Auf dem Amt . . . (1)


. . . oder wie die Fankfurter sagen „Uffm Ämtsche“

Intro

seit einiger zeit bin ich dabei einen umzug von meinem derzeitigen wohnort nach frankfurt am main in die wege zu leiten. die schwierigkeiten dies in die tat umzusetzen liegen in „interpretationen/auslegungen von div kann/soll bestimmungen des sgb xii“ begründet die mitunter so haarsträubend wie schildbürgerlich anmuten aber nichtsdestoweniger realität sind.

bezieher von algII/GSi sozialhilfebeziherIn können grundssätzlich umzehen wohin sie wllen. unabängig davon, ob eine behörde den umzug als notwendig abgesegnet hat oder nicht. quelle: leitfaden algii/sozialhilfe von a-z ausgabe 2011 seite 347

auf den ersten blick ließt sich das gut, doch der teufel steckt wie des öfteren im detail. schon auf den seiten 348/349 wird dann en detail aufgeführt unter welchen bedingungen ein umzug „notwendig“ ist damit das wohnungsamt des neuen wohnortes einen umzug  anerkennt. da heißt es unter anderen . . .

. . . wenn sie einen anderen wichtigen grund haben.

in meinem fall waren die gründe die, das ich zum einen auf grund meiner gesundheitlichen situation auf eine ambulante betreuung angewiesen bin (die mir in meinem derzeitigen wohnort von der hiesigen aids hilfe verweigert wird) und der familienzusammenführung. (meine mutter ist ende juli in ein altenpflegeheim in frankfurt umgezogen). in frankfurt am main kann ich auf das angebot der aids hilfe frankfurt und des frankfurter verbandes zurückgreifen. als eine der wenigen städte verfügt frankfurt über ein eigenes seniorenrathaus das sich nicht nur gezielt um die belange älterer menschen kümmert sondern in einem maß hilfe, dienstleistungen anbietet und koordiniert die man sich im grunde genommen von allen kommunen und stadtverwaltungen wünscht.

kurz und gut das wohnungsamt hat meinen grund akzeptiert und mich als wohnungssuchend für eine öffentlich geförderte und barrierefreie wohnung akzeptiert/registriert. bisher habe ich zwei angebote erhalten die für mich auch fast gepaßt hätten. bei der ersten wohnung lag es an einer badewanne. ich komm zwar so einigermaßen in ne wanne rein aber raus nur mit nem lift oder der hilfe von 5 kräftigen männer. bei der zweiten, sie wär ideal gewesen, lagen die gründe in der unterschiedlichen auffassung bzgl. der kostenübernahme der beteiligten „sozialämter“. das sozialamt das für die grundsicherung im alter für den stadtteil der neuen wohnung in frankfurt zuständig gewesen wäre wird wie auch das sozialamt das für die grundsicherung im alter meiner derzeitigen wohnung fühlten sich beide nicht zuständig was die übernahme der kaution und die übernahme der 1, miete für die neue wohnung betrifft. die kosten für den umzug wird vom derzeitigen sozialamt meines jetzigen noch wohnortes übernommen.

dies ist der standpunkt auf den sich im fall eines umzuges von einer in eine andere stadt nicht wenige sozialämter beziehen. mittlerweile gibt es nicht wenige anhängige verfahren Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung (Eilantrag) bei den div sozialgerichten. das die notwendigkeit eines umzuges in eine behindertengerechte bzw öffetnliche geförderte seniorenwohnung auf grund von interpretationen des sgb außer kraft gesetzt wird und ein antragsteller dadurch in eine prekäre situation kommen kann, ist für die streitenden beteiligten parteien <-> sozialämter, für die politik sekundär um nicht zu sagen unerheblich. das dies tatsächlich der fall ist kommt durch das verabschiedete

„haushaltsbegleichungsgesetz 2011″ und dem „gesetz zur ermittlung von regelbedarfen und zur änderung des zweiten und zwölften buches sozialgesetzbuch“das drastische drastische kürzungen und zahlreiche verschlechterungen im leistungs und verfahrensrecht zur folge hat

zum ausdruck, das unbemerkt an der öffentlichkeit verabschiedet wurde.

