Multiresistente Tuberkulose breitet sich rasant aus (akt)


Eine gefährliche Form der Tuberkulose breitet sich alarmierend schnell aus: Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen beobachten, dass immer mehr Menschen an multiresistenten Formen der Tuberkulose (MDR-TB) erkranken, also an einer Form der Krankheit, gegen die die normalen Medikamente nichts mehr ausrichten können. Und viele Fälle sind vermutlich gar nicht bekannt. Nur sehr wenige Menschen werden auf diese Form der Tuberkulose getestet.

Um die Ausbreitung dieser globalen Gesundheitskrise zu verhindern, werden dringend neue Therapiemöglichkeiten benötigt. Hier stehen vor allem die Regierungen in der Pflicht, mehr Geld in die Forschung zu investieren und den Zugang von Patienten zu wirksamen Diagnoseverfahren und zu erschwinglichen Behandlungstherapien zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen behandelt jährlich mehr als 25.000 Menschen in 29 Ländern gegen Tuberkulose, darunter 3.300 Kinder unter 15 Jahren. In Zusammenarbeit mit den nationalen Gesundheitsbehörden ist Ärzte ohne Grenzen in unterschiedlichen Kontexten aktiv: in städtischen Armenvierteln, zu ländlichen Gebieten, Gefängnissen und Flüchtlingslagern.

In den vergangenen Jahren hat Ärzte ohne Grenzen intensiv daran gearbeitet, die Behandlung von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose auszuweiten. Während 2001 nur 11 Patienten mit MDR-TB eine Therapie erhielten, waren es 2010 schon mehr als 1.000 Menschen in 15 Ländern.

Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

Quelle: Ärzte ohne Grenzen – Wel-Tuberkulose-Tag 2012

Dazu Dr. Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen:

Einer unserer Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (TB) ist Opira Churchill aus Uganda. Der 34-Jährige, der täglich 18 Tabletten nimmt, erzählte vor kurzem: „Noch immer habe ich starke Gliederschmerzen, und ich bin sehr besorgt. Immer wieder frage ich mich, wie ich zu einem normalen Leben zurückkehren kann.“ Mittlerweile geht es ihm besser, und er glaubt an seine Zukunft.“

Leider können wir das nicht von allen unseren Patienten sagen, die an dieser Form der TB leiden, denn bei ihnen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent. Sie müssen bis zu zwei Jahre lang täglich Tabletten mit erheblichen Nebenwirkungen einnehmen und mit der Ungewissheit leben, ob sie anschließend wirklich gesund sind. Die Therapie kostet mindestens 5.000 Euro – für Zehntausende Betroffene in ärmeren Ländern ist dies nicht finanzierbar.

Am 24. März ist Welt-TB-Tag – für uns ist das ein Anlass darauf hinzuweisen, dass wir in vielen Ländern – beispielsweise in Usbekistan, in Indien oder in Südafrika – erschreckend hohe Zahlen von Patienten mit multiresistenter TB beobachten. Das ist alarmierend angesichts der Tatsache, dass nur ein Bruchteil der Betroffenen weltweit eine Behandlung erhält, die internationalen Standards gerecht wird. Wir brauchen dringend neuere und bessere Medikamente und fordern daher die Regierungen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und mehr Forschung, sowie den Zugang zu guten Diagnoseverfahren und erschwinglichen Therapien zu ermöglichen!

Gerade hat ein indischer Gerichtsentscheid es ermöglicht, dass ein Krebsmedikament der Firma Bayer in Indien nun als Nachahmerpräparat hergestellt werden kann, wodurch es für Patienten um 97 Prozent im Preis reduziert wird. Ein großer Hoffnungsschimmer auch für den Prozessbeginn in einem ähnlichen Fall einer Klage des Pharmakonzerns Novartis am 28. März. Der Ausgang des Verfahrens wird Auswirkungen darauf haben, ob z.B. Millionen von HIV-Patienten in ärmeren Ländern lebensverlängernde Medikamente erhalten können. Bis zum Prozessstart können Sie uns dabei helfen, in diesem Fall Druck aufzubauen. Ich bedanke mich herzlich bei all denjenigen unter Ihnen, die uns gegen die Novartis-Klage bereits unterstützt haben!

Quelle: Newsletter Ärzte ohne Grenzen März 2012 – nur über Abonnement zu erhalten!

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Dazu paßt die Meldung vom 23. März von Reuters – Afrika, Julie Molins:

Funding cuts put 3.4 mln TB patients at risk: NGOs

A $1.7 billion funding shortfall to fight tuberculosis (TB) over the next five years means 3.4 million patients will go untreated and gains made against the disease will be reversed, three non-governmental (NGO) agencies said on Friday.

