Toleranz und Aushalten


Welche Gedanken darf man denken? Nur die Angenehmen? Was ist mit den Unangenehmen Gedanken? Darf man das Unangenehme öffentlich aussprechen? Was wenn man es tut? Wenn man das Unangenehme das idr auch das Unausausprechliche ist, denkt oder gar ausspricht, ist man dann gar „Unsolidarisch“ und wird man dann auf einen Index gesetzt?

Alle wollen wir das Angenehme und Gute, das womit wir uns gut fühlen „haben“. Und dies am liebsten 24/7. Ein Wohlgefühl ist natürlich angenehmer als ein Gefühl des Unwohlseins. Ein permanentes „Wohlgefühl“ haben zu wollen ist – das mag jetzt für viele ein Schock sein – eine Illusion sein.

Man sagt das Toleranz u.a. ein Begriff ist dem man eine bestimmte Bandbreite innerhalb festgelegter Grenzen zugesteht. Wie ist es mit dem Aushalten? Wie ist es da um die Bandbreite der Toleranz (in der Technik handelt es sich bei „Toleranz“ um eine zulässige Abweichung von einem vorgeschriebenen, verbindlichen Maß oder Wert) bestellt?

Der Begriff „Toleranz“ ist eines der „A und O´s“ im Zusammenleben – Miteinander von Menschen. Inhaltlich ist der Begriff weit gefächert. Toleranz schließt u.a. das Akzeptieren von Eigenarten von Menschen ein. Im Zusammenleben, in Beziehung beinhaltet Toleranz das akzeptieren von pers Grenzen des Einzelen die nicht überschritten werden sollten. Werden sie überschritten entstehen Verletzungen die oftmals das Zusammenleben erschweren, im schlimmsten Fall Beziehungen beenden. Ob es sich um Beziehungen zwischen zwei Personen oder Beziehungen zwischen Organisationen <-> Menschen handelt, es wird immer zu Situationen kommen die eine Klärung nach sich ziehen, wo Aussprache stattfinden soll und muß. Für eine funktionierende Beziehung muß man jedoch „arbeiten“. Von sich heraus oder dem Anspruch des „Gut gemeinten wollens“ alleine ist es nicht getan.

Ganz besonders kommt dies immer wieder zum tragen wenn es sich um Organisationen handelt die es sich zur Aufgabe gemacht haben sich für das Wohl von Menschen einzusetzen und stark zu machen. Dies trifft auch für AIDS Hilfen zu. AIDS Hilfen als eine Form einer Organisation die sich um nur einen Aufgabenbereich herauszugreifen für die gleichen Rechte für Menschen mit HIV/AIDS, Schwule, Lesben, Transidentische Menschen, Migranten einsetzen und stark machen, Rechte die für den größten Teil unserer Gesellschaft Gültigkeit haben.

Die Aufgaben von AIDS Hilfen haben sich im Laufe der letzten 25 Jahre verändert. Dies in vielerlei Hinsicht. Hier in Deutschland funktioniert die strukturelle Prävention dank der Arbeit der AIDS Hilfen im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr gut. Dank dem Zugang zu HIV Medikamenten ist HIV in unseren Breitengraden zu einer chronischen behandelbaren Krankheit geworden. Die Lebenserwartung von Menschen mit HIV hat sich derer von Nicht Infizierten angenähert.

Das Bild von HIV/AIDS hat sich geändert. Und damit haben sich auch die Aufgaben der AIDS Hilfen geändert. Ob man es jetzt gerne hört oder nicht es ist einfach so. Und dieser Realität muß man sich einfach stellen. Realität heißt in diesem Fall das Fragen „im Raum stehen“ die ausgesprochen, gestellt werden dürfen und müssen. Fragen, hinterfragen, sich selbst und „Etwas“ steht auch für „Mündigkeit“ des Menschen.

Was die Realität betrifft, Realität schließt auch immer den Aspekt der Veränderung ein. Wenn dies nicht der Fall ist, nun Unbweglichkeit = Stagnation = Starre = Tod. Das bedarf keiner weiteren Erläuterung. Mit der Realität werden oder sind über die Jahre alle AIDS Hilfen betroffen. So wurden über die Jahre hinweg mit den unterschiedlichsten, oftmals fadenscheinlichsten Begründungen öffentliche finanzielle Mittel gekürzt was zur Folge hatte, das Angebote entweder auf ein Minimum reduziert wurden oder das Mitarbeiter nur um Aufgaben gerecht zu werden sich auf prozentuale  Gehaltseinbußen eingelassen haben bzw mußten.

Mit anderen Worten „Angenehmes wie Unangenehmes“ passiert nun mal. Ob wir es mögen oder nicht. Und dem muß man sich stellen, das muß man aushalten können. Da wird man unter Schmerzen das Eine oder Andere loslassen müssen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das ist das Gute am Loslassen. Das ist das Prinzip von Veränderung. Nur dann funktionieren „Beziehungen“.

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