Regenbogendienst AIDS Hilfe Frankfurt – Nachgehakt – Nachgefragt


Samstag 27. Oktober 2012. Schneeregen. Der Blick von meinem Schreibtisch durch mein Wohnzimmerfenster sagt mir das sich der Winter dieses Jahr sehr früh ankündigt.

*

Am Freitag den 27. April 2011 fand in den Räumen der AIDS Hilfe Fankfurt/Main eine Pressekonferenz statt. Der einzige Tagesordnungpunkt dieser Pressekonferenz war die  “Schließung des Pflegedienstes “Regenbogendienst” der AH Frankfurt zum 31. Dezember 2012″. Mehr dazu hier

*

Was hat sich seitdem getan? „Nichts genaues weiß man nicht“ ist eine beliebte Floskel dafür, dass an irgendeiner Sache schon was dran ist – aber was, weiß man eben nicht.

Was man weiß ist das

„seit dem Frühjahr feststeht, dass das Kernstück des Regenbogendienstes, die ambulante Pflege von Aidskranken, zum Jahresende aus finanziellen Gründen schließen muss.“

und was man ahnt ist bzw das vielleicht

„der Pflegedienst von einem „größeren Träger“ übernommen werden könnte. Das würde bedeuten, dass die Mitarbeiter ihren Job und die Patienten ihren vertrauten Betreuer behalten könnten.“ FR 31. August 2012

Mit anderen Worten: Nix genaues weiß man nicht. Das ist der Status Stand 27. Oktober 2012. Fakt ist das bis jetzt – was einen neuen Arbeitgeber betrifft – die berufliche Zukunft für die Mitarbeiter des Regenbogendienstes noch im Ungewissen liegt. Allerdings dürfte es sich als kein großes Problem herausstellen. Gut bezahlte Jobs zu finden dürfte für die MitarbeiterInnen des Regenbogendienstes auf Grund ihrer fachlichen Qualifikation und ganz besonders ihrer Erfahrung die sie im Laufe der Jahre in der Pflege/Betreuung von Menschen mit HIV/AIDS gemacht haben kein Problem sein.

Ganz anders sieht es am berühmten anderen Ende aus. Für uns die berühmte „Klientel“, die Patienten, Menschen mit HIV/AIDS die auf die Hilfe im Alltag von MitarbeiterInnen wie sie beim Regenbogendienst beschäftigt sind, angewiesen sind, stellt sich dieser „Schwebezustand“ ganz anders dar.

Wie hieß es doch in der Pressekonferenz am 27. April 2012?

Die Schließung des Regenbogendienstes kommt für viele Klienten einer mittleren Katastrophe gleich. Nicht nur weil sie wie ich auf die Pflege oder die hauswirtschftliche Hilfe der PflegerInnen und hauswirtschaftlichen HelferInnen angewiesen sind sondern deshalb, weil der „Besuch“ der PflegerInnen, hauswirtschaftlichen Helferinnen und Helfer des Regenbogendienstes für viele andere Klienten der einzige soziale Kontakt ist. Nicht wenige leiden neben HIV an Depressionen, leben in sozialer Isolation.

Katrin Medack, Leiterin des Regenbogendienst:

Das Feedback unserer Klienten als wir ihnen mitteilten das der Regenbogendienst am Ende des Jahres schließen wird ging uns sehr nahe. Viele waren fassungslos weil sie was ihre Versorgung betrifft eine Perspektivlosigkeit gesehen haben. „Was passiert dann mit mir ?“ Ich fühle mich hier wohl. Ich bin bei Euch in den richtigen Händen teilweise seit 15 Jahren und länger . . . Mehr dazu hier

Damals schrieb ich

Wenn ich mich z.b. bücke um etwas das zu Boden gefallen ist aufzuheben, dann brauche ich zwei Mann die mich aufrichten. Die Wohnung und das Bad zu wischen, mir vorzustellen das ich auf dem nassen Boden ausrutsche weil ich mich durch die Polyneuropathie unsicher auf den Beinen fühle, schon dabei bekomme ich ein flaues Gefühl in meinem Magen. Wie mir dürfte es anderen Klienten des Regenbogendienstes ähnlich gehen.

