Projekt – Dokumentarfilm: Suche nach hinterbliebenen Kindern, deren Väter (HIV+) Bluter waren . . .



. . . (oder auch Mütter ) die durch verunreinigte Gerinnungsprodukte mit HIV infiziert wurden und daran verstarben.

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Intro

Die folgenden Textauszüge habe ich der Einfachheit halber mit freundlicher Genehmigung von Andreas Bemeleit, dem Gründer der Seite Robinblood.org übernommen.

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Anfang der 80ger Jahre stellte man fest, dass durch die Behandlung der Hämophilen mit verunreinigten Gerinnungspräparaten bis Mitte der 80er Jahre etwa die Hälfte der Hämophilen mit HIV infiziert worden sind. Nahezu alle, die nicht virusinaktivierte Präparate erhalten hatten, sind mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert worden.

Der größte Teil der Infektionen hätte verhindert werden können, wenn die Blutprodukte herstellenden Unternehmen, die Blutspendedienste und die Deutschen Aufsichtsbehörden rechtzeitig gehandelt hätten. Dies hat der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages in seinem Abschlussbericht 1994 festgestellt.

Seit 1987 sind drei verschiedene Lösungen eines Schadensersatzes für die von HIV und AIDS Betroffenen zustande gekommen. Keine dieser Lösungen kann als befriedigend angesehen werden. Für die Infektionen mit dem Hepatitis-C Virus gibt es noch gar keine Lösung.

Im Juni 1994 gründet der damalige Gesundheitsminister Seehofer das Programm “Humanitäre Soforthilfe”. Dieses soll Menschen, die durch Blutprodukte mit HIV infiziert wurden, unterstützen. HIV-Infizierte erhielten monatlich 1.000 DM, an AIDS erkrankte 2.000 DM. Die Zahlungen wurden rückwirkend ab dem 1.01.1994 gewährt.
Das Programm “Humanitäre Soforthilfe” wurde mit Inkrafttreten des HIV- Hilfegesetz – HIVHG aufgehoben. Quelle: Robinblood.org

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Andreas Bemeleit kämpft seit Jahren für eine Entschädigung für Hämophile die durch die verunreinigten Gerinnungspräparate mit dem HCVirus infiziert worden sind. Leider hat sich bis heute diesbezüglich nichts getan.

Dank der modernen Medizin ist das HI-Virus mittlerweile aber nicht mehr die Haupttodesursache unter uns Betroffenen, sondern Hepatitis C. Bei erlittenen HCV- Infektionen gab es bislang für die überwiegende Mehrheit von uns in Deutschland Betroffenen noch überhaupt keine Entschädigung – was einen weiteren Skandal darstellt, da in allen anderen Industrienationen bereits zum Teil äußerst großzügige Entschädigungen gezahlt wurden. Weil der Verlauf der erlittenen Erkrankungen degenerativ ist, ist es deshalb höchste Zeit zu handeln – zumal der juristische Weg mittlerweile unmöglich ist. Quelle

Die Tatsache das es bis heute keine Entschädigungen, kein entsprechendes Gesetz für Hämophile, die durch verunreinigte Gerinnungspräparate mit dem HCV Virus infiziert worden sind gibt, ist ein Skandal. Hier setzt die Pharmaindustrie auf die „natürliche Lösung“: Irgendwann wird der letzte Bluter der durch ein verunreinigtes Gerinnungspräparat mit dem HCVirus infiziert wurde, gestorben sein.  Problem gelöst – Akte kann geschlossen werden.

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Vor einigen Tagen hat sich Julia, eine Studentin, die Visuelle Kommunikation studiert mit der folgenden Bitte – Aufruf an Andreas Bemeleit gewandt:

Hallo an alle,
mein Name ist Julia und ich bin auf der Suche nach hinterbliebenen Kindern, deren Väter Bluter waren, die mit HIV infiziert wurden und daran verstarben.

Ich studiere Visuelle Kommunikation und bereite gerade meinen Abschlussarbeit vor, ein Dokumentarfilm, der von diesem Thema handeln soll.

Auch mein Vater war Bluter und wurde während seiner Behandlung mit HIV infiziert. Er verstarb 1992 an den Folgen des Virus. Für mich und meine beiden Schwestern gab es Entschädigungszahlungen, aber danach wurde geschwiegen. Geschwiegen über alles, was passiert war.

Laut der “Stiftung für Humanitäre Hilfe für durch HIV-infizierte Personen” ist es in Deutschland etwa 217 anderen Kindern so ergangen wie uns, wie mir. Ich würde gerne mit anderen hinterbliebenen Kindern in Kontakt kommen und mich darüber austauschen, wie es für sie war, den Vater durch einen Medizinskandal verloren zu haben.

Weil ich der Meinung bin, dass zu lange über dieses Thema und vor allem die Folgen geschwiegen wurde, soll nun mein Abschlussfilm davon handeln: Da gibt es einerseits das persönliche Schicksal der Opfer und Hinterbliebenen, und andererseits einen Medizinskandal, der bisher zu wenig Beachtung fand.“ Mehr dazu hier

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Ich finde diese Idee eines „Dokumentarfilmes“ über dieses Thema aus mehreren Gründen sehr gut. Viele Menschen die mit dem HIVirus wie auch mit dem HCVirus infiziert sind, haben im Laufe der Zeit Freunde, Familienangehörige und Ehepartner verloren und sind bis heute traumatisiert. Menschen mit HIV wie auch HCV werden von der Gesellschaft stigmatisiert und diskriminiert. Das Schweigen und die Tatsache das die Pharmaindustrie die vor über 30 Jahren verunreinigte Gerinnungsprodukte auf den Markt gebracht haben und dadurch mehrere 1000 Hämophile mit dem HCVirus infiziert wurden, sind bis heute ihrer Verantwortung – Im Kontext zu Entschädigung – nicht nachgekommen – die Politiker gehören auch dazu da sie dieses Thema nicht aufgegriffen haben – finde ich geradzu obszön.

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Ihren Aufruf schließt Julia mit einer inhaltlichen Aussage die Harvey Milk und vor ihm Rosa Parks schon zum Ausdruck brachten:

Harvey Milk

“Wie werden es nicht zulassen das man uns unsere Rechte vorenthält. Die Schwarzen haben ihre Rechte nicht dadurch bekommen das sie sich weiterhin stillschweigend in den hinteren Teil der Busse setzten. Sie sind aus diesem Kreislauf des Schweigens ausgestiegen wie Rosa Parks.

Ich bin das Schweigen leid, also werde ich darüber sprechen. Und ich will, das auch Ihr darüber sprecht.

Julia

Mit dem Reden endet das Schweigen, und das ist für mich zumindest der erste Schritt, mich von der Last der Geschichte zu befreien.

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