(M)Ein Leben in ruhigen Bahnen war gestern (akt 1)


Wenn ich so auf mein Leben der letzten 17 Jahre zurückschaue, dann komme ich nicht umhin festzustellen das es sich in „relativ“ ruhigen Bahnen bewegt hat. Nach langem Kampf wurde es mir 1994 mit Hilfe und Unterstützung von Freunden möglich aus einem mir selbst schadenden destruktiven Kreislauf auszusteigen. Dadurch konnte ich nicht nur einen jahrelangen (selbstauferlegten) Zwang und Druck unter dem ich stand, hinter mir lassen, sondern es wurde mir von diesem Zeitpunkt an möglich zu Menschen wie auch zu mir selbst eine gesunde Beziehung aufzubauen.

Relativ deshalb weil es immer wieder mal Situationen gegeben hat die, ähnlich einem Unwetter, stürmisch gewesen waren. Vor allen Dingen aber war es immer absehbar das nach einem Unwetter Ruhe und der gewohnte alltägliche Rhythmus wieder einkehren würde.

1996 vor 15 Jahren meldete sich der HIVirus mit der berühmten PcP – Pneumocystis-Pneumonie (den Buchstaben „P“ anklicken und nach PcP scrollen) Dies war ein weiterer entscheidender Einschnitt in meinem Leben. Als Folge davon wurde ich Erwerbsunfähig was soviel heißt das ich seit 1997 eine EU Rente beziehe. Ich war auf einmal mit dem Zustand “ viel Zeit“ konfrontiert. Meinem Tag eine Struktur zu geben war für mich ein schwieriges Unterfangen. Als es sich abzeichnete das meine Eltern nicht mehr in der Lage sein würden sich selbst zu versorgen, für sich selbst zu sorgen, stand es für mich außer Frage das ich mich um sie kümmern würde, für sie sorgen würde soweit es in meinen Kräften stand. Nach einem Familienrat in dem sich meine Eltren damit einverstanden erklärten das ich für sie sorge und ihre Interessen vertrete, wurde ich von einem Betreuungsgericht zum Betreuer mit allen Aufgabenkreisen bestellt.

Da mein Vater ein vorausschauender Mann war und für „das Alter“ vorgesorgt hat, war es meinen Eltern möglich unter Bedingungen, das man sie „zu Hause versorgt und pflegt“ wie sie sich abzeichnete lange in ihrem Haus zu leben. Jeder Mensch möchte in dem gewohnten Umfeld alt werden und sterben in dem er den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Ob es sich dabei um eine Wohnung oder ein eigenes Haus handelt ist zweitrangig. Es ist die Umgebung in dem er sich wohl und geborgen fühlt, es ist sein „zu Hause“ in dem jeder Mensch den letzten Abschnitt in seinem Leben verbringen möchte. Der Wunsch meiner Eltern war es zu Hause zu sterben. Meinem Vater wurde dieser Wunsch erfüllt. Er starb in der Nacht zum 1. Dezember 2001.

Der Wunsch das meine Mutter bis zu ihrem Lebensende in ihrem „zu Hause“ verbringen konnte, ging leider nicht in Erfüllung. Vor einem Jahr zeichnete es sich ab das das was man gemeinhin als „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ bezeichnet, unumgänglich werden würde.

Geld macht nicht frei, aber es ist die Grundlage für eine „relative“ Unabhängigkeit. Natürlich steht man immer in Beziehungen zu anderen Menschen. Wir – Menschen sind je nach Situation und Umstände auf die Hilfe und Unterstützung anderer Menschen angewiesen, bzw kommen nicht umhin Angebote und Dienstleistungen anderer Menschen in Anspruch zu nehmen. Wir stehen somit immer in Beziehung zu (einem) anderen Menschen. Ob es sich um den Kauf von Lebensmittel, Kleidung oder Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs handelt oder ob wir auf die Hilfe von Ärzten und Institutionen, Behörden etc angewiesen sind, kein Mensch kann aus sich selbst heraus alleine existieren. Es liegt in der Natur des Menschen das der Mensch den Menschen braucht.

Die Vorsorge meines Vaters, ermöglichte es das meine Mutter 10 Jahre nach dem Tod ihres Mannes, meines Vaters in ihrer liebgewonnen und vertrauten Umgebung, ihrem Haus, ihr „zu Hause“ versorgt und gepflegt werden konnte. In meiner Funktion als Betreuer konnte und habe ich die Rahmenbedingungen geschaffen die eine optimale Versorgung und Pflege, die Lebensqualität die sich meine Eltern, Mutter im Alter wünschten gewährleisteten.

