Unterwegs im Rollstuhl (akt2)


Wenn man schreibt, ich spreche da von mir der ich ja schreibe, wie unschwer JedeR feststellt der das hier ließt, fließen – jedenfalls bei mir – Gefühle und Emotionen ausgelöst durch meine Befindlichkeit in das Geschriebene mit ein. Teils mache ich es bewußt, teils geschieht es auch unbewußt. Laut Definition des Duden handelt es sich bei der Befindlichkeit “um den seelischen Zustand in dem sich jemand befindet”. Im Kontext zu HIV ist der seelische Zustand mit dem körperlichen Zustand verbunden. Geht es mir körperlich gut, bin ich frei von Schmerzen, bin ich in der Lage das zu tun wonach mir der Sinn steht, dann fühle ich mich wohl. Dies wirkt sich auch auf meinen seelischen wie auch geistigen Zustand aus.

Wie man von anderen Menschen wahrgenommen wird, wie man selbst andere Menschen wie auch die Umwelt wahrnimmt hat ebenfalls seine Wirkung auf die eigene Befindlichkeit.

Ein junger Mann den ich gestern bei Arzt getroffen und angesprochen habe sagte mir im Laufe eines Gespräches zum Thema “Diskriminierung in der Gesellschaft, Ärzten, Schule im Kontext zu HIV und Outing: “Mit der Zeit legt man sich eine dicke Haut zu”. Er war ein bemerkenswerter junger Mann mit einem sehr angenehmen Wesen und einer Persönlichkeit wie man ihr nicht jeden Tag begegnet. Die Kombi die er seit einiger Zeit nimmt funktionierte gut, er hatte keine Nebenwirkunge. Man sah ihm an das es ihm gut ging, das er sich mit sich selbst wohl fühlte.

Als er zum Arzt ging rollte ich, ich war das erste Mal auf längerer Tour im Rollstuhl unterwegs, in meine “auf die Taxi Warteposition” zurück. Vor 14 Tagen habe ich mich für einen Rollstuhl entschieden weil ich so in der Lage bin mir ein größtmögliches  Maß an Selbstständigkeit zu bewahren, soadß ich z.b. selbstständig Termine wahrnehmen oder Veranstaltungen besuchen kann. Voraussetzung ist ein “ebenerdiger oder Rollstuhlgerechter Zugang = Rampe ist vorhanden.

Jedes Jahr finden in Frankfurt div Indoor und Outdoor Veranstaltungen statt. An Outdoor Veranstaltungen teilzunehmen ist je nach Örtlichkeit auch einem Rollstuhlfahrer mehr oder weniger möglich. Es kommt auf die Beschaffung bzw den Zustand des Boden sprich Strasse, Bürgersteig und die Kraft in den Armen an. Gleiches gilt für Indoor Veranstaltungen. Da man nicht mit einem Rollstuhl die Treppen bewältigen kann ist der Besuch einer Indoor Veranstaltung nur möglich wenn der Zugang/Aufzug ebenerdig oder eine entsprechende Rampe bzw Lift vorhanden ist. Hat diese Rampe eine langen Neigungswinkel, d.h. ist die Schräge auf lange Strecke leicht ansteigend bis man am Aufzug oder der Location der Veranstaltung ist, dann ist die Bewältigung auch einem Anfänger wie mir möglich. Ist der Winkel der Rampe jedoch relativ steil dann ist es nur mit Hilfe eines Begleitperson oder eines Passanten den man fragt und der einem hilft – sprich hinauf oder hinunterschiebt – möglich dahinzukommen wo man hin möchte oder muß.

Was mich immer mehr erstaunt ist die Tatsache das es z.b HIV Schwerpunktpraxen gibt wo es einem Rollstuhlfahrer nicht möglich ist in die Praxis zu kommen weil weder eine Rampe noch ein Lift vorhanden ist. Im übrigen gilt dies auch für jeden anderen Fachbereich, für jeden Rollstuhlfahrer. Insofern ist es auch KEIN HIV spezifisches Thema. Da stellt sich mir schon die eine und andere Frage nach welchen Kriterien sich mancher Arzt seine Praxis ausgesucht hat.

P.S.

Wir 70.000 (gemessen an anderen Krankheiten eine kleine Gruppe) die HIV + sind, sind so gut organisiert da träumen Menschen mit einem anderen Krankheitsbikd davon. Bei HIV geht es schon lange nicht mehr nicht nur um die Krankheit als solche. In besonderem Maß ist das Thema Homosexualität <-> Diskriminierung <-> Menschenrechte mit HIV unweigerlich verbunden.

