HIV Selbsttest? Wieviel Selbstbewußtsein und Eigenverantwortung darf s denn sein? (akt 2)


Stärkung des Selbstwertes, Selbstvertrauens und des Selbstbewußtsein. Mut machen zu eigenverantworlichem Handeln. Menschen dabei unterstützen das sie sich ihren Ängsten  stellen und ihre Fähigkeit fördern diese zu überwinden. Dies sind nur einige Aspekte die imo u.a. das Ziel von Prävention und Aufklärung im Kontext zu HIV beinhalten sollten.

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Seit einigen Tagen steht das Thema „HIV Heimtest Ja oder Nein“ im öffentlichen Raum wieder einmal zur Debatte. Die Wogen gemessen an der Beteiligung der DiskutantenInnen gehen mitunter ziemlich hoch. Bislang war der Tenor was den Heimtest hier in Deutschland betrifft eher ablehnend. Der Stand der Dinge war eine Haltung aus dem Jahr 2009:  DAH warnt vor HIV-Tests aus dem Internet und BZgA und RKI warnen vor HIV-Heimtests . Dazwischen folgten die entsprechenden Warnungen in gleichem Tenor der div Aids Hilfen. Streng nach dem Motto: Ein bischen Unterschied in den Ansichten ist ja schön und gut aber bitte nicht zuviel. Schließlich müssen wir alle auf einer Line sein. Wenn s den nur so wäre. Wenn ich da an das Thema Diskriminierung und Ausgrenzung bei der Behandlung von Menschen die HIV + sind durch Zahn und sonstige Ärzte denke, da wäre mehr Aktion, ein Mehr auf die Pauken hauen seitens mancher AH durchaus angebracht. Statt dessen findet man oft eine in meinen Augen fatalistische Haltung vor: „Wir haben einige Adressen von Ärzten herausgesucht da könnt ihr liebe Hivchen beruhigt hingehen. Da tut man Euch nichts.“ Aber gut. Das ist ein anderes Thema.

Der Auslöser des zur Zeit stattfindenden Diskurses hier in Deutschland war die Kommunikation das der

“ Nationale Aids-Rat Frankreichs (CNS), der auf Bitte der Ministerin für Gesundheit und Soziales vom August 2012 aktiv wurde, am 22. März seine Empfehlung zur Zulassung von HIV-Heimtests in Frankreich publiziert hat“ Quelle: 2mecs

Mehr Öl in die auflodernde HIV Heim-Selbsttest Debatte löste dann ein Bericht über die Haltung der französischen Gesundheitsministerin Marisol Touraine aus, die sich für HIV-Selbsttests ausgesprochen und für den HIV-Heimtest (HIV-Selbsttest) das für eine Zulassung in Frankreich erforderliche Bewertungsverfahren eingeleitet hat. Quelle: 2mecs

Unter anderem sagt sie explizit:

Zwingende Voraussetzung für eine mögliche Zulassung sei, dass entsprechende Produkte mit den europäischen Bestimmungen übereinstimmen und das CE-Zeichen tragen. Außerdem müsse zwingend sichergestellt werden, dass die Nutzer über nötige Bestätigungstests informiert und bei diesem Verfahren begleitet werden. Quelle DAH

Innerhalb einer kleinen Gruppe wurde auf FB dieses Thema mitunter recht emotional und auch provokant (ich bekenne mich schuldig🙂 ) diskutiert. Nun mag man einwenden das 6 Leute nicht gerade das sind was man repräsentativ nennt, aber wie das nun mal mit den öffentlichen Netzwerken durch die entsprechenden Einstellungen der Einzelnen Mitglieder ist nehmen diese Diskussion weitaus mehr Menschen wahr als sich an einer Diskussion beteiligen.

Das es aber Zeit für eine unaufgeregte Debatte was das Thema „HIV Heim-Selbsttest“  betrifft ist das steht für mich außer Frage.

Am 13. 10. 2008 wurde ein neues diesmal eigenständiges Projekt durch die DAH ins Leben gerufen.

