Der wahrgewordene Albtraum


Da meine Mobilität seit einiger Zeit sehr eingeschränkt ist, bin ich im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen.

In meiner Wohnung nehme ich je nach dem einen Rollator und den Rollstuhl in Anspruch. Am Computer sitze ich im Rollstuhl. Das hat den Vorteil das ich, da der Rolli Bremsen hat die man feststellen kann und er beim Aufstehen nicht nach hinten wegrollt, mir somit das Aufstehen erleichtert, besser aufstehen kann. Was den Gang zur Toilette, die Blumen auf dem Balkon gießen betrifft, dazu bediene ich mich meines Rollators. Und natürlich auch wenn  ich mich dusche.

Hier kommt mein Alptraum ins Spiel. Seitdem meine Mobilität eingeschränkt ist, bewege ich mich sehr achtsam. Ganz besonders wenn ich mich dusche. Da ich im rechten Fuß eine Polyneuropathie habe und in beiden Beinen eine Muskelschwäche, bewege ich mich, wenn ich mich dusche, wie auf „Rohen Eiern„, wie man so sagt. Die Vorstellung auf nassem Boden trotz Gummimatte, die nur den Teil wo die Dusche ist bedeckt, auszurutschen, zu fallen, war wie ein Albtraum für mich. Umso mehr da ich alleine lebe und wenn ich falle aus eigener Kraft nicht aufstehen kann.

Gestern ist der Albtraum wahr geworden. Als ich mich dem Duschen fertig war, wollte ich wie immer nach dem Duschen die Gummimatte auf der ich stand aufheben, sie kurz abduschen um sie anschließend über die Haltestange die an der Wand angebracht ist aufzuhängen. Um sie aufzuheben muß ich leicht in die Knie gehen, mich bücken was mir bislang auch immer möglich war. Die Physiotherapie hat mir da einiges an Sicherheit gegeben. Das das schwüle heiße Wetter der letzten zwei Wochen hat mich zum ersten Mal in einem Maß beeinträchtigt das ich so bisher nicht kannte. Mein Blutdruck ist sehr oft um die 106/68 und ab Mittag bin ich platt wie eine Flunder wie man so sagt. Als ich in gebückten Haltung war merkte ich auf einmal das ich einen Punkt of No Return ünerschritten hatte. Reflexartig wollte ich mich an der Haltstange hochziehen, aber ohne die entsprechenden Muskeln in den Armen und Beinen um mich hochzuziehen bzw hoch zu stemmen ging gar nix. Langsam wie in Slow Motion bin ich gefallen und lag rücklings wie ne Schildkröte auf dem Rücken. Dank funktionierender Reflexe und einiger Minimuskeln in den Armen, konnte ich den Aufprall meines Kopfes etwas abfangen. Bis auf eine kleine Beule ist mir G`tt sei Dank nichts passiert. Irgendwann habe ich den Notruf der in jeder der Wohungen ist erreicht und der Zentrale mitgeteilt das ich gefallen bin, aus eigener Kraft nicht aufstehen kann und Hilfe benötige. Nach einer kurzen Weile kamen zwei freundliche Mitarbeiter des Notrufdienstes und haben mich „aufgerichtet“.

Während der ganzen Zeit war ich ruhig und gefaßt. Als ich vor 2 1/2 Jahren in diese Wohnung  eingezogen bin ich einige Male gefallen. Damals geriet ich jedesmal in Panik. Es war der Anfang eines Prozeß, (m)einer Veränderung der ich mich stellen mußte. Ich mußte lernen mich auf meine neue, körperliche Situation, des Fortschreitens meiner zunehmenden Immobilität einzustellen und dieser neuen Situation gerecht zu werden.

Der Albtraum „Im Bad beim Duschen zu fallen“ dieser Gedanke ging mir sehr oft durch den Kopf. Es war ja kein Hollywood Scenario sondern eine Situation wie sie auf Grund der Umstände, meiner Situation, jederzeit passieren könnte. Diese Gedanken – diese Angst „Fallen im Bad beim Duschen <-> Albtraum“ die ich sehr oft hatte, dieser Prozeß mich mich meiner Angst zu stellen, bedingte das ich als der Albtraum Realität wurde gefaßt und ruhig war.

Sich seiner Angst zu stellen nimmt der „Angst“ die Macht Dein Leben zu beherrschen.

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