Update 14. September 2013

Die Sitzhöhe meines Rollstuhles beträgt 51 cm. D.h. sie liegt nur 6 cm über der Norm der  üblichen Sitzmöbel wie zb Stühlen. Mein Problem ist das ich auf Grund einer Muskelschwäche in den Beinen und Armen kaum Kraft habe um aus eigener Kraft aus einem Stuhl bzw dem Rollstuhl aufzustehen. Aus diesem Grund sind mein Bett, Computerstuhl, Toilette auch entsprechend “hochgerüstet”. Damit ich aus eigener Kraft aus dem Rollstuhl aufstehen kann habe ich mir ein 15 cm hohes Kissen aus Schaumstoff anfertigen lassen. Aus dieser Höhe ist mir ein Aufstehen ohne fremde Hilfe möglich. In meiner Wohnung die ebenerdig ist wie auch in den Räumlichkeiten von Geschäften ist dies also auch kein Problem.  Gestern besuchte mich ein Techniker, der Unterschenkelamputiert war, der Firma die mir den Rollstuhl zur Verfügung gestellt hat. Er war sehr sportlich durchtrainiert und spielt wie ich aus einer kurzen Unterhaltung erfahren habe auf nationaler Ebene Eishockey. Durch das Sitzkissen  das ich mir habe machen lassen war der Schwerpunkt meines Rollstuhles erheblich verlagert. Solange ich mich auf einer geraden eben beweg ist das kein Problem. Schwierig wird es allerdings wenn man einen kleinen Berg hinaufmuß und wenn dieser Weg auch noch seitlich schräg ist. Die Wahrscheinlichkeit das bedingt durch die “Erhöhung des Sitzkissen der Schwerpunkt des Rollstuhles sich derart verlagert das der Rollstuhl samt Inhalt <-> mir- seitlich umkippt war für ihn sofort ersichtlich. Ein Aspekt der mir nicht bewußt war. Selte einen ansteigenden, seitlich geneigten Weg von ca 30 meter hinaufzurollen, z.b die Distanz von Standort eines parkenden Autos bis zu meiner Haustür, schon dies birgt ein erhebliches Unfallrisikio für mich, der ich zur Zeit außer Stande bin aus eigener Kraft den Berg hinaufzurollen wie auch für eine Begleitperson. Das Konzept meiner Selbstständigkeit und ein mehr an Mobilität durch einen Rollstuhl so wie ich es mir vorgestellt habe, hat dadurch einen erheblichen Dämpfer bekommen.

Die einzige Option mich sicher durch den Alltag ausserhalb meiner Wohnung zu bewegen ermöglicht nur die Option eines Elektro – Batterrie betriebenen Rollstuhl.  Eine Option die mir ehrlich gesagt zur Zeit schwer im Magen liegt, da sie mir verdeutlicht wie es um meine “Lage” bestellt ist, die mir in dem Maß bis zu den Infos des Technikers nicht bewußt war.

Update Ende September

Da mir die Worte des Technikers nicht aus dem Sinn gingen, habe ich mir ein zweites Sitzkissen von 10 cm Höhe anfertigen lassen. Für Alle die in eine ähnliche Lage kommen sollten, es gibt was den Schaumstoff für ein Sitzkissen betrifft, div Härtegrade. Je härter der Schaumstoff umso weniger gibt das Kissen wenn man sich hinsetzt entsprechend seines Körpergewichtes nach. Der härteste „Härtegrad hat die Bezeichnung RG 45. Bei meinem Gewicht „Schwergewicht“ habe ich jetzt im Rollstuhl eine Sitzhöhe von 60 cm. Diese Höhe ist im Verhältnis zu dem Schwerpunkt des Rollstuhles noch soweit sicher das ich nicht so schnell seitlich umkippen würde wenn ich mich auf einer Schräge befinde. Das Aufstehen aus dem Rollstuhl ist mir aus eigener Kraft möglich. Auch das Fortbewegen bei meiner Körpergröße <-> Armlänge bereitet mir keine Probleme. Insofer habe ich jetzt das optimale Maß an Selbständigkeit was mir wichtig ist erreicht. Natürlich hoffe ich das ich durch das Muskelaufbautrainig zu dem ich 2 x wöchentlich für max 2 Std gehe irgendwann wieder in die Lage versetzt sein mich ohne den Rollstuhl/Rollator nur mit einem Stock wieder auf meinen Beinen werde fortbewegen können.

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