Leben im Alter – Alt werden in Frankfurt am Main (akt1)


Zwei Pflegeheime des Frankfurter Verbandes mit dem „Regenbogenschlüssel“ ausgezeichnet.

RozeLoperRegenbogenSchlüssel

Foto Copyright © Frankfurter Veband

Das Julie-Roger-Haus und das Sozial- und Rehazentrum West des Frankfurter Verbandes sind von dem niederländischen Konsortium „Roze 50+“ mit dem Regenbogenschlüssel ausgezeichnet worden. Der „Regenbogenschlüssel“ wird an Pflegeheime vergeben, die sich aktiv um Toleranz bemühen, vor allem gegenüber Schwulen, Lesben, Bisexuellen oder Transsexuellen. Quelle: Frankfurter Verband

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Dazu das folgende Statement:

Danke an alle, die zu dieser Deutschland Premiere ihren Beitrag geleistet haben. Danke insbesondere an den Frankfurter Verband, der das Projekt konsequent und mit Empathie vorangetrieben hat, an die kooperative AIDS-Hilfe Frankfurt, an 40 Plus -Schwules Forum Frankfurt– an die Initiative Telefonberatung für ältere homosexuelle Männer, an das kooperative LIBS für lesbische Frauen, und last but not least an das Cafe Karussell für Schwule 60 Plus. Für mich ist das ein historischer Moment. Ich freue mich sehr. H.P.H.

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Auszug aus der Initiative Regenbogenpflege des Frankfurter Verbandes:

In Deutschland haben ältere Homosexuelle in ihrem Leben in erheblichem Ausmaß Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren. Diese Erfahrungen führen dazu, dass es für ältere Homosexuelle schwierig ist in einem Pflegeheim offen mit ihrer Homosexualität umzugehen. Gleichzeitig nehmen Pflegeheime derzeit oft gar nicht aktiv zu Kenntnis, dass es in ihren Einrichtungen ältere Homosexuelle gibt. Quelle: Initiative Regenbogenpflege

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Am 29. 10. 2013 fand in Frankfurt am Main die Fachtagung „Ältere pflegebedürftige Homosexuelle im Pflegeheim“ Ausrichter und Veranstalter „Frankfurter Verband“ statt.

Da heißt es unter Anderem:

Gleichzeitig nehmen Pflegeheime derzeit oft gar nicht aktiv zu Kenntnis, dass es in ihren Einrichtungen ältere Homosexuelle gibt. Ein Grund kann sein, dass die Menschen ihre Homosexualität aufgrund ihrer gemachten Lebenserfahrung verbergen. Das führt dazu, dass in der Pflege und Versorgung nicht angemessen auf die Lebensumstände der älteren Lesben und Schwulen eingegangen wird. Gerade in den biografieorientierten und sich an den Lebenssituationen ausrichtenden aktuellen Pflege- und Betreuungskonzepten ist die Orientierung an der individuellen Lebenssituation jedoch ein wesentlicher Aspekt. Ziel ist es den Menschen ein selbstbestimmtes Leben mit möglichst hoher Lebensqualität, trotz der gesundheitlicher Einschränkungen, zu ermöglichen. Quelle

Eine Erkenntnis die auf der Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der AH Frankfurt „Leben im Alter – In Würde alt werden“  im Jahr 2009 schon wahrgenommen wurde.

Stigmatisierung und Ausgrenzung sind immer noch Alltag. In der Gesellschaft wie auch in den meisten herkömmlichen Alten bzw Pflegeheimen. Dies trifft für Menschen die im Pflegeberuf arbeiten in gleichem Maße zu wie für ältere Schwule, Lesben und Transgender die auf Hilfe bzw. Pflege angewiesen sind wenn sie vor der Entscheidung stehen wo bzw. wie sie Ihren Lebensabend verbringen wollen. Die Angst vor den Erfahrungen von Diskriminierung die sie in der Vergangenheit erlebten (erst 1994!!! fiel der §175 im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg) und befürchten im Alter wieder ausgesetzt zu werden, bedingt es das viele von ihnen im Alter versteckt leben, unsichtbar sind. Quelle: alivenkickn-Klein aber fein

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 Persönliches

Es war ein langer Weg bis hierhin. Seinen Anfang nahm dieser Prozess meines Wissens im Jahr 1999 mit dem Projekt und der Gründung eines gleichnamigen Verein „Altenpflegegayheim“ von Walter Curkovic-Paul der im Januar 2009 verstorben ist.  Schon damals schlug diese Thematik Print mediale Wellen. So setzte sich die damalige Stadträtin Jutta Ebeling von den Grünen im Jahr 2004 für dieses Projekt ein. Auch „Der Spiegel“ war schnell dabei. Leider ist es bei dem Projekt pdf Datei und endlosen Diskussionen geblieben.

Im Nachhinein mag man anmerken das dieser langwierige Prozeß notwendig gewesen sei. Ich tendiere aber zu der Aussage das dies ein „spezifisches Frankfurter Problem“ ist. Die „Hesse babbele lang und viel wenn de Tach lang is“. So wurden die Projekte in Berlin „Lebensort Vielfalt“ und die „Villa Anders“ in Köln in weniger als der Hälfte der Zeit geplant und umgesetzt. Ein Aspekt warum das Projekt Altenpflegegayheim nicht umgesetzt wurde ist das dem Team zu viele „Bedenkenträger“ angehörten. Zweifler, Menschen denen ein solches Vorhaben nicht eine Herzensangelegenheit ist sind nur hinderlich.

Möglicherweise ist diese Sichtweise meiner Ungeduld zuzuschreiben. Andererseits komme ich auch nicht umhin festzustellen dass das Ergebnis dieser Woche  schon vor 6 Jahren Thema war. Natürlich kann ich da nur von meiner subjektiven Wahrnehmung ausgehen. 2008 war ich 58 Jahre alt. Heute 6 Jahre später bin ich 64. Und natürlich hat sich mit der Veranstaltung „Leben im Alter – In Würde alt werden“ eine Hoffnung verbunden, das in Frankfurt ein ähnliches Projekt wie in Berlin oder Köln ins Leben gerufen werden könnte. Doch davon ist man auch heute noch Lichtjahre entfernt.

Werde ich wenn ich wahrnehme das ich meinen Alltag nicht mehr allein in meiner Wohnung meistern kann und es an der Zeit ist mich um einen Platz im Julie Roger HAus oder im Sozial und Rehazentrum West bewerben? Da kannste Gift drauf nehmen. Insofern bin ich froh das man heute in dem Kontext „Leben in Würde – Alt werden in Frankfurt“ sagen kann das sich für Menschen die Homo,- Bi- undoder Transsexuell, Lesbisch, Transgender oder HIV + sind etwas getan hat. Das ist in der Tat eine gute Nachricht.

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21. Mai 2015

Ein schwules Paar feiert seine Hochzeit in einer Seniorenwohnanlage mit allen Bewohnern. Etwa 50 Prozent der Bewohner des Julie-Roger-Hauses sind selbst nicht heterosexuell. Die Einrichtung ist mit dem Regenbogenschlüssel zertifiziert.

 „Ich betrachte die Bewohner als Familie“, sagt von Elling. Das Haus sei ihm einfach „ans Herz gewachsen“, seit er dort nach seinem Zivildienst als Pflegekraft angefangen habe.

Im Haus habe er eine „persönliche Entwicklung“ durchlebt; offener sei er geworden. Ähnlich erzählt es sein Freund, der seit drei Jahren dort arbeitet. Mehr dazu -> Quelle FR Schwule Hochzeit unterm Regenbogen

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