HIV Positive . . . In der Mitte der Gesellschaft angekommen? (1)


Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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Anläßlich der Mitgliederversammlung der Deutschen AIDS-Hilfe, hat Marcel Dams einen Inputvortrag zum Thema “Kombinierte Prävention, Schutz durch Therapie” gehalten und ihn später auf seinem Blog eingestellt. Die Reaktionen die er erhielt waren zum Teil sehr heftig. (Sorry war mein Fehler das ich schrieb “Gehalten anläßlich eines offiziellen Festaktes zum 30 jährigen Bestehen der DAH” was aber am Verlauf der Diskussion und die ist Thema des Artikels nichts ändert)

Dazu ein Kommentar von Marcel Dams (eingestellt einige Tage später auf FB) der den Vortrag gehalten hat:

“Schutz durch Therapie” ist ein provokantes Thema. Ich bin froh dass ich mich rangetraut habe. Vor ein paar Jahren wäre das anders gewesen. Es fühlt sich gut an, die Themen anzusprechen, die einem persönlich wichtig sind und dazu ehrlich Haltung zu beziehen. Zumindest fühlt es sich besser an, als danach auszuwählen, welche Massenkompatibel sind. Sollte ich von nun an öfter tun. (Nicht in diesem Form eingestellt)

Mich würde Eure Meinung zum Thema dieses Vortrages interessieren

Mit dieser Einleitung habe ich den Vortrag den man hier nachlesen kann in der Brigitte Community – “Sex und Verhütung”, einem der größten deutschsprachigen Forum was die Mitgliederzahl (181.853) betrifft vor einigen Tagen eingestellt bzw verlinkt.

Brigitte ist eine deutsche Frauenzeitschrift, die im Verlag Gruner + Jahr zweiwöchentlich erscheint. Die erste Ausgabe erschien im Mai 1954. Die Zeitschrift beschäftigt sich vor allem mit den Themen Mode, Kultur, Psychologie, Partnerschaft, Medizin, Umwelt, Beruf und Politik. Brigitte ist die erste deutsche Frauenzeitschrift, die es vollständig in Blindenschrift gibt. Quelle: Wikipedia

Sie wie auch andere ähnlich auflagenstarke Zeitschriften bedienen in ihren Beiträgen Themen die für das was ich als die Mitte der Gesellschaft bezeichne steht wie auch wiederspiegelt – wiedergibt.

Im Laufe einer teilweise heftigen (auch grenzüberschreitenden) Diskussion auf Grund dessen sich das Moderatoren Team gezwungen sahen einzugreifen (nicht zum ersten Mal) nahm im Verlauf der Diskussion eine Mitarbeiterin der DAH teil. Dies war der Punkt wo sich das Brigitte Community Team bemüßigt fühlte einzuschreiten und Sie zum Verlassen – der weiteren nicht Teilnahme an der Diskussion mit der Begründung das  . . .

. . . das Brigitte Forum dem generellen Austausch von privaten Meinungen und Erfahrungen der KommentatorenInnen diene und nicht wie in dem Fall einer Mitarbeiterin der DAH um die offizielle Position der DAH handelt.

Wer da Bedarf an einer weiteren Diskussion zu diesem Thema oder überhaupt mit der DAH habe, möge dies auf der entsprechenden Webseite oder dem Blog der DAH tun.

bewogen hat.

Als Betreiber eines Forums hat man natürlich das Hausrecht und kann nach Gutdünken walten und schalten. In diesem Fall ist ein solches Gebaren in meinen Augen jedoch nicht nachvollziehbar. Es spricht nicht nur für eine Oberflächlichkeit was das Verständnis bzgl der Arbeit die von der DAH geleistet wird betrifft sondern zeugt auch imo von einer Unkenntnis darüber mit welchem pers Engagement die MitarbeiterInnen der DAH ihren Aufgaben nachgehen. Von der Struktur der DAH, von wem und wie sie finanziert wird, welcher Auftrag dahintersteht und mit wem sie zusammenarbeitet – z.b. BzgA die ja sehr gerne in besagtem Forum zitiert wird ganz zu schweigen. Für Diejenigen die in den Bereichen Strukturelle Prävention, Medizin, Beratung und Kommunikation beschäftigt sind ist ihr Job weitaus mehr als nur ein Job. Solche Aufgaben kann man idr nicht als 08/15 Tätigkeit zum Broterwerb ausüben. Dies geht schon aus den immer wieder vorhandenen Stellenangeboten (Engagierte MitarbeiterInnen gesucht) hervor. Im übrigen trifft diese Engagement für alle AIDS Hilfen in Deutschland. Im besten Fall scheint die DAH in einigen Köpfen ein notwendiges Übel zu sein – im schlimmsten Fall ist sie so überflüssig wie ein Kropf und das Geld zum Fenster rasgeworfen. Zu dieser Schlußfolgerung kann man durchaus gelangen wenn man sich den Tenor in dem die meisten Kommentare gehalten sind vor Augen hält.

Da stellt sich bei mir wiederholt die Frage welche Haltung die Print wie auch TV Medien die auch ein Spiegelbild der Gesellschaft sind nach 30 Jahren HIV in Deutschland, auch was das Thema der LGBT Community in Deutschland betrifft innehaben. Die Antwort zu der ich komme ist alles andere als “Respektvoll und Tolerant”. Von gesellschaftlicher Akzeptanz oder das was ich als “In der Mitte der Gesellschaft angekommen” verstehe ganz zu schweigen.

