. . . und wieder hat sie mich am Wickel, die Depression (akt 11)


August 2014 – 17 Jahre später

Dieses mal ist es anders aber nicht weniger ein Verlust an Lebensqualität. Tagsüber funktioniere ich recht gut. D.h. ich gehe zur Physio, halte Termine ein, kommuniziere mit den Menschen offline <-> Pflegedienst, Besuch meiner Mutter, den PflegerInnen im Heim und online. Und dann gibt es Tage, wo mit jeder Minute die den Gang aus der Wohnung notwendig macht um z.b. einen Termin einzuhalten ein bedrückendes Gefühl die Ausmaße eines wachsenden drohenden Ungeheuers annimmt, mir jeden Mut nimmt, mich völlig erschöpft sodaß ich letztendlich nicht aus dem Haus gehe.

Dieses bedrückende Gefühl der Unlust, des mich zu verkriechen, das Warten auf die Nacht und ihre mich umgebende Dunkelheit die bedingt das mich keiner sieht, wahrnimmt, ich jedoch aus der Deckung der mich umgebenden Dunkelheit die ich schon immer liebe aus der heraus ich Alles und Jeden wahrnehme und sehe , die wächst an solchen Tagen ins Uferlose.

Wie bei der Depression vor 17 Jahren war – ist der Auslöser eine Situation, ein Einschnitt in meinem Leben, meinem Alltag mit dem ich nicht klarkomme, der mir schwer zu schaffen macht. Damals waren es die körperlichen Nebenwirkungen der ersten HIV Medikamente, die ich u.a. zu lange akzeptierte in der Hoffnung das mein Körper Zeit nach meinem Verständnis brauchen würde bis er sich und vor allen Dingen mein Geist und meine Seele daran gewöhnen würde und somit dann annehmen könnte.

Dieses mal ist es meine derzeitige Situation, da ich seit einiger Zeit auf Grund meiner körperlichen Verfassung auf einen Rollstuhl angewiesen bin und dies eine einschneidende Veränderung in meinem Leben darstellt.  Vom Intellekt weiß ich das Leben nicht nur einem permanenten Prozeß der Veränderung unterliegt, sondern das mit dem “alt werden” körperlicher Verfall, der Abbau und den damit einhergehenden Körperfunktionen, Mobilität, dem Verlust und Abschied von Vielem das mir nicht mehr möglich ist zu tun, <-> ein Weniger an Lebensqualität verbunden ist. Dies auf der emotionalen Ebene anzunehmen, die Voraussetzung dafür daß sich ein Gefühl der Stimmigkeit, des mit mir im Reinen sein einstellt, dieses in meiner Ganzheit Annehmen dessen was ist, das gelingt mir nicht. Das Gegenteil ist da eher der Fall. Inneres Hadern, Resignieren darüber nicht mein Leben, meine Situation anzunehmen, keine Hoffnung zu haben das es mir gelingen könnte, kommen bzw. sind nur einige Kriterien anhand derer man eine Depression diagnostiziert zum Ausdruck. Dieses analytische Wissen über das ich verfüge ist Fluch und Segen zugleich, ist eine zusätzliche Belastung.

Ich weiß das ich um aus diesem Loch wieder herauszukommen die “Geburtshilfe” anderer Menschen, Fachleute brauche. Leider sind da zur Zeit immer noch zu viele Bricks in my Wall vorhanden als das ich das Angriff nehmen könnte.

* * *

31. August 2014

Ich habe die Entscheidung getroffen mich erneut in eine psychosomatische Klinik zu einem stationären Aufenthalt zu begeben. Das letzte Mal vor 16 Jahren hat es mir gut getan. Hier in Frankfurt gibt es zwei gute Kliniken mit einer psychosomatischen Abt. Die eine Klinik befindet sich im Hospital zum Heiligen Geist, die andere im Markus Krankenhaus.

