HIV und Kinderwunsch . . . .


Am 9. September wurden die Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch (pdf Datei) auf der DAIG-Mitgliederversammlung verabschiedet.

Die Empfehlungen stellen die ersten, deutschsprachigen, einheitlichen Richtlinien zur Behandlung HIV-diskordanter Paare (nur ein Partner ist HIV-infiziert) mit Kinderwunsch dar.

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In Deutschland sind derzeit ca. 70.000 Menschen HIV-positiv, davon etwa 19 % Frauen (Österreich: 7.500 HIV-Infizierte, Frauenanteil 30%) Seit 1996 haben die verbesserten Therapiemöglichkeiten die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich erhöht, die nun ähnlich ist wie bei anderen chronischen Erkrankungen. Dies bringt für viele Menschen auch die Möglichkeit der Entwicklung langfristiger Lebensplanungen in Bezug auf Ausbildung, Beruf und Familie mit sich. Da 75 % der HIV-Positiven zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, gehört dazu oft auch der Wunsch nach einem Kind. Weltweit weisen Studiendaten auf Bedeutung und Häufigkeit des Kinderwunsches bei Menschen mit HIV hin, die z.B. in der Schweiz der Häufigkeit in der Normalbevölkerung entsprechen kann.

Bei der Verwirklichung des Kinderwunsches bei Menschen mit HIV, bzw. deren gesunder nicht HIV-positiver Partner, müssen der Verlauf der HIV-Infektion, das Infektionsrisiko für die HIV-negative Partnerin bzw. den HIV-negativen Partner und für das entstehende Kind berücksichtigt werden. Der Fertilitätsstatus und einige soziodemographische Faktoren wie z.B. Alter und Familienstand spielen ebenfalls eine Rolle.

Grundsätzlich ergeben sich aus dem Kinderwunsch HIV-betroffener Paare drei Konstellationen mit unterschiedlicher Problematik:

  • Ist der Mann HIV-positiv, muss der Infektionsschutz der HIV-negativen Partnerin berücksichtigt werden.
  • Ist die Frau HIV-positiv, müssen neben dem Infektionsschutz des HIV-negativen Partners auch das Infektionsrisiko des Kindes berücksichtigt werden.
  • Sind beide Partner HIV-positiv, muss das Infektionsrisiko des Kindes ebenso berücksichtigt werden wie die etwaige Vermeidung der Übertragung resistenter Viren zwischen den Partnern.

Quelle: Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch
(pdf Datei)

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Wie? Was? Wird sich der Eine oder die Andere jetzt fragen. Wieso schreibt´ n der über HIV und Kinderwunsch? Der is doch gar nich in ner Beziehung. Und ausserdem is der eh nur am meckern, am provozieren. Was soll n das nu wieder?

Warum ich dieses Thema aufgreife ist im Grunde genommen ganz einfach.

Diskordante Paare (nur ein Partner ist HIV-infiziert) haben das gleiche Recht auf einen Kinderwunsch, auf Kinder wie ein Paar von denen keiner von Beiden HIV positiv ist.

Dr. Annette E. Haberl bringt es auf den Punkt.

Kinderwunsch ist etwas ganz Normales. Äußern HIV-positive Frauen ihn, stößt das allerdings auf Unverständnis. Alles schon schlimm genug und dann noch ein Kind? Dabei geht man heute davon aus, dass bei entsprechender Therapie die Lebenserwartung HIV-infizierter Menschen nicht eingeschränkt und das Risiko einer Infektion des Kindes gering ist. Es bedarf einer öffentlichen Diskussion, um Vorurteile abzubauen und Schwangeren und Müttern mit HIV ein normales Leben zu ermöglichen. Quelle:HIVandMore

Das Bild von Menschen mit HIV in der Gesellschaft ist trotz aller Bemühungen im Rahmen der Aufklärung wie auch auf Grund der Behandelbarkeit mit Medikamente (HIV ist dank der zur Verfügung stehenden Medikamenten zu einer chronischen Krankheit geworden) alles andere als optimal. Eine öffentliche Diskussion in Gang zu bringen ist nach wie vor ein schwieriges Unterfangen. Soziale Netzwerke wie Facebook, Google+, Blogger sind ein Weg Informationen, Sachverhalte zu kommunizieren. Das Groß der Bevölkerung zu erreichen in der Hoffnung das es sich der Mühe unterzieht gemäß des auch in unserer Zeit gültigen Rechtsgrundsatzes  „Audiatur et altera parsMan höre auch die andere Seite“  zuzuhören, gestaltet sich jedoch nach wie vor äußerst schwierig. Die Print Medien könnten dazu einen erheblichen Beitrag leisten. Jedoch sind sie an solchen Empfehlungen alles andere als interessiert. Welcher „Jubelperser State of Mind“ bei den meisten Journalisten zur Zeit herrscht, spiegelte die Berichterstattung über den Besuch des Papstes nur zu deutlich wieder.

Schon aus diesem Grund ist den Beteiligten die an der Ausarbeitung dieser Empfehlung gearbeitet haben nicht genug zu danken. Frauen wie Ulrike Sonnenberg-Schwan die sich seit Jahren dafür einsetzen die gesundheitliche Situation von Mädchen und Frauen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu verbessern muß an dieser Stelle (stellvertretend für alle Anderen MitstreiterInnen) für ihren Einsatz „ein Stück Normalität im Leben von Menschen mit HIV“ einfach mal DANKE gesagt werden.

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