AIDS Hilfe Frankfurt – „Welt-AIDS Tag 2013 – 20 Jahre zentrale Feier in der Frankfurter Paulskirche“


Zeitlebens

WAT-2013_A2_webCopyright © AH Frankfurt

Die AIDS Hilfe Frankfurt lädt laden ein zur traditionellen Feier in der Frankfurter Paulskirche anlässlich des Welt-AIDS-Tages. Es ist in diesem Jahr die 20. Auflage dieser bundesweit einzigartigen Veranstaltung der AIDS-Hilfe Frankfurt: HIV Betroffene, AIDS-Aktivistinnen und Aktivisten, Experten aus Politik, Wissenschaft und Medizin zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern setzen sich seit 20 Jahren auf profunde, kritische, zuweilen kontroverse Weise mit den Themen HIV und AIDS auseinander.

Da es ein Jubiläum zu feiern gilt, hat die Veranstaltung unter dem Motto „Zeitlebens“ in diesem Jahr einen etwas anderen Charakter. Vor allem die Betroffenen selbst schauen auf die Entwicklung in Sachen HIV und AIDS zurück und erzählen, wie sich ihr Leben mit der Infektion in diesem Zeitraum verändert hat.

Quelle und mehr zu den RednerInnen und Rund um den WAT der AIDS Hilfe in Frankfurt/Main siehe -> hier

Die Frankfurter Paulskirche, auch als Wiege der Demokratie bezeichnet, ein geschichtsträchtiger und würdiger Rahmen für die seit 20 Jahren stattfindenden Reden der AIDS Hilfe Frankfurt anläßlich des Welt-AIDS Tages in Frankfurt.

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persönliches

Dieser Tage erschien im Journal Frankfurt ein Artikel mit der Überschrift:

WIE FRANKFURT HIV-/AIDS-HAUPTSTADT WURDE
AIDS and the City

HIV/AIDS Hauptstadt . . . journalistisches BildzeitungNiveau. Ein Attribut dem keine Stadt gerecht wird geschweige denn verdient hat, dessen zu verwenden einer jeden Stadt unwürdig ist.

„Frankfurt ist 1981 zur AIDS-Hauptstadt geworden“, sagt Stadtrat Christian Setzepfandt und führt uns zu Orten, die seither für Betroffene der Immunschwäche eingerichtet wurden und zeigen: die Krankheit ist noch präsent.

Als 1981 drei junge Männer aus Frankfurt in der Universitätsklinik an einer seltenen, durch einen Pilz verursachten, Lungenentzündung starben, war das für die Mediziner zunächst ein Mysterium. Quelle: JournalFrankfurt

Ende der 70ger Anfang der Jahre tauchte ich in die Frankfurter SchwulenScene ein. Der Grund war einzig und alleine für mich der, das es „Stätte“ gab wo man tagsüber bei entspannter Musik und einer Tasse Kaffee ungestört seinen Joint rauchen konnte was in der kalten Jahreszeit besonders angenehm war. Anfänglich war man mir, der Hete gegenüber noch reserviert. Dies hat sich aber schnell gelegt. Die Menschen, Schwule, Lesben, DragQueens denen ich damals begegnete haben einen tiefen und bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, mich geprägt. Das was man heute als „Outen“ versteht, dieses sich offen zu seiner Homosexualität zu bekennen, davon war man in dieser Zeit im Vergleich zu Heute noch weit entfernt. Angst als Schwuler erkannt und als Folge davon von der „heteronormalen Gesellschaft“ verletzt, diskriminiert zu werden, das war damals Alltag.

Der liebevolle Umgang wenn Männer weinend in das Cafe kamen, das ein Mann den Anderen tröstend in den Arm nahm, hat mich da mir dieses Verhalten unbekannt und anfangs befremdlich erschien sehr erstaunt und geprägt.