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Was verstehe ich unter der Metapher “In der Mitte der Gesellschaft angekommen”?

Darunter verstehe ich das ich als Mensch mit einer Krankheit Namens HIV (wobei es im Grunde völlig uninteressant ist um welche Krankheit es sich handelt) von den Menschen des Landes in dem ich lebe “Deutschland” weder ausgegrenzt, abgelehnt, stigmatisiert  und diskriminiert sondern respektiert und toleriert werde.

Wie sieht der Weg in diese “Mitte der Gesellschaft aus ?

Ob wir nun HIV positiv sind oder zu der LGBT Community gehören in der letzten Zeit ist dieser Weg in die Mitte der Gesellschaft bzw Teil der Gesellschaft zu sein” von Homophobie und Gewalt gezeichnet das es eine Schande ist. Dies ist der eine Aspekt der Einen wütend und fassungslos macht. Das es in anderen Ländern noch viel schlimmer ist wenn man HIV + ist undoder zu der LGBT Community gehört sei hier nur bemerkt.

Ein anderer Aspekt ist der – und dazu braucht es allen Mut und die Gegenseitige Unterstützung eben weil man leider immer wieder mit dem Schlimmsten rechnen muß:

Wir müssen das sichere Terrain, den sicheren Hafen verlassen

Viele die sich engagieren, bewegen sich wie ich es formuliere idr “Auf sicherem Terrain”. Als “sicheres Terrain” bezeichne ich Veranstaltungen wie WAT, Welt Aids Konferenz, div med Kongresse, die Positiven Begegnungen, IWWIT, Workshops, Galas und Benefiz Konzerte wie auch die erst kürzlich stattgefundene Veranstaltung zum 30 jährigen Bestehen der DAH. Die BesucherInnen – TeilnehmerInnen solcher Veranstaltungen kommen zum großen Teil aus unseren Reihen. Es sind Menschen die sich entweder mit der Thematik auskennen, die teilweise selbst betroffen sind sowie Gäste, Menschen die uns gewogen sind. Dies ist aber nur ein “relativ” kleiner Teil der Gesellschaft.

Es ist ein Unterschied ob ich etwas in (m)einen Blog (sicheres Terrain) einstelle was soviel bedeutet das es zwar ein Angebot ist aber die Annahme dieses Angebotes vom Willen i.e. sich darauf einzulassen von der Entscheidung des Anderen abhängt oder ob ich mich zu den “Anderen” i.e. “In die Höhle des Löwen” wage, hingehe. Wenn man dieses “Risiko” eingeht dann muß man damit rechnen, siehe Brigitte Forum als “Teil der Gesellschaft”  mit Reaktionen von Nicht Befürwortern konfrontiert zu werden. Mitunter kann es dann heftig, auch verletzend zugehen. Zur Ehrenrettung muß ich auch sagen das es Einige gibt die sich mit der entsprechenden Distanz sachlich diesem Thema stellen und argumentieren.

Eine Haltung von unserer Seite die zum Ausdruck bringt Wir machen Angebote! Wer die nicht will, muss ja nicht” ist da genauso wenig förderlich um es mal höflich auszudrücken.

Es ist natürlich “schön” vor allen Dingen fühlt es sich gut an – denn das ist ja ein nicht unwesentlicher Aspekt das man sich mit dem was man tut gut fühlt, dass das Feedback uns dieses Gefühl des sich gut fühlens auslöst und Uns in unserem Tun bestätigt. In dem Moment jedoch wo das nicht passiert sondern uns Ablehnung entgegenbläst, fühlen wir uns nicht nur schlecht sondern fühlen uns möglicherweise auch verletzt – nicht wertgeschätzt.

Um in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, um von der Gesellschaft nicht mehr diskriminiert sondern akzeptiert und toleriert zu werden müssen wir verstärkt Wege einschlagen die schmerzhaft sind. Wir müssen dorthin gehen wo es weh tut. Wir müssen uns auch außerhalb der sicheren Häfen begeben, dorthin wo uns ein rauher Wind um die Ohren blasen wird.

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Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Oder wie es jemand treffend formulierte:

“Es gibt noch viel zu tun”

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Update 20.10.

Von der Gesellschaft angenommen? Nur bedingt.

Rund zwei Drittel der etwa 78.000 Menschen mit HIV in Deutschland sind erwerbstätig. Statistisch gesehen ist eine oder einer von tausend Beschäftigten HIV-positiv.

In einer 2011/2012 in Deutschland durchgeführten Befragung von 1.148 HIV-Positiven gaben 29 Prozent der in Voll- oder Teilzeit Beschäftigten an, im Beruf offen mit der HIV-Infektion umzugehen. Von ihnen berichteten 45 Prozent über Unterstützung durch den Arbeitgeber, 29 Prozent von einer neutralen und 26 Prozent von einer diskriminierenden Reaktion.

Die große Mehrheit der Befragten legt die Infektion im Beruf allerdings nicht offen – viele, weil sie finden, dass das niemanden etwas angeht, viele aber auch aus Angst vor Benachteiligung. Quelle: DAH

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