Deutsche AIDS-Hilfe startet bundesweite HIV-Präventionskampagne „ICH WEISS WAS ICH TU“

Dr. Dirk Sander, DAH-Abteilungsleiter Strukturelle Prävention MSM:

„Die HIV-Neudiagnoseraten steigen seit 2001 in der MSM-Zielgruppe in allen westlichen Industrienationen. Aktuelle Studien (z.B. Bochow et al., „Wie leben Schwule heute?“ Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 8. Wiederholungsbefragung zum MSM-Schutzverhalten) stellen aber fest, dass der Wille, sich vor HIV zu schützen, in der Zielgruppe der MSM auch nach über 20 Jahren Präventionsarbeit ungebrochen hoch ist. Die Grundstandards des Safer Sex sind von der Zielgruppe gelernt. Sie erfordern allerdings heute eine Erweiterung, die auf authentische Weise die Lebenswirklichkeiten der Zielgruppe aufgreift. Es werden unterschiedliche Schutzbotschaften platziert (z.B. für Männer in Paarbeziehungen oder für positiv getestete Männer), die HIV-Negative, HIV-Positive und Männer, die nicht wissen, ob sie positiv oder negativ sind, auch erreicht. So können wir die Kontexte thematisieren, die zu einem risikoreichen Verhalten beitragen. Und wir binden HIV-Positive in die Prävention ein: Die HIV-Positiven können in der Prävention die Aufgabe übernehmen, falsche Bilder vom Leben mit HIV aufzuweichen, falsche Risikostrategien entlarven und falsche Bilder von HIV-Positiven selbst korrigieren helfen. Das ist auch deshalb wichtig, um einer Stigmatisierung von HIV-Positiven entgegen zu wirken.“

Was die strukturelle Prävention im Kontext zu Prävention/Aufklärung zum Thema HIV bewirkte dies sollte nun was das Thema HIV/Sexualität leben von Schwulen und MSM intensiviert und detaillierter angegangen werden.

Eines der Hauptziele nach meine Verständnis liegt besonders darin

„das Selbstwertgefühl, Sellbstvertrauens und das Selbstbewußtsein des Einzelnen zu stärken und zu fördern, ihm Mut zu eigenverantworlichem Handeln machen. Die Menschen dabei unterstützen das sie sich ihren Ängsten stellen und ihre Fähigkeit fördern diese zu überwinden.“

Dann gilt es zu unterscheiden zwischen den Menschen die dank der ART mittlerweile alt geworden sind und durch ihre Erfahrungen geprägt sind. Das Sterben von FreundenInnen und PartnerInnen in der Zeit wo es noch keine Medikamente gab hat sie – uns gezeichnet. Ein beeindruckendes Zeitdokument unserer Geschichte gibt der Film „We were here“ wieder.

Es ist eine Tatsche das sich trotz funktionierender struktureller Prävention auch heute noch Menschen mit dem HIVirus infizieren. Die Art und Weise wie die meist jüngeren Menschen mit ihrer Infektion umgehen unterscheidet sich von dem der alten Knochen wie ich einer bin erheblich. Stellvertretend möchte ich hier auf Marcel Dams auch bekannt als Teilzeitblogger und Teilzeitvlogger hinweisen. Seine – Ihre Herangehensweise ist eine völlig andere. Sie erleben HIV von einem ganz anderen „Standpunkt“ nämlich dem der Erfahrung von 30 Jahren HIV plus der Jetztzeit. Wobei die Zeit vor 30 Jahren für viele „Geschichte“ und die „Jetztzeit“ von relativ schnellem Wandel, Fortschritt und Veränderung und der Perspektive das man mit HIV heute alt werden und lange leben kann geprägt ist. Vor allen Dingen ist für Viele von denjenigen die heute mit der Diagnose „Sie sind HIV +“ leben müssen nicht mehr mit der Angst des Damoklesschwertes des Todes wie es nun mal bis zum Jahr 1996 der Fall war behaftet. Heute ist HIV/AIDS kein Todesurteil mehr. Dinge haben sich geändert – Dinge verändern sich. Dinge sind in Bewegung.

Dies trifft unter anderem auch für die inhaltliche Aufstellung – Arbeit der AIDS Hilfen zu. Die Themen denen man sich bei Gründung der meisten Aids Hilfe zu stellen hatte waren Andere als Heute. Das heißt im Umkehrschluß das sich AIDS Hilfen was ihre Ausrichtung – Arbeit betriff sich dieser Veränderung zu stellen haben. Ungeachtet aller damit einhergehenden möglichen pers Existenzängste, Macht und sonstige Verluste.