Und genau das ist der Zustand wie er sich für mich und andere Patienten die auf die Hilfe der MitarbeiterInnen des Regenbogendienstes auch nach dem 31. Dezember 2012 i.e. dem 1. Januar 2013 angewiesen sind darstellen wird. Einfach deshalb weil alles noch in der Schwebe ist.

Dieser Schwebezustand ist mittlerweile auch für mich zu einem Zustand geworden der alles andere als befriedigend ist. Der erste Schneeregen der mir selbst den Müll zum Container zu bringen unmöglich macht, vom Einkaufen gehen, den Arztbesuchen etc  ganz zu schweigen, schon daran zu denken fühlt sich alles andere als gut an. Ich pers habe kein Problem mich aus eigener Kraft nach einem anderen „Dienst“ umzuschauen damit die Hilfe im Alltag auf die ich angewiesen bin übergangslos weitergeht. Bei vielen anderen Patienten sieht es da anders aus.

Katrin Medack:

Ich selbst habe schon in einigen Pflegeeinrichtungen gearbeitett. Pflegekräfte haben teilweise schon manchmal schon so etwas diktierendes an sich. „Du mußt das jetzt so und so machen  . . . „ Bei uns darf jeder sein wie er will. Wir akzeptieren ihn/sie so wie er ist – mit seinen ganzen Eigenheiten. Wir haben Klienten von anderen Pflegediensten übernommen wo wir teilweise schon der 5. Pflegedienst waren, weil sie mit den leuten nicht zurecht kamen. Und bei uns – mit uns sind sie glücklich.

Sollte bei mir eine Pflegekraft mit Mundschutz, Plastikkittel und 2 paar Handschuhen einlaufen dann ist sie/er schneller aus meiner Wohnung draussen bis er/sie „1“ nur denken kann. Andere Patienten sind „möglicherweise“ dazu nicht in der Lage.

In der Pressekonferenz vom 30, August 2012 laut FR vom 31.August 2012 heißt es unter anderem:

„. . . dass der Pflegedienst von einem „größeren Träger“ übernommen werden könnte.“

Das bedeutet das es einen Träger, Verein, Instituition gibt, der ein Interesse an der Übernahme des Regenbogendienstes respektive den MitarbeiterInne und vor allen Dingen an dem Konzept wie diese ihren Job leisten hat. Und es heißt auch das bis heute Samstag dem 27. Oktber 2012  – 8 Wochen vor der Schließung/Einstellung des Regenbogendienstes noch keine Entscheidung über die „Übernahme“ durch diesen „Träger“ gefallen ist. Da frage ich mich allerdings was ist das für ein Träger der Menschen mit HIV/AIDS die auf die Hilfe durch einen Dienst wie den des Regenbogendienstes angewiesen sind, die sich mit Ihnen „wohl fühlen“, solange in dieser Ungewissheit läßt? Bildlich gesprochen ist es was die „mögliche Übernahme“ durch diesen Träger betrifft 5 Minuten vor 12 Uhr. 6 Monate nach der Ankündigung der Schließung des Regenbogendienstes zum Jahresende im April ist das schon eine beachtliche Leistung auf die ich gerne verzichten kann. Was für eine Haltung kommt da zum Ausdruck wenn der „mögliche Träger“ die Patienten des Regenbogendenstes so lange im Unklaren läßt? Für mich pers zeugt das von einer Einstellung die bei mir alles andere als Freudentaumel auslöst. Was wird sein wenn die Entscheidung die wie ich annehme in den nächsten Wochen fällt dahingehend ausfällt das besagter „möglicher Träger“ Abstand davon nimmt den Regenbogendienstzum 1. Januar zu übernehmen?

*

Eines der großen Themen die sich seit 2, 3 Jahren wie ein roter Faden durch die Selbsthilfe in diesem Fall die AIDS Hilfen zieht sind Fragen wie: Sind Aids Hilfen wie sie bislang inhaltlich aufgestellt waren noch zeitgemäß? Und wenn nicht „Welches sind die Neuen Anforderungen, Aufgaben der AIDS Hilfen? Wie – Können sie Ihnen gerecht werden? Wie ist das Bild vom „Neuen HIV/AIDS“ und wie können wir „Das Neue Bild von Menschen mit  HIV/AIDS im Alltag“ in die Gesellschaft transportieren, kommunizieren?