The Global Fund to fight AIDS, TB and Malaria, which has helped prevent 4.1 million deaths from TB, no longer has the resources to expand its work against the infectious disease, the International HIV/AIDS Alliance, the Stop AIDS Campaign and anti-poverty group Results UK said in a joint statement.

„We are facing some huge challenges, particularly in that over 80 percent of the external funding that is going into tuberculosis control is going through the Global Fund‘ and the Global Fund is facing a funding crisis,“ Aaron Oxley, executive director of Results UK, told reporters in a telephone briefing.

„The problem is that infectious diseases don’t slow down when the money slows down – they keep infecting and that’s building up a bigger problem for us to deal with in the future.“ Quelle und weiter -> Reuters Afrika:

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DAHW – Deutsche Lepra und TuberkulseHilfe – fordert mehr Aufmerksamkeit für multiresistente TB

Fast 9 Millionen Neuerkrankungen und fast 1,5 Millionen Todesopfer hat die weltweite Tuberkulose-Epidemie allein im Jahr 2010 gefordert. Als ob diese Zahlen noch nicht erschreckend genug sind, waren rund 650.000 TB-Patienten an der gefährlichen multiresistenten Variante (MDR-TB) erkrankt. Die DAHW warnt vor einer Verharmlosung des Problems und fordert mehr Unterstützung für Diagnose und Behandlung von TB-Patienten.

Quelle: DAHW – Das stille Sterben durch Tuberkulose

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23. März 2012: Max Planck Gesellschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft richtet zusammen mit dem Howard Hughes Medical Institute eine Forschungsgruppe in Durban, Südafrika, ein.

Zum ersten Mal gründet die Max-Planck-Gesellschaft eine Max-Planck-Forschungsgruppe in Afrika. Die neue Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie soll 2012 am Nationalen Forschungsinstitut für Tuberkulose und HIV in Durban, Südafrika, ihre Arbeit aufnehmen. Stefan H. E. Kaufmann, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut beschreibt, warum es wichtig ist, in Afrika Grundlagenforschung zu Infektionskrankheiten zu betreiben.

Warum gründet die Max-Planck-Gesellschaft eine Forschungsgruppe in Südafrika?

Stefan Kaufmann: Mit der Einrichtung einer Max-Planck-Forschungsgruppe wollen wir die Grundlagenforschung zu HIV und Tuberkulose in Afrika fördern. Die Wissenschaftler profitieren dabei von der räumlichen Nähe zu den Zentren der Infektion. Erkenntnisse aus Labor und Klinik können sich so künftig gegenseitig befruchten. Denn bislang fanden in Afrika vor allem klinische Studien statt. Darin sollte die Wirksamkeit von Medikamenten gegen dort weit verbreitete Infektionskrankheiten untersucht werden. In Südafrika und anderen Ländern Afrikas sind nämlich zwei der gefährlichsten Infektionen eine teuflische Liaison eingegangen: Die hohe Zahl an Aids- Patienten hat auch der Tuberkulose eine Renaissance ermöglicht. Durch die Schwächung ihres Immunsystems sind HIV-Patienten besonders anfällig gegenüber den Tuberkulose-Erregern.

Quelle: . . weiter geht es mit dem Iterview -> : Max Planck Gesellschaft „Wir brauchen mehr Grundlagenforschung in Afrika“

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Bundesregierung auf dem Rueckzug – Multiresistente Tuberkulose auf dem Vormarsch

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS ist dabei eines der wichtigsten Instrumente bei der Bekämpfung der Krankheit. Durch die von Entwicklungsminister Niebel geschürte Vertrauenskrise in den Globalen Fond haben immer mehr Geber ihre Gelder zurückgehalten, was dazu geführt hat, dass es keine Förderrunde in diesem Jahr gibt und so viele Projekte, auch im Bereich Tuberkulosebekämpfung, nicht weiter geführt werden können.

Quelle: Pressemitteilung SPD Fraktion – AG Wirtschafliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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Frau Kopp sieht das natürlich ganz anders nämlich durch die Nebel´sche äh Niebel´sche Brille.

Angesichts dieser Situation ist die Presseerklärung der Staatssekretärin im BMZ Gudrun Kopp, die aus nichts weiter als einer Aneinanderreihung von Floskeln und leeren Wortenhülsen besteht (Sie brüstet sich allen Ernstes damit was das BMZ seit 1996 doch so alles geleistet hat und verschweigt dabei das es das Deutsche EntwicklungsMinisterium unter ihrem Vorgesetzen Dirk Niebel ist, das Gelder für den Global Fund immer noch zurückhält) im Angesicht dessen was Ärzten ohne Grenzen und anderen NGO´s täglich vor Ort erfahren ein Schlag ins Gesicht.

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