Die diversen Therpieangebote im Hospital zum Heiligen Geist finden in veschiedenen Gebäuden auf dem Klinikgelände statt. Leider verfügen nicht alle Gebäude nicht über einen behindertengerechten Zugang, eine Rampe für Rollstuhlfahrer sodaß dieses Klinik, meine erste Wahl, schon mal unter den Tisch fällt. Das eine Klinik für welche Behandlung auch immer nicht in der Lage ist eine Rampe für Rollstuhlfahrer in die Gebäude die bis dato über keinen entsprechend Zugang für Rollstuhlfahrer in der Lage ist bauen ist mir absolut schleierhaft. Als meine Mutter noch zu Hause lebte stand ich vor dem gleichen Problem. Die letzten Jahre konnte sie nicht mehr auf die Terasse gehen, weil es eine kleine Stufe gab die für sie ein großes Hindernis war, es ihr unmöglich machet sich im Sommer auf die Terasse zu setzen und den Anblick ihres Gartens den sie liebet zu genießen. Eine Rampe aus Edelstahl aus dem Wohnzimmer anfertigen zu lassen war wirklich kein Auftrag gewesen. Finanziell wie auch was den Arbeitsaufwand betrifft. Gleiches gilt auch für ein Krankenhaus. Eine Rampe ist nicht nur für Rollstuhlfahrer eine Notwenidgkeit, sie ist besonders für ältere wie auch gehbehinderte Menschen die zunehmend Schwierigkeiten beim Treppen steigen haben, eine große Hilfe um nicht zu sagen eine Notwendigkeit. Ich bin kein Architekt, aber Teile einer Aussentreppe mit einer Rampe und einem Geländer zu versehen ist keine große Sache. Insofern ist es für mich nicht nachvollziehbar wenn es im Jahr 2014 Gebäude auf dem Gelände von Kliniken gibt die über keinen Zugang für Rollstuhlfahrer und gehhinderte Menschen verfügen. Dies auch weil viele Kliniken eigene Werksstätte.

Was die Klinik auf dem Gelände das Markuskrankenhaus betrifft, diese Klinik „ist nur für die Inanspruchnahme von Menschen im nördlichen Teil von Frankfurt gedacht. Überdies gibt es zur Zeit eine Warteliste von 30 Personen.“

„Für Menschen die im nördlichen Teil Teil von Frankfurt leben . . .“. Was sie wohnen im Süden von Frankfurt? Tja da haben sie Pech gehabt. Da kann man gar nicht soviel essen wie man kotzen möchte.

Wenn man sich dann noch vor Augen hält das in Deutschland der Trend zur Privatisierung von Kliniken die ausschließlich auf Kosten und zu Lasten der Patienten fortschreitet, dann kann man sich nur noch an den Kopf greifen.

Eine weitere Möglichkeit war die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie  in Frankfurt am Main. Das Handicap in diesem Fall war das Gebäude das zu einer Zeit gebaut wurde als man den Aspekt “ Barrierefreier Zugang“ noch nicht auf dem Plan hatte.

Was sich positiv abzeichnet ist die Klinik Hohe Mark in Oberursel. Nicht nur das die Infos am Telefon bzw meine Fragen kompetent beantwortet wurden, sondern der Aspekt „erhöhterToilettensitz“ wurde mit keine Problem, da finden wir eine Lösung beantwortet. In der Tat ist es auch kein Problem da jede Klinik – Krankenhaus wenn notwendig eine Toilettensitzerhöhung über ein Rezept <-> Hilfsmittel vom entsprechenden Arzt ausgestellt und angefordert und entsprechend montiert wird. Eine Angelegenheit von max 1 Tag.  Das besondere an dieser Klinik ist das auch Patienten stationär aus Frankfurt in Oberursel aufgenommen werden können, da es ein entsprechendes „Angebot für Frankfurt“ gibt.