Auf alle Möglichkeiten die der Alltag bei der Pflege von alten, kranken Menschen (zu Hause) mit sich bringen kann war ich vorbereitet. Ob es sich um einen Sturz oder einen Schwächeanfall handelte der sofortiges Reagieren – Anruf beim Arztes, organisieren eines KrankenTransport in das nächste Krankenhaus, es gab keine Situation auf die ich nicht vorbereitet war. Innerhalb von Minuten trat ein Plan gleich einem Programm in Aktion der der Notwenigkeit, einer Lösung für ein aufgetretenes Problem gerecht wurde.

Bis vor 4 Jahren als ich noch fit in den Beinen war und die Polyneuropathie in meinen Füßen noch nicht vorhanden war, ging ich regelmäßig schwimmen und erledigte meine Einkäufe mit dem Rad. Ich fuhr des öfteren mit dem Zug nach Frankfurt um zu fotografieren und besuchte regelmäßig meine Mutter. Die Probleme in meinen Beinen und Füßen schränken mich in meiner Mobilität zwar ein, aber dennoch verlief mein Alltag in geregelten, ruhigen Bahnen.

Seit Anfang Mai dieses Jahres als es sich abzeichnete das meine Mutter in ein Altenpflegeheim umziehen würde ist die Beschaulichkeit einer mitunter hektischen Betriebssamkeit gewichen. Mit dem Umzug meiner Mutter in ein Altenpflegeheim, dem damit in der Folge in Zusammenhang anstehenden Verkauf ihres Hauses und vor allen Dingen einer bis zum Verkauf vorübergehenden Inanspruchsnahme des zuständigen Sozialamtes insbesondere der Auseinandersetzung mit den für meine Mutter zuständigen Personen bei div Behörden, Ämtern und Instituitionen bewegt sich mein Leben auf Bahnen die alles andere als ruhig sind.

Solange es sich um die Angelegenheiten meiner Mutter gehandelt hat, insbesondere wenn es Entscheidungen betraf, die mit Hilfe von finanziellen Mitteln wie z.b. Reparaturen die im Haus notwendig waren und ausgeführt werden mußten, erledigt werden konnten war es einfach zu bewerkstelligen. Die Koordination von Terminen und Kooperation wie auch die Kommunikation mit den zuständigen Personen war idr kein Problem da ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt habe „lösungsorientiert“  i.e. den Alltag, alltägliches des Leben betreffend zu handeln.

Mittlerweile hat sich vieles ins Gegenteil verkehrt. Insbesondere was den Umgang mit Ämtern betrifft. Da komme ich mitunter sehr schnell an die Grenzen meiner Geduld. Die Gelassenheit die ich glaubte erlangt zu haben wird da oftmals auf eine harte Probe gestellt. Da spielt es auch keine Rolle das es Bestimmungen – Vorgaben gibt die Angestellte von Ämtern umzusetzen haben. Verzögerungstaktik und hinhalten sowie der Hinweis auf Bestimmungen nach denen man sich zu richten habe die jedewedem gesunden Menschenverstand widersprechen, ist eine beliebte Spielart.

So habe ich dafür zu sorgen das ich den Wert des Hauses zu erhalten habe. Sollten unvorhergesehene Reparaturen notwendig werden die mein Erscheinen vor Ort notwenig machen (die handwerker müssen ja ins haus), so ist dies im Prinzp in Ordnung aber bitte streng nach Vorschrift und vor allen Dingen nicht auf eine Art und Weise die nicht in Übereinstimmung mit den Bestimmungen sind. „Taxifahrten sind nun mal nicht vorgesehn“ Ah und wie komme ich dann in den Ort wo das Haus ist? Auf Grund meiner derzeitigen gesundheitlichen Situation – Gehbehinderung bin ich nicht in der Lage mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren noch habe ich hier die Möglichkeit auf eine Betreuung durch irgend einen Verein? Tja dafür können wir nichts . . . mit dem Taxi geht s auf jeden Fall nicht. Schilda lebt . . .

Vielleicht liegt es aber auch daran das ich mir über all die Jahre nur die Menschen ausgesucht habe mit denen ich zu tun haben möchte. Da ich aber zur Zeit die Unterstützung Anderer brauche bzw auf Unterstützung angewiesen bin, habe ich mit Menschen zu tun, mit denen ich normalerweise nicht im Traum daran würde würde mich abzugeben. Aber wie das nun mal so ist – manchmal hast Du keine Wahl und muß in den berühmten sauren Apfel beißen.

Update

Mittlerweile stelle ich fest das sich auch hier einiges getan – geändert hat. Strictly commercial – business only. Sachlich kühl. Diskussionen waren gestern.

Mit Imbeciles – Paragraphenreitern kann man in der Tat nicht kommunizieren. That s a fact. Glücklicherweise gibt es Menschen die ihr Herz auf dem rechten Fleck haben. Auch in Behörden und Ämter findet man sie.

 

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter A Day in the Life, Gesellschaft, Gesundheit, Leben im Alter, Politik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s