Nie werde ich die Angst in den Gesichtern vergessen als das Gespräch auf einen Mann kam, den man seit „längerem“ nicht mehr gesehen hatte. Hinter vorgehaltener Hand hieß es das er “ im Krankenhaus sei und eine Lungenentzündung hat“. Die Angst in den Gesichtern jedoch drückten etwas weitaus schlimmeres als eine Lungenentzündung aus, die zu dieser Zeit behandelbar war.

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Im Dezember 1985 teilte mir ein Arzt flapsig zwischen Tür und Angel mit das ich „Positiv“ sei. Unabhängig davon ob man HIV + war oder ob sich damals entschieden hatte aktiv zu werden, für Menschen die HIV + waren da zu sein, die Informationen über HIV waren damals sehr spärlich.

Frankfurter Rundschau Januar/Februar 1986

Aids Viren: Im Speichel selten

Die Gefahr, daß Aids Viren, beispielsweise beim Küssen, über den Speichel ausgetauscht werden, ist „wahrscheinlich ziemlich gering“. Zu diesem Schluß sind gleichlautend jetzt zwei amerikanische Studien gekommen. Ärzte am Massachusetts General Hospital hatten insgesamt 83 Speichel Proben von 71 Aids positiven Homosexuellen auf Zellkulturen gebracht. Nur in einem einzigen Fall gelang es dabei, das Aids – Virus nachzuweisen. Mediziner aus North Carolina führten über neun Monate Tests mit zwei Krankenschwestern durch, die einen schwer Aids kranken Patienten von Mund zu Mund beatmet hatten. Ergebnis: Die Krankenschwestern hatten sich bei der Rettungsaktion nicht angesteckt. Wenn Aids Viren in größerem Maße über den Speichel ausgetauscht würden, folgern die Wissenschaftler, „müßte man eine weit höhere Ansteckungsrate beim Betreuungspersonal erwarten“.

Die Unwissenheit unter Medizinern, staatlichen Stellen und Betroffenen war gleich groß. In der Bevölkerung herrschte Angst und sie wurde von den Medien kräftig geschürt. Staat und Kirche, Politik und Medizin überboten sich gegenseitig in den Horrorszenarien. Man erwog z. B. ernsthaft alle HIV Infizierten zu isolieren. Ondamaris hat es auf seinem Blog „Ondamaris – AIDS Zeiten“ sehr gut dokumentiert. Im Februar 1986 entschied ich mich ehrenamtlich bei der Frankfurter AIDS Hilfe „in der Telefonberatung“ mitzuarbeiten. Die AH Frankfurt hatte zu diesem Zeitpunkt vorübergehend neue Räume in der Eschersheimer Ldstr bezogen. Dort traf ich Hans Peter Hauschild beim Auspacken der Umzugskartons. In den kahlen Räumen auf Umzugskartons sitzend erzählte ich ihm das ich HIV + sei und irgendwas tun wollte. Ein Projekt das Peter Hauschild vorschwebte war eine „Telelfonhotline“ ins Leben zu rufen. Bis es soweit war würden wir uns in einer Kneipe im sogenannten Bermudadreieick, i.e. die Gegend östlich und nördlich der Zeil in Frankfurt treffen um alles weitere zu besprechen. Zwei oder drei mal nahm ich an den Treffen teil um dann zu erkennen, das mir das Thema zu diesem Zeitpunkt im Kontext zu meinem eigenen infiziert sein zu nah war und ich mit dem Thema „helfen zu wollen“ überfordert war.

Es hat Jahre gebraucht bis ich an den Punkt kam wo es mir möglich war HIV anzunehmen, und etwas im Rahmen meiner Möglchkeiten zu tun.

Seit 27 Jahren begleitet mich die AIDS Hilfe Frankfurt. Ob wenn es die Zeit zuließ als geduldiger Zuhörer oder in beratender Funktion, wann immer ich Rat oder Hilfe brauchte, die Mitarbeiter der AH Frankfurt waren immer für mich da.

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