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9. September 2014

Es gibt Tage wie heute an denen ich feststelle wie sehr mit (m)einer Depression eine einhergehende Agressivität meinen Alltag, mein Dasein an diesem Tag bestimmt. Es ist eine Art Grundstimmung wo mich das unbedeutenste Ereignis aus der Fassung bringt und ich aggressiv darauf reagiere. Komme ich mit dem Rollstuhl nicht “um eine Ecke” in meiner Wohnung, stoße ich an einen Schrank oder ich nehme Ereignisse wahr die mir idr am Arsch vorbeigehen, bricht sich in solchen Momenten meine Aggressivität Bahn und bestimmt mein “handeln”. Entweder äußerst sie sich in einem kräftigen, lautstarken “Fuck” das von einem Gefühl der Wut als Ausdruck dafür das ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin, sitze und mich nicht mehr aus eigener Kraft auf meinem Beinen fortbewegen kann begleitet wird oder, wenn ich online bin, sind Antworten – Postings von einem aggressiven Tenor geprägt. Die Gelassenheit ist in solchen Momenten in weite Ferne gerückt. Ganz zu schweigen von der Annahme meines Zustandes “Im Rollstuhl zu sitzen”.

Nicht nur das die Depression in solchen Momenten äußerst anstrengend ist, sie ist “Gift für die Seele”.

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25. September 2014

Nach 1 Jahr voller Agressionen und Wut, der Trauer und dem Schmerz über den Verlust von Fähigkeiten, meiner Beweglichkeit, dem Abschied nehmen von Vielem das ich liebte und gerne getan, mit dem ich mich wohlgefühlt habe und das mir gut getan hat, im Zusammenhang mit meiner eingeschränkten Mobilität da ich seitdem im Rollstuhl sitze, stelle ich fest das ich „meinen Alltag im Rollstuhl zu bewältigen“ angenommen und verinnerlicht habe. Das finde ich ist eine gute Nachricht und Erkenntnis. #goingthroughthemotions

4. Oktober 2014

Ein Gespräch mit einem Arzt war für mich sehr aufschlußreich. Sein Feedback hat mir gezeigt das ich in der Lage bin meine derzeitige Situation richtig einzuschätzen. Dem vorausgegangen war eine Art „Ein Knoten hat sich aufgelöst“. Ich werde mir jetzt ohne Druck  überlegen wie es in der nächsten Zeit weitergehen soll. Dies auch als Ergebnis da der Therapeut mich unterstützt sollte ich mich zu einer längeren ambulanten Therapie entscheiden.
Antriebslosigkeit und Resignation sind zwei paar Schuhe. Und TV schauen steht bei weitem nicht dafür sich nicht für etwas nicht engagieren zu wollen. Emphatisch zu sein ist nicht gleichbedeutend damit sich zu allem zu äußern bzw. Stellung zu beziehen. Auch wenn Nähe zu der einen oder anderen Angelegenheit – Situation vorhanden ist. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen „Realtität – Alltag“ und seiner ganz pers Sichtweise. Hat viel mit Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu tun.

10. Oktober 2014

Der Nebel im meinem Kopf hat sich verzogen, die Schwere ist der Klarheit gewichen.

Das was ich am 25. September geschrieben habe fühlt sich stimmig an. Ich fühle mich erleichtert, im Kontext zu meiner „RollstuhlSituation“ im Reinen mit mir. Mein Lebensmittelpunkt – Wirkungskreis wird sich vornehmlich auf meine Wohnung beschränken, wobei das „sich beschränken“ Realität ohne den Beigeschmack einer negativen Konnotation ist.

Während der letzten Tage stellte sich mir des öfteren die Frage: Was ist mir möglich zu tun – Welche Aktivität bin ich in der Lage an den Tag zu legen? Erstaunlicherweise drängte sich mir mit dieser Frage eine Begründung auf, die mir bei näherem Betrachten äußerst fragwürdig erschien. Es geht um die Frage des „Selbstwertes – des „etwas Wert seins“ im Kontext zum Handeln. Nur wer etwas tut, aktiv im Sinn von Produktiv ist – wird bzw ist ein wertvoller Mensch, ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft, Systems. Was für ein Unsinn. Dies würde nämlich in erster Linie bedeuten das man sich selbst, seinen Selbstwert über das Tun, Handeln, über Aktivitäten definiert die zudem in Abhängigkeit auf Anerkennung oder Nicht Anerkennung unserer Gesellschaft stehen.

