentschutzes dieses Medikament selbst produzieren darf. Das auf diesem Weg einem Pharmahersteller Milliarden Gewinne durch die Lappen geht wie die Tatsache das kein Pharmahersteller über einen solchen Sachverhalt „glücklich“ ist liegt auf der Hand.

mythfact_11Foto Copyright © Donttradeourlivesaway/HepCoalition

Diese Entscheidung eine Lizenz zur Produktion von „Sovaldi für Menschen mit einer HEP C in ärmeren Länder“ an entsprechende Firmen vor Ort für US $ 10 zu vergeben wurde von langer Hand vorbereitet.

Der Hintergrund einer solchen Maßnahme liegt einmal in der Tatsache begründet das durch die Bedeutung des TRIPS Abkommen

„. . . . die nationale Behandlung, die Gleichbehandlung aller Angehöriger der Mitgliedsstaaten sowie ausgeglichener Schutz zur Förderung der technischen Innovation und des Technologietransfers (eines Produzenten(Hersteller) in dem Fall die Pharmaindustrie“ gewährleistet wird.

Eine Ausnahme ist jedoch das im Nov 2001 beschlossene Abkommen von DOHA das besagt

“ . . . Dies geschah im Rahmen der bereits im November 2001 ergangenen Doha Declaration, einer erläuternden Stellungnahme, welche darauf hinweist, dass Mitgliedsstaaten durch das TRIPS-Abkommen nicht (mehr) daran gehindert werden sollen, Krisen im öffentlichen Gesundheitswesen zu bewältigen. (Nationaler Notstand) „

Ein anderer Umstand ist darin zu sehen, das der Patentschutz von vielen Medikamenten in den nächsten Jahren ablaufen wird und somit jeden Generika Produzenten in die Lage verstetzt das entsprechende Medikament ohne rechtliche Folgen befürchten zu müssen herstellen kann. Hierbei handelt es sich um ein Volumen von ca 89 Milliarden US $. Ein Betrag den sich die Pharmaindustrie nicht entgehen lassen will. Dazu kommt das Bemühen durch ein sogeanntes „Evergreening“ den Patentschutz eines Medikaments auf unlautere Weise zu verlängern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Anfrage von Andreas Mölzer an die EU Kommison und die Antwort.

mythfact_22Foto Copyright © Donttradeourlivesaway/HepCoalition

Selbstredend ist es offensichtlich das diese „Aktion“ Grundlage dafür sein wird, das bei allen gegenwärtigen Verhandlungen zu neuen Freihandelabskommen mit der EU -> FTA, den TTIP oder CETA der Patentschutz in einer Art und Weise undurchlässig „zum Wohl und auf Betreiben der Interessenverbände der Pharmaindustrie“ zu Papier gebracht wird. Ausnahmen unter dem TRIPS <-> DOHA Abkommen werden dann der Vergangenheit angehören.

Mehr zu diesen zur Zeit weltweit stattfindenden Verhandlungen -> Bilaterals.org

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Handelsblatt 15. Sept 2014

GILEAD´s im Dezember genehmigtes Mittel Sovaldi verbuchte im ersten Halbjahr nach der Zulassung bereits 5,8 Milliarden Dollar Umsatz – eine bisher beispiellose Größenordnung für eine Neuentwicklung im Pharmasegment.

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit etwa 170 Millionen Menschen mit dem HC-Virus infiziert, davon schätzungsweise sieben Millionen in den westlichen Industrieländern.

In rund 80 Entwicklungsländern dagegen will Gilead Agenturberichten zufolge Sovaldi weitaus günstiger anbieten. Dort wird In rund 80 Entwicklungsländern Gilead Sovaldi weitaus günstiger anbieten. Dort soll ein Therapiezyklus nur etwa 900 Dollar kosten. Quelle: Handelsblatt

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Beim Lesen des verlinkten Artikel Taschentücher bereit halten.

Durch die Lizensierung von Sovaldi versucht man einen bis dato entgangenen Gewinn durch die Zwangslinzenzierung auf Grund eines gesundheitlichen Notstandes in Milliardenhöhe durch die Generika Produktion und entsprechende Lizenzgebühren  in Indien und andere Generika „Medikamente auf denen noch ein Patentschutz besteht“ herstellende Länder aus dem Weg zu gehen bzw den Verlust zu minimieren.

Greift man niedrig auf 50 Millionen Menschen die in den Entwicklungsländer mit einer HEP C Infektion leben denen Sovaldi für US $ 900 angeboten wird so belaufen sich die Lizengebühren von 7 % auf ca US § 3,5 Milliarden Lizenzgebühren. So gesehen ein kluger Zug. Profit ohne Investition. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

BMZ – Zum Thema Indien

Mit mehr als 1,2 Milliarden Ein­wohnern ist Indien das Land mit der zweit­größten Be­völ­ke­rung und die größte parla­men­ta­rische Demo­kratie der Welt. Heute stehen einer wachsenden und wohl­habenden Mittel- und Ober­schicht aber noch immer mehr als 800 Millio­nen Menschen gegen­über, die mit weniger als um­gerech­net zwei US-Dollar pro Tag aus­kommen müssen.

