Bundesregierung muss verlässlichen Beitrag zur Aids-Bekämpfung leisten


Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert die Bundesregierung anlässlich des neuen Aids-Berichts der Vereinten Nationen auf, einen verlässlichen Beitrag zur Bekämpfung von HIV/Aids zu leisten. „Der Bericht zeigt, dass mehr HIV-Infizierte vor dem Tod bewahrt werden konnten. Das ist ein großer Fortschritt. Aber die Behandlung von HIV-Patienten muss dramatisch ausgeweitet werden, um Menschenleben zu retten und Neuinfektionen einzudämmen“, erklärt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Die Organisation fordert die Bundesregierung auf, sich an der kürzlich vorgestellten Initiative der US-amerikanischen Regierung zur Aids-Bekämpfung zu beteiligen und ihre finanziellen Zusagen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria einzuhalten.

Die Bundesregierung lässt bisher offen, ob sie die zugesagten Beiträge an den Globalen Fonds für die Jahre 2012 und 2013 auszahlen wird. Der Fonds hat schon jetzt so hohe Finanzierungslücken, dass er erstmals gezwungen ist, die Finanzierung von neuen Projekten um ein Jahr zu verschieben. Ärzte ohne Grenzen beobachtet, dass sogar bestehende Behandlungsprogramme in Ländern wie Simbabwe, Mosambik und der Demokratischen Republik Kongo von Kürzungen bedroht sind. Der Fonds versorgt 3,2 Millionen Menschen mit lebensrettenden HIV/ Aids-Medikamenten und ist damit einer der wichtigsten Akteure im Kampf gegen die Epidemie. Der Vorstand des Globalen Fonds trifft sich ab heute im ghanaischen Accra.

Dauerhaftes Engagement gegen Aids ist wichtig

In der Demokratischen Republik Kongo erhalten nur zwölf Prozent der HIV-positiven Patienten eine Behandlung mit lebensverlängernden antiretroviralen Medikamenten. 95 Prozent der Frauen mit Aids haben keinen Zugang zu der Behandlung, die die Übertragung der Krankheit auf das ungeborene Kind verhindern kann.

Trotz dieser Situation wird die Finanzierung für den Kampf gegen die Krankheit schwieriger werden. 2011 hat die Weltbank die Finanzierung ihres HIV/Aids-Programms gestoppt und auch andere Geber arbeiten mit sehr begrenzten Zuwendungen angesichts der fundamentalen Bedürfnisse im Land. Zusätzlich werden Zahlungen der Geberländer an den Globalen Fonds, der das wichtigste Finanzierungssystem beim Kampf gegen HIV/Aids ist, in ernst zu nehmendem Maße ausfallen.

Für Tausende Patienten in der D.R. Kongo könnte dieser Rückzug der Geberländer ein Ende der Behandlung bedeuten – für viele weitere Menschen die Unmöglichkeit, eine Behandlung erst zu beginnen. Dies droht den Fortschritt bei der Einführung der antiretroviralen Behandlung zu unterminieren. Quelle: Ärzte ohne Grenzen

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Vergangene Woche erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton eine „Generation ohne Aids“ zum Ziel der USA. Sie bezog sich dabei auf neue Forschungsergebnisse, nach denen es bei einer frühzeitig begonnenen Behandlung um bis zu 96 Prozent weniger wahrscheinlich ist, dass die Infizierten das Virus weitergeben. Die Behandlung zahle sich doppelt aus. Sie rette den Einzelnen und schütze andere vor der Infektion.

„Noch nie in mehr als einem Jahrzehnt der Aids-Behandlung war es aussichtsreicher, den Umschwung zu schaffen“, erklärt Tido von Schoen-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Die Regierungen in einigen der am schlimmsten betroffenen Länder wollen die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen, um den Trend bei der Ausbreitung der Aids-Epidemie umzukehren. Aber ohne Geld ist das alles nichts wert.“

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 170.000 HIV-infizierte Patienten in 19 Ländern mit lebensverlängernden Medikamenten. In Südafrika hat die Organisation ein Pilotprojekt gestartet, das auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreift. Das Programm in der Provinz KwaZulu Natal, die landesweit die höchste Infektionsrate aufweist, soll durch HIV-Tests, eine frühere Behandlung von Infizierten und konventionelle Präventionsmaßnahmen Neuinfektionen reduzieren.

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Was die Rede von Hillary Clinton betrifft, nun in meinen Augen ist dies eine Rede die unter die Rubrik „Sand in die Augen streuen“ fällt. Die Realität sieht anders aus:

Leaked proposals for the Trans Pacific Partnership (TPP) Agreement confirm United States (US) efforts to undermine access to medicines in Australia and the Pacific, according to the Public Health Association of Australia (PHAA) and the Australian Fair Trade and Investment Network (AFTINET).  “The Australian public should be concerned about the effects secret trade discussions being conducted in Peru this week could have on the affordability of medicines in Australia and other countries in the Asia Pacific region,” said PHAA Spokesperson Dr Deborah Gleeson. Quelle: United States undermines access to medicines in Australia and Pacific

Der Rücktritt von Jeff Crowley dürfte auch Gründe haben die mit der Rede von Hillary Clinton nur schwer in Einklang zu bringen sind. Von der Situation wie sie sich im eigenen Land in Washington DC im Kontext zu HIV/AIDS darstellt ganz zu schweigen.

More than 1 in 30 adults in Washington, D.C., are HIV-infected—a prevalence higher than that reported in Ethiopia, Nigeria, or Rwanda. Certain U.S. subpopulations are particularly hard hit. In New York City, 1 in 40 blacks, 1 in 10 men who have sex with men, and 1 in 8 injection-drug users are HIV-infected, as are 1 in 16 black men in Washington, D.C. In several U.S. urban areas, the HIV prevalence among men who have sex with men is as high as 30%—as compared with a general-population prevalence of 7.8% in Kenya and 16.9% in South Africa. Quelle: dailybeast.com

Ganz besonders muß man die Haltung der derzeitigen Bundes – Koalitions – Regierung unter Angela Merkel in Frage stellen. Zwar kürten die Medien „Angela Merkel zur mächtigste Frau der Welt“, doch angesichts ihrer – der Haltung der Bundesregierung gegenüber „Menschen mit HIV“ kommt dies einem Schlag ins Gesicht gleich. Nicht nur wurde für den Haushalt für 2012 der entsprechende Haushaltstitel um 650.000 Euro gekürzt, sondern mit dem Beschluss der Haushaltskommission ist auch das Ende der „Deutsch-Ukrainischen Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/Aids“ endgültig besiegelt. Von dem Gebaren des EntwicklungsverhinderungsMinister Niebel ganz zu schweigen.

Entgegen den vollmundigen Reden die nichts anderes als „Absichtserklärungen“ im Volksmund „leeres Geschwätz“ genannt sind, bringt die derzeitigen Bundesregierung unter Angela Merkel nur eines zum Ausdruck: Eine Haltung gegenüber Menschen mit HIV im In und Ausland die von Verantwortungslosigkeit und sozialer Inkompetenz geprägt ist. Wie sonst sollte man die „Kürzungen der entsprechenden Haushaltstitel und das Gebaren ihres EntwicklungsverhinderungsMinister Niebel“ auslegen.

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