HIV-positive Ärzte dürfen Kranke versorgen . . .


. . . im Gesundheitswesen arbeiten.

Kein Thema ist mit so viel Unwissenheit, Vorurteilen und irrationalen Ängste behaftet wie HIV in der Arbeitswelt. Daran hat sich trotz 30 jähriger Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu dem Thema HIV in Deutschland nicht viel geändert. Das sich die Gesellschaft mit dem Thema HIV schwer tut ist mit viel Wohlwollen nachvollziehbar. Selbst unter Mediziner insbesondere der Berufsgruppe der Zahnärzte ist HIV mit Unwissenheit und irrationalen Ängsten besetzt obwohl diese es von Berufs wegen eigentlich besser wissen sollten.

Die Ärzte Zeitung vom 20. August 2012 hat sich dem Thema unter dem Aspekt „HIV positive Ärzte im Gesundheitswesen“ angenommen und die Frage „Dürfen HIV positive Ärzte ihren Beruf ausüben?“ eindeutig und unmißverständlich mit JA beantwortet.

Beschäftigte im Gesundheitswesen, die sich mit dem Aids-Erreger HIV infiziert haben, können unter bestimmten Bedingungen weiterhin ambulante oder stationäre Patienten versorgen. Quelle: aerztezeitung.de

Voraussetzungen für die Tätigkeitsausübung:
Die uneingeschränkte Tätigkeit des HIV-positiven HCW ist nur dann möglich, wenn Adhärenz bei der antiretroviralen Therapie besteht und wenn alle zur Vermeidung einer Infektionsübertragung erforderlichen Maßnahmen regelrecht eingehalten werden. Ferner ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Betriebsarzt und HCW hierbei Grundvoraussetzung.
Bei stabilen HI-Viruslastwerten ≤ 50 Kopien/mL können alle operativen und invasiven Tätigkeiten durchgeführt werden, sofern die nachfolgend aufgeführten allgemeinen und verhaltenspräventiven Maßnahmen konsequent beachtet werden: Quelle: Empfehlungen für HIV-Infizierte im Gesundheitswesen Seite 5

und weiter heißt es:

Die Betroffenen dürfen keine Operationen oder Tätigkeiten vornehmen, bei denen das Virus leicht übertragen wird oder man sich leicht verletzen kann, also etwa Mikroverletzungen beim Knoten oder Nähen.

Außerdem müssen die Betroffenen den Empfehlungen zufolge regelmäßig arbeitsmedizinisch betreut werden und die Virusmenge im Blut mindestens alle drei Monate bestimmen lassen.

Da, vorausgesetzt man weiß das man mit dem HIVirus infiziert ist bzw man unter einer ART ist, man regelmäßig i.e. alle 3 Monate einen HIV Facharzt zwecks Kontrolluntersuchungen aufsucht, liegt dies also in der Natur der Sache (Status: HIV positiv ist bekannt)

Wenn sich ein Arzt in der Ausübung seines Berufs bei einem Patienten dessen HIV Status = HIV + bekannt ist verletzt, wird er sofort die entsprechenden Maßnahmen wie Einnahme einer PEP und anschließender Kontrolluntersuchungen einleiten.

Da die HIV-Übertragung entweder parenteral oder mukokutan erfolgt, ist eine HIV-Transmission vom infizierten HCW auf Patienten bei nicht-invasiven medizinischen Versorgungsmaßnahmen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht möglich. Auch bei invasiven Maßnahmen ist das Übertragungsrisiko bei Einhaltung krankenhaushygienischer Schutzmaßnahmen als sehr gering einzustufen. Quelle: Empfehlungen für HIV-Infizierte im Gesundheitswesen

Zudem sollen sich die HIV-Infizierten kontinuierlich von einem erfahrenen HIV-Therapeuten betreuen lassen. Damit die Virusmenge konstant niedrig bleibt – und damit die Infektiosität – ist die strikte Einhaltung der antiretroviralen Therapie unerlässlich. Quelle: Empfehlungen für HIV-Infizierte im Gesundheitswesen

Eine regelmäßige Verlaufskontrolle ob eine Therapie funktioniert liegt wie vorher erwähnt ebenfalls in der Natur der Sache.

Interessant sind die Ausführungen die im Alltag nur schwer nachzuvollziehen sein werden, da sich die deutschen Gerichte bis dato mehr als nur schwer mit der Thematik HIV und Eigen-Verantwortung tun. Dies wird sich erst dann ändern wenn die Legislative eine klare und eindeutige Bewertung bzgl einer Übertragung unter Einbeziehung des Aspektes das JEDEr für seinen Schutz selbst verantwortlich ist vorgenommen haben wird.

Unter Einhaltung der Vorgaben dieser Empfehlungen gehen von HIV-positiven HCW mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Gefahren für Patienten aus, daher lässt sich aus ethischer Sicht argumentieren, dass keine Verpflichtung besteht, den Patienten über die Infektion des HCW zu informieren. Quelle: Empfehlungen für HIV-Infizierte im Gesundheitswesen

Diese Sichtweise wird imo im Fall des Falles so nicht 1:1 umzusetzen sein; da bei Bekanntwerden einer Übertragung dies mit Sicherheit zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung führen wird eben weil der Informations und Wissenstand und ein daraus resultierendes Verständnis dieser Sachlage im Jahr 2012 immer noch Mangelware in der Gesellschaft ist.

Andererseits darf man den Anspruch, dieses „Es ist noch zu viel Un-Wissen über HIV u.a. der Übertragung unter einer Therapie etc.in der Gesellschaft vorhanden – es gibt noch viel zu tun“ durchaus in Frage stellen, setzt er doch voraus dass das Groß der Gesellschaft einfach zu wissen habe das „von HIV im Grunde genommen unter Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen „keine Gefahr ausgeht“. Das man mit solch einem Anspruch immer wieder mal vor die Wand fährt liegt auf der Hand da es bedeuten würde das es „100 % Wissenheit“ gibt. Dies gibt es genaus so wenig wie es 100% Schutz gibt. Andernfalls wäre jede Gesellschaft eine zumindest körperliche gesündere Gesellschaft als sie es ist. Von geistig Gesund gar nicht zu sprechen.

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Auf den diesjährgen Positiven Begegnungen 2012 die vom 23. August – 27. August in Wolfsburg stattfinden werden, wird das Thema „HIV im Erwerbsleben“ ein Schwerpunkt sein.
Siehe Programm Seite 8 „Kein Test, kein Job!? Ist HIV ein Jobkiller?“ und „PoBe meets VW – Was ich immer schon mal fragen wollte, aber mich nie getraut habe… „

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