Innerhalb relative weniger Jahre hat sich in Indien ein Land das mit 1,2 Milliarden Menschen bevölkert ist ein für Indien gut verdienender Mittelstand von ca 50 Mio Menschen entwickelt. Es ist dieser Mittelstand der sich auch in anderen Ländern entwickelt hat der bei der Vergabe der Lizensen von GILEAD für das HEP C Sovaldi für doe Generika Produktion in Indien eine mit entscheidene Rolle gespielt hat.

Das nicht jedes der „am wenigsten entwickelten Länder“ in denen die weltweit 170 Millionen Menschen mit einer HEP C infizieren leben in der Lagen sein werden diesen „günstigen Preis“ werden zahlen können liegt auf auf der Hand. Entsprechend ist auch die Reaktion auf die Ankündigung von GILEAD „Sovaldi an Menschen mit einer HEP C in Entwicklungsländer  günstig anzubieten“ ausgefallen.

„Through this license Gilead decided to exclude 51 middle-income countries (MICs) where more than 50 million people with hepatitis C live. These people now are being excluded from the possibility to access generic versions at affordable prices.“ Quelle: redlam.org

sofosbuvir-300x2981Foto Copyright © redlam.org

Ärzte ohne Grenzen -> MSF Access Campaign response to Gilead’s deal with generic companies for sofosbuvir and ledipasvir

Dont trade our lives away ->Statement of Civil Society Organizations in Thailand

Ärzte ohne Grenzen – 2013 -> Gilead attempt to secure patent on hepatitis C drug opposed in India. „Patent opposition* seeks to ensure production of affordable generics

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GILEAD rühmt und beruft sich ja in geradezu überschwenglicher Art und Weise auf sein soziales Gewissen . . . zwischen den Zeilen.

Gilead is committed to increasing access to its medicines for all people who can benefit from them, regardless of where they live or their ability to pay. Quelle

Robin Blood

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Bemeleit.

Insofern bietet sich hier DIE Gelegenheit GILEAD beim Wort zu nehmen

*

Ein großer Teil der durch Blutprodukte infizierten Menschen mit HIV sind zu ihrem Leidwesen auch mit dem HEP C Virus infiziert worden. Von Ihnen leben nur noch eine Handvoll Menschen.

„Es wäre ein Gebot der Stunde vom Tag der Zulassung von Sovaldi in Deutschland am 18. Januar 2014 gewesen wenn GILEAD den Überlebenden ohne große Worte dieses Medikament kostenlos zur Verfügung gestellt hätte“. #Peanuts

Von einem Wohltäter wäre dies zu erwarten gewesen.

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Update 25. Februar 2015

Mylan Signs Exclusive Agreement with Gilead Sciences to Distribute Sovaldi® and Harvoni® in India

PITTSBURGH and HYDERABAD, India, Feb. 23, 2015 /PRNewswire/ — Mylan Inc. (Nasdaq: MYL) today announced that its Indian subsidiary, Mylan Pharmaceuticals Private Limited, has entered into an agreement with Gilead Sciences, under which Mylan has been appointed as the exclusive distributor of Sovaldi® (sofosbuvir 400mg tablets) and Harvoni® (ledipasvir 90mg/sofosbuvir 400 mg tablets) for the treatment of chronic hepatitis C, in India. As Gilead’s exclusive branded medicine distribution partner, Mylan expects to begin distribution of Sovaldi in India in Q2 2015.
Quelle und mehr dazu hier

Dieser Deal wurde schon im Jahr 2012 eingefädelt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Report von amFAR der am 17. Februar 2015 erschienen ist. Da heißt es u.a.:

The new amfAR report, titled “Hepatitis C and Drug Pricing: The Need for a Better Balance,” urges structural changes that alter the pricing incentives for pharmaceutical companies in such a way that they cannot charge exorbitant prices for their products, however effective they may be. Among the HCV drugs highlighted in the report is sofosbuvir, which is priced at $1,000 a pill, or $84,000 for a 12-week course of treatment in the U.S. Marketed as Sovaldi by the pharmaceutical company Gilead Sciences, sofosbuvir has a much higher cure rate, is easier to administer, and has fewer side effects than older hepatitis C treatments. 

“Due to their astronomical cost, it is unfortunate that effective treatments for hepatitis C will remain largely out of reach and unaffordable for most people with hepatitis C, especially among populations in resource-limited settings,” said Kevin Robert Frost, amfAR Chief Executive Officer. “We cannot let the pursuit of huge profits undermine access to these life-saving treatments for those who need them.

Quelle: amFAR.org: HCV Drug pricing

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