risiken einer indirekten regelsatzkürzung birgt eine neue „satzungsermächtigung“ für kommunale sgb ii träger mit weitreichenden kompetenzen für die festlegung der unterkunft und heizkosten. hier ist zu erwarten, das finanziell gebeutelte kommunen und kreise ihre neuen befugnisse dazu nützen werden, um durch kürzunegn bei den wohnkosten zu sparen. quelle: leitfaden  alg ii/sozialhilfe von a-z, frank jäger/harald thomé.

soviel zum vorspiel, zu der aktuellen situation wie sie sich leider immer wieder darstellen kann.

und dann fliegt mir doch das blech wech . . .

in meinem fall passierten „uffm Ämtsche“ an einem donnerstag morgen dinge von denen ich nicht mal im traum daran dachte das es passieren könnte. anfang der woche teilte mir die vermieterin der letzten wohnung mit das man sich auf grund der tatsache das hick hack zwischen den beiden ämtern gezwungen sah den mietvertrag für die 2. wohnung mit einem anderen interessenten abzuschließen. „wir müssen auch an den wirtschaftlichen aspekt denken“ sagte mir die sachbearbeiterin der ein solches „procedere der ämter“ nicht fremd ist. „wir haben aber eine andere wohnung, die für sie genau zugeschnitten ist. da diese wohnung zum 1. dezember frei wird denke ich das wir bis dahin alle probleme aus dem weg geräumt haben werden und wir den mietvertrag mit ihnen abschließen können“. „na ja“ dachte ich so für mich. „hört sich zwar gut an . . . . aber was soll´s. angehen kann ich s ja mal“. der gedanke im winter, möglicherweise bei eis und schnee umzuziehen finde und fand ich alles andere als prickelnd.

10 minuten später hatte ich das wohnungsangebot in meinem postfach. google sei dank fand ich schnell heraus wo die wohnung lag und welches sozialrathaus für mich zuständig sein würde. kurz darauf hatte ich die für mich zuständige sachbearbeiterin am anderen ende der leitung. nachdem ich ihr mitteilte um was es geht fragte sie mich: „können sie morgen früh um 10 uhr bei mir sein? ja sagte ich wenn sie n kaffe für mich haben. das läßt sich einrichten sagte sie lachend.“  das sich diese kommunikation zwischen der sachbearbeiterin vom amt und mir so abspielte lag daran das ihre art und weise und ihre stimme mir signalisierte das sie sehr entspannt war. für mich war klar das sie mich nicht mißverstehen würde.

am nächsten vormittag war ich dann mit all den unterlagen die sie benötige um 10 uhr bei ihr. nachdem wir ca 30 minuten miteinander geredet haben und sie div formulare ausgefüllt hatte, sagte sie das sie meine mitgebrachten unterlagen kopieren gehe. „es wird ne weile dauern bis ich damit fertig bin“ sagte sie.

nach gefühlten 15 minuten kam sie ins zimmer und gab mir meine unterlagen zurück. „ach“ sagte sie so nebenbei, „ich hab grad mit meiner chefin gesprochen. wir übernehmen die restkaution und auch die miete ab dem 1. monat.“ ich glaubte meinen ohren nicht zu trauen, und schaute sie völlig entgeistert an. „ich weiß gar nicht was ich sagen soll“, sagte ich fassungslos zu ihr. ich hatte mit vielem gerechnet aber nicht damit.

sie saß derweilen lächelnd am pc und war dabei die kostenzusage, die für das zustandenkommen des mietvertrages zwischen der wohnungsbaugesellschaft und mir bedingung war auszufüllen.

