Ein Schlag ins Gesicht (akt1)


Am Mittwoch den 2. Oktober fand in den Räumen des Deutschen Olympischen Sportbundes in Frankfurt am Main ein Treffen zwischen Vertreter des DOSB und dem LSVD  vertreten durch seine

Bundesvorstandsmitglieder Eva Henkel, Günter Dworek und Axel Hochrein sowie Bundesgeschäftsführer Klaus Jetz“

statt.

Die VertreterInnen des LSVD verwiesen auf die weit über Russland hinausgehende Dimension, die mit in Kraft treten des Gesetz zum Verbot der »Propaganda« von Homosexualität im Juni 2013 verabschiedet wurde.

Bis hierhin haben die Damen und Herren vom LSVD noch verstanden um was es geht. Was allerdings dann in den Köpfen der VertreterIn des LSVD vorgangen sein muß, verschließt sich jedem Menschen der seine Sinne nur halbwegs beisammen hat.

LSVD: Zwar werde die Diskriminierung aufgrund sexueller Identität in vielen Ländern zunehmend geächtet, einigen Regierungen biete die gegenläufige Entwicklung in Russland jedoch einen Vorwand, ebenfalls die Rechte der eigenen Bürgerinnen und Bürger einzuschränken.

Der Sinn der Einladung – des Gespräches war primär nicht darüber zu reüssieren was in anderen Ländern passiert sondern schlicht und ergreifend welche Auswirkung dieses Gesetz auf den Alltag der in Russland lebenden Schwulen, Lesben, Trans- und Intersexuellen Menschen hat.

Um sich noch einmal den Inhalt dieses Gesetzes vor Augen zu halten:

Die Russische Regierung unter Präsident Putin hat im Juni 2013 ein neues Gesetz erlassen, das Homo-, Trans- und Intersexuelle in diskriminierender Weise verurteilt. Die Situation ist für Schwule, Lesben, Trans- und Intersexuelle in Russland lebensbedrohlich geworden.
Dieses Gesetz hat weitreichende Folgen: Es verbietet das Sprechen über Homosexualität im Beisein von Kindern, sofern positiv oder neutral darüber gesprochen wird. Wer dagegen verstößt, muss hohe Strafen bezahlen. Medien, die positiv oder neutral über Homosexualität berichten, können für drei Monate geschlossen werden. Konkret heisst dies, dass Filme, Videos, Bücher und Zeitschriften mit homosexuellen Inhalten verboten sind. Verboten ist auch die Regenbogenfahne – das Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung. Einheimische, die gegen dieses Gesetz verstoßen, erwartet neben einer Geldstrafe auch eine Haftstrafe. Ausländern droht zusätzlich die Ausweisung und ein darauf folgendes Einreiseverbot. Quelle: Open up ypur Mouth

Folgt man der Darstellung des Gespräches zwischen dem DOSB und dem LSVD dann hat der DOSB als nächsten Schachzug die folgende Erklärung ins Spiel gebracht

Das Präsidium des DOSB hat auf seiner 60. Sitzung am Dienstag i.e. 16. September 2013 in Frankfurt Position bezogen zum russischen Gesetz gegen homosexuelle Propaganda.

Inhaltlich bezieht sich der DOSB auf den § 6 in der Präambel gefolgt von dem Zusatz:

Deshalb begrüßt das Präsidium die Zusicherung der russischen Regierung an das IOC, die diskriminierungsfreie Teilhabe an den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 zu garantieren.“ Quelle: DOSB 

Die Zusicherung auf die sich der DOSB bezieht:

“Russia has committed itself to comply strictly with the provisions of the Olympic Charter and its fundamental principles, according to item 6 of which ‘any form of discrimination with regard to a country or a person on grounds of race, religion, politics, gender or otherwise is incompatible with belonging to the Olympic Movement,’” Kozak wrote.

The IOC published a statement from its president, Jacques Rogge, indicating it was satisfied with the letter, which it described as “strong.” Quelle: Buzzfeed.com

was den LSVD in Jubelarien hat ausbrechen lassen.

Der LSVD begrüßte deshalb den Beschluss des DOSB-Präsidiums vom 16. September 2013, der das Gesetz als Widerspruch zu den eigenen Werten bezeichnet hatte.