Machste nix dann biste nix „unsichtbar und unausgesprochen (Wert)“

„Wer nichts tut, ist nichts wert“ diese Maxime nimmt in unserer Gesellschaft einen der vorderen Plätze auf der nach oben offenen „pädagogisch methodisch wertvollen Sozialisations Idiotenskala“ ein.

Seitdem sich bei mir der Gordische DepressionsKnoten gelöst hat ist mein Befinden, mein Sein von Stimmigkeit geprägt die sich auch im meinem Alltag bemerkbar machen. Mein „Handeln, i.e. das Aufstehen aus meinem Rollstuhl, Bett, ist nicht mehr von der Schwere geprägt die meinem „Tun“ während des letzten Jahres innewohnte. Ich koche wieder mit Freude, genieße den Blick aus meinem Femster in den großen Garten der das Haus in dem ich lebe umgibt und genieße es TV zu schauen wenn ich auf meinem Bett liegenderweise meine Batterien auftanke.

29. März 2015

Leider war dieses Gefühl der Stimmigkeit und der Leichtigkeit nur von kurzer Dauer. Wie es sich heraus stellte, bewege ich mich in diesem für eine Depression typischen Auf und Ab. Dieses Hoch und Stimmungstief ist eines der Symptome das eine Depression charakterisiert. Dieses mal und das ist überaus positiv komme ich damit insofern klar weil ich es kenne. Dank einiger Werkzeuge die ich während der 12 Wochen meines Aufenthaltes in der psychosomatischen Abt. der  Habichtswaldklinik in 1998 mit auf den Weg bekommen habe, ist es mir heute möglich das ich mit der Depression (bessser-anders) umgehen kann.

Eine gute Klinik zu finden die meinen Bedürfnissen gerecht wird ist dieses mal nicht so einfach. Da ich im Rollstuhl sitze und weiß was ich brauche und was nicht, auch oder gerade was die Behandlung betrifft, gestaltet es sich dieses mal wesentlich schwieriger. Es gibt wenige Kliniken die auf Menschen die im Rollstuhl sitzen eingerichtet sind bzw die entsprechden Voraussetzungen in ihrem Angebot haben. Neben einem guten psychosomatischen – therapeutischen Angebot ist in meinem Fall eine physiotherapeutische Behandlung ebenso notwendig. Mir ist bewußt das irgendwann mit zunehmendem Alter die Kräfte in den Beinen und Armen abnehmen können, aber in meinem Fall ist es jedenfalls noch nicht so weit. Mit der Inanspruchnahme von div Muskelaufbau Geräten ist bei mir noch Einiges zu machen.

Mittlerweile habe ich eine gute Klinik gefunden und mich mit ihr bzgl des Aufnahmeprocederes in Verbindung gesetzt.

Seit dem Oktober letzten Jahres hatte ich einige Termine mit Psychologen und Psychotherapeuten. Alles was jetzt noch fehlt ist das eine Psychologin und meine Ärztin die meinen Aufenthalt in die Wege einleiten muß wieder gesund zu werden um die entsprechenden Befunde zu schreiben. Die Grippe hat dieses Jahr im Verhältnis zu den vorangegangenen Jahren ne Menge Menschen heimgesucht. Unter anderem auch meine Ärzte.

19. April 2015

Gestern war einer dieser Tage von denen ich hoffte – was die Depression betrifft – von ihnen verschont zu bleiben. Als ich die Augen öffnete  hatte ich mich auf eine Art und weise antriebslos und niedergschlagen gefühlt wie damals. Den ganzen Tag habe ich geschlafen nur um nicht diesem Gefühl Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit ausgesetzt zu sein. Es war eine Schwere die auf mir gelastet hat von der ich hoffte sie nicht mehr erfahren zu müssen.

