Ich sollte, eigentlich wieder mal was schreiben . . .


. . . . doch ich bin leer und ausgebrannt. Wobei unter Zenbudhhistischen Gesichtspunkt betrachtet ist „Leere“ der einzige wahre begrüßenswerte Zustand den es zu erreichen gilt.

Seit Mai des letzten Jahres ist in meinem privaten, familiären Umfeld eine Menge passiert das mich sehr gefordert hat und immer noch fordert. Der Umzug meiner Mutter in ein Altenpflegeheim ist da nur ein Mosaikstein von Vielen. Noch vor 1 oder 2 Jahren hätte ich über einige der „anderen Mosaiksteine“ hier auf meinem Blog etwas darüber geschrieben, zumal ich mir gut vorstellen kann das Andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder sich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sehen. Doch auch dies hat sich verändert.

Als Beispiel verlinke ich auf einen Artikel „Hilfe mein Sohn ist schwul“ den Guido Vael vor einigen Tagen auf FB „thematisiert“ hat. Ein Thema das noch weniger „thematisiert“ wird wie der Tod. Mein Kommentar fiel da ziemlich „harsch“ aus um es mal so auszudrücken:

Ich sag s dann mal in bayrisch: Ja Himmel Arsch und Zwirn, dann haben Eltern halt ein Scheiß Problem damit. Sollen sie sehen wie sie damit fertig werden. Nicht wenige die Schwul, lesbisch sind oder eine Transidentität haben, haben damit ganz persönlich zu kämpfen. Die Gesellschaft und ganz besonders Eltern mit ihrer „Erwartungshaltung“ an ihre Kinder, dieser Druck der lastet auf vielen Schwulen, Lesben und Transidentischen Menschen. Mir als einer der nur HIV + ist nehme wahr das dies (k)ein großes Thema innerhalb der Community ist da zu diesem Thema kaum etwas geschrieben wird, weil es sehr persönlich – familiär? ist.

So wie jeder Einzelne von uns in seinem ganz persönlichen Alltag damit klar kommen muß, dies umsoschwerer ist da die „Unterstützung durch den Staat – es gibt zu wenig Therapeuten bzw die Wartezeiten sind unendlich lang für ein Problem das JETZT ansteht – so müsssen auch Eltern ihren Arsch einfach mal selbst hochbekommen. Die Last die viele von uns in ihrem ganz persönlichen Rucksack durch das Leben tragen ist alles andere als leicht. Die Last, das unsere Eltern ein Problem damit haben das ihre Kinder, schwul, lesbisch transidentisch, HIV positiv sind – diese Last der Eltern auch noch zu tragen, mit allem Respekt, das müssen wir beileibe nicht. Trotz allem Schmerz der dadurch entsteht.

Dieses Thema geht mir schon seit Jahren durch den Kopf. Aus vielen Gesprächen mit Freunden weiß ich dass das Thema “ Eltern <-> schwule, lesbische, HIV positive Kinder“ mitunter schmerzhafte Alltags Realität ist. Von den Eltern abgelehnt, ausgestossen, nicht angenommen zu werden, keine Anerkennung von seinem Vater, seiner Mutter zu bekommen, die Irr-Wege die man geht um „Anerkennung“ zu erhalten, dies hat eine ganz andere Qualität als die Ablehnung und Ausgrenzung die uns die Gesellschaft „zuteil“ werden läßt.

Darüber lese ich sehr wenig um nicht zu sagen gar nichts. Was ich lese, was jeder auf FB nachlesen kann sind die „Aktivitäten“ in die sich Viele „stürzen“. Natürlich sind diese Aktivitäten notwendig. Ohne pers gesellschaftliches Engagement gibt es keine Veränderung. Aber es gibt eben auch noch eine andere Ebene. Die ganz persönliche, die familiäre Seite. Was auf dieser Ebene passiert, über diese Konflikte und Auseinandersetzung, darüber wird kaum etwas geschrieben. Warum eigentlich? Zu privat? Zu Persönlich?

Das Aufgreifen dieses Artikel dient als Beispiel dafür das ich mich entschieden habe über bestimmte Themen die meine „Family affair“ betreffen nichts zu schreiben. Über mich, meine Situation die in vielen Bereichen mit Bestimmtheit auch für Andere von Interesse sind – sein könnten wie z.b. über die „Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und dasFunktionstraining vom 01. Januar 2011“ (pdf Datei) den Hintergrund warum die Krankenkassen keine Rehamaßnahme – Muskelaufbautraining bei Muskelschwund als Nebenwirkung von Alter+HIV+ HIV Medikamente mehr bezuschußt und was das für Folgen haben wird, ja. Darüber werde ich hin und wieder schreiben.

Die Piraten haben einen Begriff „Shitstorm“ in die Welt gesetzt den ich gut finde. Er erinnert mich an die 68ger Jahre. Es waren Jahre des Aufbruchs, des Umbruchs. Damals fegte ein „Sturm“ durch die Republik, durch viele Köpfe und blies den angesammelten Müll der sich „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ angesammelt hat hinweg.

