Good Bye Amazon . . . de, com, fr, co.jp (akt 1)


Mein nächtliches „Schlaflos in Darmstadt Syndrom“ hat mich wie des öfteren aus dem Bett getrieben und mich vor dem PC wiederfinden lassen. Dort angekommen, schlug ich die Seiten von Facebook auf und stolperte als erstes über diesen Artikel.

Vor einiger Zeit habe ich irgendwo darüber gelesen und vergessen, der Spiegelfechter hat mir diese Zustände wieder aus dem Gedächtnis ans Tageslicht oder besser gesagt ans nächtliche Lampenlicht gebracht.

Es geht um Vorwürfe, wonach Amazon Mitarbeiter für das Weihnachtsgeschäft zunächst zwei Wochen lang im Zuge „betrieblicher Trainingsmaßnahmen“ zur Probe arbeiten lassen soll, ohne sie zu bezahlen. Quelle Süddeutsche.de

Die Argumente die man ins Spiel bringen kann und wird sind so absehbar wie dumm. Unabhängig von der Zeit in der man ohne Beschäftigung war geht es neben einer „angemessenen gerechten Entlohnung“ um die Tatsache das mit dem Zustand der Arbeitslosigkeit, dem Verlust der Arbeit in vielen Fällen der Verlust der Würde des Menschen einhergeht.

Entscheidet sich ein Arbeitgeber für einen Arbeitnehmer so weiß er um dessen Fähigkeiten, seinen Särken und auch Schwächen. Jeder Arbeitsplatzwechsel insbesondere der Neuantritt eines Arbeitsplatzes ist mit einer angemessenen Einarbeitungszeit verbunden. Zumindest war dies zu meiner Zeit der Fall. Die Haltung eines Arbeitgebers die hinter der „betrieblicher Trainingsmaßnahmen“ zur Probe arbeiten lassen soll, ohne sie zu bezahlen“ steht, kann man nur erahnen. Das ein solches Gebaren alles andere als „motivierend“ ist liegt auf der Hand. Das im Hinterkopf vieler Beschäftigten die Angst vor Sanktionen bei einer Verweigerung der „Maßnahme“ durch die Agentur für Arbeit vorhanden sein dürfte ist ebenso offensichtlich.

In einer Diskussion auf Facebook sagte ein Freund das folgende:

Den Begriff der Herzensbildung habe ich freilich nicht ganz unbedacht gewählt. Oder man spreche in größeren Termini von Empathie, einer Ethik des Mitleids (ich würde Mitgefühl wählen), der Fähigkeit, die Herausforderung des Anderen anzunehmen – ohne diese handlungslenkenden Vermögen bleibt, fürchte ich, jede Information folgenlos. Ich bin in diesen Dinge wirklich furchtbar naiv. Wenn ich meinen Beruf ausübe und ein Student in die Sprechstunde kommt, gehe ich an dessen Problem mit der Haltung heran, wie ich ihm möglichst effektiv abhelfen kann. Und irgendwie scheint mir diese Haltung ganz selbstverständlich. Bis ich „draußen“ auf eine ganz andere Haltung stoße: Wie kann ich die Hilfe vermeiden? Wenn diese Haltung auch noch gesetzgeberische Folgen hat (in dem Fall Amazon kann man von gesetzgeberischen Ursachen/Versäumnissen sprechen), ist einem schikanösen System der Boden bereitet.

Wie alle Gewohnheiten loszulassen nicht leicht ist, wird es für mich schwer werden nicht mehr bei Amazon Bücher und vor allen Dingen CD´s zu bestellen zu kaufen. Besonders was CD´s betrifft wird es schwer werden, da z.b. CD´s Afrikanischer Musiker auf keiner Plattform in der Vielfalt angeboten werden wie bei Amazon. Dennoch werde ich mein Account bei Amazon (betrifft alle Amazon Seiten) schliessen bzw. löschen. Das „Löschen“ wird in einer gesonderten Email eingeleitet bzw durchgeführt und von Amazon bestätigt.

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Update 15. Februar 2013

„Amazon stiehlt sich aus der Verantwortung“

Niedrige Löhne, beengte Unterkünfte und rechtsradikale Sicherheitskräfte: Die katastrophalen Arbeitsbedingungen beim Versandhandel Amazon sind bekannt. Eine ARD-Doku richtet nun erneut den Fokus darauf. In den sozialen Netzwerken tobt ein Sturm der Entrüstung gegen den Online-Riesen. Quelle: Sueddeutsche.de

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4 Antworten zu Good Bye Amazon . . . de, com, fr, co.jp (akt 1)

  1. Frank Benedikt schreibt:

    Great! „Herzensbildung“, „Empathie“ – hört man viel zu selten heute. Deinen Freund würde ich auch gerne kennenlernen.

  2. Jan Wisser schreibt:

    Hmmm,

    bin immer der Meinung man kann nichts dagegen machen, dass ist eben die freie Marktwirtschaft 😦 Aber ich kann auch nicht immer gleich alles Kündigen nur weil ich davon höre. Dann dürfte ich auch nichts mehr essen bei dem was ich beispielsweise alles zu Nahrung höre. Ich wurde auch schon von einem großen Konzern auf üble Art und Weise gefeuert, doch trotzdem kauf ich dort heute noch ein. Für die ist man vor Ort eben eine Nummer nicht mehr und weniger.

    In diesem Sinne wünsche ich einen schöknen Tag.

    LG Jan Wisser

  3. alivenkickn schreibt:

    der einzelne kann einen strom nicht aufhalten. doch wenn viele einzelne anfangen und sagen: das war s dann. ab jetzt ohne mich, dann kommen da schon ne menge leute zusammen. je größer eine menge wird, je stärker sie zunimmt und wächst umso eher wird früher oder später der moment kommen wo es z.b. auch für amzon spürbar wird.

    zudem gibt es ne menge onlineshops wo man bücher und cd´s genauso günstig kaufen kann wie bei amazon.

  4. Jan Wisser schreibt:

    Ja ok,

    dann ist das deine Haltung dazu 😉 Ist bewundernswert 🙂 Dann halte durch und ich hoffe das ihr bald eine große Gruppe wird 😉

    LG Jan Wisser

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