Mittlerweile habe ich endlich alle Dokumente – Befunde soweit zusammen und meiner Ärztin übergeben die – auch eine neue Regelung der KK – durch entsprechende Anträge Muster 60 und Muster 61 – einen stationären Aufenthalt in einer Klinik beantragt. Bis zu einer Entscheidung bleibt mir jetzt einfach nur durchzuhalten.

13. Mai 2015

Auf den ersten Antrag – Muster 60 eine Pro Forma Angelegenheit – hat meine Ärztin jetzt den „eigentliche“ Antrag – Muster 61 – ausgefüllt und abgeschickt. Auf ihn kommt es a) inhaltlich darauf an und b) wie die KK entscheidet. Hier bin ich einfach mal gespannt wie sie entscheidet.

Ansonsten bin ich immer noch auf einer depresiven Berg und Talfahrt unterwegs.

31. August 2015

Am 20. April bloggte ich Folgendes:

„Mittlerweile kehrt “Ruhe” in meinen Alltag ein . . und die Deppression auch.

Nachts schlafe ich unruhig, wache gegen 3.30 auf und liege wach im Bett. Zwischen 7 und 8 Uhr am morgen stehe ich auf. An manchen Tagen fällt es allerdings schwer. Es gibt Zeiten da muß ich mich überwinden meinen Alltag in Angriff zu nehmen. Allerdings gibt es auch Tage da fällt es mir leicht Dinge in Angriff zu nehmen die mir Spaß machen. Gegen 13,00 – 14.00 Mittags fühle ich mich oft niedergeschlagen, sodaß ich mich hinlege. Zwar ist das Loch in dem ich mich befinde, nach meinem Empfinden jedenfalls, nicht so tief wie das Loch in dem ich damals steckte. Dennoch fühle ich mich oft antriebslos und lustlos.

Anfang März habe ich bei meiner KK einen Antrag für eine ambulante Rehamaßnahme hier in Frankfurt/Main eingereicht. Mal schaun was der MdK Frankfurt dazu sagt.“

Seitdem war ich einer Odysee gleich in Sachen „Depression“ unterwegs. Artztterminen mit mehr oder weniger langen Wartezeiten bei Psychologen, Psychotherapeuten und mehreren Gesprächen mit meiner HIV Ärztin. Zu guter Letzt haben in dem HIV Ärztekolletiv in Frankfurt, im Mai 2015 Ärzte die Kranlenkassen bürokratischen Schritte in die Wege geleitet an dessen Ende das OK des MdK und meiner Krankekasse zu einer Reha – stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Abt einer RehaKlinik bzw in einer Klinik für Psychotherapie in Form einer schriftlichen Zusage bei mir irgendwann eintrudeln sollt. Welche Reha Klinik es letztendlich sein würde, glich dem berühtem Überraschungsei. Erst wenn ich den Brief einer Klinik geöffnet haben würde, würde ich wissen um welche Klinik es sich handeln würde.

Das Bundesozialgericht hat in zwei Entscheidungen (AZ: B 1 KR 12/12 R und B 1 KR 53/12R) das in SGB 9 festgelegte Wunsch- und Wahlrecht bei der Auswahl von Rehakliniken erheblich eingeschränkt. (Trifft für jede Krankheit zu)

Das Wahlrecht in welche Klinik man gerne gehen möchte, hat man nur nach dem Radio Eriwan Prinzip:

Anfrage an Radio Eriwan: Kann ich mir die Reha Klinik in die ich gehen möchte selbst aussuchen?

Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber da die Vorsitzenden Chefs der Krankenkassen dann weniger verdienen würden, werden ihre Mitglieder nur in den Kliniken untergebracht mit der die Krankenkasse Versorgungsverträge hat.