Nun liebe AIDS Hilfen. Hier mal so ganz ungefragt und kostenlos ein Tip von einem der Menschen für die ihr es ja Euch auf s Panier geschrieben habt „Da zu sein„. Es ist allerdings kein neues Problem sondern ein Altes. Ein Problem mit dem Ihr Euch nach wie vor schwertut.

TRANSPARENZ und KOMMUNIKATION mit den Menschen, den Patienten oder sozialpädagogisch ausgedrückt „Eurer Klientel“. Ohne uns gäbe es Euch nicht. Ohne uns hättet ihr keine mehr oder weniger gut bezahlten Jobs, würdet in der Welt und Deutschland von Konferenz zu Veranstaltung fahren. Das kann eine  Selbsthilfeorganisation in ihrer reinsten Form wie z.b. die Projekt Info sehr gut.

Zu der Transparenz gehört nach meinem Verständnis auch die Offenlegung der Ein – und Ausgaben. Mir ist bekannt das „eingetragene Vereine – wie duch Vereine die die Gemeinnützigkeit“ vom Finaanzamt zugesprochen bekommen haben keine Bilanz veröffentlichen müssen. Auch Menschen aus der großen „Community“ spenden und unterstützen AIDS Hilfen finanziell. Eine Offenlegung wie mit den Geldern gewirtschaftet wird wäre insofern nicht nur ein Zeichen von Transparenz sondern würde auch zu mehr „Klarheit und Vertrauen“ beitragen.

Nicht ÜBER uns sondern MIT UNS

Ich weiß es wird Euch jetzt wie ein Schock vorkommen, aber daran müßt Ihr Euch mal so langsam gewöhnen wenn wir Euch weiterhin ernst nehmen sollen.

Falls ihr Eure Vergangenheit vergessen haben solltet:

Die Denver Prinzipien

“Als Menschen mit AIDS und ARC saßen wir auf den Veranstaltungen der “Gay Men´s Health Crisis” GMHC herum und hörten schweigend einer Reihe von Ärzten, Krankenschwestern, Rechtsanwälten und Versicherungsexperten zu, die uns wortreich beschrieben, wie es ist, wenn man AIDS hat. Es dämmerte mehreren zur gleichen Zeit, das mit diesem Bild irgendetwas nicht stimmte. Die “wirklichen Experten”, so stellten wir fest, waren nicht auf dem Podium.

Im Frühjahr 1983 wurde beschlossen, an dem zweiten “National AIDS Forum Denver” teilzunehmen, das von der “Lesbian and Gay Health Education Foundation” gesponsort wurde.

Die Idee traf uns wie ein Blitzschlag. Bis jetzt waren wir einfach nicht drauf gekommen, das wir als Betroffene irgendwie mehr sein könnten als nur die passiven Empfänger aufrichtiger Anteilnahme von jenen, die (noch) nicht diagnostiziert waren. Sobald das Konzept von PWA – also Menschen mit AIDS, die für sich selbst eintreten – einmal auf dem Tisch lag, griff die Idee um sich wie ein Lauffeuer (mit nur wenig Widerstand von Splittergruppen innerhalb der GMHC).” Mehr dazu hier

*

Es ist Samstag der 27. Oktober 2012. Schneeregen. Der Blick von meinem Schreibtisch durch mein Wohnzimmerfenster sagt mir das sich der Winter dieses Jahr sehr früh ankündigt. Der erstes Schneeregen der mir selbst den Müll zum Container zu bringen unmöglich macht (der weg von der Haustür zum dem Platz wo die Container stehen geht leicht bergab), vom alleine bei Eis und Schnee Einkaufen zu gehen ganz zu schweigen, schon daran zu denken lößt bei mir großes Ungehagen aus.

* * * * *

Weitere/ähnliche Beiträge zu dem Thema:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter AIDS, Alter, Gesellschaft, HEP C, HIV im Alltag, HIV und Alter, HIV/AIDS, Homosexualität, Inland, Leben im Alter, Menschenrechte/Human Rights abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s