Forderungen an die Medien „Der Waldschlößchen Appell“


Präambel des Pressekodex des Deutschen Presserat:

Die im Grundgesetz der Bundesrepublik verbürgte Pressefreiheit schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein. Verleger, Herausgeber und Journalisten müssen sich bei ihrer Arbeit der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und ihrer Verpflichtung für das Ansehen der Presse bewusst sein. Sie nehmen ihre publizistische Aufgabe fair, nach bestem Wissen und Gewissen, unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen wahr.

Ziffer 1  –  Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

Ziffer 2  –  Sorgfalt
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Quelle: Deutscher Presserat

Obwohl die Präambel sowie Ziffer 1 und 2 des Pressekodex für sich sprechen, die mediale Berichterstattung im  Kontext zu HIV/AIDS und Homosexualität zeichnet sich in einem erschreckendem Maß von Mangel an Menschenwürde, sorgfältiges Recherchieren und das Aneignen von Wissen = Informationen aus.

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Der „Waldschlösschen-Appell“

Drei Forderungen an die Medien gegen die Verharmlosung homosexualitätsfeindlicher Diffamierungen

Lesben und Schwule stehen aufgrund der Diskussion um die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften im Fokus der Medienöffentlichkeit. Wir begrüßen eine breite Diskussion um die politische und juristische Ausgestaltung der Rechte Homosexueller.

Wir wehren uns jedoch dagegen, dass Argumentationsmuster, die der Diffamierung der Identität Homosexueller dienen, weiterhin als „Debattenbeiträge“ oder „Meinungsäußerungen“ verharmlost werden.

Wir warnen vor verstärkten Homosexualität herabwürdigenden Anfeindungen, wenn viele Medien weiterhin Angriffe auf die Würde und die Menschenrechte Homosexueller als Teil des legitimen Meinungsspektrums bagatellisieren.

Hierzu gehören Aussagen wie:

  • Homosexualität sei widernatürlich
  • Homosexualität sei eine Entscheidung
  • Homosexualität sei heilbar
  • Heterosexuelle Jugendliche könnten zur Homosexualität verführt werden
  • Homosexualität sei eine Begünstigung für sexuellen Missbrauch
  • Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften sei eine Gefahr für die Gesellschaft
    (etwa, weil durch sie weniger Kinder geboren werden würden)

Wir fordern Journalistinnen und Journalisten dazu auf,

  1. solche Aussagen deutlich als diskriminierende Anfeindungen zu kennzeichnen und zu verurteilen(so wie es auch etwa bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Anfeindungen geschieht),
  2. Vertretern solcher Aussagen keine Plattformen zu bieten, so lange sie sich nicht klar von ihnen distanzieren,
  3. Homosexuelle in Beiträgen und Diskussionen nicht länger in die Situation zu bringen, sich für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen zu müssen.

(Begründet durch ein Treffen der teilnehmenden JournalistInnen und Medienleute im Rahmen eines Seminars der „Akademie Waldschlösschen“, Gleichen bei Göttingen und eine Initiative des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) in Kooperation mit dem Nollendorfblog im Frühjahr 2013) Quelle: Der Appell

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Voltaire schreibt man den folgenden Ausspruch zu:

Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber ich werde mich dafür totschlagen lassen, dass Sie sie sagen dürfen.

Jeder Mensch hat (s)eine Meinung, Sichtweise von Dingen, Sachverhalten und Menschen. Die Bandbreite der inhaltlichen Bewertung ist so weit wie es Menschen auf der Erde gibt. Manche mag man mögen, andere wiederum verabscheuen. Es ist das Wesen der Demokratie das wir Rede und Denkfreiheit haben.

Dieser Appell ist weder ein Denkverbot – wie das funktionieren sollte erschließt sich mir nicht –  geschweige denn ist es ein Redeverbot in dem Sinn das man eine Meinung, Sichtweise oder Äußerung die man vertritt egal wie beleidigend sie auch sein mag zu verbieten beabsichtigt.

Der Mensch darf denken was er will, an einem Gedanken der ihm zusagt festhalten, und da man sich zuerst nur sich selbst gegenüber verantwortlichlich ist man darf ihn auch äußern. Auch Gedanken die (Andere) verletzend, diffamierend oder diskriminierend sind. Auch das ist Rechtens. Die Frage die sich dann allerdings stellt und in besonderem Maß wenn man eine Position innehat die mit Macht verbunden ist, ist die Frage nach der Verantwortung für die Richtung die durch das gesprochene Wort Menschen nehmen können bzw ob und in welche  Richtung sie gelenkt bzw dirigiert werden.

In dem Artikel „Die Geschichte des Menschenzoo“ hat Johannes Kram – Mitverfasser des Waldschlößchen Report – was das Thema  „Wahrnehmung und mediale Bericherstattung zum Thema Homosexualität“ analysiert und auf den Punkt gebracht.

Ergänzend möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen das diese „Un-Haltung“ der Redaktionen und – ich bezeichne sie so – Journaille auch für Menschen mit HIV/AIDS insbesondere wenn ein Fall vor Gericht verhandelt wird zutrifft. Ob in den Print oder TV Medien, die Haltung ob aus Unwissenheit, Dummheit oder um der Quoten und Auflagen willen, zum Ausdruck gebracht indem sie auch hier Minderheiten diffamiert und diskriminiert ist nicht nur unerträglich sondern im Kontext zu Prävention/Aufklärung kontrapraduktiv.

Das Denken noch das Reden zu verbieten ist kein Garant für Freiheit. Es ist ein Zeichen von Unfreiheit. Denken und Reden ist ein Recht das Jeder für sich in Anspruch nehmen darf. Gleichwohl darf sich aber Jeder wehren – von der Pflicht im Sinne der Wahrhaftigkeit sich zu wehren will ich gar nicht sprechen – wenn das gesprochene undoder geschriebene Wort Menschen verletzt, diffamiert undoder diskriminiert.

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