„That right moment was almost a decade in coming.“


Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt kennen wir alle.

„Wann sage ich meinemR PartnerIn, meiner Familie, meiner Ehefrau, meinen Freunden, Arbeitskollegen das ich HIV + oder Schwul bin.“

Die Antworten sind idr immer die Gleichen: „Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt“ der von dem berühmten Ratschlag in einem Nebensatz „Sobald als möglich“ ergänzt wird.

„Der richtige Zeitpunkt sich zu öffen/outen kommt mitunter erst nach Jahren“

Der richtige Zeitpunkt sich zu öffnen, sich zu outen im Sinne von „die Wahrheit zu sagen“ steht immer am Ende eines Prozeß des Wachsen. Wann dieser zeitlich andauernde Prozeß beendet ist, ist individuell unterschiedlich. Dieser Prozeß kann einige Tage, Wochen, Monate oder aber auch Jahre dauern. Es gibt kein Patentrezept dafür. Manchmal scheinen wir das zu vergessen. Die Bemühungen von IWWIT und Prävention und Aufklärung zum Thema HIV durch die DAH und die Angebote der div AIDS Hilfen tendieren mitunter zu einer Art OutingDiktatur die an der Realität, der Lebenswelt des Einzelnen vorbeigeht. Wer da nicht in die Schablone paßt über den wird nicht nur der Stab gebrochen sondern man legt gleich noch ne Schippe „Aufklärung und Prävention“ drauf. Imo ist es idr die falsche Schippe. Statt ein mehr an „Prävention und Aufklärung“ würde ich mir mehr persönlichen Beistand wie in diesem Fall wünschen.

„Ramesh Maharjan, an official at SPARSHA Nepal—a community-supported NGO that focuses on reducing stigma and discrimination associated with HIV and AIDS—and another of Raj Kumar’s counsellors, says that they had all been pressuring him to be honest. And so, when he finally decided to take the step, Maharjan, along with friends and counsellors Uttam Shrestha and Govinda Adhikari, were all there to guide Raj Kumar through the process.“

“We tried to be gentle when we told her,” Adhikari says. “We gave her examples of other people who are living normal lives despite being HIV positive to try to show her that it wasn’t the end.” Quelle: All in a Song

Wobei ich diesen Aspekt – Druck per se für völlig unangebracht halte.

„. . . says that they had all been pressuring him to be honest.“

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Raj Kumar works as a counsellor at the Sangati Extended Care Center in Lalitpur, and had sought the help of friends, colleagues and other counsellors for the ‘impossible task’ of disclosing his condition to his wife. He had already grown heavy with the guilt of keeping such an enormous secret from her for so many years, but just couldn’t find the nerve to open up. “I kept waiting for a good time, a good moment to tell her, but I couldn’t find the right one” he says.

„That right moment was almost a decade in coming.“

In 2004, Raj Kumar already knew he had HIV. But he says he didn’t feel like he could tell his wife, for fear of the trauma it would cause the family, and the stigma he was sure he would face from society in general. “He was mostly afraid Muna would leave him,” confides one of his counsellors. “He didn’t want to risk his marriage.” Quelle: All in a Song

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Ein wie ich finde sehr einfühlsam geschriebener Artikel der die Frage des Protagonisten nach dem richtigen Zeitpunktes gut beschreibt. Er beschreibt sehr anschaulich wie man sich fühlen und vor allen Dingen verhalten kann nachdem man erfahren hat, das man „HIV +“ ist. Diese Angst die man haben kann, kann so übermächtig, das eigene Leben bestimmend werden, das man aus Angst lange schweigt. Die Frage “ Wann ist der richtige Zeitpunkt“ sich mitzuteilen ist wenn auch auf Erfahrungen basierend zuerst ein theoretisches intellektuelles Konzept. Auch was wenn man dem emotionalen Aspekt des mit dem HIVirus infiziert zu sein mit einbezieht bzw Rechnung trägt. Nach meinem Verständnis bedeutet „Rechnung tragen“ das ein außreichend therapeutisches Angebot – Begleitung vorhanden ist. Dies ist beileibe nicht der Fall. Die ganzen „logischen“ Begründungen warum es besser ist sich „schnell“ zu outen, die Wahrheit zu sagen nicht ohne darauf hinzuweisen das da ja noch Justitia lauert kennen wir alle, ändert aber mitunter nichts an der Dauer der Leugnung und der Angst sich zu outen.

Auch wenn man wie in dem Fall des Protagonisten in dem Artikel als Aktivist – Counsellor auf diesem Gebiet arbeitet, ist es nicht immer gleichbedeutend damit das man sich so verhält wie man es anderen Menschen kommuniziert das man sich verhalten sollte.

Aus der Arbeit mit Süchtigen weiß man das es lange dauern kann bis man die Leugnung in der man lebt überwindet und Drogen losläßt. Erst wenn der Schmerz den man täglich erleidet größer ist als die Angst Morgen ein Leben ohne Drogen zu führen, ist man in der Lage loszulassen bzw in diesem Fall sich zu outen.

Wenn man Jahre seines Lebens nichts anderes praktiziert hat als sich täglich Drogen zu beschaffen und zu nehmen, kann man sich nur schwer vorstellen wie ein Leben ohne Drogen sein sein könnte. Die vorhandene Angst Drogen loszulassen ist einfach übermächtig. Zum einen ist es die Angst vor den körperlichen Schmerzen des Entzuges, zum anderen wird diese Angst davon genährt da man sich das Unvorstellbare eben nicht vorstellen kann. Die Bilder die man stattdessen mit sich herumträgt, sind diffus, Wunschgedanken die wenig mit dem Alltag ohne Drogen zu leben zu tun haben oder sie ähneln sinngemäß einigen der berühmten Gemälde von Hieromymus Bosch (den kirchlichen Aspekt dieser Bilder außer Acht lassend). Alles was man an gut gemeinten Ratschlägen oder Empfehlungen hört sind für einen selbst nichts weiter als Konzepte die mit der eigenen Realität nichts oder wenig zu tun haben. In Leugnung und/oder ein von der Angst bestimmtes Leben zu führen bewirkt das das Tor zum „Offen sein“ verschlossen ist oder bleibt.

Auf HIV bezogen ist es die Angst vor Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung, Ausgrenzung und Ablehnung, den Verlust von FreundenInnen, Ehefrauen, PartnerInnen, Angst vor dem Entzug bzw Verlust von Liebe.

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Eine Antwort zu „That right moment was almost a decade in coming.“

  1. Ernst schreibt:

    Gut geschrieben – erinnert mich daran, dass ich die Kampagne seinerzeit mitgemacht habe, da ich den Wunsch hatte, gerade Menschen Hoffnung zu geben, die wie ich das Thema HIV und Krankheit leugnen bis es fast zu spät ist..

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