Natürlich habe ich mich selbst auf die Suche nach einer Klinik gemacht. Letztendlich wurden die Kliniken meiner Wahl – was die Kostenübernahme betraf war meinen KK mir gegenüber sehr kulant da sie nach langer Suche bereit war sich auf eine Klinik die ich ausgewählt hatte einzulassen – wie auch die Kliniken der Krankassen auf Grund meiner Situation abschlägige Bescheide erteilt. In meinem Fall sieht es zur Zeit so aus das ich in einer Klinik auf tägliche Hilfe angewiesen wäre. Ob beim anziehen, waschen und duschen oder aus dem Rollstuhl aufstehen, ich hätte in einer Klinik Hilfe benötigt. Diese Leistung konnte keine Klinik für Psychotherapie oder mit einer psychosomatischen Abteilung übernehmen. Eine Klinik hätte mich evtl. aufgemomen, doch die Bewertungen über diese Klinik waren eine Katastrophe. Natürlich sind Bewertungen über Kliniken und die Behandlung von Patienten sehr persönlich und daher subjektiv. So kommt es auch immer darauf an mit welcher Einstellung man in eine Klinik geht. Doch wenn von 100 % abgegebener Bewertungen 100% Katastrophen Bewertungen sind dann laß ich pers die Finger davon.

Hier bei mir zu Hause in meiner Wohnung habe ich das große Glück da ich auf Grund des Schnitt der Wohnung bis auf Duschen sehr gut ohne Hilfe zurechtkomme.

Nach längerer Überlegung habe ich letzte Woche den Antrag auf eine REHA schriftlich zurückgezogen. Die Entscheidung hat sich für mich stimmig angefühlt. Wie s weitergeht. Mal schaun.

29. September 2015

Es war die richtige Entscheidung die ich vor einem Monat getroffen habe. Es fühlt sich gut weil stimmig an. Niedergeschlagen – sein darüber weil ich nicht mehr das tun konnte was mir gut getan hat, womit ich mich wohlgefühlt habe. Antriebslosigkeit weil ich die Hoffnung und den Glauben je wieder etwas tun zu können womit ich mich gut fühlen würde, das sich stimmig anfühlt, aufgegeben habe, Lustlosigkeit weil die Sinnlosigkeit meines Seins die Regie über mein Leben führte, diese bleierne Decke der Resignation die schwer auf meiner Seele lag und mich niederdrückte hat sich verflüchtigt.

Meine Wut und mein Ärger über den Verlust der mit einem Leben im Rollstuhl im Kontext zu dem Leben wo man sich auf seinen zwei Beinen fortbegwegt steht ist weniger, aushaltbarer geworden. Ich kann mit ihnen zusammenleben wie mit meinem Nachbarn. Wenn mir heute ein Kaffeelöffel auf den Boden fällt dann bewegt sich mein Verhalten zwischen mit der Schultern zucken: „Denn mußte jetzt aufheben“ oder ein gefülltes Glas mit Apfelsaft umkippt: „Hoffentlich ist der Kanten Brot nicht vom Apfelsaft durchtränkt worden“. Vor n paar Wochen hätt ich lauthals geflucht wie n Bierkutscher egal wieviel Uhr es auch gewesen sein mag. Die Wut über den Verlust von liebgewordenen Gewohnheiten denen ich heute da ich im Rollstuhl sitze nicht mehr nachgehen, sie nicht mehr ausleben kann sie ist aushaltbarer geworden.

Die 5 Sterbephasen wie sie Elisabeth Kübler Ross in ihrem Leben als Ärztin und „Sterbeforscherin“ wie man sie auch bezeichnet als Erste wahrgenommen und sich mit ihnen auseinandergesetzt hat, sind im Grunde genommen Phasen des Lebens <- pdf Datei die jedem Menschen in seinem Leben immer wieder begegnen, die ersie am eigenen Leib erfährt und so er sich auf sie einläßt wahrnimmt.

Erst wenn man sich bewußt wird und am eigenen Leib erfährt an was man festhält wird es einem möglich sein loszulassen um ein Stück Freiheit zu gewinnen.

Sie – diese „Phasen vom Leben“ werden uns bis zu unserem letzten Amtenzug begleiten und uns immer wieder begegnen.

