. . . when I´m 64 (akt)


Dieses Lied der Beatles „When I´m 64“ war und ist eines meiner Lieblingslieder. Nicht nur wegen der Art und Weise der Kompostion, Rhythmus sondern ganz besonders wegen des Thema des Songs. „Wie wird es mir gehen wenn ich alt bin“. Der Song der Beatles drückt u.a. das aus was sich jeder von uns für sich und die, den Menschen die ihn lieben, der ihn  sich wünscht, sich vorstellt, behaupte ich mal. Das wenn wir alt sind gesund und soweit fit sein mögen um Dinge die wir gerne tun würden noch tun können, und wenn dies nicht mehr der Fall sein sollte einen Menschen zur Seite zu haben der uns hilft ggf uns versorgt. Das Bild des Songs spiegelt eine liebevolle Beziehung zwischen zwei – zwischen Menschen wieder. Ein Bild das sich jeder von für sich, sein Leben wenn ersie mal alt wird oder ist sich wünscht.

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. . . now I´m 64

Das Loslassen, Abschied nehmen von Menschen – Beziehungen und Dingen die man liebt begleiten einen Jeden von uns vom Tag der Geburt an ein Leben lang. Wenn es sich um den Abschied, das Loslassen von Angewohnheiten von Dingen handelt, dann vollziehen sich solche Abschiede idr recht unspektakulär. Unspektakulär insofern das es einem entweder leicht fällt oder weil eine emotionale Bindung nicht so ausgeprägt war die einen schmerzhaften inneren Prozess auslöst und das Loslassen über einen längeren Zeitraum begleitet. Handelt es sich um den Abschied, das Loslassen von unangenehmen, für einen selbst schädlichen Gewohnheiten, dann nimmt das Abschied nehmen, Loslassen einen längeren Zeitraum in Anspruch. Obwohl man weiß das eine Gewohnheit einem nicht gut tu, schädlich für einen selbst ist wird man sich möglicherweise dennoch gerade an der Anfangszeit immer wieder dabei ertappen das man reflexartig eine „Gewohnheit praktiziert – ausführt“. Dies einfach deshalb weil man es so gewohnt ist, etwas Jahrelang getan hat. Es ist uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen.

JedeR der geraucht hat und die Entscheidung getroffen hat aufzuhören weiß wie schwer es in der Anfangszeit war. Der „gewohnheitsmäßige Griff zur Zigarette nach dem Essen, dem Sex oder wenn man nervös wurde“ diese internalisierte Gewohnheit die zu einer täglichen Rotutine geworden ist wer kennt das nicht. Sich seines Tuns in einem solchen Moment gewahr zu werden „zu ner Ziggi zu greifen“ erfordert Achtsamkeit, Wachsam sein. Die Zigarette liegen zu lassen, sie wieder hinzulegen, zu sagen „Nein, ich zünde mir keine Zigarette an“, dies ist eine neue Übung die es zu lernen gilt. Irgendwann wird das „Nein sagen“, dann zur Routine. Das Nicht anzünden der Zigarette wird mit jedem Tag an dem man die Zigarette liegen läßt, nicht mehr raucht immer mehr zur Gewohnheit des „Nichtrauchens“.

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Anders sieht es jedoch aus wenn es um das Abschied nehmen von Beziehungen zu Menschen, der Konfrontation mit einer Krankheit und ganz besonders dem Verlust von körperlichen Fähigkeiten geht.

Zwischen einer Trennung in einer Beziehung, dem Abschied nehmen von einem Menschen der stirbt, dem Verlust – Abschied nehmen von körperlichen Fähigkeiten und der Konfrontation mit einer Krankheit gibt es Gemeinsamkeiten und elementare Unterschiede. So ist der Tod eines geliebten Menschen etwas Unwiderrufliches und Entgültiges.

Ob bei Trennung in einer Beziehung, dem Verlust von körperlichen Fähigkeiten und ganz besonders was den Tod eines geliebten, nahestehenden Menschen, Freundes, PartnerIn, Familienangehörigen betrifft, alle werden sie von Emotionen begleitet deren Intensität und Reihenfolge je nach Charakter sehr unterschiedlich sein können.