Nichts anderes trifft jetzt auch für den  stattfindenden Diskurs zum Thema „HIV Heimtest“ zu. Da kann man nicht mit einem „Wie lehnen einen Heimtest ab“ Hammer daherkommen und diesen den DiskutantenInnen vor n Kopp hauen.

Dirk Sander:

Das ist wirklich ein spannendes Thema, wir wollen selbstbewusste und selbstverantwortliche informierte Entscheidungen fördern, verweigern uns aber beim Heimtest, der de facto schon jetzt möglich ist. Wir sollten einfach über das Für und Wider aus unserer Sicht informieren und auf die Qualität der Kits achten. Test ohne Beratung finde ich auch schwierig (STI?), andererseits empfehlen wir sexuell aktiven Männern mehere checks pro Jahr. Sollen die dann jeweils nur mit Beratung möglich sein? Wie ist das denn jetzt schon in der Realität?

Siegfried Schwarze

Wenn wir den Menschen schon mit „Ich weiß was ich tu“ zumuten, für sich und ihr tun Verantwortung zu übernehmen, dann dürfen wir auch nicht länger gegen den Heimtest sein. Ich gestehe, ich war bisher auch dagegen, aber inzwischen sind die Tests deutlich zuverlässiger geworden und außerdem kann man seine Meinung auch mal ändern, wenn sich die Voraussetzungen geändert haben…

Außerdem riskieren wir mit einer weiteren Verweigerungshaltung, dass die Menschen „mit den Füßen“ abstimmen, d.h. sich den Test übers Internet besorgen. Da ist dann völlig Essig mit Testbegleitung & Beratung

Einerseits nimmt man wie z.b. mit der IWWIT Kampagne den Leuten die Angst vor HIV  indem man ihnen zu verstehen gebt: Wer ohne Schutz vögelt kann sich mit dem HIVirus infizieren und ihnen gleichzeitig bewußt machen das man HIV sein könnte wenn man sich nicht schützt und ohne Bewertung kommuniziert, das es Möglichkeiten gibt sich nicht nur der Angst vor dem Ergebnis HIV + zu sein zu stellen, sondern auch das je eher man bescheid weiß umso eher kann man etwas tun. Damit nimmt man den Menschen Angst, macht Mut und bestärkt Menschen in ihrem Selbstbewußtsein und eigenverantwortlichem Handeln.

Gleichzeitig sagt man aber auch: Ja, aber Heimtest sind schlecht weil . . . das ist ein Wiederspruch weil man dadurch bestehenden Ängsten Nahrung gibt. Das wie GAs geben und gleichzeitig auf die Bremse treten. Warum will man uns in dieser Sache in einem State of Unmündigkeit, magelndem Selbstbewußtsein und wenig Selbstvertrauen sowie der Fahigkeit keine Verantwortung für uns selbst zu übernehmen in der Lage zu sein halten, spricht uns diese Fähigkeiten auf einmal ab? Angst vor Verlust? Welcher Art sind diese Verluste? Damit schafft – fördert man Abhängigkeiten.

Es wird immer so sein das es Menschen gibt die Hilfe benötigen, aus welchen Gründen auch immer.Für diese Menschen ist es gut wenn da jemand ist der Ihnen beisteht, sie an die Hand nimmt und sich für sie einsetzt. Für solche Menschen ist es u.a. gut das es AIDS Hilfen gibt. Sie – die Mitarbeiter sollten ihnen mit Würde und Respekt und vor allen Dingen auf Augenhöhe begegnen!

