Mit welcher Haltung gehst Du durch s Leben . . . . .


. . . wenn du den verlust sensorischer und motorischer fähigkeiten deines körpers, am eigenen körper wahrnimmst?

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heute hatte ich vorgehabt nach frankfurt zu fahren. die ganze woche habe ich mich darauf gefreut auf die kulinart zu fahren, weil ich dort u.a. menschen pers treffen würde die ich über das internet kennen gelernt habe. das erste was ich wahrnahm als ich heute morgen meine augen aufmachte war ein gefühl das es am besten mit „scheixxe dieser tag ist gelaufen“ zum ausdruck bringt. die nacht hatte ich sehr schlecht geschlafen. 2 mal wachte ich schweißgebadet auf und wechselte mein schweißnasses t-shirt. insofern war es auch nicht verwunderlich das ich erst um viertel nach 8, eine zeit wo ich normalerweise schon auf dem markt bin um einzukaufen, aufwachte. beim versuch aus dem bett zu steigen war dann entgültig klar das ich diesen tag abhaken konnte. meine beine waren weich wie gummi. es brauchte mehrere versuche bis ich auf dem läufer der vor meinem bett lag, auf meinen füßen stand. auf wackligen beinen stehend versuchte ich mein gleichgewicht zu finden was mir nach einigen sekunden gelang. in diesem zustand auf gummibeinen mit rucksack und stock mich durch die besucher einer messe zu schlängeln daran war nicht zu denken.

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auf dem weg zum markt komme ich mit dem taxi immer an einer allee vorbei. die blätter der bäume dieser allee leuchteten in rotgoldgelben farben in der morgensonne. wie gerne würde ich jetzt dort unter den bäumen durch das laub schlurfen und fotografieren.

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der verlust bzw die einschränkung meiner motorischen fähgkeit des laufen hervorgerufen durch eine polyneuropathie in beiden füßen begleitet mich ja schon eine ganze weile. es gibt tage da geht es mit dem laufen besser und es gibt tage da geht es schlicht und einfach nur „bescheiden“. es sind tage wie heute wo ich das was ich mir vorgenommen habe „nach frankfurt zu fahren“ vergessen kann. einen sturz im gedränge der menschen mit einer möglichen verletzung zu riskieren, dieses risiko ist mir einfach zu groß. also bleibe ich zu hause.

mit welcher haltung gehe ich an solchen tagen durch meinen tag? mit welcher haltung gehe ich durch s leben wenn ich den verlust meiner motorik wahrnehme? wenn ich wahrnehme das ich vieles was ich gerne gemacht habe, womit ich mich wohlfühle, das mir spaß gemacht, mir freude geschenkt hat, nicht mehr in der lage bin zu tun?

an solchen tagen bin ich wütend, zynisch, verletzend, traurig. wütend über den verlust meiner muskel in den beinen die sich wie wackelpudding anfühlen. wütend über den verlust meines gleichgewichtssinn der durch die polyneurathie ausgelöst wurde. zynisch und verletzend, als nebenwirkung der wut, gegenüber anderen menschen und auch mir selbst. und irgendwann traurig.

meine grundhaltung ist seit langem von wut geprägt. sie kommt in vielem wie ich mich gebe, zum ausdruck. ob ich schreibe oder mit anderen menschen spreche, je nachdem wie es mir geht kommt meine – die wut zum ausdruck, kommt sie oftmals in dem was ich wie sage, wie schreibe, zum ausdruck.

dieser zustand der einschränkung – verlust meiner motorik „laufen“ ist ein dauerzustand. meinen körper trage ich immer mit mir herum. ihn kann ich nicht ablegen wie n verschwitztes t-shirt das ich gegen ein frisches, trockenes und sauberes austausche. und die wut über den verlust trage ich auch schon ne ganze weile mit mir herum. obwohl ich wahrnehme was wut mir antut (ich mir) und anderen damit antue, das sich wut nicht gut anfühlt, das ich, das zynismus verletzt, andere wie auch mich selbst, ich weiß im moment nicht wie ich diese haltung loslassen kann. ich nehme sie wahr, weiß, fühle was sie mit mir und anderen macht und mache es dennoch.

ernst kenne ich aus dem internet schon ne ganze weile. er hat durch eine gehirnentzündung sein gehör verloren. musik, klassische musik die er sehr liebte kann er heute nicht mehr hören. musik hat für mich einen sehr hohen stellenwert. wenn es mir nicht gut geht so wie heute, dann lege ich eine cd mit musik für zen meditation auf. dies hilft mir immer. ich komme zur ruhe und kann gefühle wie wut die mir schaden loslassen. mir vorzustellen mein gehör zu verlieren, nicht mehr musik hören zu können, schon alleine das ist im grunde genommen unvorstellbar für mich. wenn ich höre und sehe wie ernst damit umgeht . . . alle achtung.

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