. . . das kann´s doch nicht gewesen sein . . . (akt 1)


eigentlich . . . war mir schon vor zwei jahren klar das es damals, 2009 an der zeit gewesen wäre nach frankfurt umzuziehen. eigentlich. aber wie das nun mal so ist, schon bei dem gedanken an s packen und die ganze schlepperei, habe ich s von mir weggeschoben. schon damals hatte ich probleme mit dem laufen und dem treppensteigen. es ging zwar mühsam aber ich konnte ohne hilfe die stufen in eine strassenbahn oder einen zug bewältigen. also habe ich den umzug wieder besseres ahnen vor mir hergeschoben, mir gesagt, na ja es geht ja noch. und ausserdem  . . . auf diese packerei und schlepperei habe ich echt keinen bock . . . .

* * *

in den monaten juni bis august 2010 hatte ich an einem muskelaufbautraining, das durch die kk teilfinanziert wurde teilgenommen, sodaß es mir möglich war zur pobe 2010 in bielefeld zu fahren. im september 2010 hatte ich eine reha beantragt, dessen entscheidung vom mdk durch die anforderung von immer skurrileren gutachachten soweit hinausgezögert wurden, bis die reha im februar 2011 vom mdk mit einer fadenscheinigen von realitätsverlust geprägten begründung (sie können ja jetzt wieder eine ambulante therapie in anspruch nehmen) letztendlich abgelehnt wurde. der grund der ablehnung lag einzig und allein in den kosten begründet. durch die intensiven täglichen therapeutischen maßnahmen die während einer reha von 4 – 6 wochen stattfinden, hätte sich mein körperlicher zustand erheblich ge-verbessert. diese erfahrung habe ich schon zweimal gemacht. die möglichkeit einen widerspruch gegen die ablehnung einzulegen war durch eine entwicklung im familiären bereich nicht möglich, da diese in der folge ein zügiges handeln meinerseits erforderlich machte.

* * *

heute, zwei jahre später habe ich keine andere wahl mehr. die frage nach bock oder nicht bock stellt sich nicht mehr. heute hat mich die realität eingeholt. die eine stufe in eine strassenbahn einzusteigen, geschweige denn 3 stufen in einen zug einzusteigen sind mir unmöglich geworden. trotz medikamente ist das laufen beschwerlicher geworden. heute brauche ich wenn ich ehrlich bin hilfe um meinen alltag zu bewältigen. hilfe, unterstützung z.b. für die alltäglichen erledigungen kann ich mir weder leisten, geschweige denn das ich hier wo ich wohne auf ein hilfsangebot einer aids hilfe z.b. zurückgreifen kann. zwar kann ich mich in meiner wohnung bewegen, mich selbst versorgen <-> kochen, die wohnung in ordnung halten, das funktioniert. schon für das einkaufen benötige ich zumindest hier wo ich jetzt noch lebe hilfe und unterstützung.

nur damit keine mißverständisse aufkommen. es geht hier um alles andere als eine schuldzuweisung. weder im sinn „die anderen sind schuld daran“ geschweige denn „ich bin ja selbst dran schuld. warum bin ich nicht rechtzeitig umgezogen als ich noch körperlich einigermaßen fit war.“ ich glaube das jeder hin und wieder mit situationen konfrontiert wurde von denen man später sagt „warum habe ich nicht auf meine intuition gehört, warum habe ich mich nicht rechtzeitig um dieses oder jenes gekümmert . . . „. unabhängig wie alt man wird, mit solchen situationen sieht man sich immer mal wieder konfrontiert.

dank der unterstützung der ah frankfurt wurde mein umzug vom wohnungsamt frankfurt auf grund meiner gesundheitlichen situation als notwendig erkannt. auf grund der auslegung der gesetzlichen bestimmungen des sgb ii bzw sgb xii wird sich ein umzug nach frankfurt wenn ich pech habe um monate verzögern. die ursache liegt nicht an einem mangelndem wohnungsangebot, an einem umzug in eine seniorengerechte barrierefreie wohnung.

die öffentliche diskussion um die regelsatzhöhe und mickrige sachleistungen für kinder  hat verdeckt, dass mit dem „haushaltsbegleichungsgesetz 2011“ und dem „gesetz zur ermittlung von regelbedarfen und zur änderung des zweiten und zwölften buches sozialgesetzbuch“drastische kürzungen und zahlreiche verschlechterungen im leistungs und verfahrensrecht verabschiedet wurden.

risiken einer indirekten regelsatzkürzung birgt eine neue „satzungsermächtigung“ für kommunale sgb ii träger mit weitreichenden kompetenzen für die festlegung der unterkunft und heizkosten. hier ist zu erwarten, das finanziell gebeutelte kommunen und kreise ihre neuen befugnisse dazu nützen werden, um durch kürzunegn bei den wohnkosten zu sparen. quelle: leitfaden  alg ii/sozialhilfe von a-z, frank jäger/harald thomé.