HIV-Selbsttests sollten die vorhandenen Testangebote nicht ersetzen, sondern um ein weiteres Angebot ergänzen. Das Haupt-Augenmerk müsse weiterhin auf der Vermeidung von HIV-Neuinfektionen liegen. Ziel sei es, den HIV-Test zu ent-tabuisieren und die Angst um ein Wissen des eigenen HIV-Status zu bekämpfen. Quelle: 2mecs

Kann man Menschen mit einer möglichen Diagnose HIV-positiv im Augenblick der Diagnose allein  lassen? Dies ist eines der wesentlichen Argumente, das gegen HIV-Selbsttests vorgebracht wird. Man kann, meint Prof. Patrick Yeni, Präsident des Nationalen Aids-Rats Frankreichs CNS, gegenüber der französischen Tageszeitung Le Monde: “Das Argument der Einssamkeit von menschen mit dem Testergebnis ist nicht verschwunden, aber es verliert an Gewicht.” Ein positives Testergebniss bedeute nicht mehr die gleiche schreckliche Prognose wie in der Vergangenheit. Quelle: 2mecs

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10. 04. 18:00  Keine HIV-Selbsttests in der Schweiz

Die Kommission rät deshalb davon ab, die HIV-Hometests für den Schweizer Markt zu bewilligen. Derzeit verbietet die Medizinprodukteverordung, diagnostische Tests für Infektionskrankheiten an Private abzugeben. Es sei aber nicht illegal, übers Internet gekaufte Tests zu verwenden, schreibt die EKSG.

Trotzdem beraten lassen

Sie ermutigt jedoch alle, die dies tun, sich dennoch an eine professionelle HIV-Beratungsstelle zu wenden. «Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn jemand allein zuhause feststellt, dass er HIV-positiv ist», sagte Roger Staub, Leiter Prävention beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Nachrichtenagentur sda.

Er glaubt also . . . aha

Fast noch schlimmer wäre es, wenn eine HIV-infizierte Person fälschlicherweise ein negatives Resultat erhält, sagt er. Diese würde davon ausgehen, dass er oder sie nicht ansteckend ist.

Kommt natürlich bei einem Fachlabor nicht vor . . .

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Hier die Studie aus Kanada die im oben genannten Bericht erwähnt wird.

Supervised and Unsupervised Self-Testing for HIV in High- and Low-Risk Populations: A Systematic Review

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11. 04.2013 Die deutsche Aids-Hilfe spricht sich gegen die Einführung von HIV-Selbsttests in Deutschland aus.

Ich spare mir die Mühe den Beitrag im Einzelnen zu kommentieren. Unter dem Strich gibt es zwei Fazits/Fazite – oder heißt es Fazen? Nein Die Faxen machen in dem Fall andere.

Merkwüdigerweise führt die DAH die Kanadische Studie an, kommt aber zu einem anderen Ergebnis als die Studie: oder mein Englisch ist schlechter als worse . . .

Conclusions

Both supervised and unsupervised testing strategies were highly acceptable, preferred, and more likely to result in partner self-testing. However, no studies evaluated post-test linkage with counselling and treatment outcomes and reporting quality was poor. Thus, controlled trials of high quality from diverse settings are warranted to confirm and extend these findings. Quelle: plosmedicine.org

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Damit mehr Menschen von einem rechtzeitigen HIV-Test profitieren können, brauchen wir vor allem mehr niedrigschwellige und passgenau gestaltete Testangebote, die den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppen Rechnung tragen. Die bestehenden Angebote zeigen den Bedarf: Sie sind oft überlaufen. Quelle DAH

Noch mehr IWWIT? Noch niedrigschwelliger? Noch mehr VerhaltenskonformeHIVdiktatur?

Anfrage an Radio DAHriwan:

Seit ihr für Stärkung des Selbstwertes, Selbstvertrauens und des Selbstbewußtsein. Mut machen zu eigenverantworlichem Handeln. Menschen dabei unterstützen das sie sich ihren Ängsten  stellen und ihre Fähigkeit fördern diese zu überwinden.

Antwort von Radio DAHriwan.

Im Prinzip ja, aber nur soweit wie es in unser Konzept paßt.