Die Emotionen die die einzelnen Phasen wie Abschied nehmen begleiten, die mir im Laufe meines Lebens in bestimmten Situationen immer wieder begegnen sind immer wieder die gleichen 5 Emotionen – Phasen. Mehr wie einmal wünscht ich mir das der Prozeß des Abschied nehmens zumindest weniger schmerzhaft wäre, doch dies wird wohl ein eher frommer Wunsch bleiben. Sie sind jedesmal gleich schmerzhaft.

Ich kann hier nur von meinen Erfahrungen sprechen. Zum einen handelt es sich bei dem Thema Abschied um den Verlust von körperlichen Fähigkeiten und vom Tod von geliebten Menschen, von Menschen die mir sehr nahe standen.

Elisabeth Kübler-Ross hat in der Mitte des vergangen Jahrhunderts mit einem in den westlichen Industriestaaten bestehenden Tabu gebrochen, indem sie die Begegnung mit sterbenden Menschen suchte, die damals in den meisten Kliniken wie Aussätzige behandelt wurden. Durch die Entwicklung der Medizin mit ihren z. T. grandios wirkenden Heilungserfolgen waren sterbende Menschen zu einer Art „Störfaktor“ des reibungslosen medizinischen Ablaufs geworden. Sie erschienen vielfach als vermeidbare „Pannen“ des Medizinbetriebs und starben einsam, isoliert und vernachlässigt.
Mit ihrem Bericht über die Begegnung mit sterbenden Menschen und ihrer erstmaligen Erforschung und Beschreibung typischer Phasen des Sterbeprozesses erzielte sie nicht nur hohes wissenschaftliches Ansehen – darunter 23 Ehrendoktortitel – sondern fand auch bei Laien große Aufmerksamkeit.
Quelle: Professor Dr. med. Dr. h.c. Christoph Student -> Veröffentlichungen -> Antworten auf wichtige Fragen -> Elisabeth Kübler-Ross

Diese Phasen, Emotionen so meine Erfahrung,  begleiten – gehen einher mit dem persönlichen Verlust eines geliebten, nahestehenden Menschen und dem Verlust von körperlichen Fähigkeiten. Sie sind also als eine Analogie eines pers Prozeß dem man als Lebender erfährt, im Kontext zu der Erfahrung die Elisabeth Kübler-Ross im Zusammenhang mit der Begleitung von Sterbenden machte zu verstehen.

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Leugnung und Isolierung
Wut und Ärger
Verhandeln
Depressive Phase
Akzeptanz

Seit einigen Jahren habe ich als Nebenwirkung vom Leben – Krankheit (Ob es uns gefällt oder nicht Krankheiten sind nun mal Teil des Leben, gehören zum Leben) eine Polyneuropathie im rechten Fuß, sowie eine Paraparese, Paraplegie i.e. eine inkomplete Kraftminderung – Muskelschwund in beiden Beinen. Die Ursache dürfte imo das Ergebnis von Langzeitnebenwirkungen von HIV und Medikamenteneinnahme einer ART – in meinem Fall 30/14 Jahre – und meinem Alter 64 liegen. Ich beziehe deshalb das Alter auch mit ein da Menschen mit HIV um ca 10 Jahren schneller altern als Menschen die nicht HIV + sind. In den USA hat man herausgefunden das sogenannte LangzeitÜberlebenden nicht nur schneller altern sondern mit dem Alter einhergehende Krankheiten eher auftreten als bei Menschen die nicht HIV + sind.
Das Nachlassen von Muskelkraft, dem Verlust von Kraft die den Alltag, die Mobilität erheblich einschränkt und erschwert, die Wahrnehmung dieses Verlustes und damit verbundenen körperlichen Fähigkeiten habe ich auch während des Sterbeprozess meines Vaters wahrgenommen. Der Verlust dieser Wahrnehmung wurde von den oben angeführten Emotionen – Phasen begleitet. Er war wütend, niedergeschlagen, traurig, konnte es nicht verstehen das ihm das passierte wo er doch in jungen Jahren „ein Sportler vor dem Herrn war“ wie er sich immer auszudrücken pflegte. Die Intensität der Emotionen war unterschiedlich wie die Reihenfolge nicht zwingend war. Mitunter wechselten sie stündlich.

