RKI – Aktuelle Schätzung der Zahl von HIV-Infektionen 2012 (akt 2)


Ende 2012 leben nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts in Deutschland etwa 78.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Die Gesamtzahl der mit HIV lebenden Menschen steigt seit Mitte der Neunzigerjahre, und wird auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen, da seit der Verfügbarkeit wirksamer Therapien für die HIV-Infektion die Zahl der jährlichen Neuinfektionen höher ist als die Zahl der Todesfälle.

Ein anderer Aspekt der leicht angestiegenen Zahlen der Neuinfektionen liegt zum einen darin . . .

Das aktuell angewandte mathematische Modell zur Schätzung der HIV-Inzidenz
und -Prävalenz ist eine Weiterentwicklung des Modells von 2011. Es schätzt
die HIV-Infektionsinzidenz im Verlauf bis 2012 und darauf basierend die HIVPrävalenz.
In einigen Punkten und Annahmen unterscheidet es sich aber vom
letztjährigen Modell, so dass die Ergebnisse der Schätzungen nicht direkt vergleichbar
sind. Während im letzten Jahr noch die Schätzungen für die Bundesländer
mit Hilfe einer Projektion aus der deutschlandweiten Schätzung abgeleitet
werden mussten, steht in diesem Jahr erstmalig ein einheitliches Modell zur
Verfügung, das direkt den Epidemieverlauf in den einzelnen Bundesländern
nachvollzieht. Die bundesweiten Schätzungen ergeben sich dann als Summe
der Länderschätzwerte. Insbesondere die Unterschiede im Verlauf der Epidemie
zwischen Ost- und West-Deutschland werden damit genauer als bisher abgebildet
(für eine detaillierte Beschreibung des Modells und der Veränderungen
gegenüber dem Vorjahr s. ab S. 469). Quelle: Epidemiologisches Bulletein 47/2012

Dazu Carsten Schatz,  Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Die stabile Lage bei den HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist ein Erfolg der Prävention. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich hervorragend da. Der leichte Anstieg bei den Neuinfektionen seit 2011 fordert eine Intensivierung der Prävention, gerade bei schwulen Männern und anderen Männern, die Sex mit Männern haben. Kürzungen sind vor diesem Hintergrund fatal. Dies gilt vor allem im Osten Deutschlands, wo sich die Infektionsrate der westdeutschen immer mehr angleicht, Prävention aber oft besonders schlecht finanziert ist.“ Quelle 

. . . zum anderen darin . . .

Der leichte Anstieg seit 2011 hängt wahrscheinlich mit dem erneuten deutlichen Anstieg der Syphiliszahlen seit Anfang 2010 zusammen. Eine schnelle Diagnose und Behandlung von Syphilis siehe auch hier und anderen sexuell übertragbaren Infektionen kann daher dem Anstieg der HIV-Neuinfektionen entgegenwirken. Quelle: Pressemitteilung RKI

Das Robert Koch-Institut schätzt, dass mittlerweile etwa 50.000 Menschen in Deutschland eine HIV-Therapie erhalten . . . .

Eine Tatsache die belegt wie wichtig der Zugang zu „bezahlbaren“ Medikamenten für Menschen mit HIV weltweit ist. Dies trifft insbesondere für Länder zu die nicht zum erlauchten Kreis der Staaten gehören, die sich die Versorgung mit HIV Medikamenten für Menschen mit HIV noch leisten können oder wollen. Für Menschen mit HIV in Indien, SüdostAsien, Brasilien, Afrika, Osteuropa, Karibik sind bezahlbare HIV Medikamente = GENERIKA überlebenswichtig.

. . . . und von den weiteren circa 28.000 Infizierten etwa 14.000 Betroffene die noch nichts von ihrer Infektion wissen.

Trotz aller bestehenden Ängste, trotz Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV durch Teile der Gesellschaft (die insbesondere durch die Berichterstattung

Der Kampf gegen die Ausbreitung von Aids ist in Deutschland derzeit wenig erfolgreich. Zahl der HIV-Infizierten erreicht Höchstwert.

einiger Printmedien in unverantwortlicher Art und Weise geschürt und am Leben gehalten werden), auch wenn der Gang zu einem Arzt, einem Gesundheitszenntrum schwer fällt oder eine der zahlreichen Beratungsangebote in Anspruch nimmt wo man sich anonym testen lassen kann, man sollte sich lieber früher als später testen lassen. Dank der zur Verfügung stehenden Medikamente ist HIV heute zu einer chronischen Krankheit geworden mit der man alt werden kann.

Wenn auch ein leichter Anstieg der Neuinfektion im vorliegenden Erfassungszeitraum 2011 vorliegt, so ist dies KEIN Anzeichen in mediale Panik zu verfallen. Im Gegenteil es bestätigt nach wie vor das die Strukturelle Prävention wie sie in Deutschland praktiziert wird funktioniert. Selbstredend das diese Artbeit mit der gleichen Intensität wie bisher weitergeführt werden muß.

*

Eine der „anderen“ Seite der Medaille . . .

Das Robert Koch-Institut hat am 26. November eine neue Schätzung über die Zahl der von HIV/AIDS betroffenen Menschen in Deutschland veröffentlicht. Demnach lebten bereits in der Vergangenheit mehr betroffene Menschen als bisher vermutet mit dem HI-Virus. Auch die Zahl der angenommenen jährlichen Neu-Infektionen war und ist höher als bisher geschätzt. Die Deutsche AIDS-Stiftung geht aufgrund dieser Entwicklung davon aus, dass mittelfristig mehr Hilfsleistungen für eine zunehmende Zahl notleidender HIV-positiver und an AIDS erkrankter Menschen bereitgestellt werden müssen. In der Vergangenheit waren zwischen 15 und 20 Prozent der in Deutschland lebenden HIV-positiven Menschen bereits körperlich beeinträchtigt und/oder sozial benachteiligt. Da die Gesamtzahl der Menschen mit HIV/AIDS zunimmt, dürfte auch die absolute Zahl der Hilfsbedürftigen ansteigen. weiter gehr es hier -> Deutsche AIDS Stiftung

* * *

Update 4. Dezember 2012 – Robert Koch Institut Epidemiologisches Bulletin 48/2012

Syphilis in Deutschland: Steigende Zahlen 2010 und 2011

Mit fast 3.700 Fällen haben die Meldezahlen für Syphilis im Jahr 2011 den bisher höchsten Wert seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 erreicht. Dies entspricht einer Inzidenz von 4,5 Infektionen auf 100.000 Einwohner. Um rund 22 Prozent stieg die Zahl der Meldungen gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich der seit 2010 zu beobachtende ansteigende Trend fort. Die höchsten Inzidenzen wurden in den Großstädten Köln (24), Frankfurt (21) und Berlin (18) registriert. Weitaus häufigste Infektionsquelle war Sex zwischen Männern: 84 Prozent aller Angaben zu dem wahrscheinlichen Infektionsweg entfielen auf solche Sexualkontakte. Entsprechend erkrankten Männer insgesamt weitaus häufiger als Frauen. Die Ergebnisse sind nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletin (48/2012).

Quelle: RKI

* * * * *

Weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema:

Dieser Beitrag wurde unter AIDS, Gesellschaft, Gesundheit, HIV im Alltag, HIV/AIDS, Medien, Medizin/Medikamente, Prävention/Aufklärung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu RKI – Aktuelle Schätzung der Zahl von HIV-Infektionen 2012 (akt 2)

  1. snoopylife schreibt:

    Danke für den interessanten und wichtigen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s