Was ich was die Haltung in dieser Angelegenheit der DAH betrifft fatal um nicht zu sagen traurig finde, ist das sie vielen Menschen damit eine Art Maulkorb oder Scheuklappen verpaßen die verhindern das der Selbstwert – und Selbstbewußtsein von Vielen die mit der Diagnose „HIV+“ leben gestärkt und gefördert wird. Sie werden radikal im Stich gelassen erfahren in diesem Aspekt keine Untersützung. Schlimmer noch man spricht ihnen diese Fähigkeiten, die bei vielen angeknackst oder verloren gegangen sind jeweils wieder zu erlangen ab. Dabei ist es ja mittlerweile kein Geheimnis das viele Menschen mit HIV psychologischer oder therapeutischer Unterstützung bedürfen, was aber nicht möglich ist da es nicht ausreichend Kapazitäten gibt. Dies trifft auf viele andere Krankheiten ebenso zu. Eines von vielen gesundheitspolitische Defiziten.

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3 Antworten zu HIV Selbsttest? Wieviel Selbstbewußtsein und Eigenverantwortung darf s denn sein? (akt 2)

  1. Diego schreibt:

    Ich bin ja einer der Skeptiker, das liegt wohl in der Familie. Ich bin aber auch bereit meine Meinung bei neueren Information durchaus auch mal zu ändern.

    Ich fange mal mit den eher negativen Punkten an:
    – Ein positiver Test ohne entsprechende Begleitung kann schnell zum Alptraum werden, was selbstverständlich auch bei Gesundheitsämtern und Hausärzten der Fall sein kann, wenn die Ärzte nicht entsprechend geschult sind.
    – Einige der bisherigen Heimtestes sind nicht wirklich für ihre Zuverlässigkeit bekannt. Ein falsche negatives Testergebnis kann fatale Folgen haben. Können sich doch Paare in falscher Sicherheit wiegen.
    – Ein Missbrauch ist nicht ausgeschlossen. Wenn jemand einen eventuellen Partner vor dem Sex zu einem Test nötigt kann das unvorhersehbare Folgen haben. Wie soll man jemanden auffangen der dabei unerwartet einen positiven Test hat. Gerade wenn der andere eher zu Ängsten neigt und seinen potentiellen Partner mit dem Test einfach vor die Tür setzt.
    – Das diagnostische Fenster ist sehr hoch, gerade in der Phase in der keine Reaktion erfolgen kann, ist ein neu infizierter wesentlich ansteckender als ein seit längerem positiver oft auch ohne Behandlung. Ein seit längeren positiver ohne Medikamente kann seit Jahren eine Virenlast von einigen hundert bis wenigen tausend haben. Ein frisch infizierter dagegen durchaus eine Virenlast von über 1 Mio. Das kann aber auch ein Labortest nicht ausschließen.

    Eher Positiv bewerte ich:
    – Ein Heimtest ist schnell und unkompliziert durchzuführen.
    – Ist garantiert Anonym, wenn man ihn allein für sich macht.
    – Kann in einigen Regionen eine echte Alternative zum Labortest sein, wenn man keinen Test bei seinem Hausarzt machen will und z.B. in der Pampa wohnt und nicht 80 Km bis zum nächsten Gesundheitsamt fahren kann oder will. In einigen Regionen kann das zum Tagesprogramm werden, einmal zum Blutzapfen und dann nochmal um sich das Ergebnis zu holen.

    Ob man einen Heimtest für sich nutzen will, muss jeder für sich frei entscheiden können. Jeglicher Zwang und sei es nur von einem vermeintlichen Sexpartner ist in jedem Fall nicht statthaft, wird aber sicherlich nicht auszuschließen sein.
    Nicht das ich was gegen die iwwit „Test Wochen“ hätte. ganz im Gegenteil ich halte sie durchaus für sinnvoll. Je früher man über seinen Status informiert ist, um so besser für einen selbst, als auch für Sicherheit eines Partners. Auch bin ich dafür die Regelung zum HIV-Test dahingehend zu ändern, dass man einem Test durch einen Arzt widersprechen muss, statt ihm zustimmen zu müssen, nur die freie Wahl muss gesichert bleiben.

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Diego

    Was das Missbrauchscenario betrifft, das hat nur bedingt mit dem Heimtest zu tun. Es dürfte sich da wohl eher um ein grundsätzliches Problem bei einem der beiden Partner in der Beziehung handeln.