In einem habe ich pers Glück – sofern man von Glück sprechen kann. Was die Phase, den Aspekt der Leugnung betrifft, dieser Zahn wurde mir sehr früh gezogen wofür ich dankbar bin. Nach der Eröffnung eines Arztes zwischen Tür und Angel im Dez 1985 „Sie sind Positiv“ (klasse dachte ich Positiv ist ja was Gutes und freute mich) und der Aufklärung einen Monat später was Positiv im Zusammenhang mit HIV bedeutet, flippte ich wie die Meisten die mit dieser Diagnose konfrontiert wurde aus. Bei einem Hofgang wurde mir auf einmal bewußt das ich JETZT auf der Treppe ausrutschen und mir den Hals brechen könnte. Dieser Moment, diese Erfahrung bedingte das ich mir meiner Sterblich gewahr wurde. Weder die Tatsache HIV zu leugnen „Nein das kann einfach nicht sein – ich doch nicht“ noch die  Frage „Warum ich“ mit den damit verbundenen Emotionen die stellten sich mir zu keiner Zeit. Das ich HIV positiv war das war mir auf Grund meines damaligen Lebenswandels „Sex n Drugs“ auf jeder Ebene meines Seins sehr schnell klar. Auf die Frage „Warum ich“ war meine lakonische Antwort „Warum nicht“.

Was die übrigen Aspekte – Emotionen – Phasen „Wut und Ärger“, „Verhandeln“, „Depressive Phase“ und „Akzeptanz“ betrifft da sieht es anders aus.

In dem Artikel „Ich bin wütend“ habe ich darüber geschrieben warum ich wütend und ärgerlich bin und wie sich meine PolyneuropathieMuskelschwund im Laufe der Jahre verändern hat.
Es geht um den Verlust <-> Abschied nehmen von körperlichen Fähigkeiten -> Laufen, Bücken, in die Hocke gehen, aus dem Bett und von der Toilette aufstehen, Treppen – Stufen steigen.

Nicht mehr die Dinge tun, das unternehmen zu können was ich liebte und womit ich mich wohl gefühlt habe. An einem Morgen so gegen 8.00 Uhr am einem Sonntag im Sommer wenn die Stadt noch Menschenleer ist mit der Kameraausrüstung durch das Bankenviertel in Frankfurt zu stromern und zu fotografieren. In die Hocke zu gehen um Kunstobjekte von einem bestimmten Standpunkt aus wahrzunehmen und die Sichtweise, das Gefühl das ich in diesem Moment habe fotografisch festzuhalten, zu transportieren, zu kommunizieren. Klar in die Hocke könnte ich gehen . .. da würde ich dann aber auch bleiben weil meine Kraft nicht mehr ausreicht aufzustehen.

Auf den Wochenmarkt, in die Kleinmarkthalle einkaufen zu gehen, mich während dem die Verkäuferin den Käse schneidet mich mit ihr zu unterhalten, statt eines Stück Fleisch aus dem ich vorhatte Gulasch zu zubereiten mich für ein Stück frischen FischFilets zu entscheiden, zu meinem Freund Herrn Kinya in die Kleinmarkthalle zu gehen, ihn zu sehen und mit ihm zu reden und zu lachen und seine köstlichen Sushis und Tee s zu genießen.

In ein Museum gehen und mich von den div Ausstellungen – Arbeiten der Künstler gefangen nehmen zu lassen.

Spontan nach Berlin zu fahren, zu Positiven Begegnungen, Menschen zu treffen die ich mag, all das ist mir nicht mehr möglich wenn bestimmte Voraussetzungen, Bedingungen – erhöhtes Bett, erhöhter Toilettensitz auf Toiletten im Restaurant, Veranstaltung, Museen, etc nicht gegeben, vorhanden sind.

