Der Niebel und die Höhenluft von Davos . . .


. . . zwei Aggregatzustände die nicht zusammenpassen.

Dirk Niebel trifft Bill Gates in Davos: „Wir können den Kampf gegen Aids gewinnen“

Am Nachmittag erklärte Dirk Niebel in einer ge­mein­sa­men Presse­kon­fe­renz mit Bill Gates und dem neuen GFATM-Exe­ku­tiv­direktor Mark Dybul: „Wir müssen an der Ein­däm­mung von HIV, Malaria und anderen In­fek­tions­krank­hei­ten weiter­hin hart und ent­schlos­sen arbeiten. Die neuesten Zahlen von UNAIDS zur HIV-Epidemie machen aber Hoff­nung: Die Trend­wende ist greif­bar nahe – und ich glaube: wir erleben hier den Anfang vom Ende von Aids. Das ist auch ein Ver­dienst des neu auf­ge­stell­ten Globalen Fonds gegen Aids, Tu­ber­ku­lose und Malaria.“ Quelle: BMZ

“ . . . wir erleben hier den Anfang vom Ende von Aids.“

HIV. Wenn überhaupt dann muß es HIV heißen

Zum 7589mal für Begriffsstutzige, Lernresistente und sonstige Nixblicker . . .

AIDS – Acquired Immune Deficiency Syndrome, auch Acquired immunodeficiency syndrome (englisch für „erworbenes Immundefektsyndrom“), zumeist abgekürzt als AIDS oder Aids benannt, bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die beim Menschen infolge der durch Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HI-Virus, HIV) induzierten Zerstörung des Immunsystems auftreten. Bei den Erkrankten kommt es zu lebensbedrohlichen opportunistischen Infektionen und Tumoren. Quelle: Wikipedia

Das „ENDE von AIDS“ erleben wir nur dann wenn es a) einen Impfstoff  gegen das HIVirus gibt, oder b) wenn man stirbt. Solange es jedoch keinen Impfstoff gegen HIV gibt, solange ist es nicht ausgeschlossen das es irgendwo auf der Welt leider immer Menschen geben wird die sich mit dem HIVirus infizieren. Wenn sie nicht in einem privilegierten Land leben dessen Gesundheitssystem Menschen mit HIV medikamentös versorgen, werden sie möglicherweise an den Folgen des HIVirus <-> AIDS sterben.

Die Aussage oder besser gesagt das Ziel dem sich UNAIDS verschrieben hat

Getting to Zero

Zero New HIV Infections
Zero AIDS related Death
Zero Discrimination

halte ich nach meinem Dafürhalten für einen frommen Wunsch.

„Zero New HIV Infections“

Keine neue HIV Infektionen. Wie will man das verhindern? Durch die weltweite Versorgung aller Menschen mit HIV Medikamenten die bis dato mit dem HI-Virus infiziert sind? Solange es Länder – Regierungen wie diejenigen in Russland und der Ukraine gibt, die sich dem Thema „HIV “ gegenüber verweigern und Behandlung geschweige denn Prävention/Aufklärung nicht in ihr Gesundheitsprogramm aufgenommen haben sondern im Gegenteil Gesetze erlassen die diesen Umstand zusätzlich erschweren wird man die Übertragung, den um diese geht es ja, nicht verhindern geschweige denn auf „NULL“  runterfahren können.

Eine weiterer Punkt ist die Behandlung von Menschen mit HIV mit bezahlbaren Medikamenten. So leben in Indien mehr als 900 Millionen Menschen, die mit weniger als umgerechnet 2,50 US-Dollar pro Tag = Euro 1,85 aus­kommen müssen. Der Anteil der Bevölkerung, die mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag = Euro 0,93 auskommen muss, beläuft sich auf 32,7 %. = 400 Millionen Menschen Quelle: BMZ

Eine Möglichkeit um die Versorgung von Menschen die unter extremer Armut leiden und HIV positiv bzw auf andere lebensnotwendige – erhaltende Medikamente angewiesen sind, ist die Versorgung mit bezahlbaren Medikamenten. Generika wie sie in Indien und Brasilien produziert werden ist ein Weg. Doch gerade dieser Möglichkeit werden immer mehr Steine in den Weg gelegt. Weltweit finden zur Zeit Verhandlungen zwischen der EU und den USA und div Freihandelszonen statt. Entgegen allen anderslautenden Berichten, geht es Vordergründig um die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der EU und den USA. Der Patentschutz der in den USA wie auch in Europa ansässigen Pharmaindustrie steht da an erster Stelle. Dies schließt eine Versorgung mit „bezahlbaren Medikamenten“ für Menschen die von extremer Armut betroffen sind von vornherein aus. Selbst dann wenn sich Pharmakonzerne zu eigenen Abschlüssen – zu einer eigenen Generikaproduktion mit Pharmakonzernen in Indien etc bereit erklären würden, wären die Preise für lebensnotwendige Medikamente für die Ärmsten selbst dann noch unerschwinglich. Der einzige Weg ist und bleibt die Zwangslizensierung und der damit einhergehenden Produktion von Generika auf Grund eines gesundheitlichen Notstandes in Ländern wie Indien und Brasilien.

