Aktualisierung des Ratgebers „RKI-Ratgeber für Ärzte HIV/Aids“


Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit – hätte mich auch gewundert wenn es nicht so wäre – wie auch in den Kreisen die es „eigentlich- in dem Fall die Community“ betrifft – was mich erstaunt -, hat das RKI am 25. März eine überarbeitete Fassung von 2011 „HIV/AIDS Ratgeber für Ärzte“ herausgegeben.

Eine Aktualisierung erfolgt nach den Erfordernissen, in der Regel im Internet, aktualisierte Fassungen ersetzen die älteren. Quelle: RKI

Interessant ist in diesem Zusammenhang was man unter dem Begriff Ratgeber so alles verstehen kann. Die Palette geht von Ratschlag im Sinne einer Empfehlung bis hin zu Definitionen wie Anleitung, Kompendium etc pp. Eines jedoch ist allen Definitionen gemein. Sie sind nicht bindend im Sinne von verpflichtend sondern beruht einzig und allein auf der Freiwilligkeit der Entscheidung des Protagonisten ob er sich nun daran hält oder nicht bzw in welchem Maß. Dies kann man im Alltag einer Behandlung durch Zahnärzte u.U. täglich feststellen. Mal zieht er Schutzhandschuhe vor einer Behandlung an, meistens läßt er s jedoch.

Insofern ist es auch nicht verwunderlich das diese „Art der Empfehlung – dieses sich nicht festlegen müssen“ Diskriminierung gerade bei der Behandlung von Menschen mit HIV und AIDS durch Zahnärzte Tür und Tor öffnet. Hier würde ich mir persönlich wünschen dass das RKI endlich mal Nägel mit Köpfen macht und darauf hinweist das und welches Wissen, Verhalten für die Ausübung des Arztberuf zwingend notwendig ist indem es eine klare Ansage macht. Aus pers Gesprächen weiß ich dass das Thema „Verhalten im Kontext zu Krankheiten/Hygiene“ in den Studiengängen „sehr stiefmütterlich“ behandelt wird. Dies würde auch das immerwährende darauf Hinweisen das es keine Notwendigkeit für die Vergabe von „Randterminen für Menschen mit HIV durch Zahn wie auch andere Ärzte“ gibt. Siehe die div Artikel zu dem Thema HIV und Zahnarzt

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Unter anderem wurde wieder einmal – was erstaunlich ist da es je zum Berufsbild der Ärzte gehört sich mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen auszukennen – besonders darauf hingewiesen das man sich doch gefälligst an die vorhandenen Richtlinien halten möge was die Behandlung von Menschen mit HIV und AIDS Patienten betrifft:

Prävention im medizinischen Bereich/Hygienemaßnahmen

Bei der Behandlung von HIV-Infizierten und AIDS-Patienten ist die Beachtung anerkannter Regeln der Hygiene unerlässlich. Quelle: RKI

Für mich pers ist es für jeden Arzt beschämend wenn man ihn/sie 30 Jahre nach HIV in Deutschland immer wieder darauf hinweisen muß.

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Ein weiterer Punkt der einigen Wenigen um genauer zu sein nur „Einem Wenigen“ ins Auge gefallen ist, ist der folgende Passus:

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie, die die Viruslast im Plasma unter die Nachweisgrenze der verfügbaren Testverfahren (derzeit ca. 20 Viruskopien/ml) reduziert, wird daher auch die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert. Lokale und systemische Faktoren (z. B. Infektionen der genitalen Schleimhäute, intermittierende Infekte, unzureichende Penetration einzelner Medikamente in das genitale oder rektale Kompartiment) können jedoch zu – meist vorübergehenden – Anstiegen der Viruslast im Blut oder im genitalen oder rektalen Kompartiment führen. Insbesondere Patienten, die nicht in einer monogamen Partnerschaft leben, sollte daher auch unter erfolgreicher Therapie die Beibehaltung von Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung einer Weitergabe der HIV-Infektion (v. a. Kondomgebrauch) und zum Schutz vor anderen sexuell übertragenen Infektionen empfohlen werden. Ergebnisse kontrollierter Interventionsstudien, die helfen könnten, das Ausmaß der Verminderung der HIV-Übertragungsrate in serodifferenten Partnerschaften unter einer erfolgreichen Therapie zu quantifizieren, liegen bislang noch nicht vor. Auf der Grundlage – unkontrollierter – Beobachtungsstudien wird das Risiko einer HIV-Übertragung auf sexuellem Wege in einer serodifferenten Partnerschaft bei effektiv behandelter HIV-Infektion (Viruslast seit mindestens 6 Monaten unterhalb der Nachweisgrenze) und in Abwesenheit weiterer sexuell übertragbarer Infektionen als vergleichbar gering wie bei Kondomverwendung ohne antiretrovirale Therapie eingeschätzt.