Die Zusage bezieht sich darauf das der Inhalt des Gesetzes  auf dem Gelände auf dem die Wettbewerbe stattfinden wie auch dem olympischen Dorf (ich unterstelle Putin da mal den guten Willen) keine Gültigkeit hat bzw Anwendung findet.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper informierte über die Zusicherung der Gastgeber der Winterspiele Sotschi 2014, dass die Veranstaltung entsprechend der IOC-Charta diskriminierungsfrei für Athletinnen und Athleten, Betreuer, Medien und Fans stattfinden werde. Quelle: DOSB

Wobei das mittlerweile bezweifelt werden darf.

Zugleich bot der LSVD an, für alle Athletinnen, Athleten und Betreuer, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen und für Freiheit und Respekt eintreten wollen, als Experte für das Thema Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgender in Russland zur Verfügung zu stehen.

Auf solche Experten <-> LSVD hat die Welt allerdings gewartet.

Beide Seiten vereinbarten ein Folgetreffen nach den Olympischen Winterspielen, um die in Russland gemachten Erfahrungen auszuwerten und die bereits bestehenden Aktivitäten gegen Homophobie im Sport zu vernetzen. Quelle: DOSB

„Nach den Spielen“ . . .

Der DOSB hat genau gewußt warum er den LSVD eingeladen hat. Der LSVD wurde vom DOSB vorgeführt und abgespeist wie ein kleiner Junge. Die Haltung des DOSB wurde bestärkt und hat ihn in eine Position gebracht die jede weitere Diskussion über die Verletzung von Menschenrechten in Russland im Hinblick auf die Winterspiele in Sotchi erschwert wenn nicht unmöglich macht.

Zudem hat der LSVD hat mit seinem Gespräch mit dem DOSB dem Kampf um die Einhaltung der Menschenrechte wie auch den Bemühungen von Gruppen wie Enough is Enogh – Open your Mouth und Anderen ähnlichen Gruppen einen Bärendienst erwiesen. Und er hat es den Sportlerinnen und Sportler – den AthletenInnen des DOSB erschwert ihre Meinung frei zu äußern.

Kommentar von Putinmyass – to Russia with Love zu dem Gespräch zwischen dem DOSB und dem LSVD:

PFUI. Diese billigen Hülsen sollen uns als Erfolg verkauft werden – ich bin maßlos enttäusch! „DOSB-Generaldirektor Michael Vesper informierte über die Zusicherung der Gastgeber der Winterspiele Sotschi 2014, dass die Veranstaltung entsprechend der IOC-Charta diskriminierungsfrei für Athletinnen und Athleten, Betreuer, Medien und Fans stattfinden werde.“ Und wenn die Kameras weg sind?! Widerlich.

*

The High Commissioner for Human Rights Mrs Navi Pillay also spoke about the resistance she sometimes meets when she raises the need for measures to protect the rights of LGBT people with government representatives.

“They say that same-sex relationships and transgender identities go against their culture, religious beliefs or traditional values. My answer is that human rights are universal,” she said.

* * *

Diese Haltung hätte der LSVD gegenüber dem DOSB einnehmen sollen . . . müssen.

Update 18.44  – 08. September 2013

US Olympic Committee Won’t Stop Athletes From Supporting Gay Rights

U.S. Olympic officials said on Tuesday that they would not stop athletes attending the Winter Olympics in Russia from showing support for gay rights.

“I want to make it very clear that we have not asked our athletes not to speak up,” Scott Blackmun, chief executive of the U.S. Olympic Committee said during a press conference from Park City, Utah. “What we are doing is: We’re trying to make sure our athletes are aware of the law and aware of the possibility of consequences. Our job first and foremost is to make sure they’re safe while they’re in Russia.” Quelle: OnTop Magazine

Im Gegensatz zum DOSB verhängt das US NOC seinen Athleten keinen Maulkorb.

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Update 10 September 2013

Das es auch anders geht stellt AthleteAlly in den USA eindrucksvoll unter Beweis.

Hudson Taylor

As an athlete in high school and college, Hudson Taylor often observed the use of homophobic language and demeaning humor, especially in sports. Soon after enrolling at the University of Maryland, he befriended LGBT students in his theatre classes and became increasingly aware of the pain caused by homophobic behavior.

Hudson, who is not gay, felt it was imperative he confront the reality sports often marginalize LGBT athletes, coaches and others through systemic homophobia and transphobia. He decided to take action as a straight ally to change athletic culture for the better. Quelle: AthleteAlley – Our Story

Siehe auch: A clever solution to an Olympic Problem

Da kann man nur den Hut ziehen

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