die ablehnung von leistungen des leistungsträger an einem neuen wohnort bei einem umzug selbst wenn die notwendigkeit eines umzuges begründet ist und ihr stattgegeben wurde, ist vorprogrammiert. sich zu wehren, die möglichkeit der hilfe der sozialgerichte in anspruch zu nehmen das werden die wenigsten wissen bzw auch umsetzen.

das ist die eine seite. was bleibt ist dann aber immer die eigene pers situation – meine situation. wenn ich s mir recht überlege dann wäre auf grund meiner situation die einzige möglichkeit der um/einzug in ein pflegeheim. hier wohnen zu bleiben, mich hier selbst mit dem alltäglichen zu versorgen, das einkaufen, der gang zur apotheke oder die fahrt nach frankfurt zu meinem arzt, das ist mir auf grund der unmöglichkeit der inanspruchnahme der öffentlichen verkehrsmittel schlicht und einfach zur zeit nicht mehr möglich.

natürlich wäre es jetzt ein einfaches zu sagen das wir, menschen mit hiv und aids – wieder einmal diskriminiert werden. ich findes es ist an der zeit das wir – menschen mit hiv und aids – uns mal überlegen sollten ob und warum wir immer so schnell zu diesem totschlagargument greifen. das soziale klima in deutschland hat sich für große teile der bevölkerung seit dem schwarzhaargefärbten brioniträger verschlechtert. wir sind im gegensatz zu menschen mit anderen chronischen krankheiten um einiges besser aufgestellt und organisiert. das beharren auf unserer „einzigartigkeit“ in sachen diskriminierung mutet mitunter sehr befremdlich an. ein wenig mehr reflektion wäre  mitunter so notwendig wie angebracht.

* * *

Update 10.Oktober 2011

auf eine kleine anfrage der abgeordneten dr. barbara höll u.a. und der fraktion „die linke“ betreffend „zur sozialen und gesellschaftlichen integration von hiv-positiven menschen“ BT-Drs 17/7049 antwortet der parlamentarische staatsekretär hans-joachim fuchtel des bundesminsiteriums für arbeit und soziales wie folgt: kleine anfrage und antwort bmas

seine vorgesetzte bundesschwafelministerin Ursula „ach wie ich leide weil mich keiner versteht“ v. d. Leyden scheint der meinung zu sein das hiv positiv gleichbedeutend damit ist das menschen die hiv + sind was am kopp haben müssen. anders kann ich mir solchen dummschwatz nicht erklären oder und dies will ich nicht ausschließen – frau von der leyden hat von dem alltag der menschen mit einer chronischen krankheit – menschen mit hiv bzw menschen die mit haartz iv leben nicht die bohne ahnung. ihr letztes projekt das (Bildungspaket) ist ein beredtes beispiel ihrer ahnungslosigkeit.

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3 Antworten zu . . . das kann´s doch nicht gewesen sein . . . (akt 1)

  1. tuya salina schreibt:

    Phuuu mein Lieber Schwan!
    Dass das alles bei euch in Deutschland soooo extrem schwierig ist. Es tut mir echt leid, dass der Paragraphenstress bei dir kein Ende zu nehmen scheint. Da steht der Winter vor der Tür und du solltest doch gut versorgt werden. Macht mich gar nicht glücklich solches zu hören. Und der Spruch: „Bei uns in der Schweiz wäre sowas nicht möglich.“ nützt dir ja auch nichts.
    Auf alle Fälle, na du weisst schon. Ich wünsch dir von Herzen alles Gute. Und zeigs denen. Es muss doch jemand geben, der die Sache für dich in die Hand nimmt und den Staat an der Nase.

    Liebe unbeholfene Grüsslein aus der Schweiz

    Tuya

  2. Dirck schreibt:

    lieber wolfgang,
    fühl dich mal gedrückt. mein rat wäre, beim VDK mal einen beratungstermin zu vereinbaren, um evtl. unterstützungsmöglichkeiten und auch rechtsmittel zu besprechen.

    herzlich
    dirck

  3. alivenkickn schreibt:

    liebe tuya, lieber dirck,
    danke für euer feedback. eure anteilnahme tut gut – weil manchmal frag ich mich schon „für wen außer mir zum teufel schreib ich da eigentlich“? dabei geht s mir nicht nur um die eigene psychohygiene oder um fishing for whatever sondern ich behaupte mal das ich nicht der einzige in einer solchen oder ähnlichen lage bin.

    zwar schreibt die dah z.b. über das thema „depression und hiv“ aber ich vermisse das „persönliche“, den einen oder anderen menschen der da schreibt wie es ihm geht. was aus der communitiy kommt ist mir zuviel „hoppsassa und tralala“ oder „politische lageberichte“.

    lieben gruß alivenkickn

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