Realitycheck 64.01 – Update –


Mal angenommen ich würde in einem Haus – in einer Wohnung leben wo der Zugang ebenerdig wäre – also nicht wie hier am Sachsenhäuser Berg -,  wo ich alleine im Rollstuhl aus der Haustür fahren und mich ohne auf ein Taxi oder fremde Hilfe angewiesen zu sein selbständig bewegen könnte. Ich würde, trotz der Tatsache das ich im Rollstuhl zu fahren sehr ungeübt bin dennoch überall in der Stadt hinkommen wo ich hinrollen möchte. Was wäre anders?

Ich hätte da ich gestern eine Tablette gegen meine Rückenschmerzen genommen habe heute keine Rückenschmerzen und könnte z.b. mal in die Stadt rollen. Dies wäre mir natürlich auch an den Tagen an denen ich mich wohl fühle und soweit es meine Struktur im Alltag zuläßt möglich.  Nach ca 3 Stunden würde ich auf ne Toilette mit einem erhöhten Toilettensitz müssen. Als normaler Normalo kein Problem. Rein in die nächste Kneipe, ne Cola bestellt und auf die Toilette gegangen. Nicht in meinem Fall.

Ich hätte mehr Möglichkeiten mich abzulenken. Da ich mich ja mittlerweile seit 64 Jahren recht gut kenne würde ich in das Eine oder andere Geschäft rollen, etwas kaufen. Ich würde in die Kleinmarkthalle fahren und meinen japanischen Freund besuchen, einen Tee mit ihm trinken und sein Sushi genießen, das Eine oder Andere das ich sehe und mein Begehren erweckt und gerne hätte, kaufen und mit den Menschen ein Schwätzchen halten.

Mehr Ablenkung, mehr Möglichkeiten meinem Begehren nachzugeben, mehr Dinge haben zu wollen. Ein Mehr an Verhaftet sein. Was das „Verhaftet sein“ betrifft, ob auf der psychischen oder der physikalischen Ebene, da schaue ich in den Spiegel, mich in meiner Wohnung um und bin mir gewahr an was ich „hänge, mich festhalte – das mich hält, bin mir durchaus gewahr wie schwer das „Loslassen“ ist. Veränderung und Vergänglichkeit.

Meine körperliche Situation jedoch wäre die Gleiche. Ich wäre nach wie vor auf Hilfe im Alltag durch meinen Pflegedienst angewiesen. Ich hätte nach wie vor die gleichen körperlichen Probleme. Wenn ich am morgen aufwache stellt ich fest wie es mir geht. Heute, mittlerweile, ist es 6.00 Uhr, geht es mir gut. Und ich bin mal ziemlich klar im Kopf. Also sitze ich am PC und schreibe dies. Q.e.d.

Meine Einsamkeit verstärkt durch den Umzug nach Frankfurt auf Grund der Notwendigkeit meiner körperlichen Situation und der daraus sich ergebenden Nähe zu meinen Ärzten wie auch die Nähe zu meiner alten Dame, meiner Mutter die in einem Altenheim lebt – wäre die Gleiche. Meine depressiven Verstimmungen und körperliche Situation wären wie auch mein „schlechtes Gewissen weil ich meinen Erwartungen nicht mehr in dem Maß gerecht werde“ da ich meine Mutter im Altenheim nicht mehr so regelmäßig besuchen kann, ebenso vorhanden.

Noch nie ist mir die 1. und 2. Edle Wahrheit wie sie hier beschrieben wird so klar, so präsent, so „greifbar“ in meinem Alltag wie in den letzten Tagen geworden.

 Ich überlege gerade unter welchen „Kategorien“ ich das Geschriebene „vernetze“ HIV? AIDS? HIV im Alter? Im Grunde genommen spielt das für mich nich mehr die Rolle wie es lange Zeit der Fall war. Gesundheit? Medikamente? Ja das eher. Ohne die Medikamente wäre ich schon lange nicht mehr am Leben, könnte dies also nicht schreiben.

Was ist ein Name; Das Ding das wir eine Rose nennen, würde unter jedem andern Namen eben so lieblich riechen.

William Shakespeare, 2. Aufzug, 2. Scene – Juliette

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Das Euro Schlüssel Projekt – für Menschen mit einer Behinderung von 100 % und dem Merkzeichen AG sehr sinnvoll, vor allen Dingen nützlich.

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