„Mit dem Transparent wollten wir die Hochschulen darauf stoßen, dass sie sich bislang vor der Aufarbeitung ihrer Rolle im „Dritten Reich“ gedrückt hatten. Außerdem war es die Zeit der außerparlamentarischen Opposition gegen die erste Große Koalition: Wir kämpften gegen die Notstandsgesetze, gegen den Vietnam-Krieg und für nichts weniger als eine Umwälzung der gesamten Gesellschaft.

Die Piraten erinnern mich in Vielem, u.a. in ihrer Haltung was Transparenz und Offenheit, neue Wege als die ausgelatschten beschreiten sehr an die 68 Jahre. Genau darum geht es heute wieder. Im Großen wie im Kleinen. Die AIDS Hilfen müssen inhaltlich umgewälzt ud neu strukturiert werden um der jetzigen Situation 30 Jahre nach HIV die eine völlig andere ist als noch in den 90ger Jahren gerecht zu werden, das z.b deren MitarbeiterInnen dem Alltag von denjenigen Rechnung tragen können, die nicht auf der dank funktionierender Medkamente sozialen sonnigen Seite des Lebens leben das ist nur eines der Themen die anstehen. Das da bei vielen MitarbeiterInnen die 10 Jahre oder länger AidsHilfen arbeiten möglicherweise Verlustängste ihres Arbeitsplatzes vorhanden sind. ist naheliegend und auch nachvollziehbar. Von dem großen antuellen anstehenden Thema „Leben im Alter – in Würde alt werden“ will ich erst gar nicht reden. Wenn es dann den einen oder anderen Verkrusteten oder Bedenkenträger mit hinweg fegt, dann ist das eben so.

Es braucht in der Tat einen  Shitstorm der über die Community, das SchwulLesbische,TransidentischeHIVpositiveLand hinwegzieht und nicht wenige die meinen uns verwalten zu müssen oder meinen das richtige für uns zu tun wegfegt.

* * *

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5 Antworten zu Ich sollte, eigentlich wieder mal was schreiben . . .

  1. Ybersinn schreibt:

    Ich kann Deine Verbitterung verstehen. Die „Community“ verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht. Aber diese Erkenntnis ist ja nun auch nicht gerade neu.

    • alivenkickn schreibt:

      Ja neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Was mich allerdings erstaunt ist, dass das Prinzip sich nicht alleine, alienated zu fühlen, nicht bekannt zu sein scheint. Wenn einer einen Anfang macht, (und es sind ja einige mehr als nur Einer) dann ensteht oft etwas das man als „eine Lawine ins rollen bringen“ bezeichnet. Es entstehen Effekte wie „Ja damit kann ich mich identifizieren“, „Ja dieses Gefühle/Gedanken kenne ich auch von mir“, „Ja so ähnlich geht es mir auch“ etc. Es ist das was man unter der Erkenntnis versteht das man mit seinen Gedanken – Problemen nicht alleine ist, sich nicht alleine fühlt. Altdeutsch würde man dazu sagen: Geteiltes Leid ist halbes Leid – Geteilte Freud ist doppelte Freud.

      Aber vielleicht ist ja auch alles Nice and Easy, eitel Sonnenschein .

  2. Ybersinn schreibt:

    Wir leben in einer harten Welt, mein Lieber. Das Problem ist komplexer. Diese Solidarität, die Du zu Recht einforderst, gibt es auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht mehr. Ich halte das für eine Folge der Ellenbogengesellschaft, in die Deutschland vor allem durch die Schröder-Regierung verwandelt wurde. Jeder muss selbst sehen, wo er bleibt, und hat vor lauter Überlebenskampf gar keine Zeit für Solidarität und Mitgefühl.

    • alivenkickn schreibt:

      . . .da muß er sehen wo er bleibt.

      Wie wahr . . . in den Händen der Pharmaindustrie. Unter dem gegenwärtigen Druck, der Erwartungshaltung – der Inneren wie auch der Äußeren – hat der Absatz von Psychopharmaka bei Kinder wie auch bei Erwachsenen Maße angenommen, das die Aktionäre die Einzigen sind die sich freuen. Und vor lauter Überlebenskampf übersieht man da das man durch seine Haltung das eigene Leben bekämpft und sich um eine gehörige Protion Lebensqualität bringt. Gab es früher noch bestimmte Krankheiten die man dem „normalen älter werden“ zugeschrieben hatte, so treten solche Krankheiten heute in jedem Alter auf.

  3. tuya salina schreibt:

    Hatte während deiner Schreibpause schon den Atem angehalten. Aber jetzet: Puhhhh:-))))
    Bin über alle Massen erfreut. Jetzt ist er wieder da!!!!!

    Danke Mann

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