„so“ sagte sie. „hier ist ihre zusage der kostenübernahme für miete (anteilige leistung des leistungsträgers da ich eine kleine bfa rente beziehe) und die restkaution. (mehr als die hälfte der kaution für die neue wohnung würde ich von meinem derzeitigen vermieter bei auszug erhalten die ich direkt an das neue sozialamt überweisen werde) es ist eine vorläufige zusage. wenn sie den mietvertrag unterschrieben haben sagen sie bescheid. dann werden wir ihnen den bescheid über laufende leistungen nach dem sgb xii – grundsicherung im alter und bei erwerbsminderung – ausfertigen. das ist dann nur noch eine pro forma angelegenheit da alles im grunde jetzt schon geklärt ist.

noch völlig hin und weg von ihrem – dem entgegenkommen des „ämtsche“ packte ich alles ein, stand auf, schaute sie an und nahm sie spontan in den arm. danke sagte ich . . . .

das dieser tag sich so entwicklen würde, daran hätte ich nicht im traum gedacht. dieser donnerstag fing gut an. dieser tag fühlte sich gut an . . . .

* * *

Update 15. Nov 2011

Am Montag den 14.11. habe ich die Info bekommen das ich die Wohnung bekomme. Da einige Renovierungsarbeiten seitens Vermieters anstehen werde ich den Mietvertrag im Dezember unterschreiben. Der Ein/ Umzug wird höchstwahrscheinlich am 1. Februar stattfinden. Obwohl es ein SeniorenUmzug werden wird, graut mir ein wenig davor. es wird ein verdammt langer,anstrengender Tag werden . . . . .All in all ich freue mich da alle meine Ärzte und vor allen Dingen meine sozialen Kontakte in Frankfurt sind.

Hier in Darmstadt meinem derzeitigen „Noch Wohnort“ hat sich auch ein Kreis geschlossen. Unter diesem Aspekt war und ist es auch sinnvoll das ich weiter, um-ziehe. Jetzt, in meinem Alter wieder nach Frankfurt zu ziehen ist auch gleichbedeutend damit das ein großer Kreis, der noch offen ist geschlossen wird. Diesen Kreis zu schließen wird im Gegensatz zu all den anderen offenen Kreisen die zu schließen waren nicht schmerzhaft sein. Es wird eine Art Reminiscing sein, all die Stätten meines Tun und Handelns aus der Vergangeheit zu begrüßen, mich lächelnd zu erinnern und meinen Frieden mit meiner Vergangenheit, die wilder als ein B Movie aus Hollywood war, zu schließen. Es ist eine völlig neue Erfahrung für mich das ich dem Schließen eines Kreises mit Spannung und Freude entgegensehe.

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5 Antworten zu Auf dem Amt . . . (1)

  1. tuya salina schreibt:

    Hurraaa!?! Huch, da haste jetzt echt ne Wohnung und dann noch auf einmal so zackig und so lieb? En Ämtsche zum knuddeln?? Wunderbar.
    Und ich dachte das gibt es nur hier, bi eus i de Schwiiz.

    Gratuliere herzlich
    deine Freudensgenossin

    Tuya

  2. alivenkickn schreibt:

    da hat der wilhelm busch, der überraschungsliebende, mal wieder zugeschlagen. 1. kommt es anders und 2. als man denkt . . . 🙂

  3. Jan Wisser schreibt:

    Glückwunsch, dass du es geschafft hast dich durch den Paragraphenjungel zu kämpfen. 😉 Warte jetzt schon geschlagene 6 Monate auf meinen WBS. Ich sage nur ÄMTER :O

    Gruß Jan

  4. alivenkickn schreibt:

    Hallo Jan
    das es mit dieser Wohnung und ganz besonders auf diesem Amt so endete, das hätte ich in meinen kühnsten träumen nicht gewagt zu träumen. innerlich hatte ich mich auf: „na ja das wird auch nicht klappen“ eingestellt. als die sachbearbeiterin dann von sich aus sagte das alles ok geht, das war wie weihnachten und ostern auf einen tag. um es mal bildlich auszudrücken.
    meine erfahrung mit ämtern ist grundsätzlich „positiv“.

    lg alivenkickn

  5. Jan Wisser schreibt:

    Hmmm,

    dann hast du wohl mehr glück wie ich was dieses Thema angeht 😉 Dann wünsche ich dir auf jedenfall viel Erfolg in der Stadt. Fall du noch Tipps für die Freizeitbeschäftigung benötigst guck einfach mal unter dem Link nach 😉

    LG Jan Wisser

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