    Deine Skepsis die Du in Deiner Argumentation zum Ausdruck bringst, nun Du bist da nicht der Einzige der in dieser Art und Weise argumentiert. Nach 5 Jahren IWWIT Kampagne, deren inhaltliche Ausrichtung u.a. auf die Stärkung des Selbstwertes und des Selbstbewußtseins sowie ein Abbau von Ängsten ausgerichtet ist, stehen diese Argumente die Du stellvertretend für Viele anführst im Widerspruch zu besagter IWWIT Kampagne im Kontext zu der Haltung zum HIV Heimtest.

    Prof. Patrick Yeni, Präsident des Nationalen Aids-Rats Frankreichs CNS, hat es gegenüber der französischen Tageszeitung Le Monde wie ich finde sehr gut auf den Punkt gebracht: “Das Argument der Einssamkeit von Menschen mit dem Testergebnis ist nicht verschwunden, aber es verliert an Gewicht.” Ein positives Testergebniss bedeute nicht mehr die gleiche schreckliche Prognose wie in der Vergangenheit.

    Zudem wird die Zulassung auf Frankreich bezogen auch von diesem Aspekt abhängig gemacht:
    HIV-Selbsttests sollten die vorhandenen Testangebote nicht ersetzen, sondern um ein weiteres Angebot ergänzen. Das Haupt-Augenmerk müsse weiterhin auf der Vermeidung von HIV-Neuinfektionen liegen. Ziel sei es, den HIV-Test zu ent-tabuisieren und die Angst um ein Wissen des eigenen HIV-Status zu bekämpfen.

    Mich erinnert das an die EKAF Diskussion. Da hat man sich auch heftig nicht nur zur Wehr gesetzet sondern sie wurde querbeet erst mal abgelehnt. In der Folge einer Auseinandersetzung, eines breiten Diskurs sind die Fronten aufgeweicht und die Haltungen haben sich zu EKAF hin geändert. (Obwohl das RKI diesbezüglich vor kurzem eine Rolle Rückwärts gemacht hat was für mich unverständlich ist)

  3. Jordon schreibt:

    Ich kommentiere hier mal, als jemand der schon immer selber getestet hat. Nicht nur HIV, sondern auch Diabetis, Leukos, Eiweiss, Blutdruck etc. Zwar hab ich auch mal grosse Blutbilder beim Doc machen lassen, einfach auch um einen Überblick zu bekommen.

    Erstmal vorab – ich habe eine Ausbildung als Heilpraktiker, bin aber nicht als solcher tätig. Nur wenn man eine Ausbildung im Gesundheitsbereich genossen hat, hat man ein anderes Verhältnis zum Körper.

    Plötzlich ist nicht mehr ein Fremder für seinen eigenen Körper verantwortlich (Arzt), sondern man selber. Man geht auch mit seinem Körper anders um, wenn man sich in manchen Bereichen immer mal wieder selber testet. Ich kann sagen, das trotz meines nicht mehr ganz so jungen Alters alle Werte im perfekten Bereich sind. Seit 7 Jahren nicht mehr krank, aber auch mit einem eigenverantwortlichen Umgang mit der Gesundheit.

    Sicher, nicht für jedermann ist der Test geeignet, das fängt schon an, das man sich selber „pieksen“ muss, das wird nicht jeder können, oder wollen und hier kann es bei Angst davor auch u. U. zu Fehler kommen. Aber es kann schon eine Alternative sein, die z. B. lange Wartezeiten beim Gesundheitsamt scheuen. Und die, welche Anonym bleiben wollen, warum auch immer. BTW Die Gesundheitsämter nutzen den gleichen Test.

    Ausserdem gibt es durchaus auch welche, die es lieber in ruhiger, häuslicher Umgebung machen wollen, als in einer kalten Praxis, und dann das ganze sich erstmal auch mit sich selber ausmachen wollen, eh ein Arzt sie bequatscht.

    Wichtig bei einem solchen Test ist absolut korrektes vorgehen, hier wird immer wieder drauf hin gewiesen. Die Tests als fehlerhaft dar zu stellen, ist schlicht falsch, da diese ja auch von Gesundheitsämtern eingesetzt werden.

    Ich befürworte nach wie vor eine Zulassung in ganz Europa. Zertifizierte Tests kommen aus Europa, daher sollten sie hier auch frei verkäuflich sein und nicht nur über das Internet angeboten werden.

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