So kämpft Indien weiterhin für das Recht zur Erteilung von Zwangslizenzen um Medikamente/Medizin für Jedermann bezahlbar zu machen.

Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Geschlechtsverkehr weitergegeben. Ein weiterer Aspekt dem man noch nicht einmal in Betracht zieht, ist die Tatsache dass das (Aus)leben von Sexualität idr mit Emotionen verbunden ist. Es ist menschlich das trotz allen Wissen, manchmal die Ratio – der Verstand aussetzt und man im Eifer des Gefechtes alle Schutzmaßnahmen außer acht läßt.

„Zero AIDS realted Death

Keine AIDS bedingten Todesfälle. Von unserem VerbehinderungsMinister Niebel kann man nicht erwarten das ihm bewußt ist das trotz der Behandelbarkeit von HIV, das ungeachtet der Tatsache das HIV in unseren Breitengraden zu einer chronisch behandelbaren Krankheit geworden ist, Menschen an opportunistischen Infektionen und Tumoren sterben. Nicht mehr in dem Maß wie es bis Mitte der 90ger Jahre der Fall war, aber jährlich sterben bei uns Menschen an AIDS. Entweder weil ihr Immunsystem auf Grund der jahrelangen Infizierung mit dem HI Virus und der Einnahme von HIV Medikamenten zusammenbricht oder weil sich Medikamenten Resistenzen gebildet haben.

„Zero Discrimination“

Null Diskrimierung. Ob beim Zahnarzt oder in der Arbeitswelt, Diskriminierung gehört leider zum Alltag von vielen Menschen die HIV positiv sind. Im Vorfeld der PoBe veröffentlichte die Deutsche AIDS Hilfe erstmals Daten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV.

Anlässlich ihrer Konferenz „Positive Begegnungen“, die am Donnerstag in Wolfsburg beginnt, hat die Deutsche AIDS-Hilfe am Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg die Ergebnisse ihrer Studie „positive stimmen“ vorgestellt.

„positive stimmen“ ist die deutsche Umsetzung des internationalen Projekts „The People living with HIV Stigma Index“, das unter anderem von der HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen, UNAIDS, und dem Globalen Netzwerk von Menschen mit HIV, GNP+, getragen wird. Das Prinzip: HIV-Positive befragen HIV-Positive. So werden in dieser Studie nicht nur Stigmatisierung und Diskriminierung (hauptsächlich der Gesellschaft gegenüber Menschen mit HIV) sichtbar, sondern gleichzeitig können sich alle Beteiligten mit ihrer Situation auseinandersetzen und Wege zum Umgang damit entwickeln. Forschung und Ermutigung, Hilfe zur Selbsthilfe gehen Hand in Hand.

Plakativ könnte man heute „leider immer noch“ sagen „Stigma ist tödlich, nicht das Virus

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Der Hoffnung das man Mißstände ändern kann, dem darf und muß man Ausdruck verleihen. Die Realität, der Alltag und vor allen Dingen die Schwierigkeiten die diesen Bemühungen diametral entgegenwirken und die ein menschenwürdiges Miteinander verhindern, die muß man benennen und auf den Punkt bringen. Dieser Auseinandersetzung darf man nicht aus dem Weg gehen. Da muß man Tacheles reden. Und das mit aller gebotenen Schärfe.

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Die Deutsche AIDS Hilfe hat es in ihrem Beitrag auf den Punkt gebracht:

Aktionsbündnis gegen Aids: Niebels Zusage an den Global Fund ist Augenwischerei

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose auf dem Weltwirtschaftsgipfel eine Milliarde Euro für 2012 bis 2016 zugesagt.

„Eine Milliarde Euro für den guten Zweck klingt im Wahljahr natürlich beeindruckend“, sagt Sylvia Urban, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe und im SprecherInnenkreis des Aktionsbündnisses gegen AIDS. „Hinter der Zahl verbirgt sich aber nichts anderes als eine Fortführung auf dem gleichen niedrigen Niveau. Quelle: DAH

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