Kreszentia-Stift, Alten- und Pflegeheim, München, weist schwulen Rentner ab (akt 1)


Unser Ausgangspunkt ist das Evangelium Jesu Christi, der ausdrücklich die Verbindung von Gottesliebe mit der Nächstenliebe lehrt:

„Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25). Quelle: Kreszentia-Stift Was uns wichtig ist

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Wir achten die Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen, ohne Ansehen der Religion,  der Kulturzugehörigkeit, der sozialen Stellung, seiner Erkrankung oder Behinderung. Jeder Bewohner hat entsprechend seiner Pflegebedürftigkeit das gleiche Recht auf vorurteilsfreie Pflege.

Wir verstehen Altenpflege so, dass alle Handlungen unter Berücksichtigung der Individualität und der Beachtung der Würde des alten Menschen geschieht.  Quelle:Kreszentia-Stift Unser Pflegeleitbild

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Karl Schaffner fragt für seinen Lebenspartner nach einem Platz im benachbarten Pflegeheim. Doch das von einer katholischen Stiftung getragene Kreszentia-Stift winkt ab: Die Schwestern wollten keinen Homosexuellen im Haus. Quelle: TZ-online.de

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Unglaublich findet die Reaktion des Stifts Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste).

„Es gibt immer wieder Probleme, wenn ältere Schwule in Pflegeeinrichtungen kommen“, sagt er. „Aber von einer derart offenen Ablehnung, dass man das so unverblümt sagt, habe ich noch nie gehört.“ Eine so offensichtliche Diskriminierung „darf sich auch eine katholische Stiftung nicht erlauben“, poltert er. Natürlich sei die Gesellschaft zum ersten Mal mit einer Generation von Homosexuellen konfrontiert, die auch im Alter offen zu ihrer Identität stehen, sagt Niederbühl. Gerade ältere Schwule, deren Leben oft noch geprägt sei von der Angst vor staatlicher Verfolgung, könnten solche Erlebnisse aber traumatisieren.“ Quelle: Merkur-online.de

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An Frau Gabriele Port Leiterin des Pflegedienstes:

Sehr geehrte Frau Port

Als Mensch wie auch als Sohn und Betreuer einer Mutter die seit 2 Jahren in einem Heim ihren Lebensabend verbringt bleibt mir nur eines zu sagen:

Ein solches Verhalten eines „auf christliche Werte wie Nächstenliebe“ geführten Altenpflegeheimes ist nicht nur würdelos, respektlos und Menschenverachtend sondern im Kontext zu Ihrem Leitbild auf das Sie sich berufen „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25)“ an Heuchelei nicht mehr zu überbieten.

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Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – ist ein deutsches Bundesgesetz, das Benachteiligungen aus Gründen der „Rasse“, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll. Quelle: Wikipedia

§ 1 Ziel des Gesetzes

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Quelle

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Artikel 3 Grundrechte  [Gleichheit vor dem Gesetz; Gleichberechtigung von Männern und Frauen; Diskriminierungsverbote]

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

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Im Gegensatz zum AGG das explizit die sexuelle Identität eines Menschen betont zeigt sich hier wieder einmal die Notwendigkeit „die sexuelle Identität des Menschen“ in das Art 3 GG – Grundrechte aufzunehmen. Solange dies nicht geschehen ist, steht das AGG im Widerspruch zum GG – Grundrechte der BRD und läßt zum Leidwesen Vieler einer Ungleichbehandlung Tür und Tor geöffnet was im obigen Fall wieder einmal unter Beweis gestellt wird.

Hier sollte ein Anwalt erwägen ob ein solches Verhalten nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Antidiskriminierungsgesetz verstößt und ggf die entsprechenden Schritte einleiten.

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Da in Deutschland das Verhältnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat auf der parnerschaftlichen Ebene nicht funktioniert – ob aus Gründen der Definiton und/oder Verständnis das natürlich entsprechend eines kirchlichen – religiösen Hintergrund unterschiedlich sein kann bzw ist q.e.d  – , scheint eine  Trennung von Staat und Religion im laizistischen Sinne unausweichlich.

Auf dem Rücken eines Menschen dürfen unterschiedliche Sichtweisen von christlichen Kirchen und/oder anderen Religionsgemeinschaften niemals zu dessen Nachteil ausgetragen werden. Das Wohl des Menschen muß ungeachtet von unterschiedlichen christlichen, religiösen und/oder politischen Sichtweisen immer an erster Stelle eines Staates der sich auf demokratische Grundsätze beruft in diesem Fall der Bundesrepublik Deutschland stehen. Nicht umsonst hat die BRD die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten mit unterzeichnet.

Allerdings besteht ein weiterer Handlungsbedarf da im

ARTIKEL 14 Diskriminierungsverbot

Der Genuss der in dieser Konvention anerkannten Rechte und Freiheiten
ist ohne Diskriminierung insbesondere wegen des Geschlechts, der
Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der politischen oder
sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, der
Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der
Geburt oder eines sonstigen Status zu gewährleisten.

der Worlaut „sexuelle Identität“ nicht enthalten ist.

Gleichberechtigung, das Wohl – die Würde des Menschen sind mehr als nur Worte auf dem Papier.

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Katholische Stiftung lenkt später ein

Das Kreszentia-Stift bedauert den Vorfall. Anton Kronthaler dürfe selbstverständlich einziehen, sagt Geschäftsführer Christian Poka. . . . . .

Der Heimleiter führt die Reaktion seiner Mitarbeiter auf Verunsicherung zurück. Erst seit 15 Jahren würden im Kreszentia-Stift, einer kirchlichen Stiftung, männliche Bewohner aufgenommen. Kronthaler „wäre der erste Bewohner im Stift gewesen, der mit seinem Freund in einer eingetragenen Partnerschaft lebt“, sagt Poka. Das Haus sei fast eineinhalb Jahrhunderte von katholischen Ordensschwestern geführt worden. Gerade sei ein Generationswechsel im Gang – das Haus gehe vom Orden an kirchliche Laien über. „Dass da die ein oder andere Unsicherheit besteht, ist normal“, findet Poka. Er räumt aber ein, dass im Umgang mit Karl Schaffner „mehr Sensibilität angebracht“ gewesen wäre. Quelle: Münchner Merkur

Schon klar, in München gibt es Männer und/oder Frauen die in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben auch erst seit gestern. . . . .

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