13. November 2015

Während der letzten 2 Jahre habe ich mir sehr schwer getan die 2 wöchentlichen Termine zu meiner PhysioTherapie zwecks „Muskelaufbautraining an dafür div Gerätschaften“ einzuhalten. Nur selten bin ich mit Schwung und Elan in die Praxis gefahren. Meistens hat es mich sehr viel Überwindung gekostet. Öfters habe ich auf den letzten Drücker die Termine abgesagt. Die Folge davon war das ich an mir selbst gezweifelt habe und ins Grübeln ob meiner „mangelnden Disziplin, etwas für meine Gesundheit, meinen Körper zu tun“ gekommen bin. Es war nur ein kleiner Schritt bis zu dem Punkt an dem ich mich „schwach und Minderwertig“ fühlte. Das Grübeln und meine Selbstzweifel unterstützten und verstärkten die Abwärtsspirale des mich Minderwertig fühlens und der Schuldgefühle, die mich immer wieder heimsuchten.

Heute habe ich mich mal hingesetzt und mir die letzten 15 Jahre was meine Aktivitäten unter dem Aspekt „Bewegung und Sport“ betrifft vor Augen gehalten. Das meine Muskeln in beiden Beinen immer schwächer wurden, habe ich seit dem Jahr 2000 wahrgenommen. Tatsache ist auch das ich nie ein Sportler vor dem Herrn war. Weder zu meiner Schulzeit noch danach. Körperliche Ertüchtigung in Höchstleistung war für mich als Hippie das Entgegennehmen und Weiterreichen einer Wasserpfeife und Sex.🙂

Damals lebte ich in Darmstadt. Wenn ich im Sommer meine Eltern besuchte bin ich mit der S – Bahn bis nach Buchschlag gefahren und dann ab durch den Wald nach Zeppelinheim. Waren die Winter nicht zu heftig bin ich selbst zu dieser Jahreszeit mit dem Rad Samstags auf den Markt in Darmstadt gefahren. Bei mir um die Ecke war das Nordbad, ein DSV Leistungszentrum. Im Sommer mind 2 mal, im Winter 1 mal die Woche war ich spätestens um 9.00 im Schwimmbad und bin meine 1000 mtr geschwommen. Ich war 10 Tage in Rom. 4 mal 1 Woche in Berlin und auf der PoBe in Bielefeld.
Im Sommer – manchmal bis spät Abends – wie im Winter bin ich oft durch Frankfurt getigert und habe fotografiert. Die Monate vor der PoBe in Bielefeld habe ich in Darmstadt in ein FitnessStudio besucht und an einem GeräteKreis der zur Stärkung meiner Muskulatur diente trainiert. Dies hat es mir ermöglicht das ich wieder einigermaßen Treppen steigen konnte. Dennoch schritt der Muskelschwund in beiden Beinen und meine Polyneuropathie, anfangs nur im rechten Fuß, unweigerlich voran.

Nachdem ich imt Dezember 2010 beim Absteigen vom Rad Selbiges nicht festhalten konnte und ich in Slow Motion mich der Strasse entgegenfallen sah war mir klar: „Das war s dann mit dem Rad fahren“.

Ich habe in den Jahren in denen es mir möglich etwas war zu unternehmen und etwas für meinen körperlich Zustand zu tun, das getan was in meinen Kräften stand. Ich habe das getan was mir gut getan hat, was ich gerne gemacht habe und womit ich mich wohl gefühlt habe. Dies ist die eine Seite der „Bewertungsmedaille“. Von dem Moment an wo ich von vielen Aktivitäten Abschied nehmen mußte ist kamen Selbstzweifel und Grübel auf, die einen Mechanismus, des mich Schuldig fühlens „nicht genug für mich zu tun“ um wieder so fit zu werden wie ich mir vorstellte in den Gang setzten die letztendlich meiner Depression Nahrung waren .

Diese ungesunde, verzerrte Sichtweise meiner Realität  hat wesentlich zu meiner Depression der letzten 2 Jahre dazu beigetragen.

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2 Antworten zu . . . und wieder hat sie mich am Wickel, die Depression (akt 11)

  1. termabox schreibt:

    Alles Gute auf dem Weg.🙂

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