Ein großer Teil dessen was noch vor 4 Jahren zu meinem Alltag gehörte, Teil von meinem Leben war, diese Lebensqualität der den Grad des subjektiven Wohlbefindens bestimmte ist heute nicht mehr bzw nur noch zum Teil vorhanden. Dieser Verlust bedingt für mich persönlich bewußt Abschied zu nehmen. Verstandesmäßig, ist es mir durchaus möglich dies zu erfassen, bin ich mir dessen bewußt jedoch befreit mich dies nicht von der Emotion des wütend seins, und des mich über den Verlust zu ärgern.

Was ich wahrnehme ist eine ausgeprägte Grundhaltung von Ärger der sich zur Zeit wie ein roter Faden in Vielem durch meinen Alltag  zieht. Wütend, ärgerlich zu sein fühlt sich einfach Scheixxe an. Und dennoch passiert es. Das Wissen um etwas wie auch das Wahrnehmen einer intensiven Emotion befreit mich nicht von dem Zustand, einem Zustand der sehr anstrengend ist. Achtsamkeit und Innehalten wenn ich mir des “ Ärgers – ärgerns“ gewahr werde ist alles was ich tun kann.

Was den Aspekt – die Phase des „Verhandels“ betrifft, merkwürdigerweise ist mir dieser Aspekt fremd. Natürlich bin ich mir bewußt was damit gemeint ist, „Laß mich wieder fit werden und ich verspreche  . . . “ oder “ Solange meine Muter lebt laß mich noch für Sie da sein danach ist es mir egal was mit mir geschieht, wie es mir gehen wird . . ,“. Als ich noch in Darmstadt lebte habe ich mit einem Muskelaufbautraining begonnen. Dies führe ich jetzt wo ich in Frankfurt lebe weiter. Anfangs hatte ich die Hoffnung das ich wieder soweit fit werden würde das ich wieder Treppen steigen, ins Schwimmbad gehen könnte i.e. die Stufen der  Edelstahlleitern die im 90 o Grad Winkel innen in den Schwimmbecken sind benutzen könnte. Doch ich mußte feststellen das das Beste was mir möglich ist den Zustand einer Verschlecherung zu verlangsamen, wenn ich nicht immer mal wieder in eine „Phase der Depression“ falle. Bzgl der Depression hat diese in meinem Fall weniger mit dieser Phase im Kontext zu der Thematik zu tun. alsdas es sich bei mir um eine Grunhaltung im Sinne einer depressiven Verstimmung handelt die mich immer wieder heimsucht. Allerdings bin ich in der Lage – im Gegensatz zu einer Depression in der ich mich im Jahr 1997/98 befand – mit ihr umzugehen. Dann sage ich allen Verpflichtungen und Terminen ab einfach weil ich mich schlecht fühle.

Von der Phase der Akzeptanz, der Annahme dessen was ist, einer damit einhergehenden inneren Stimmigkeit davon bin ich noch entfernt.

Jedoch eines komme ich nicht umhin festzustellen. Die Tage an denen ich mich so wie ich JETZT bin gut fühle, mich annehme, sie nehmen zu. Meine Wut und mein Ärger – auch die Intensität dieser Emotionen – nimmt ab.

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Update Juni 2014

Umzug von einer in eine andere Stadt – Wohnung – das Wegwerfen dessen was man aufgehoben hat weil „man weiß ja nicht ob man s nicht noch mal brauchen kann“ . . . Loslassen Light

Der Verlust von Fähigkeiten und damit verbunden das Eine undoder Andere nicht mehr tun zu können <-> Mobilität – was man geliebt hat . . . Loslassen 1.0

Der Umzug aus der geliebten Umgebung in einAltenPflegeheim in ein 12 qm großes Wohnklo – nach welchen Kriterien zum Teufel wurden einem solchen Heim der „Regenbogenschlüssel“ zugesprochen? (Einzelzelle im Knast 8 qm)  die Toilette und die Dusche (Gemeinschaft) befinden sich auf dem Flur „Wir lieben Dich Schwuler Mann undoderFrau“ ? – weil man den ganz alltäglichen Alltag nicht mehr bewerkstelligen kann, das damit verbundene bewußte Loslassen <-> Abschied nehmen von ca 95% der Dinge die das Heim „heimelig – wohnlich“ macht . . . HardCore Loslassen 2.0

Einfach Abends die Augen schließen und nicht mehr aufwachen . . . .

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