Ein Freund wies mich darauf hin das dies de Facto bedeutet das diese Bedingungen nur für „monogame Beziehungen“ zutreffen. Für alle anderen u.a. „offenen“ Beziehung ist die Verwendung eines Kondomes unerläßlich um nicht zu sagen zwingend geboten. Dies sei zum einen ein „Zurückrudern“ zum anderen kommt das Positionspapier der DAH zu einem anderen Schluß. HIV Report 5/12/2012  – STI´s und HIV Übertragung

Der Mensch ist nein hat wenn er in einer Beziehung lebt laut dieser Aussage im aktualisierten Ratgeber für Ärzte „monogam“ zu leben. Sex ausserhalb einer Beziehung ist nicht zulässig. Und wenn doch dann nur unter bestimmten Voraussetzungen – Bedingungen. Diese meinungsdiktatorische Aussage ist so diskriminierend und vermessen wie christlich fundamentalisch geprägt. Was besagt eine solche Aussage? Der Mensch ist von Natur aus ein „monogames Wesen“? Wo steht geschrieben das Menschen in einer Partnerschaft „monogam“ zu leben haben?

«Der Mensch ist kein monogames Wesen»

Für den Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge gehört das Fremdgehen zur Liebe dazu. «Der Mensch ist kein monogames Wesen», sagte er der Nachrichtenagentur ddp in Frankfurt am Main. Gleichwohl glaube er daran, dass die eine Liebe zu einem bestimmten Menschen ein Leben lang halten könne. Wichtig sei, dass der Partner wisse, dass er geliebt werde. Quelle: Alexander Kluge

Ich schließe mich Alexander Kluge vollumfänglich an. Vertrauen und Kommunikation sind die Basis für jede Beziehung. Insofern schließt Sex mit einer anderen Person innerhalb einer Bezeihung nicht per se aus das es keine liebevolle, erfüllende Beziehung zwischen zwei Menschen gibt.

Gleichwohl liegt der Gedanke nahe das der Hintergrund der Aussage

Insbesondere Patienten, die nicht in einer monogamen Partnerschaft leben, sollte daher auch unter erfolgreicher Therapie die Beibehaltung von Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung einer Weitergabe der HIV-Infektion (v. a. Kondomgebrauch) und zum Schutz vor anderen sexuell übertragenen Infektionen empfohlen werden.

der ist, das die Kommunikation mit einem Menschen im Kontext zu Sex ausserhalb des PartnersIn mit dem man in einer Beziehung lebt sich als schwierig gestalten kann.

Dieses trifft in besonderen Maß für Menschen die HIV+ sind, deren Therapie erfolgreich ist  und die nicht in einer Beziehung leben zu. Da wird immer noch geglaubt was das Zeug hält bzw was gesagt wird. Dies liegt aber auch daran das das Thema HIV auch oder besonders unter den Menschen die am stärksten von HIV betroffen nach wie vor „negativ“ besetzt ist. Angst vor Ausgrenzung und Zurückweisung, Diskriminierung und Ablehnung ist leider immer noch Alltag.

Auf alle Fälle wäre es angebracht gewesen das Wort „monogam“ in dem Ratgeber aussen vor zu lassen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung. Die Kernaufgaben des RKI sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten. Zu den Aufgaben gehört der generelle gesetzliche Auftrag, wissenschaftliche Erkenntnisse als Basis für gesundheitspolitische Entscheidungen zu erarbeiten. Vorrangige Aufgaben liegen in der wissenschaftlichen Untersuchung, der epidemiologischen und medizinischen Analyse und Bewertung von Krankheiten mit hoher Gefährlichkeit, hohem Verbreitungsgrad oder hoher öffentlicher oder gesundheitspolitischer Bedeutung. Quelle RKI 

Mit anderen Worten eines ist das RKI nicht: „Eine moralische Instanz“.

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